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Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land. Roman von Uwe TellkampGebundene Ausgabe von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 24,80, Angebote ab EUR 19,49 ![]() 3 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3518420208, Erscheinungsdatum: Sept. 2008, Auflage: 1 |
5 Kundenrezensionen:Besser als jede Schlaftablette 1 von 5 PunktenIch habe dieses "Werk" geschenkt bekommen - und dem Schenkenden zu dessen Entsetzen erst einmal die Ouvertüre vorgelesen.... Dann hatte ich die Hoffnung, dass im Verlauf der nächsten Seiten sich der Stil bessert oder dass sich eine wenigstens rudimentäte Handlung oder doch irgendeine Aussage herauskristallisiert: Die Hoffnung wurde enttäuscht. Endlossätze, wirres Gestammel und eine affetkierte Interpunktion machen das Lesen darüberhinaus zur Qual. Aber wenn man jeden Satz dreimal lesen muss, um ihn annähernd zu verstehen, dann muss es ja wohl gehobene Literatur sein. Vermutlich ging es den Juroren des Buchpreises genauso: ich habe den Veracht, dass keiner von Ihnen das Buch zu Ende gelesen hatte, aber niemand sich getraut hat, das zuzugeben. Anders ist die Vergabe eines Preises nicht zu erklären. Fazit: das Buch wird in unserer Altpapiertonne landen. Der Turm 2 von 5 PunktenDer Anfang des Romans verlangt vom Leser die Umstellung auf Endlossätze mit gewaltigen bildträchtigen Wortschöpfungen. Hat er sich darauf eingelassen, kämpft er sich zunächst optimistisch durch den Dschungel der einzelnen Schauplätze und bemüht sich, die zahlreichen Gestalten kennenzulernen. Dann beginnt das große Warten auf einen Handlungsstrang. Immer neue Momentaufnahmen reihen sich hintereinander, aber wo bleibt der rote Faden? Hin und wieder keimt vergeblich Hoffnung auf, einen zu entdecken, aber dann reißt er wieder und macht neuen Bildern Platz, die wie aus dem Zusammenhang gerissen auftauchen. Vergeblich blättert man ein paar Seiten zurück, um sicher zu sein, nichts überlesen zu haben. Schließlich wird der Leser ärgerlich und geht zum Diagonallesen über. Wer sich ein Bild der untergehenden DDR machen will, ist hier im falschen Buch. Mag sein, dass einige Intellektuelle die DDR so erlebt haben, für den "normalen Sterblichen" ist das kaum nachvollziehbar. Als Informationsquelle kann dieses Buch also kaum dienen. Als Roman eigentlich auch nicht. Anerkennen muss man allerdings das besondere Talent des Autors, bildreiche Worte in kunstvollen Satzgefügen niederzuschreiben. Vielleicht versucht er es ja eines Tages noch mal mit einem "richtigen" Roman. Sehr empfehlenswert, weiß nicht, wie es auf DDR-unerfahrene Leser wirkt 5 von 5 PunktenDieses Buch empfehle ich allen, die mit der DDR noch in Kontakt gekommen sind. Sei es auch nur, so wie ich, als Kind und damit später durch die Erzählungen meiner Eltern. Ich weiß nicht, wie andere Leser dieses Buch wahrnehmen. Ich freue mich auf die Diskussionen mit meinen Bekannten darüber. Für mich schon mal sehr positiv: dieses Buch regt dazu an! Mich hat dieses Buch ausgesprochen lebendig in die damalige Gesellschaft und in die Familie wie in eine andere Welt versetzt. Diesbezüglich vergleiche ich dies mit Franzens "Die Korrekturen" oder ja, auch mit den Buddenbrooks. Diese Welt ist sehr intensiv, sehr detailliert beschrieben. Dieses Buch ist denkbar ungeeignet um nach einem harten Arbeitstag mal schnell noch 3 Seiten im Bett zu lesen. Es kommt mit einer derartigen Sprachgewalt daher, die für mich auch teilweise zu lyrisch ist. Ich wage die Behauptung, dass Uwe Tellkamp absichtlich die ersten 100 Seiten als einen Vorraum zu einer Galerie verfasst hat: "Kommt herein, gewöhnt Euch an die Ruhe, lernt wieder intensiv wahrzunehmen." Wer sich daran artig hält, ohne ängstlich wieder hinauszulaufen, der wird reichlich belohnt! Meine Belohnung war eine mögliche Antwort auf die Frage, wie hätte meine Jugend in diesem System aussehen können. Außergewöhnlich und glanzvoll 5 von 5 PunktenEs ist in der Tat so, dass Literatur häufig wirklicher ist als die Realität. Einen Beweis bietet das außergewöhnliche Buch von Uwe Tellkamp. Nicht nur ist es eine glanzvolle literarische Leistung - "Der Turm" ist das wohl bedeutendste Buch, das in den letzten Jahren erschienen ist, es ist auch ein "Geschichtsbuch" der Extraklasse. Und der Deutshce Buchpreis 2008 war ausnahmsweise einmal merh als verdient. Die Geschichte vom Untergang der DDR und des real existierenden Sozialismus' muss an dieser Stelle nicht nacherzählt werden. Tellkamp lesen aber heißt, wissen wie es war. Anhand des Mikrokosmos Dresden erkennt der Leser den "Makrokosmos" DDR. Und die Protagonisten des Romans sind ausgezeichnete "Repräsentanten" dieser - wenn man so will - beschriebenen Epoche. Das allein rechtfertigt bereits den Enthusiasmus, der bei der Lektüre aufkommt. Wer dann noch eigene biographische Erfahrungen hat, ist schließlich im wahrsten Sinne mittendrin in der Geschichte. PROMISE LAND 4 von 5 PunktenAngesichts der überbordenden DDR-Nostalgie, die das versunkene Land mittlerweile in allen Farben des Regenbogens und mit durch die Luft fliegenden, gebratenen oder gesottenen Hühnchen zeichnet, und die Zeichner in Massen mit (mehreren) Tränen in mehreren Knopflöchern, sich gegenseitig im Chor (mit dem Text "KEIN SCHÖNER LAND IN DIESER ZEIT") an Lautstärke zu überbieten suchen, möchte ich Uwe Tellkamp alle verfügbaren Hände schütteln!!! Durchforstet man die Leserzuschriften der Zeitungen aus den NEUEN Bundesländern, stockt einem der Atem. Stammte ich nicht von dort, ich würde glauben, dieses "PROMISE LAND" sei eine gemütliche Kleingartenanlage mit Freibierausschank, täglich kostenfreien Banketts und immerwährendem Sonnenschein. Tellkamp, ein waschechter DDR-Bürger, hat mit diesem Werk erhebliches, und nicht zuletzt gegen diese Verklärung geleistet! Offensichtlich ist es für Ost-Intellektuelle noch nicht "IN" linkslastige Propaganda nach oder vor zu plappern. Er beschreibt die Komplett-Marode detailgetreu, ja genussvoll genau und schildert mit Bildgewalt das Wachsen der Empörung. Einer Empörung, die letztendlich, vom Fehlen russischer Rückendeckung begünstigt, das Ende dieses damals noch verhassten Staatsgebildes einleitete. Ich möchte ihm zu rufen : "Bravo, Uwe!" und kann niemanden verstehen, der sich einen Wälzer dieses Ausmaßes kauft, um danach erstaunt fest zu stellen, dass er fast 1000 Seiten enthält. Wer es gerne etwas rockiger, unterhaltsamer und kurzweiliger hat, dem sind eher Bücher geringeren Umfangs zu empfehlen. Zum Beispiel der (allerdings nicht immer jugendfreie) Roman von Tim Weidner: "Der verliebte Koch"!!! od. DBC Pierre: "Jesus von Texas". |
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Traurige Tropen von Claude Levi-StraussTaschenbuch von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 14,00 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3518278401, Erscheinungsdatum: Dezember 2008, Auflage: Neuauflage. |
5 Kundenrezensionen:"Wie der Indianer im Mythos bin auch ich so weit gelaufen, wie die Erde es zulässt," 5 von 5 Punkten"Wie der Indianer im Mythos bin auch ich so weit gelaufen, wie die Erde es zulässt, und am Ende der Welt angekommen, habe ich die Wesen und die Dinge befragt und die selbe Enttäuschung erlebt wie er." "Er stirbt unverzüglich im Besonderen" und lebt unmittelbar wieder auf, wenn er "zwischen zwei Ideen, Eindrücken oder Empfindungen, zwischen zwei Büchern eines Autors oder zwei Bildern ein und desselben Malers eine tiefe Verbindung entdeckt". Verbindungen entdecken, - wie hier die Schilderung von Marcel Proust zeigt-, galt auch für Claude Levi-Strauss (1908-), der just die 100 erreicht und nunmehr seit einigen Tagen überschritten hat. Sein Ruhm und sein Glanz wurde erneut beschienen, diesmal von all den Lobesreden auf einen der bedeutendsten Anthropologen und Ethnologen, im Alter ein Kronzeuge eines Jahrhunderts, ein Intellektueller alter Tage und wie dieses Buch zeigt, ein Belletrist der Wissenschaft. "Ich verabscheue Reisen und Forschungsreisende" ist der Anfang eines Werkes, einer romantischen Elegie über den Untergang der westlichen Kultur, ein Anfang, der den Leser nichts als neugierig macht, warum der Abscheu ursächlich für soviel Erkenntnis aus dem brasilianischen Tropenwald erzeugen sollte. Es ist in der Tat kein Reisebericht im eigentlichen Sinne und doch ist es einer, der eine Forschungsreise verlebendigt durch die nun hier veröffentlichen Gedanken, Gedanken die geprägt von der Ambivalenz Mensch und Natur, die in den Sinneswahrnehmungen verdeutlichen, mit welchen "Schmutz, [mit dem] wir das Antlitz der Menschheit besudelt haben" Und diese Herkunft all des Negativen, diese Verwüstung von Landstrichen, diese egoistische Beherrschung der Welt ist für ihn nur aus einer Stammeskultur entstanden: der Zivilisation. Und um sich im Dschungel von Tatsachen und Widersprüchen, im Dschungel der natürlichen Welt und ihrer Bewohner zurechtfinden zu können, benötigt der zivilisierte Mensch Kenntnis von Mythen, von symbolischen Handreichungen. All diese Mythen, so Levi-Strauss, folgen Pattern, wie Mircea Eliade es auch festschrieb. "Traurige Tropen" hat etwas untröstliches, das ursprüngliche Leben gilt nicht mehr, sie sind vom Abschiednehmen übermächtig bestimmt und ihr Zeichen ist der Tod. Zur Strecke gebracht und aufgescheucht in die Slums der Großstädte, so sieht er die Einwohner sterbender Gebiete. Rationalismus ist für ihn der Täter, der keine Gnade kennt vor den Geheimnissen dieser Welt. Eine gereizte, überreizte Zivilisation stößt vor in die letzten Bastionen der Frische der Natur und diktiert den noch notwendig letzen Abschiedsbrief. Adresse: die ganze Menschheit. Die Welt begann ohne Menschen und wird wohl so enden. So die Fado-Melodie aus den brasilianischen Tropen, neun Kapitel wie die Struktur eines Requiems. Der Großmeister des Strukturalismus hat an alles gedacht. Und so auch das Ende, in dem er Hoffnung zulässt in der Selbstreflektion der Modernen: "Alles ist verloren, doch nichts ist verspielt. Wir können alles von vorn anfangen." Mit Rousseau im geistigen Gepäck träumt er von einer "brüderlichen Menschheit" gegen den Verfall. Das war 1955. Sein Werk will verhindern, den letzen Stein zu setzen, um das eigene Gefängnis zu schließen. Noch heute. ## Faszinierende Mischung aus Reisebericht, Autobiografie, ethnologischem Handbuch und philosophischem Traktat 5 von 5 PunktenAuf der Suche nach der ursprünglichen Gesellschaft, die noch nicht durch die Zivilisation deformiert und zerstört worden ist, stieß der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss in den 1930er Jahren auf die Ureinwohner Brasiliens. Unter abenteuerlichen Bedingungen bereiste er die Mato-Grosso-Hochebene in Zentralbrasilien, wo er verschiedene Indianergruppen besuchte. Mit wissenschaftlicher Gründlichkeit analysierte er ihre Lebensweisen und Gesellschaftsstrukturen. Lévi-Strauss glaubte, dass alle Gesellschaften auf einer gemeinsamen Grundlage aufbauen. Die Erforschung dieser ursprünglichen Strukturen menschlicher Gesellschaften stellte er ins Zentrum seines Schaffens und knüpfte damit an das Denken Rousseaus an. "Traurige Tropen" ist eine faszinierende Mischung aus Reisebericht, Autobiografie, ethnologischem Handbuch und philosophischem Traktat. Die kurzweilige Lektüre entführt den Leser in die brasilianische Tropenwelt vom Anfang des 20. Jahrhunderts und ermöglicht einmalige Einblicke in eine heute in Vergessenheit geratene Kultur. Ethnologie auf die leichte Art 4 von 5 PunktenLévi-Strauss beschreibt in diesem Buch seine erste Reise als Ethnograph zu den brasilianischen Indios. Spannend, mitreissend, romanhaft erzählt er von der Reise ins Innere Brasiliens. Ganz nebenbei präsentiert er seine Forschungsergebnisse. Ein Buch, bei dem man ganz viel lernt, ohne sich durch den Fremdwörterdschungel kämpfen zu müssen. Und ausserdem noch unterhaltsam... Übrigens: Empfehlenswert ist auch der Fotoband: Brasilianisches Album, der Fotos der gleichen Reise zeigt. Zurück zur Natur! In die heile Welt der Guten Wilden Brasiliens! 4 von 5 PunktenKönnen moderne, aufgeklärte Menschen, die scheinbar für alles, was in der Natur vorgeht, eine Erklärung parat haben, auch wenn diese noch so banal ist, die ihr Leben in einer fremdbestimmten Zivilisationsform in der Einförmigkeit eines irgendwie lebbaren Alltags eingeordnet haben, von einem solchen Buch profitieren? Einem Buch, dass den guten Wilden sozusagen demütig beschreibt und insgeheim damit preist, denjenigen, der aufgrund der ihn überwälzenden modernen Zivilisation dem Untergang schon gewidmet ist? Jedenfalls war diese Buch und all die Forschungen Claude Lévi-Strauss' über die Naturvölker Brasiliens für die 60er Jahre und mithin für die 68er Bewegung ein wichtiger Hinweis für die Tatsache, dass der verfügbare, verführbare Mensch durch Aufklärung und Humanismus, durch festgeschriebene Menschenrechte allein nicht einfach nur gut wird. Lévi-Strauss zeigte in diesem Buch, dass Naturvölker vielleicht gesünder und zufriedener leben, trotz ihrer Einfachheit in Lebensführung und Alltag, trotz ihres Glaubens an Naturdämonen und -götter; einfach aus ihrem eigenen, viel natürlicheren Verständnis und Perspektive auf sich selbst und die Natur. Dass wir sie mit unseren Brillen aus Wissenschaft, aus Fortschrittsgeist und ständig sich selbst überrundender Modernität einfach immer nur falsch sehen, auf falscher Grundlage und aus falscher Perspektive. Nämlich aus unseren eigenen, verkürzten Ansichten und Wissenschaftsmeinungen über uns und sie. So wurde das Buch von Claude Lévi-Strauss Initialie zum Siegeszug von Bewegungen wie Ökologie und Naturschutz. Ein Buch, das auch heute nichts, aber auch gar nichts an seiner Aktualität verloren hat. Man denke nur an Hurricans, an Unwetter in allen Teilen der Welt, an schmelzende Polkappen, an Verschmutzung, an Überbevölkerung usf. Also ein hoch aktuelles Buch in seiner tiefgehenden Wahrheitssuche. ein bezeichnender titel 5 von 5 Punkten„Ich verabscheue Reisen und Forschungsreisende".Mit diesem ersten Satz seiner Ethnographie über mehrere zuvor getätigte Forschungsreisen nach Brasilien ist die Neugier des Lesers geweckt.Und anhand dieses Ausspruchs wären wir schon inmitten der Beweggründe Levi-Strauss' diese Ethnographie zu schreiben. Für ihn geht es in erster Linie um den Wert der Botschaft, welche durch seine Forschungsreisen verdeutlicht werden soll. Durch falsche Berichterstattung und gewollte Effekthascherei kann der Leser diesen Wert oft nicht erfassen, er wird meistens überschwemmt mit einer Flut von Bildern (z.B. in Form von Reiseberichten), die seine Kritikfähigkeit ermüden lassen, das intensive Studieren - oftmals mehr als mühevoll - auf der Suche nach Wahrheiten bleibt dabei im Hintergrund. Und genau um diesen letzten Punkt geht es Levi-Strauss bei seinen Expeditionen in das Innere Brasiliens. Das in neun Kapitel gefasste Werk beginnt mit der Beschreibung des Aufbruchs nach Brasilien 1941. Levi-Strauss macht hier deutlich, welche Gedanken ihm währenddessen durch den Kopf gehen. Auch hier lässt sich wiederum eine Verbindung zu dem Zitierten herstellen. Levi-Strauss erklärt, warum er Reisen verabscheut, denn diese zeigen den „Schmutz, mit dem wir das Antlitz der Menschheit besudelt haben" .Hierbei spielt er auf das Problem der Zivilisation an welche in Massen erzeugt wurde, heutzutage ist nahezu keine Unberührtheit mehr vorzufinden. „Nie wieder werden uns die Reisen, Zaubertruhen voll traumhafter Versprechen, ihre Schätze unberührt enthüllen. Eine wuchernde, überreizte Zivilisation stört für immer die Stille der Meere.". Anhand dessen versteht sich auch seine Abneigung gegenüber Reiseberichten: Sie geben lediglich eine Illusion dessen vor, was es nicht mehr gibt - im Grunde genommen ein manipulativer Betrug. Der Titel „Traurige Tropen" macht das verheerende Ausmaß dieser Manipulation der einstigen Ursprünglichkeit deutlich. Mit einem im dritten Kapitel aufgeführten Rückblick geht Levi-Strauss auf die Geschichte der Kolonisation ein. Er beschreibt am Beispiel der Insel Hispaniola (heute Haiti) die ungeheuerlichen Ausmaße der Überhandnahme durch die europäische Kultur. Die erschreckende Zahl der ca. 200 Eingeborenen, welche 1592 von ursprünglich ca. 100.000 Eingeborenen ein Jahrhundert zuvor noch am Leben waren, macht dies deutlich. Die Geschichte der Indianer ist zugleich die Geschichte der Unterdrückung. Levi-Strauss geht es nicht allein um die Erforschung der Ureinwohner Brasiliens , für ihn geht es nicht nur darum, die Ursprünge der Menschheit aufzeigen zu können, sondern zugleich auch die Problematik des Reisens heutzutage und dem Verstehen der anderen Kultur. Bei dem Versuch die über tausende von Jahren passierte Entwicklung der Menschheit zurückverfolgen zu können, stößt Levi-Strauss an Grenzen, die Frage des Urteilens über Kulturen stellt sich ihm genauso wie die Problematik der Verachtung der eigenen Kultur. Durch die Betrachtung der fremden Kultur wird ihm dabei die eigene bewusster. An dieser Stelle zeigt sich, dass jeder Mensch einer Gesellschaft, einer Klasse angehört. Für den Europäer bedeutet die neue Welt zunächst, dass es nicht die seinige ist, er allein hat also auch die Verantwortung zu tragen für das Verbrechen, dass er sie zerstört hat und dadurch auch, dass es keine andere mehr geben wird. Anhand der Erforschung der Indianervölker im Mato Grosso (Brasilien) stellt Levi-Strauss also einen weit größeren Kontext her. Levi-Strauss wendet sich von Sao Paulo aus nach Süden Richtung Parana. Entlang des Rio Tibagy findet man zu beiden Seiten Gebiete, in denen er nun zum ersten Mal in Kontakt mit den „Wilden" kommt. Allerdings ist auch hier die Berührung mit der Zivilisation erkennbar. Sie zeigt sich z.B. in den brasilianischen Kleidern, der Hacke und der Nähnadel. Allerdings blieben diese Indianer sich weitestgehend selbst überlassen, was deutlich wird, da sie ihre alten Lebensweisen wieder aufgenommen haben. Im folgenden macht sich Levi-Strauss nun an die Erkundung zweier Eingeborenengruppen, den Caduveos an der Grenze Paraguays und den Bororo im mittleren Mato Grosso. Hierbei stellt er in zum Teil poetischer und gut vorzustellender Weise die fremde Kultur vor, er beschreibt die Sprache, die Wohnverhältnisse, die Kunst, alles das, was das tägliche Leben der Kulturen ausmacht. Auch geht er dabei auf die Schwierigkeiten ein, mit welchen er oftmals konfrontiert wird - bei der nachfolgenden Untersuchung der Nambikwara z.B. ist die Sprache ein großes Hindernis. Levi-Strauss deckt in sorgfältiger Arbeit die gesellschaftliche Struktur auf, lässt dabei Wert-und Gefühlsurteil trotz der hohen Wissenschaftlichkeit nicht außer acht. Für Levi-Strauss ist die Ursprungsfrage von großer Wichtigkeit. Nach dem Durchqueren weiter Teile des Landes und im Bewusstsein der Ende seiner Reise fühlt er sich aus der Steinzeit (durch die Nambikwara) in die heutige Zeit zurückversetzt. Durch seine Suche nach dem kaum merklichen Fortschritt der Anfänge kommt er in Berührung mit der armseligsten Form der sozialen und politischen Organisation. Bei seiner Rückkehr beschreibt er ein sehr erschreckendes Erlebnis während seines Aufenthalts im Campos Novos. Dieses erfahrene trostlose Klima bringt Levi-Strauss ins Grübeln über seine Forschungsreisen. In seinem Versuch die Ursprünge der Menschheit aufzudecken, zeigt sich ihm der Preis, den diese Völker mit ihrem Elend zahlen, damit er die Jahrtausende zurückverfolgen kann. Durch die Rekonstruktion aus nur noch ärmlichsten Überresten einer einst so hochentwickelten Kultur zeigt sich deren trauriges Ausmaß. An dieser Stelle möchte ich den obenangesprochenen größeren Kontext nocheinmal aufnehmen: Für Levi-Strauss ist ersichtlich, dass das Aussterben vieler Kulturen immer mehr vorangeht. In Konfrontation mit der Zivilisation , mit dem von ihr vorgegebenen „Fortschritt" sterben viele Kulturen aus, das einzige noch vorhandende Ursprüngliche meint das eben angesprochene Ärmlichste, was sich bei ihnen noch finden lässt - das letzte was noch von ihnen bewahrt wird. Levi-Strauss schließt sein Werk mit dem Denkanstoß innezuhalten in dem fleißigen Treiben um sich zu entspannen, und das Wesen dessen zu erfassen, was die menschliche Gattung war und noch immer ist: das Loslassenkönnen diesseits des Denkens und jenseits der Gesellschaft. Hiermit wird die sich selbst aufdiktierte Sklaverei des Menschen angesprochen, welcher sich selbst sein Gefängnis macht. Als Gesamtwerk betrachtet lebt dieses Buch nicht nur durch die Erforschung der Kulturen in Brasilien, darüber hinausgehend werden viel größere Komplexe - das Aussterben der „primitiven" Kulturen durch die Zivilisation, die Problematik des Verstehens und das Hinterfragen der eigenen Kultur etc. - angesprochen. Levi-Strauss wandelt hierbei zwischen Poesie, Wissenschaft und Reflexion. |
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Die Abschaffung der Arten von Dietmar DathGebundene Ausgabe von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 24,80, Angebote ab EUR 20,00 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3518420216, Erscheinungsdatum: Sept. 2008, Auflage: 1 |
5 Kundenrezensionen:Neue Gestalt für neue Gedanken 5 von 5 PunktenIch gebe zu, hin und wieder ist das Buch von Dietmar Dath so weit weg von bekannten Denk- und Lesemustern, dass man Probleme hat mit der Phantasie hinterher zu kommen und das sorgt an manchen Punkten für etwas Anstrengung beim Lesen. Allerdings sind es gerade diese Punkte, die dafür sorgen, dass man die Welt, die Dath hier entwirft, nach Beendigung der Lektüre nicht wieder vergisst. Dieses Buch schafft es unserem (oder zumindest meinem) Denken neue Perspektiven zu eröffnen. Allerdings nicht auf Kosten der Unterhaltung. Die Charaktere sind zum Teil ungemein unterhaltsam und trotz ihrer Fremdartigkeit emotional sehr zugänglich. Dies verdanken sie nicht zuletzt den oft großartigen Dialogen, die es trotz der enormen gedanklichen Tiefe einige Male geschafft haben, mich zum Lachen zu bringen. Alles in allem ein wirklich besonderes Buch. Ein Film für den Kopf 5 von 5 PunktenLiebesmärchen, Technikphantasie, Staatsdrama - was nach der Lektüre dieses in jeder Hinsicht abenteuerlichen Romans zurückbleibt, sind Bilder einer Reise, auf die man mitgenommen wird, von Figuren, die zwar keine Menschen sind . ein Wolf ist Diplomat, eine Luchsin verführt zum Aufstand, ein Esel redet dümmer daher als der dümmste Philosoph - und die einem doch unterwegs vertrauter werden als die meisten Leute, die man kennt. Man möchte gar nicht, daß diese Reise je aufhört - und irgendwie tut sie das dann ja auch nicht, denn das Ende des Romans öffnet alle Möglichkeiten, die Geschichte selber weiterzudenken. Eine neue Art zu schreiben 5 von 5 PunktenEin eindringliches, fesselndes und literarisch gelungenes Werk, das in seiner schonungslosen Gegenwartsanalyse fantastische Erzählelemente mit einem plakativen, stellenweise aufdringlichen, stets aber offenen und aufrichtigen intellektuellen Stil verknüpft. Gerade der unsentimentale Blick auf die Zukunft der Menschheit, die ihren humanistischen Selbstentwurf Tag für Tag von neuem unterbietet, erinnert den Leser an Ralph Pordziks nicht minder rast- und schonunglose, dabei aber doch sensible Analyse der unmittelbaren Post-Gegenwart in seiner Erzählung "Dunkle Materie". Hier scheint sich eine neue Generation von Erzählern auf zu machen, um den biederen deutschen Neorealisten der letzten Jahre die Suppe zu versalzen! Große Worte, viel Geduld 3 von 5 PunktenDietmar Dehn ist sehr zu bewundern für seinen Wort-, Ideen- und Wissensreichtum. Gekonnt - und manchmal auch zu sehr gewollt - baut er Wort- und Satzgebilde, die bei mir große Anerkennung auslösten. Hier liegt aber auch das Probelm: Dath erdrückt mit seiner Sprache nach und nach das Interesse an einer guten Geschichte. Meine Lust am Lesen erstickte nach vielen mühevollen Seiten an dem - und das ist sein Recht als Künstler - Unwillen, seine Geschichte verstehbar zu erzählen. "Die Abschaffung der Arten" ist ein Kunstwerk - Und wer es schafft, sich dieser Kunst, über 500 Seiten lang hinzugeben, der mag daraus einen großen Gewinn ziehen. Für den Freizeit- und Nachttischlampenleser ist dieses Buch, so glaube ich, zu gewichtig. Kaufen Sie das Buch ruhig trotzdem: Es wird Eindruck machen, wenn Sie diesen Brocken im Schrank stehen haben... Kampf ums Dasein 5 von 5 Punkten»Die Abschaffung der Arten« ist eine moderne Tierfabel für Erwachsene: In dieser Zukunftsvision Dietmar Daths ist die Menschheit dem Untergang geweiht. Sie wurde fast ausgerottet von den Tieren, die eine neue Hochkultur aufgebaut haben. Und schon erhebt sich im südamerikanischen Urwald eine dritte Spezies, die den Kampf ums Dasein noch weiter anheizt. Vor diesem Hintergrund wird der Wolf Dmitri vom Tierkönig ausgesandt, dem sich anbahnenden Konflikt die entscheidende Wende zu bereiten. Auf seiner Reise lernt er viel über die den Tieren vorrausgegangene Hochkultur, und warum diese unterging. Schon bald muss Dmitri sich fragen, ob den Tieren ein ähnliches Schicksal droht. Er muss sich entscheiden, ob er auf der Seite des Königs kämpfen will, oder sich als Attentäter an einer Intrige gegen den Tierherrscher beteiligt, um dem Exodus der Tiere den Weg zu bereiten... Es liegt nicht (nur) am hohen Gewalt- und Sexgehalt, dass diese Fabel für erwachsene Leser so spannend ist. »Die Abschaffung der Arten« gibt sich nämlich auch im betont intellektuellen Gewand. Der Leser wird von Dath dermaßen bombardiert mit Wissen aus Biologie, Physik, Sozialwissenschaft und Philosophie, dass die vielen Fachbegriffe teils eine dadaistische Ausdruckskraft entwickeln (und durch die Hinzufügung mancher Neologismen auch entwickeln wollen). Mit diesem Buch geling Dath irgendwie der Kunstgriff, dass der Leser das Buch im Angesicht von soviel Fachidiotie nicht enternervt zur Seite legt. Stattdessen verneigt sich der Leser ehrfurchtsvoll vor so vielen Möglichkeiten von Wissenschaft, die sich vor ihm auftun und von denen er im Laufe des Buches immer nur eine ansatzweise Ahnung erhält. Den roten Faden wird der Leser jedoch nie verlieren, auch wenn er mal nur »halb« versteht... Es fällt schwer diese spezielle Wirkung von »Die Abschaffung der Arten« zu beschreiben. Vielleicht muss man dieses Buch einfach erlebt haben. Dietmar Dath hat dieses Buch mit ganz viel Humor, Brutalität und Tiefsinn geschrieben. Mich erinnert er dabei an eine Art »bösen« Walther Moers. Eine wirklich spannende Gesamtkomposition, die ganz viel Freude beim Lesen bereitet. Ich habe das Buch in nur vier Tagen verschlungen. |
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Eine Geschichte von Liebe und Finsternis. von Ruth Achlama, Amos OzTaschenbuch von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 9,90, Angebote ab EUR 7,00 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3518459686, Erscheinungsdatum: März 2008, Auflage: 1 |
Aus der Amazon.de-RedaktionSein Buch gebe ein altes Rätsel auf, hat der 65-jährige israelische Schriftsteller Amos Oz über den Inhalt seines stark autobiografisch gefärbten Roman Eine Geschichte von Liebe und Finsternis geschrieben: Wie können zwei gute Menschen eine schreckliche Katastrophe herbeiführen? Wie kann es kommen, dass die Heirat zweier Menschen, die einander wollen und einander gutes Wünschen, in einer Tragödie endet? Die zwei Menschen, von denen Oz hier spricht, das ist zum einen sein Vater: ein sentimentaler und enthusiastischer Mann, der siebzehn Sprachen lesen und elf sprechen kann (alle mit russischem Akzent), ein Universalgelehrter voll mit Magie und Mystik, und doch nach Ansicht der Mutter rational sogar noch im Schlaf. Die andere Person ist die Mutter des Schriftstellers, Fania Klausner, die am Ende der Geschichte von Liebe und Finsternis verzweifelt den Freitod wählt -- und von der der Ich-Erzähler behauptet, bis zum Schreiben dieser Seiten nie über sie gesprochen zu haben. Ihre tragische Geschichte erzählt das Buch -- und die Geschichte der Überlebenden ihrer Familien, die, dem Holocaust entronnen, in den vierziger Jahren ins gelobte Land nach Palästina ziehen, und die doch auch in der ersehnten Fremde nicht recht glücklich wurden. Dieses Buch handelt von der enttäuschten Liebe meiner Eltern und Großeltern zu Europa, heißt es bei Oz. Es spürt dem jüdischen Erbe in der europäischen Kultur nach und dem europäischen Erbe in unserer eigenen Kultur. Vor allem aber ist es ein Buch über eine einzelne kleine Familie. Nein, möchte man, eher ergänzend als widersprechend, hinzufügen: Vor allem ist die Geschichte von Liebe und Finsternis ein Stück großer, packender, ehrlicher, grandios erzählter Literatur. --Stefan Kellerer 5 Kundenrezensionen:eine israelische Autobiographie - ergreifend, aber auch langatmig und unstrukturiert 3 von 5 PunktenDie hochgelobte Autobiographie des israelischen Erfolgsautors Amos Oz ist sicherlich lesenswert. Anhand seiner eigenen Familiengeschichte schildert Oz sehr eindringlich die Entstehung des Staates Israel und die sozio-kulturellen Hintergründe der europäischen Juden, die während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts nach Palästina übersiedelten, um dort ein neues Leben, frei von Verfolgung und mit der Aussicht auf die Gründung einer eigenen Nation zu beginnen. Oz wächst in den 40er Jahren als Sohn osteuropäischer Einwanderer in Jerusalem auf. Sein Großonkel Joseph Klausner ist ein angesehener jüdischer Gelehrter, seine Eltern verkehren in intellektuellen Kreisen, in denen Literatur und andere Geisteswissenschaften eine wichtige Rolle spielen und die sozialistischen Bestrebungen der Kibbuzzim verachtet werden. Obwohl Oz' Vater ein sehr belesener Mann ist, der viele Sprachen spricht, fristet dieser ein ereignisloses Leben als Bibliothekar - auch das Leben der Mutter verläuft unglücklich. Ebenfalls hoch gebildet, verbringt sie ihr Leben als Hausfrau, die sich, sobald sie ihre hausfraulichen Pflichten erfüllt hat, in ihren Büchern vergräbt. Schließlich wird sie depressiv und nimmt sich das Leben, als ihr Sohn zwölf Jahre alt ist. Dem freudlosen Leben seiner Eltern kehrt der Autor endgültig den Rücken, als er wenige Jahre nach dem Tod seiner Mutter im Alter von 15 Jahren in einen Kibbuz zieht. Zweifelsohne hat Oz viel zu erzählen, und was er zu erzählen hat, ist überwiegend höchst interessant: Die Geschichte seiner Vorfahren in Osteuropa, die Auswirkungen der zionistischen Bewegung auf seine Familie, der Neuanfang in Palästina, das Verhältnis der Einwanderer untereinander, der Überschuss an Intellektuellen, das Verhältnis zu den Arabern, die persönlichen kleinen und großen Familiendramen, die eigene Stellung innerhalb der Familie als verzogenes Einzelkind, auf das sich viele Hoffnungen stützen... Leider aber ist die Art, wie er erzählt, äußerst unstrukturiert. Mal chronologisch, mal nach bestimmten Familienmitgliedern "sortiert", mal aus der Sicht des Kindes, mal zurückblickend und kommentierend. Die Biographie wirkt in der Tat so, als hätte sich Oz hingesetzt, alles so aufgeschrieben, wie es ihm in den Kopf kam, ohne dass je ein Lektor das Werk vor Veröffentlichung zu Gesicht bekam. Diesem assoziativen Erzählstil sind wohl auch vor allem die unzähligen Wiederholungen zuzuschreiben, die die Lektüre oft unnötig zäh gestalten. Immer wieder lässt sich der Autor z.B. über seinen Vater und dessen Unfähigkeit, aus, eine Gesprächspause zu erdulden. In solchen Situationen flüchtete sich der verklemmte Vater dann in oftmals peinliche Wortspielereien. Diese Wortspielereien und was der Autor dabei empfand, werden an zahlreichen Stellen der Biographie wiedergegeben. Das gleiche gilt für viele andere Situationen, z.B. die Hinweise darauf, welche berühmten hebräischen Dichter schon in Odessa im Haus der Familie ein- und ausgingen oder auch immer wieder der Hinweis darauf, dass in der Familie die jiddische Sprache verpönt war oder es im Jerusalem der 40er Jahre weit mehr Gelehrte als Studenten gab (weswegen der Vater nie einen Platz als Dozent an einer Hochschule erhielt). Aufgrund dieser wiederholenden Ausschweifungen ist man oft versucht, den Roman stellenweise quer zu lesen - was auch nicht schadet. Der Roman wäre jedoch um einiges besser und lesbarer geworden, hätte man ihn einem fähigen Lektor anvertraut, der großzügig die Wiederholungen gestrichen und ihn ein wenig "in Form" gebracht hätte. "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis. Langatmig, aber lohnend 4 von 5 PunktenDies ist mein erstes Buch von Amos Oz, einem israelischen Schriftsteller, der u.a. dafür bekannt ist, daß er sich für die Aussöhnung zwischen Juden und Palästinensern einsetzt. Die Geschichte des Jungen Amoz trägt starke biographische Züge. Obwohl als Roman verfasst, hat man doch beim Lesen den Eindruck, dass hier detailliert aus dem Leben des Jungen in den vierziger Jahren in Jerusalem, aus einem ganz persönlichen Rückblick geschrieben wird. Im Vordergrund steht die weitverzweigte Familie, die aus Polen eingewandert ist. Die Geschichte seiner skurilen Großeltern, die traurige Beziehung seiner Eltern und sein eigenes Erleben des Erwachsenwerdens sind Thema diese groß angelegten Romans. Auch spielen die politischen Gegebenheiten und Entwicklungen des Staates Israel eine große Rolle. Man wird im Rahmen dieser Familiengeschichte in die Geschichte des Landes eingeführt und versteht mehr über die unterschiedlichen Ansichten der politischen Lager innerhalt Israels. Den ersten 150 Seiten konnte ich nur schleppend Folgen. Es wurden zahlreiche Personen und deren Zusammenhänge beschrieben, die für die Geschichte kaum Bedeutung haben, jüdische Gelehrte und Künstler, Schriftsteller . Flüssiger wird die Geschichte in dem Moment, in dem die kleine Familie, vor allem die Geschichte seiner Eltern wieder stärker in den Vordergrund rückt. Es ist ein ergreifendes Buch, aber keine leichte Kost und all denen ans Herz gelegt, die etwas mehr über Israel und das Leben in diesem zerrissenen Land erfahren möchte. sehr langatmig und ausschweifend 1 von 5 PunktenIch habe dieses Buch zufällig in einer Buchhandlung gesehen und fand die Beschreibung auf der Rückseite sehr interessant. Leider konnte ich nicht mehr als die ersten 100 Seiten lesen, und auch da habe ich sicherlich einige übersprungen. Ich habe noch nie so ein langatmiges Buch gelesen, bei dem man nach jeder Seite hofft, endlich zum Punkt zu kommen. Ich kann es leider auch nicht nachvollziehen, wie man eine Sonntagsspaziergang zu Freunden über 10 Seiten in allen möglichen Details beschreiben kann was nach welcher Ecke wo kam usw.. Ich war wirklich enttäuscht und kann dieses Buch nicht empfehlen. Dazu kommt noch, dass so viele Fremdwörter darin vorkommen, dass man teilweise als Mensch ohne tiefen geschichtlichen Hintergrund nicht ganz folgen kann. Schade!! Wenn ich 7 Punkte vergeben könnte... 5 von 5 Punkten... so würde ich es tun. Dieses Buch gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Trotz der oftmals ins Detail gehenden Darstellungen habe ich es verschlungen und war von der ersten bis zur letzten Seite völlig gebannt von den Schilderungen. Fast war mir als wäre ich Teil dieser Familie, würde mit ihnen in Rovno und Vilnius, Odessa und Jerusalem leben. Das Buch ist ausgesprochen vielschichtig. Es handelt vom Leben der osteuropäischen Juden und man erfährt einiges über die antijüdische Stimmung, die in Polen und Litauen herrschte und die Angst vor Pogromen, die ständiger Begleiter der osteuropäischen Junden war. Man erfährt einiges über den Unabhängigkeitskrieg der Juden gegen die britische Mandatsherrschaft, die eine sehr unrühmliche Rolle (deutlicher möchte ich mich nicht ausdrücken - man lese selber und bilde sich sein Urteil!) in der Staatswerdung Israels spielte. Man liest über Emigranten aus dem zertrümmerten Europa, die sich in einem neuen harschen Land zurechtfinden müssen und oftmals daran scheitern. Viele, deren Eltern einst ebenfalls als "displaced persons" hier ankamen, sich eine neue Existenz aufbauen mußten und ihre Traumata ihren Nachkommen mit auf den Weg gaben werden sich hier vielleicht wiederfinden. Es ist ein sehr menschlich geschriebenes Buch, eine großartige Haltung ohne Wehleidigkeit aber voller Mitgefühl und Verständnis für alle Menschen gleich wo sie herstammen. Eine kluge und weise Darstellung der Geschichte einer vermutlich nicht untypischen jüdischen Familie - darüber hinausgehend aber auch der Problematik des Menschsseins an sich in einer Welt, in der kein Frieden herrscht, in der einem immer wieder der Platz zum Leben streitig gemacht wird. Und natürlich und vor allem ist es der Versuch des Schriftstellers Amos Oz den Selbstmord seiner Mutter verstehen zu lernen und den kleinen Jungen Amos Klausner mit seinen unglücklichen ELtern Arieh und Fania Klausner zu versöhnen. Sehr schönes Buch 5 von 5 PunktenSo viel Durchhaltevermögen hatte mich zuvor noch kein Buch gekostet. Jedoch, es hat sich gelohnt. Mehr möchte ich gar nicht über das Buch sagen. Selber lesen!!! |
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Hammerstein oder der Eigensinn. Eine deutsche Geschichte von Hans M. EnzensbergerGebundene Ausgabe von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 22,90, Angebote ab EUR 21,50 ![]() 3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3518419609, Erscheinungsdatum: Januar 2008, Auflage: 1 |
Aus der Amazon.de-RedaktionKurt von Hammerstein war Chef der Heeresleitung -- bis Adolf Hitler im Februar 1933 in der Dienstwohnung des Generals die Pläne für den Zweiten Weltkrieg offenbarte. Nach dem Geheimgespräch, bei dem Hitler nach eigener Aussage das Gefühl beschlich, gegen eine Wand zu reden, nahm Hammerstein seinen Hut und wurde fortan politisch geschnitten. Diese Episode nimmt Deutschlands wohl profiliertester intellektueller Gegenwartsautor Hans Magnus Enzensberger zum Ausgangspunkt seines Romans Hammerstein und der Eigensinn. Er erzählt das Schicksal von Hammersteins ebenso nach wie das seiner sieben Kinder. Eigentlich aber erzählt er von einer von Verrat, Sippenhaft und Widerstand geprägten Zeit. Mit Hammerstein und der Eigensinn hat sich Enzensberger nach Der kurze Sommer der Anarchie. Buenaventura Durrutis Leben und Tod und Requiem für eine romantische Frau. Die Geschichte von Auguste Bußmann und Clemens Brentano zum dritten Mal dem Genre des historischen Romans zugewandt. Für die Recherche studierte er laut Verlagsinformationen Akten in den Achiven von Moskau bis Berlin, von München bis Toronto. Das Dokumentarische seiner Ausführungen ist damit wohl verbürgt. Aber das ist wahrlich nicht das Beste an Enzensbergers Hammerstein. Das Beste ist der unglaubliche Eigensinn, mit dem der Autor Dichtung und Wahrheit, Fakten und Fiktion zu einem großen Ganzen zu verknüpfen weiß. Dabei bedient sich Enzensberger des Zitats ebenso wie des fiktiven (posthumen) Dialogs ebenso wie sachlicher und erzählerischer Passagen. Wie er das macht -- und so, auch mit vielen Bilder, ein zeitgeschichtliches Panorama der deutschen Geschichte, ihrer Verstrickungen und schillernden Helden entwirft -- , ist wahrlich meisterhaft. Die Geschichte dieser Familie beschäftigt mich, weil sie viel darüber sagt, wie man Hitlers Herrschaft überstehen konnte, ohne vor ihm zu kapitulieren, hat Enzensberger seine Intention zusammengefasst. Nicht zuletzt handelt diese exemplarische deutsche Geschichte von den letzten Lebenszeichen einer deutsch-jüdischen Symbiose und davon, dass es lange vor den feministischen Bewegungen der letzten Jahrzehnte die Stärke der Frauen war, von der das Überleben abhing. In Hammerstein und der Eigensinn hat Enzensberger diese Ansicht mit allen nur erdenklichen Mitteln der Kunst anschaulich greifbar gemacht. Ein großes Buch eines großen Autors, das man unbedingt lesen sollte . -- Stefan Kellerer, Literaturanzeiger.de 5 Kundenrezensionen:Ein enttäuschendes Buch 1 von 5 PunktenLeider ist aus diesem Buch, das interessante Aspekte zu wenig beachteten historischen Hintergründen hätte beleuchten können, vor allem eines geworden: Eine Mischung aus Fantasie und angeblicher Wirklichkeit, die der Autor in einem konfusen Durcheinander zeitlich getrennter Abläufe zu einem kaum lesenswerten und lesbaren Gesamtwerk vermischt. Unerträglich insbesondere das Instrument der "posthumen Unterhaltung", mit dem anhand seichter Dialoge die vermeintliche Einstellung des jeweiligen Gesprächspartners vermittelt werden soll. Dieser Quatsch wird spätestens bei der dritten Wiederholung derartig langweilig, dass man sich förmlich zum Weiterlesen zwingen muss. Als Schlussfolgerung bleibt nur, dass es dem Autor hier eher um die eigene Profilierung mit vermeintlich "nicht zu ihm passenden Sujet" geht als um seine Hauptperson. Die Ausgabe für das Buch kann man sich getrost sparen. Enttäuschend 2 von 5 PunktenDas Buch hat meine Erwartungen nur in der Art seiner Ausstattung übertroffen. Ansonsten bin ich enttäuscht. Von Hans M. Enzensberger hätte ich deutlich mehr erwartet. Dem Buch fehlt vor allem die Struktur und der Erzählfaden. Enzensberger begründet ausführlich, warum es kein Roman und keine historisch wissenschaftliche Abhandlung ist. Mir kam es wie eine Collage vor. Leider blieb die wichtigste Frage unbeantwortet: wie hat es diese Familie geschafft, sich vom Nazi-Wahn nicht infizieren zu lassen und zu widerstehen? Die Einzelschicksale einiger deutscher Kommunisten haben mit dem Haupt-Sujet nur sehr wenig zu tun und nehmen nach meinem Geschmack viel zu breiten Raum ein. Vom erzieherischen Wert der Faulheit 4 von 5 PunktenHans Magnus Enzensberger erzählt die Geschichte der Adelsfamilie von Hammerstein-Equord, deren Oberhaupt Kurt von 1930-1934 Chef der Heeresleitung der Deutschen Reichswehr war. Damit nahm er zur Zeit der Machtergreifung Hitlers Ende Januar 1933 eine Schlüssselstellung ein. Zudem war er ein persönlicher Freund des letzten Reichskanzlers der sterbenden Weimarer Republik, General Kurt von Schleicher. Die Geschichte kennt man, der senile Feldmarschall Hindenburg machte, kraft der ihm von der Verfassung gegebenen Autorität den "österreichischen Gefreiten" zum Kanzler, u.a. auch gegen den Willen des Generalobersten von Hammerstein. Dessen Frau Marie war eine geborene von Lüttwitz, deren Vater, gleichfalls General, beim sogenannten Kapp-Putsch von 1920 als Chef eines Freikorps die eigentliche Hauptrolle spielte und seinen Schwiegersohn vorübergehend in Haft nehmen liess. Da in der Weimarer Republik zufolge des Versailler Vertrages die Reichswehr auf eine Truppenstärke von 100'000 Mann zurückgestutzt blieb (ohne Generalstab, Luftwaffe und Marine), nahm sie inoffiziell und illegal Verbindung zur Roten Armee der ebenfalls geächteten Sowjetunion auf, die schliesslich in eine für beide Seiten zweckdienliche Zusammenarbeit mündete. Anlässlich dieser Kooperation reiste auch von Hammerstein in die SU und lernte dabei verschiedene führende Köpfe der Roten Armee, wie etwa die Marschälle Tuchatschewski oder Woroschilow kennen, deren einige der säuberungswütige Stalin später rollen liess. Die Familie von Hammerstein, kinderreich wie im Adel nicht unüblich, bestand aus zudem aus vier Töchtern und drei Söhnen, deren Lebensläufe Enzensberger ebenfalls nachzeichnet. Während die älteren Töchter durch Beziehungen sich im Dunstkreis der abgetauchten KPD und somit Moskaus bewegten, kamen die älteren Söhne auch unter dem Einfluss des Vaters mit dem Widerstand in Berührung. Es gelang ihnen jedoch, zum Teil mit einigem Glück, im Nachgang zum 20. Juli 1944 sich der tödlichen Schlinge zu entziehen. Der Vater, der schon zu Beginn und nach persönlichen Begegnungen mit Hitler hellsichtig das katastrophale Ende des "Tausendjährigen Reiches" voraussah, verstarb, gewissermassen rechtzeitig, im April 1943 an Krebs. Formal bedient sich der Autor bei der Erzählung dieser Familiengeschichte dreier Elemente, nämlich der eigentlichen Erzählung, der Glosse (Essay) und des Totengesprächs mit Beteiligten. Das Verfahren soll nicht bewertet werden, hingegen befriedigt das Resultat leider nur beschränkt. Einerseits setzt es einige Kenntnis der zeitgeschichtlichen Zusammenhänge jener Zeit voraus und erweckt anderseits leider die Protagonisten trotz der eingesetzten Mittel nicht wirklich zum Leben. Eigensinn wird schon im Buchtitel als Markenzeichen gesetzt, dessen Ausprägung das Oberhaupt, trotz seiner militärischen Herkunft in keiner Weise behinderte. So wird uns letztlich ein Erzieher als Modell vorgeführt, dessen Faulheit gepaart mit scharfem Verstand die jeweils eigene Entwicklung zum mündigen und couragierten Menschen zulässt, ja erst ermöglicht. Das ist schon sehr viel, wenn wieder einmal die Kraft zum Widerstand aufzubieten ist. Mehr Licht als Schatten 3 von 5 PunktenDas Buch ist lesenswert. Es ist eine gelungene Anregung, sich weiter mit diesem Teil der deutschen Geschichte zu befassen, der stets von so immenser Bedeutung bleiben wird. Wie kam es eigentlich zur Machtergreifung. Welche Rolle spielten die einzelnen Protagonisten tatsächlich? Wie war das mit Schleicher, Papen und Hindenburg vor der Machtergreifung? Wie lief der kommunistische Widerstand ab? Welche Rolle spielte Wehner? Wie kam es zum Attentatsversuch 1944 ? Das Buch ist also ungemein spannend. Es richtet sich nicht an den professionellen Historiker, sondern an den geschichtsinteressierten Laien. Manches mag historisch nicht wirklich zutreffend sein, worauf schon an anderer Stelle hingwiesen wurde. Natürlich ist das bedauerlich, aber das Buch hat sich an für seine Art Wichtigerem zu messen.Schattig ist das Buch vorallem deshalb, weil Hammerstein in seiner Rolle als Hauptfigur deutlich zu blass bleibt: w a r u m nun war Hammerstein anders war als viele andere ranghohe Soldaten? Was hat ihn denn trotz wohl doch sehr einseitigem Kasernendrill zum Weltbürger gemacht? Weiter stören die klischeehaften, stetig wiederholten Wendungen vom faulen Genie, das am liebsten zur Jagd ging - wie das ein alter Edelmann eben so macht und der gradlinig, ehrlich, gewissenhaft handelt - so wie das den preußischen Offizier auszeichnen soll. Mit den letzten Kapitel dann verzettelt sich der Aútor vollends. Wir wissen ja nun: Hammerstein hatte 7 Kinder. Aber die Geschichte hätte sich besser auf Hammerstein und seine Verweigerungshaltung gegenüber der NS-Diktatur und die gewisse Beteiligung seiner Töchter am kommunistischen Widerstand und zweier Söhne am gescheiterten Attentat vom 20. Juli beschränken sollen. Die Familie Hammerstein in der Zeit 33-45, das ist Stoff genug. Die Geschichte jedes einzelnen Kindes nach 45 ist ein mäßig interessanter Abspann und verwässert die Intention des Buches. Auch hier stört die unkritische Glorifizierung: alle was geworden, die Hammersteins; gute alte preußische Offiziersfamilie eben. Dann letzlich noch die Totengespräche: schöne Idee, manchmal etwas peinlich, so wenn eine Tote gern Tee trinkt. Mit der unbegrenzten dichterischen Freiheit hätte man vielleicht hier mehr fabulieren und nach den individuellen Beweggründen der Beteiligten forschen können. Was trieb Schleicher? Warum wurde er erschossen? Wie hat es Herbert Wehner geschafft, immer oben zu schwimmen? mal ein sehr interessantes Buch... 4 von 5 Punkten... zu einer Zeit über die zurecht viel berichtet wurde. Es wird das Innenleben und die funktionsweise des sogenannten Militäradels preußischer Prägung beleuchtet und auch die Widersprüche. Warum haben einige dieser Leute, die alles hatten, mit den Nazis kollaboriert und andere nicht. Man konnte sich auch in hoher Position schlichtweg verweigern und seinen Prinzipien treu bleiben! |
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Freiheit, Schuld und Verantwortung: Grundzüge einer naturalistischen Theorie der Willensfreiheit von Michael Pauen, Gerhard RothBroschiert von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 10,00, Angebote ab EUR 8,00 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 351826012X, Erscheinungsdatum: Sept. 2008, Auflage: 1 |
Eine Kundenrezension:Determination als Voraussetzung von Freiheit 4 von 5 PunktenDer Titel des Buches ist etwas überdimensioniert, denn tatsächlich geht es in erster Linie um die Möglichkeit von Freiheit physisch realisierter, mentaler Prozesse: Auf die Freiheit eingeschränkt, ist das Buch eine hervorragende Abhandlung über die 2 aus einem naturalistischen Weltbild sich ergebenden Grundfragen unseres Meschenbildes: 1) Wie ist Freiheit der Entscheidung in naturgesetzlich determinierten mentalen Prozessen möglich? Hierauf geben die Autoren eine auf den ersten Blick überraschende Antwort: Freiheit setzt Determination der Antwort voraus. Zwar bemühen sich die Autoren, die Antwort rethorisch so abzuschwächen, dass Freiheit und Determination lediglich kompatibel sind (was in der vorherrschenden Auffassung von Freiheit verneint wird), tatsächlich jedoch vertreten sie die stärkere Auffassung. Dabei ist die zentrale Aussage, dass es auf die Art der Determination ankommt, ob sie Freiheit der Entscheidung zur Folge hat, oder nicht. 2) Wie realisieren die konkreten, neurobiologischen Strukturen mentale Entscheidungsprozesse? Hier wird gezeigt, dass diese Realisierung tatsächlich die in 1) bestimmten Kriterien der Determination für Freiheit von Entscheidungen erfüllt. Frage 1 ist natürlich eine rein Philosophische und wird auch so behandelt, während in Frage 2 der Neurobiologe zu Wort kommt. In beiden Teilen gelingt es den Autoren, eine für den interessierten Laien leicht nachvollziehbare Argumentation zu führen. Dabei wird das Thema nicht unzulässig inhaltlich vereinfacht! Vielmehr wird die Argumentation auf das Notwendige konzentriert und verzichtet konsequent auf Rückgriffe auf nur beim Fachmann vorhandenen Basiswissens. Selbstverständlich ist auch der Sprachstil fern vom Fachjargon, ohne dabei auf Präzision und notwendige Details zu verzichten. Schlecht gelungen ist der dritte Teil, der als Anwendung die Konsequenzen eines naturalistischen Menschenbildes für das Strafrecht beschreibt: dabei sind die beschriebenen Konsequenzen durchaus klar und plausibel beschrieben. Allerdings stellen die Autoren eine sozio-politische Diskussion über die Grundlagen des Strafrechts davor, welche zum einen mit den diskutierten Fragen im Grunde nichts zu tun hat, und deshalb auch den Rahmen des Buches bei weitem sprengt, weshalb sie auch übermäßig vereinfacht und verkürzt wird. Tatsächlich sind die daraus abgeleiteten Voraussetzungen für das Strafrecht, auf denen die o.g. Folgen aus einem naturalistischen Menschenbild aufsetzen, gar nicht notwendig: diese Folgen könnten in einem viel breiteren Rahmen diskutiert werden, der auch die in der sozio-politischen Diskussion verworfenen Ansätze für das Strafrecht zuläßt. Damit könnte die Behandlung strafrechtlicher Konsequenzen als abschließende, kurze Anwendung der im Hauptteil diskutierten Fragen 1 + 2 stark gekürzt werden, ohne an Qualität zu verlieren. Blendet der Leser den kurzen Ausflug in die Rechtsphilosophie aus, dann ergibt sich ein wirklich hervorragendes Buch, welches in der Diskussion der genannten Fragen sehr befruchtend wirken wird und jedem zu empfehlen ist, der sich damit beschäftigt! |
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Die Welt ist flach. Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts von Thomas L. FriedmanBroschiert von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 15,00, Angebote ab EUR 14,99 ![]() 3 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3518459643, Erscheinungsdatum: März 2008, Auflage: 1 |
Aus der Amazon.de-RedaktionWeit über zwei Millionen Mal hat sich dieses Buch in der englischsprachigen Ausgabe verkauft. Warum? Friedman, Pulitzer-Preisträger und Kolumnist der New York Times, erklärt seinen verunsicherten Landsleuten die Globalisierung. Und er formuliert, was sie und alle anderen Bewohner der "ersten Welt" tun können, um in einer immer flacher werdenden Welt zu bestehen. Die Einebnung der Welt vollzog sich zuletzt vor allem mit Hilfe von drei Innovationen: dem PC, dem Glasfaserkabel und den Workflow-Software-Lösungen. Individuen können immer besser im globalen Rahmen kooperieren und konkurrieren. Aufgaben werden immer konsequenter dort erledigt, wo dies am effizientesten möglich ist. Beispiele gefällig? Amerikanische Wirtschaftsprüfer und Steuerberater lassen Routinearbeiten wie Steuererklärungen (anonymisiert) in Indien ausführen, um sich z.B. auf Strategiefragen konzentrieren zu können. Radiologen kleinerer und mittelgroßer US-Krankenhäuser delegieren die Auswertung von CT-Scans an Ärzte in Indien und Australien. Das digital übermittelte Bild wird am anderen Ende der Welt analysiert, während der amerikanische Arzt schläft. Outsourcing ist aber nur ein Aspekt der flachen Welt. Ihr eigentlicher Clou liegt, so der Autor, darin, dass sie Individuen in die Lage versetzt, ihren eigenen Weg erfolgreich zu gehen. Kyle zum Beispiel. Er ist 17, schwerbehindert und kann nicht zur Schule gehen. Er baut einen eBay-Shop auf. Wenig später kündigen seine Eltern ihre Jobs, um Kyle zu helfen, und "haben schon mehr Geld verdient als jemals in unseren Jobs". Sie stellen fest: "Bei eBay ist Kyle nicht behindert." In Beispielen wie diesen liegt die ganz große Stärke des Buches. Es macht erlebbar, was Globalisierung für den Einzelnen bedeuten kann. Auch wenn es sicher differenziertere Globalisierungstheorien gibt als die Friedmans: In Bezug auf die Beispiele kann ihm kaum ein Autor das Wasser reichen. Vor allem in ihnen erweist er sich als ausgezeichneter Beobachter, einfühlsamer Interviewer und brillanter Stilist. -- Roland Große Holtforth, Literaturtest 5 Kundenrezensionen:Auf die Decke starren ist interessanter 1 von 5 PunktenDer Autor besucht ein indisches Technologie-Zentrum. Dank der neuen Kommunikationstechnologien können die Inder nun direkt mit den US konkurrenzieren. Der Leiter des Zentrums meint "The playing field has leveled". Aus "the playing field has leveled" schließt der Autor messerscharf: Die Welt ist flach. Die Idee, dass auf einer Kugeloberfläche alle ebenfalls auf demselben Niveau sind, ist ihm zu hoch. Dazu benötigt man ein Minimum an (mathematischer) Bildung. Die Welt ist flach wird im Folgenden gebetsmühlenartig wiederholt. Für den Römer waren die Grenzen des römischen Reiches die Grenzen der Welt. Ausserhalb gab es nur ein paar Barbaren. Im Grunde ist das auch das Weltbild des durchschnittlichen Amerikaners (falls er zu solchen subtilen Fragestellungen überhaupt fähig ist). Der Autor klärt in diesem Buch seine Landsleute auf, dass es eine Welt ausserhalb des Imperiums gibt und die Barbaren vor den Toren stehen bzw. via Internet schon eingedrungen sind. Er beruhigt sie aber gleichzeitig, dass die Barbaren eigentlich nur ein Ziel haben, die Lebensweise des Imperiums zu übernehmen und am Ende tatsächlich die Ganze Scheibe zum Imperium gehören wird. Ich habe mir das Buch nicht gekauft, sondern es vom Bücherregal eines pakistanischen Freundes ausgeliehen. Es war mir fad. Fadheit ist ein sehr unerträglicher Zustand. Es gibt aber noch einen schlimmeren Zustand: Amerikanischen Schwachsinn lesen. Ich habe daher nach relativer kurzer Zeit das Buch zugeklappt und die Fadheit genossen. Die Welt ist flach, dieses Buch aber ist dick! 4 von 5 PunktenDie größte Stärke dieses Buches ist zugleich seine Schwäche. Ich meine dabei die Hundertschaften von anekdotischen Geschichten, die der Autor antreten lässt, um damit zu illustrieren, dass unsere Welt flach(er) geworden ist - d.h. dass dem Austausch von Waren, Kapital, Wissen et cetera heute weniger "Hürden" im Wege stehen als jemals zuvor in der Geschichte; durch den Freihandel, das Internet, Outsourcing, Offshoring... usw... . Hier kann Friedman in der Tat auf einen in jahrzehntelanger journalistischer Arbeit zusammengetragenen Fundus von mehr oder weniger faszinierenden Geschichten zurückgreifen. Interessant wird es immer dann, wenn er von den Antworten berichtet, die seine weltweit verstreuten Interviewpartner auf die Frage gaben, wann für sie offensichtlich wurde, dass die Welt flach geworden sei. Aber darin liegt auch die Schwäche des Buches. Neben einigen geringen Anstrengungen zur Analyse der Faktoren, die zur Verflachung führten, reiht sich eine Anekdote, eine Erzählung, an die andere - und das über 762 Seiten. Zwar ist es nicht so, dass das Buch keine innere Gliederung besäße, aber diese geht völlig unter unter einer dicken Würz-Soße dieser allzu überpointierten Anekdoten. "Wo es Hoffnung gibt, gibt es einen Mittelschicht" 4 von 5 PunktenEin hoch interessantes, absolut lesenswertes Buch. Allerdings nicht ganz ohne Mühe. Man muss erst einmal die ersten 250 Seiten des Buches lesen, dann wird's spannend. Bis dahin erscheint die Weltsicht oft naiv, sehr amerikanisch geprägt. Und tatsächlich, Europa kommt nur am Rande vor und kommt auch nicht gut dabei weg. Es riecht nach gänzlich unkritischer Technologieverherrlichung und Naivität. Wenn man darüber aber erst einmal hinaus ist, wird's spannend. Die ersten 250 Seiten kämpft man mit der eigenen, europäischen Weltsicht - und beginnt erst danach zu verstehen, dass man die Welt tatsächlich auch anders sehen kann. Friedman geht sehr systematisch vor. Zunächst erklärt er das Phänomen der flachen Welt. Analytisch präzise, umfassend, mit reichlich Beispielen, Geschichten und Zitaten versehen, so dass es bei aller Präzision auch sehr plastisch ist. Manchmal scheint da ein wenig die Distanz zu fehlen, aber die persönliche Nähe, die persönlichen Erfahrungen wiederum machen es lesenswert und interessant. Dann werden die Konsequenzen dieser Veränderungen von wirklich allen Seiten beleuchtet. Konsequenzen für Individuen, Firmen und Staaten. Konsequenzen für unser Zusammenleben auf dem Planeten. Für die Ökologie, für die Politik, für den Welthandel, für Krieg und Frieden. Es ist ein Buch, das Mut macht. Es ruft auf, sich den Herausforderungen zu stellen, die die politischen und technologischen Entwicklungen seit den 90er Jahren mit sich gebracht haben. Es ruft auf zu einem neuen Pioniergeist, neuen Innovationen, mehr Bildung, mehr Inspiration, mehr Handel, mehr Kollaboration. Mehr Handel und Kollaboration in der flachen Welt als Schlüssel zu mehr Teilhabe, mehr Demokratie, mehr Wohlstand für alle. Ob das wirklich so ist und so sein wird, auf Dauer, mag man bezweifeln. Und dass die ökologischen Herausforderungen zu bewältigen sind, indem wir alle Elektroautos fahren, ist gewiss fraglich. Aber darauf kommt es nicht an. Es kommt darauf an, sich von Kleingeistigkeit, Bestandswahrung, Nostalgie und Neid zu befreien und mit den neuen technischen Möglichkeiten auch tatsächlich Neues zu wagen. Inder und Chinesen scheinen uns in der Tat vorzumachen, wie das gehen kann. In Europa hingegen wird ein Wirtschaftswachstum von mehr als 2% schon nahezu als Wirtschaftswunder gesehen. Wir scheinen nicht mehr im Stande, uns zu etwas Neuem, Großem aufzuschwingen, neue Kräfte zu mobilisieren, um das Potential zu nutzen, das uns die veränderte geopolitische Lage und Technologie beschert. Stattdessen beklagen und bejammern wir diese Entwicklungen, suchen Schuldige und versuchen, neue Mauern aufzuziehen. "Where you have hope, you have a middle class". Und wenn in Europa diese Mittelschicht zu verschwinden droht, dann kann man da durchaus einen Zusammenhang sehen. Sicher, die flache Welt birgt jede Menge Gefahren und Risiken - so wie die runde Welt auch. Aber hier schreibt einer, der für sich entschieden hat, dass unser Glas halbvoll ist. Mehr davon, viel mehr davon wäre wünschenswert und würde viel positive Energien freisetzen. Langatmig und öde 1 von 5 PunktenIch will versuchen, es im Gegensatz zu Friedman kurz zu halten. Das ganze Buch über belästigt der Autor den Leser mit langweiligen Werbespots (denn etwas anderes ist seine Hofberichterstattung von diversen CEOs, die ihn offensichtlich mit Vergünstigungen gekauft haben von denen er auch noch stolz berichtet, ohnehin nicht), drögen Plattitüden und netten Geschichten von Leuten, die es geschafft haben. Für die zehntausende, die durch die von ihm wie eine Ersatzreligion bejubelte "Globalisierung 3.0" ihre Existenz verloren haben, hat er immerhin ein aufmunterndes Schulterklopfen übrig. Hey, aus eurer Asche werden neue Industriezweige hervorgehen, also habt euch nicht so! Was für ein Trost. viel zu dick 1 von 5 Punktenvöllig überschätzt dieses buch, würde ich sagen. wirklich neues erfährt man nicht, es sei denn man hat noch nicht mitbekommen das china und indien sich zu wirtschaftsnationen aufschwingen. der technologische fortschritt bleibt natürlich auch nicht unerwähnt... er hätte nach den ersten 200 seiten schluss machen sollen, was danach kommt ist völlig langweilig, auch deswegen, weil er zu oft zu viel wiederholt... |
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Zwei Mädchen: Istanbul-Story von Perihan MagdenBroschiert von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 9,90, Angebote ab EUR 3,95 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3518460056, Erscheinungsdatum: Juni 2008, Auflage: 1 |
3 Kundenrezensionen:Istanbulerin, Feministin und Rebellin 5 von 5 PunktenEin Großstadt-Roman. Eine Liebesgeschichte. Eine Sechzehnjährige bricht aus dem konventionellen Leben aus, flieht zu einer Freundin und scheitert. Perihan Magden, von Kritikern wie Fans bewundert und gefürchtet, gehört zu den mutigsten, provozierendsten Autorinnen der Türkei. "Zwei Mädchen. Istanbul Story" beginnt mit einer Leiche und mit Behiye, einer jungen Studentin mit Skalpell, die stets schwankt zwischen Trauer, Wut und Verzweiflung. Wundervoll! 5 von 5 PunktenDieses Buch ist einfach nur Wow. Eine Mädchenfreundschaft, die mehr als nur eine Freundschaft ist, voller Liebe, voller Emotion, mit einer Zärtlichkeit und Intensität, die man sich kaum vorstellen kann. Die Beziehung zwischen Behiye und Handan wird auf liebevolle Art erzählt, bei der man kaum glauben kann, dass es tatsächlich wahr ist. Kein Buch für schwache Gemüter, denn die Gefühle der Beiden schwappen fast unweigerlich auf den Leser über, aber wer gerne mal von einer Liebe lesen will, die weit mehr ist als nur eine Liebe, sollte diese Geschichte auf jeden Fall lesen. Sehr, sehr, sehr empfehlenswert! Ein spannender Blick in die junge türkische Literatur. 4 von 5 PunktenDas schon 2002 in der Türkei erschiene Buch von Perihan Magden ist eine turbulente Story voller Emotionen im modernen Istanbul. Zwei Mädchen, die versuchen, sich den Konventionen ihrer Familien zu entziehen und ein anderes Leben als das ihrer Mütter zu führen. Dabei stolpern sie nicht nur über den Widerstand der Erwachsenen, sondern auch über ihre allzu naiven Zukunftsvorstellungen. Ein mitreißendes Buch, das mit seiner emotionalen Dramatik an türkische Soaps erinnert, aus der heimlichen Hauptstadt der Türkei. Die Autorin Perihan Magden gilt als eine der aufregendsten Schriftstellerinnen der Türkei, die wegen ihres offnen Umgangs mit gesellschaftlich-brisanten Themen schon öfter Probleme mit der türkischen Justiz und den religiösen Wächtern des Islams hatte. Ein spannender Blick in die junge türkische Literatur. |
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Briefe und Briefwechsel: Briefwechsel 7. Theodor W. Adorno/Siegfried Kracauer. Briefwechsel 1923-1966: "Der Riß der Welt geht auch durch ... durch mich..." Briefe und Briefwechsel: 7 von Theodor W. Adorno, Siegfried KracauerGebundene Ausgabe von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 32,00, Angebote ab EUR 29,00 ISBN: 3518584960, Erscheinungsdatum: November 2008, Auflage: 1 |
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Maschinenwinter - Wissen, Technik, Sozialismus. Eine Streitschrift von Dietmar DathBroschiert von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 10,00, Angebote ab EUR 8,50 ![]() 3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3518260081, Erscheinungsdatum: April 2008, Auflage: 1 |
5 Kundenrezensionen:Es gibt doch noch Hoffnung 5 von 5 PunktenSeltsame Einwände provoziert dieses Buch: Ein Leser vergleicht den Autor Dath mit Bernstein, weil Dath ihm nicht leninistisch genug ist; der andere holt den alten Ludwig von Mises aus der Mottenkiste, weil er nicht gemerkt hat, dass Dath gerade dessen grobe und stumpfe Verteidigung des Kapitalismus in diesem Buch schön beiläufig vernichtet, ohne sich dabei freilich allzu ausführlich aufzuhalten. Und dass man einem Autor als Fehler vorwirft, er vertrete eine andere Vorstellung von Geldwert als die der VWL-Religion unserer Zeit, ist schon lustig, wenn doch gerade die Ablehnung dieser VWL-Religion im Mittelpunkt des Buches steht. In Wirklichkeit ist 'Maschinenwinter' eine hervorragend geschriebene, sehr leicht zugängliche Abhandlung, klar genug, dass man sie leicht als Strandlektüre zum Badesee mitnehmen kann. Auf 130 Seiten bringt Dath seine Gedanken in 34 Kapiteln, die jeweils einen Kerngedanken umfassen, näher. Dass in diesem Text unbedingt eine Auseinandersetzung mit dem Thema Technik erfolgt, wie der Titel nahelegt, liegt nicht etwa an einem Hang des Autors zur Maschinenstürmerei. Dath will uns nicht erzählen: 'Maschine besser' und 'Leben schlechter', folglich 'Maschine schlecht'. Im Gegenteil, nicht die Maschinen sind die Ursache, nicht die Technik, die alles beschleunigt und den Menschen das Gefühl gibt, instrumentalisiert zu werden. Es sind Menschen, die die Maschinen besitzen. Es geht also nicht um die Abschaffung von Maschinen. Das Problem ist, dass die Autonomie, also die maschinelle Arbeitserleichterung als Versprechen für den modernen Menschen, aus der Hand gegeben wurde. Die Menschen sollen die Maschinen befreien, damit die wieder das tun, wozu sie erschaffen worden sind: den Menschen das Leben zu erleichtern. Wenn man nur ein Buch zum Thema 'Wie tot ist eigentlich der Fortschritt?' lesen möchte, so nehme man sich dieses Bändchen. Kapitalismuskritik heute 5 von 5 PunktenWie sollte heute eine Kapitalismuskritik, die angesichts der jüngsten Ereignisse (siehe die jüngsten Bankenbeben etc.) wieder in aller Munde geführt wird, aussehen? Gibt es eine herrschende Klasse? Wenn ja, wie wird man sie los? Welche Fehler können dabei gemacht werden? Dietmar Dath liefert in Maschinenwinter" die Bestandaufnahme des Bestehenden ohne in moralische Appelle zu verfallen. Er betont geradezu, dass (Moral beiseite) es darum geht, wie sich das Bestehende in Einklang mit etwas viel wichtigerem, nämlich der Vernunft, bringen lässt. Er gestattet weiterhin eine klare Sicht auf die verschiedenen Interessengruppen. Weiterhin liefert Dath konkrete Angaben dazu, was aus der Sicht der Vernunft zu ändern ist, nicht nur um das System zu beenden, das vorherrscht, sondern auch um eine bessere Zukunft zu gestalten. Damit hat Dietmar Dath in Maschinenwinter nicht nur eine Analyse geliefert, sondern eine scheinbar überholte Theorie aufgefrischt, den Marxismus. Er klärt auf, wie unvernünftig eine Welt organisiert ist, die angesichts hochentwickelter Produktivkräfte nicht in der Lage ist, den kollektiv geschaffenen Reichtum gerecht zu verteilen. Was dagegen passiert, ist die Aussortierung und Entwürdigung von immer mehr Menschen, die nicht ins Schwiegersöhne- oder Klassenkonzept passen. All dies und weitere Denkanstöße liefert das Buch. Von bestechender Logik 5 von 5 Punkten"Die Menschen müssen ihre Maschinen befreien, damit diese sich (bei den Menschen - dm) revanchieren können." Ein witziger Satz, der als Bildunterschrift ganz am Ende des Buches steht. Das so kommentierte Foto zeigt einen menschenähnlichen Roboter, der in Fesseln gelegt ist, und eine junge, etwas ratlos ihn betrachtende Frau. Den Leser/die Leserin erwartet in diesem kurzen, gehaltvollen und originellen Büchlein ein Schnelldurchlauf durch Technik, Wissenschaft, Gesellschaft unter dem Gesichtspunkt des seltsamen Umstandes, dass Maschinen (im weitesten Sinne) die menschliche Arbeit erleichtern (faktisch oder potentiell), aber gleichwohl in vielfältiger Weise als (nicht nur eingebildete) Bedrohung empfunden werden. In verblüffend klarer und überzeugender Argumentation, die viel mythischen Nebel fortpustet, arbeitet der Autor heraus, dass es die sehr spezifische Art der Verfügungsgewalt über diese Maschinen ist, die aus potentiellem Segen oft realen Fluch machen. Er macht klar, dass über eine andere Art der Verfügung, nämlich eine wirklich gesellschaftliche und planmäßige nachgedacht werden muss, wenn man aus den Mystifikationen und realen Widersprüchen der bestehenden, modernen oder pseudo-modernen Gesellschaften herauskommen will. Trotz kleiner Schwächen, wenn der Hebel gar zu grob angesetzt wird, ein ausgesprochen anregendes Buch. Von dem orthodoxen Marxismus, ja Leninismus, dem der Autor in mehrfacher Hinsicht seine Referenz erweist, trennt ihn die Ablehnung dessen Annahme von Zwangsläufigkeit in der geschichtlichen Entwicklung. Dath bringt diese Ablehnung in den bildhaften Satz, dass Noah eben die Arche auch tatsächlich bauen musste, als er Kunde vom großen Regen erhielt. Überhaupt macht die Anschaulichkeit und Prägnanz, mit der Dath seine im übrigen durchaus abstrakten Thesen vertritt, das Buch gut lesbar. Ich verstehe das Buch als eine durchaus fundierte Provokation, die aus allzu billigen, eingefahrenen und nicht mehr fruchtbaren Denkschemata herauslocken will. Man darf sich die Argumente des Autors in einer ruhigen Minute, vielleicht in trauter Gesprächsrunde zu Gemüte führen. Antworten auf die Probleme, die er darlegt, werden sich nur bedingt in der Rückschau finden lassen, aber ganz auf Antworten verzichten zu wollen - das wäre der faule Noah. Maschinenwinter führt zum Kälte- und Hungertod 1 von 5 Punkten2010 jährt sich zum neunzigsten Mal der öffentliche Nachweis der Unmöglichkeit des Sozialismus. Ludwig von Mises hatte gezeigt, dass mangels einer funktionsfähigen Wirtschaftsrechnung, die in Marktwirtschaften das Preissystem sicherstellt, Sozialismus geplantes Chaos sein muss (als Buch: Die Gemeinwirtschaft, engl.: Socialism). Neosozialistische Überlegungen wie der Essay von Dietmar Dath scheitern stets bereits an dieser Hürde und bleiben literarische Fingerübungen ohne hinreichenden Realitätsbezug. Die 34 lose aneinander gereihten Kapitel über Moral, Technik, Existenzgeld, Fortschritt und manches mehr sind ein weiterer Beleg für den zum Scheitern verurteilten Sozialismus und zugleich für seine ungebrochene Anziehungskraft für Intellektuelle. Bereits Daths Kernthese ist falsch: Maschinen verschlechtern unsere Lebensverhältnisse nicht zunehmend, sondern sind ein wichtiges Element unserer für breite Massen kontinuierlich verbesserten Lebensverhältnisse wie jüngste empirische Wohlstandsvergleiche zwischen 2005 und 1905 erneut plakativ aufzeigen. Die internationale Arbeitsteilung führt gerade auch durch den vermehrten Einsatz von Maschinen zu Produktivitätssteigerungen, die etwa in der Medizin und Lebensmittelproduktion buchstäblich unser Überleben sichern. Zugleich ist die Globalisierung ein weiterer schlagender Beweis, dass die Geschichte der Menschheit ganz wesentlich eine Geschichte der Kooperation und nicht des Klassenkampfes ist. Es erstaunt nicht, dass Dietmar Dath immer wieder im Detail scheitert, beleuchtet er doch nur das, was er sehen möchte: Rationalisierung wird auf das Freisetzen von Arbeitskräften beschränkt. Im Dunkeln liegt für ihn, dass auf diese Weise wertvolle Arbeitskräfte für andere, dringende Aufgaben frei geworden sind und dort eingesetzt werden. Wohl kaum einmal zuvor waren weltweit mehr Menschen beschäftigt als heute, den Wrnungen von Kutschern vor Arbeitsplätze vernichtenden Autos zum Trotz. Zugleich kann lediglich der Staat mit seinem Zwangsmonopol, nicht aber der Kapitalist und Unternehmer, Menschen zur Arbeit zwingen (S. 17). Zugleich dürfte es die mangelnde Klarheit und Mehrdeutigkeit sein, die nicht nur im Feuilleton, sondern auch in der Politik anziehend wirkt - die Beispiele in Maschinenwinter sind Legion: 'Privatisierung', also mehr oder weniger erfolgreiche Piraterie im Interesse der Besitzenden, soll das große Ganze neu formatieren. Sorgen? Man kehre vor der eigenen Tür, hier gibt es keine Gleichheit. Manche haben dafür Staubsauger, eine wachsende Zahl muss es mit den bloßen Händen versuchen. (S. 19) Erschließt sich Ihnen, wieso die Umwandlung von Staats- in Privateigentum mit dem gewaltsamen Raub von Eigentum vergleichbar sein soll? Privateigentum hat noch immer für Massenwohlstand, Kollektiveigentum hingegen wiederholt zu massenhaftem Hungertod geführt. Zu krass? Dann werfen Sie einmal einen Blick auf Nordkorea. Haben Sie schon häufiger oder überhaupt einmal bloße Handkehrer gesehen? Staubsauger sind wahrlich kein erschreckendes Exklusivgut mehr, sondern eine echte Hilfe, und ein Besen kehrt vor dem Haus sogar besser. Zahlreiche grundsätzliche Irrtümer und folgenreiche Flüchtigkeitsfehler durchziehen Dietmar Daths Ausführungen. Ein Beispiel: Der Wert des Geldes wird nicht durch Güter, sondern durch seine Knappheit bestimmt (S. 43). Ferner scheinen dem Science Fiction Liebhaber das Zustandekommen von Preisen und ihre Funktion unbekannt zu sein; das gilt auch für Zinsen und die Bedeutung des Kapitals. Kurzum, Maschinenwinter vermag es nicht, den unzulänglich eingemotteten Sozialismus vom Schnee zu befreien. Vielmehr müssen sich Intellektuelle wie Dietmar Dath den Vorwurf gefallen lassen, dass sie Abermillionen Tote - die Begleiterscheinung sozialistischer Experimente weltweit - durch vermeintlich schicke feuilletonistische Beiträge verschleiern. Die Wurzeln des Antikapitalismus kann man in dem gleichnamigen knappen Buch von Ludwig von Mises nachlesen, das erstmals 1956 erschien, vierzehn Jahre vor Dietmar Daths Geburt und gut 30 Jahre vor dem zwangsläufigen Offenbarungseid des Sozialismus. Kerzenanzünder Bernsteins 2 von 5 PunktenIch habe dieses Büchlein eigentlich nur gelesen um heraus zu bekommen warum Spiegel Online in Zusammenarbeit mit Suhrkamp ein Schriftchen verlegt, das von einem bekennenden Sozialisten" geschrieben ist, der die bürgerliche Gesellschaft beseitigen will, zumindest abstrakt gesehen, und dann auch noch Marx, Lenin und den Plan abfeiert. Das Marx zum Kanon der bürgerlichen Geisteswissenschaften gehört, ist eine Binse. Verschwiegen wird von seinen bürgerlichen Protagonisten seine Gewissheit, dass der Bourgeoisie bei ihrer Geburt , schon das Totenglöcklein in die Wiege gelegt wurde, und das die hiesige Gesellschaft mit Gewalt zu beseitigen sein wird. Lenin wird vor allem mit letzterem in Verbindung gebracht, hat er doch der schmerzhaften Geburt der ersten sozialistischen Revolution tatkräftig zu Seite gestanden. Das gerade nun Dietmar Dath, den Marxismus-Leninismus durch publizistische Hilfe des juvenilen konservativ-bürgerlichen Leitorgans Spiegel Online wiederbeleben will, ist schon aus Gründen der Eigentümerinteressen dieses Mediums sonderbar. Aber soweit geht es nun doch nicht. Nach der Lektüre stellt sich dem Leser die Frage, was einem nun Herr Dath eigentlich sagen will? Politisch verbindlich ist der Text jedenfalls nicht, wiederholt er doch Binsen, wie die gesellschaftliche Notwendigkeit von Demokratie und Planbarkeit des Lebens und Klassenkampf, wobei Ersteres (in eingeschränkter Form) und Zweiteres schon bei Aristoteles zu Lesen ist, und Letzteres Marx ins bürgerliche politische Bewusstsein geholt hat. Der Klassenkampf ist für jeden gestandenen Bourgeois keine theoretische Phrase wusste schon Lenin, erst die revolutionäre Konkretheit wird ihm ungeheuerlich. Und an dieser Grenze verbleibt auch Dath, fühlt er sich zu der theoretischen Bearbeitung der revolutionären Praxis nicht befugt, muss sich diese Praxis nach ihm eher aus sich selbst entwickeln. Damit gelangt er dort an, was er am Anfang seines Textes kritisiert hat, bei der Anbetung der Spontanität. Er fällt somit wieder hinter Lenin zurück, ist also auch nur ein Kerzenanzünder Bernsteins, und ein willkommener Autor bei Spiegel Online und Suhrkamp. Zwei Sterne dafür, dass Lenin und Marx im öffentlichen Diskurs erscheinen ohne dämonisiert zu werden. |
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