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Marionetten von John le Carré

Gebundene Ausgabe von Ullstein Hc
Preis bei Amazon: EUR 22,90, Angebote ab EUR 12,00

3,5 von 5 Punkten
3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 355008756X, Erscheinungsdatum: November 2008
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Aus der Amazon.de-Redaktion



Interview mit John le Carré

Frage:
In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis­he­ri­­gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen Sie darin eine neue Richtung?

Antwort: Darüber muß die Kritik befinden. Und mit dem kritischen Prozeß habe ich ja nichts zu tun. Ich mag dieses Buch jedenfalls sehr. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Ich mußte meine Figuren nur anstupsen, schon lief alles so, wie ich wollte. Ich bin die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen, und meine Figuren haben die­­­­se Wut für mich zum Ausdruck gebracht. Ich wollte einen Thriller schreiben, und beim Schreiben hat mich genau die gleiche Angst gepackt, wie sie hoffentlich auch meine Le­­ser packt. Was mich verblüfft hat, war die Öko­nomie des Ganzen. Normalerweise arbeite ich nicht so sauber. Aber diesmal gab es keine falschen Spuren, keine Sackgassen, keine riesigen Mengen von Ausschuß wie sonst so oft. Ich hatte in meine Vergangenheit gegriffen, und der Instinkt oder ein glücklicher Zufall hatten mich genau die Figuren und Hintergründe her­ausziehen lassen, die ich brauch­­te.

Frage: Heißt das, Sie hatten die Figuren bereits fertig im Kopf, bevor Sie überhaupt mit dem Schreiben begonnen haben?

Antwort: Es gibt zwei Figuren in diesem Buch, die sich schon lan­ge vorher in meinem Schriftstellergedächt­nis eingenistet hat­ten und auf ihren Auftritt warteten. Man­che Figuren sind so. Sie reifen in der Flasche, zum Teil über Jahrzehnte. Dieser alte Mann zum Beispiel, den ich einmal in St. John's Wood getroffen habe. Er saß auf einer Bank, die Einkäufe einer ganzen Woche zu seinen Füßen, und weinte. Als ich ihn fragte, warum, sagte er mir, das Geschimpfe sei­ner Frau sei ihm so unerträglich geworden, daß er einfach nicht den Mut zum Heimgehen auf­bringe. Oder der zwölfjährige Junge in dem Kran­kenhaus in Palästina, dem eine Streu­bombe beide Beine wegge­rissen hatte und der alle, die an seinem Bett vorübergingen, mit hochge­recktem Daumen begrüßte. Diese bei­den habe ich bisher noch nir­gends untergebracht. Bei dem alten Mann habe ich es in Gehei­me Me­lodie versucht, aber irgendwie wollte er sich nicht einbauen lassen. Und über den palästinensischen Jungen werde ich wahrschein­lich niemals schreiben können. Er ist für mich nicht einfach eine Romanfigur, er ist ein Symbol nicht zu unterdrückender Tapferkeit.

Dafür konnte ich über einen anderen Jungen schreiben, einen einundzwanzigjährigen Tschetschenen namens Issa, den ich 1992 bei meinen Recherchen zu Unser Spiel in Moskau kennen­gelernt hatte. Er war ein Aussteiger, halb Tschet­sche­ne, halb Russe, und wohnte in einem musli­mischen Getto in den Moskauer Außenbezirken. Im Haus trug er immer eine Pistole im Gürtel. In Moskau mußte man damals (wie heute übrigens auch noch) nur asiatisch aussehen, um verhaftet zu werden - und Issa sah asiatisch aus. Ich war mit ihm nie auf der Straße unterwegs, des­halb weiß ich nicht, ob die Pistole ihn außer Haus beglei­tete. Er war groß und ausgemergelt und gab sich fast aufreizend würde­voll, trotz oder gerade wegen der Tat­sache, daß seine halbrussische Abstammung ihn zum Gespött der echten Tschet­schenen machte.

Für die tschetschenische Sache kämpfte er aus Op­position gegen seinen Vater, einen ehemaligen Oberst der russi­schen Besat­zungs­armee. Seine Mutter war ein Mäd­chen aus den tsche­tschenischen Bergen gewesen, und ihre eigenen Leute hatten sie dafür bestraft, daß sie ver­ge­waltigt worden war: die Dorfältesten sahen es - wodurch auch immer - als erwiesen an, daß sie willfährig gewesen war und kommandierten zur Wieder­herstellung der Familienehre ihre männ­lichen Angehöri­gen dazu ab, sie zu töten, sobald sie ihr Kind zur Welt gebracht hat­te. Als der Vater nach Moskau zu­rück­­beordert wurde, nahm er Issa mit und gab sich alle Mühe, aus ihm einen ordentlichen Rus­­sen­­jungen zu machen. Die besten Schu­len, alles das. Mit dem Erfolg, daß sich Issa, so­bald er dazu in der Lage war, den tschetschenischen Separa­tisten anschloß. Und daß er zum Islam kon­ver­tierte - aus Liebe zu einer Mut­ter, die er nie gekannt hatte. In dem Buch, das ich jetzt plante, hatte ich endlich die ideale Rolle für Issa; ich behielt sogar seinen Vor­namen bei – das tschetschenische Wort für Jesus. Wobei mein Issa im Roman natürlich nicht mehr der Issa ist, den ich damals in Moskau kannte. Um echte Menschen in Romanfiguren zu verwan­deln, müssen wir unserem begrenzten Einblick in ihr Inneres nachhelfen, indem wir ihnen ein paar Züge von uns selbst verleihen.

Frage: Und die zweite Figur, die schon auf ihren Einsatz ge­warte­t hat, war Ihr quertreiberischer deutscher Agenten­füh­rer, hab ich recht? Herr Bachmann?

Antwort: Nein. Der hat sich auf eigene Faust Zutritt verschafft. Ich kannte eine ganze Reihe von Bachmanns zu meiner Zeit, abgehalfterte, ausgebrannte Geheimdienstleute wie Alec Lea­mas in Der Spion, der aus der Kälte kam. Bach­mann war aus demselben Stall. Nein, die andere Figur, die schon in meinem imaginären Wartesaal saß, war Tommy Brue, der sechzigjährige Schotte und Erbe einer angeschlagenen Privatbank, der un­versehens in Issas Leben hineingezogen wird. Wie Issa hatte auch Brue einen höchst problematischen Va­ter. Der von Brue hat vor ihm die Bank gelei­tet, in Wien. Alle haben Väter in diesem Buch. Alle tragen die ganz persönlichen Kämpfe aus, die ihre Geburt und ihre Lebens­umstände ihnen mit auf den Weg geben. Das ist wahr­schein­lich meine Art, meine eige­ne schwie­rige Vaterbe­ziehung aufzuarbeiten, über die ich in Ein blendender Spion geschrie­ben habe. Ich habe selber eine Zeit­lang in Wien ge­lebt. Und es ist zwar schon vierzig Jahre her, aber mir ist leb­haft der trinkfreudige schottische Bankier im Ge­dächt­nis, der mich damals immer wieder bestürmt hat, doch ein Num­mern­konto bei ihm zu eröffnen - keine Namen, kei­ne For­malitäten. Es war nicht mein Geld, hinter dem er her war. Es ging ihm um die Ka­me­rad­schaft. Er war ein einsamer Exil­engländer mit einer zerbröckelnden Ehe, und Geld war nur ein Vorwand für ihn, sich an Leute an­zu­nähern, die er mochte. Ich hat­te allen Ern­stes ein schlech­tes Gewissen, daß ich kein Num­mernkonto bei ihm aufmachte, aber dieses eine Mal siegte die Vernunft, und als ich aus Wien wegging, war er denn auch in ei­nen unschönen Skandal verwickelt. Einen Skandal übrigens, an dem sein Vater die Schuld trug!

Frage: Das waren also die beiden Figuren, die es schon gab, als Sie mit der Geschichte begonnen haben?

Antwort: Es gab auch noch eine dritte Figur. Eine extrem wichtige sogar: die Stadt Hamburg. Es hat mich beim Schreiben ja immer wieder nach Deutschland zurückgezogen, so wie es auch George Smiley im­mer wieder zurückgezogen hat: nach Deutschland, dem Motor Europas, Deutschland mit seinem aggressiven Alleingang im zwanzigsten Jahrhundert, Deutschland, der Wiege eines so großen Teils unserer europäischen Kultur. Aber diesmal mußte es Hamburg sein, Hamburg oder gar nichts. Und in vieler Hin­sicht stellt es die exotischste Figur im gan­zen Buch dar. Das heutige Hamburg ist eine vitale, quirlige, schöne, selbst­bewußte Stadt: kein kulturelles Juwel, aber dafür die reichste Stadt in Europa. Aber Hamburg blickt auf eine turbulen­te Geschichte zurück: erst Besetzung durch Napoleon, 1918 dann Machtübernahme durch die Kommunisten und 1933 durch die Nazis. 1933 lebten zwanzigtau­send Juden in Ham­burg, 1945 waren es keine tausend mehr. Die Bombardierung Hamburgs durch die Alliierten 1943 kostete in einer einzigen Woche mehr Menschen das Leben als der ganze Blitz­krieg gegen England oder die Atombombe auf Nagasaki: fünfundvierzig­tausend. Um so mehr grenzt der Wiederaufbau Hamburgs nach dem Krieg an ein Wunder. Toleranz und Libera­lismus, so lautete Hamburgs neue Parole. Was einer der Gründe sein mag, warum die Stadt unwissentlich den Nährboden für Ulrike Meinhoff und die Baa­der-Meinhoff-Bande abgab – und Jahre später für Mo­hammed Atta und ein halbes Dutzend der Flugzeug­entführer vom 11. September und ihrer Mit­verschwörer.

Ich hatte noch ein anderes Motiv für meine Wahl, ein ganz persönliches. Ich war ein heimkehrender Sohn. Anfang der sechziger Jahre war ich britischer Konsul in dem mitt­ler­weile geschlossenen Hamburger Generalkonsulat gewesen. Die Bri­tische Botschaft in Bonn hatte mich in einer Eilaktion dort hinver­frachtet, nachdem ich als der Autor von Der Spion, der aus der Kälte kam enttarnt worden war. Meine Arbeitgeber hatten nichts gegen das Buch an sich, aber sie hatten nicht mit dem Aufsehen gerechnet, das meine Autorschaft erregte. Hamburg schien ihnen da angenehm weit ab vom Schuß. Da saß ich also, unschlüssig, ob ich meine Geheim­dienstkarriere weiterver­folgen oder mich ganz aufs Schreiben verlegen sollte. Als ich mich dann für die Schriftstel­lerei entschied, verließ ich Hamburg fast heimlich. Ich erinnere mich an keinerlei Ab­schie­de. Es war ein bißchen, als hätte ich eine Liebes­affäre mit der Stadt begonnen und wäre dann über Nacht abgereist, ohne meine Telefonnummer zu hinterlassen. Was wiederum ein starkes Bedürfnis in mir auslöste, die Beziehung da wieder­aufzunehmen, wo ich sie so rüde abgebro­chen hatte.

Frage: Nach vierzig Jahren?

Antwort: Ein paarmal war ich auch zwischendurch dort gewesen, aber nie lange genug. Es ist sicher Zufall, daß ich den 11. September 2001 in Hamburg erlebte, aber rückblickend fühlt es sich nicht so an. Ich recherchierte damals für ein ganz anderes Buch - Absolute Freunde, auch ein Roman über Deutsch­land -, und ich hatte mir den Vormittag über in einem Fern­seharchiv Filmaufzeichnungen aus den sechziger und siebziger Jahren angese­hen, in denen [[der anarchistische Studenten­führer]] Rudi Dutschke seine Anhänger gegen Ame­ri­ka auf­peitschte. Als ich danach ins Hotel zu­rück­kam, erwartete mich eine Nachricht mei­ner Sekretärin in Cornwall: "Gehen Sie so­fort zum nächsten Fern­seher." Ich gehorchte und kam gerade rechtzeitig, um das zweite Flugzeug in die Zwillings­türme kra­chen zu se­hen. Den Morgen hatte ich mit Rudi Dutschke ver­bracht, den Nachmittag verbrachte ich nun mit Osama bin Laden, beides erklärte Feinde des amerikanischen Kolonialismus, der Glo­balisierung und all dessen, was wir Fortschritt nennen. Ich blieb noch etwa eine Woche in Deutschland und hörte mir die Reaktionen von Freunden an. Nach außen hin hätte das Mit­gefühl für die Vereinigten Staaten kaum größer sein können: Kerzen auf ame­r­ikanischen Türschwellen, eine herzergreifende Beileidsbekun­dung auf einem Transparent am Brandenbur­ger Tor, und und und. In­­­offiziell fielen die Kommentare oft harscher aus. Ein sechzigjähriger evangelischer Pfarrer meinte zu mir, es geschehe den Amerikanern ganz recht. Für sei­ne Generation zumindest war Rudi Dutsch­kes Botschaft noch nicht gänz­lich verhallt.

Frage: Und Annabel, Ihre deutsche Bürgerrechtsanwältin, die Issa vertritt - wo kam die her?

Antwort: Eigentlich hätte ich die Rolle ja gern mit einer Frau aus der ehemaligen DDR besetzt, als eine Art Gegengewicht zu Ham­burgs überbordendem Materialismus, aber das traute ich mir denn doch nicht zu. Also habe ich mich statt dessen für eine Ideali­stin aus einer wohlhabenden Aka­de­mi­kerfamilie ent­schie­den, eine Menschenrechtsanwältin, und zwar eine mit einem gehörigen Funken Rebellentum. Puritanisch, aber freidenke­risch, ge­gen das Establishment, aber dennoch Teil davon, und fast schon übertrieben korrekt, besonders im Umgang mit Issa. Und attrak­tiv. Schließlich gehört ja auch eine Portion se­­xueller Spannung zu einer Beziehung zwischen ei­nem Muslim von Anfang zwanzig, der jahrelang ohne weibliche Gesellschaft auskommen mußte, und einer engagierten jungen Frau, die sich von seiner Not anrühren läßt. Der Issa, den Annabel kennen­lernt, war im Ge­fäng­nis und ist gefoltert wor­den. Die Folter ist ei­ne ent­setz­liche Art von Ritterschlag. Wir nicht Gefol­terten können mit den Gefolterten niemals gleichziehen, gottlob. Wir haben ein schlechtes Ge­wissen ihnen gegenüber, wir wollen sie beschützen, wir glauben, ihnen alles schuldig zu sein. Daraus speisen sich Annabels Gefühle. Fügen Sie der Mi­schung noch meinen Bankier Brue hinzu, und der Reigen ent­täuschter Liebe ist komplett. Ich fand, die Che­­­mie stimmt. Wie ich Ihnen schon zu Anfang gesagt habe, ich mag dieses Buch.

Frage: Wie wird es von den Kritikern aufgenommen werden, meinen Sie?

Antwort: So wie meine Bücher immer aufgenommen werden. In mei­nem Alter hat man seine Fans und seine Feinde, und sie än­dern sich nicht groß. Diejenigen, die mich für überschätzt halten, werden das kundtun. Diejenigen, die mich für unter­schätzt halten, werden es ebenfalls kundtun. Und in ein paar Jahren wird sich sowieso keiner mehr erinnern, wie das Buch auf­ge­nommen worden ist. Jeder halbwegs seriöse Schriftstel­ler hat es im Gefühl, wann er sein bestes gegeben hat und wann er hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Eine breite Leser­schaft zu haben ist ein Privileg, und ich habe in dieser Hin­sicht sehr viel Glück gehabt. Ich halte die­­ses Buch für eins meiner besten, und das macht mich sehr froh. Noch froher wür­de es mich natürlich machen, wenn meine Leser derselben Mei­nung wären.

Frage: Sie sagten, Sie wären die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen. Wut worüber?

Antwort: Zum Teil darüber, daß um mich herum so wenig Wut zu spüren ist über das, was mit unserer Gesellschaft passiert, angeblich auch noch zu unserem eigenen besten. Wir sind unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in einen Krieg getrieben worden, wir werden in einer Atmosphäre der Panik unserer Frei­heitsrechte beraubt. Unsere Anwälte gehen nicht auf die Straße, wie es die Anwälte in Pakistan getan haben. Unsere Abgeordneten fallen auf ihre eigenen Meinungsmacher herein und glau­ben am Schluß die Propaganda, die sie selbst verbrei­ten. Unser Außen­minister muß eine Nahostmission abbrechen, damit die zweiundvierzigtätige Untersuchungshaft für Ter­roris­mu­sverdächtige durchgedrückt werden kann. Manche nennen mich einen zornigen alten Mann. Von mir aus. Man muß nicht alt sein, um sich über so etwas auf­zure­gen. Wir haben unsere Souveränität unserer „be­sonderen Beziehung“ zu Amerika ge­opfert, an der keiner etwas Besonderes findet außer wir selbst, darum wollte ich der Frage nachgehen, in­wie­weit Deutsch­­land unsere Fehler nachzuahmen gedenkt.

Aber das ist alles heiße Luft, wenn nicht die Geschichte und die Figuren den Ball nehmen und damit loslaufen - und das machen sie in diesem Buch. Und deswegen mag ich es so.
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5 Kundenrezensionen:

Sehr schwache Kost
2 von 5 Punkten 2 von 5 Punkten
In Summe ein sehr langweiliger Roman. Es kommt kaum Spannung auf und das erschreckende es gibt außer ein paar Denkanstößen überhaupt nichts Neues. Zu keiner der Personen kann irgenweine Art von Bindung oder Beziehung aufgebaut werden. Das Ende ist mehr als vorhersehbar. Was soll also so beeindruckend an diesem Werk sein? Bin doch sehr enttäuscht.
Sagt alles und Nichts über die Geheimdienste
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
Issa, ein junger Moslem mit tschetschenischem Hintergrund flüchtet vor der Gefangenschaft und Folter in türkischen und russischen Gefängnissen und gelangt illegal nach Hamburg. Dort findet er Hilfe bei einer engagierten Anwältin der Einwanderer-Hilfsorganisation Fluchtpunkt.
Issa ist gleichzeitig Erbe eines Vermögens an Blutgeld, das in einer Hamburger Bank gewaschen wird.
Allein diese Konstellation reicht aus, damit sich die Geheimdienste dreier Nationen an seine Fersen heften. Es beginnt ein Gerangel an Kompetenzen innerhalb der Dienste und ein Spiel mit der Macht. Bis zum Schluss bleibt die Frage offen, wer dieses Spiel gewinnt bzw. wer die Marionetten im Spiel sind, die dem Buch den Titel geben
.
Insgesamt ein spannendes Buch, das, wie zu erwarten, sehr geheimdienstlastig geschrieben ist. Dies geht ein Bisschen zu Lasten der Charaktere, die weitgehend blass sind. Am Ende weiss man aber eigentlich nichts Neues - gute Unterhaltung, aber ohne das gewisse Etwas.
anders als erwartet
2 von 5 Punkten 2 von 5 Punkten
Melik, ein junger türkischer Boxer, lebt mit seiner Familie in Hamburg. Immer wieder begegnet ihm ein junger Mann. Er kommt in Kontakt mit ihm; Issa ist illegal in Deutschland, er ist Tschetschene, saß in Russland bereits im Gefängnis. Er spricht etwas Türkisch und erzählt, dass er nach Deutschland gekommen ist, um Medizin zu studieren, dieses Vorhaben aber nicht möglich ist, da er sich nun verstecken muss.
Melik und seine Mutter Leyla beschließen ihm zu helfen, weitere Unterstützung bekommt Issa von der Anwältin Annabel Richter und einem Bankier.
Geheimdienste sind hinter Issa her und halten ihn für einen islamischen Terroristen. Da Schwarzgeld eine nicht unerhebliche Rolle dabei spielte, dass er nach Deutschland kommen konnte, verhärtet sich dieser Verdacht sehr bald ...

Superspannend beginnt dieser Roman, doch leider wird es ab dem 2. Kapitel sehr langweilig; statt Tempo gibt es endlos lange Gespräche und Szenen, in denen nichts oder kaum etwas passiert. Dazu kommt ein zäher Schreibstil, Carre produziert meist richtige Bandwurmsätze.
Ich empfand diesen Roman als sehr ermüdend zu lesen. Vom Anfang war ich begeistert; es fängt direkt spannend an, doch dann zieht es sich leider, auch konnte ich mit keiner der Figuren etwas anfangen, der Funke sprang einfach nicht über.
ch hatte einen schnellen Thriller erwartet das ist dieser Roman ganz sicher nicht. Das Thema an sich ist nicht uninteressant und wer gerne über Geheimdienste, Korruption und Verrat liest, ist mit diesem Buch bestens bedient.
Brilliantes Werk
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Dass John le Carre die US-Regierung wegen des Irak-Krieges "Junta" nannte, ist bekannt. Nun bekommt sie ihre brilliante Abrechnung für Guantanamo.

Da ist der flüchtige Tschetschene Issa (Jesus), von dem wir wissen, dass er in zwei Ländern im Gefängnis sass, aber von dem wir nicht erfahren, ob und welche Verbrechen er begangen hat. Es wird auch nicht gesagt, dass er selbst welche plane (wie es die "Dienste" nicht müde werden zu behaupten).

Da ist die Annabel, die Ideali­stin aus einer wohlhabenden Aka­de­mi­kerfamilie und Bürgerrechtsanwältin, die dem Issa zu Medizinstudium, legalem Aufenthalt und viel Geld verhelfen will.

Und da ist der britische Banker Tommy Brue, dessen Bank zuerst in Wien (Oh Dritter Mann), dann in Hamburg russisches Schwarzgeld blütenweiss wäscht.

Doch bei aller Tiefe der Personenbeschreibung und Darstellung ihrer Motive sind sie nicht Herr ihres Handels, sondern werden zu Marionetten eines miesen Spieles der "Dienste", die den Rechtstaat hassen und ihn umgehen, wenn sie ihn schützen sollen.

So brutal hat le Carre noch nie mit der miesen Performance der Dienste abgerechnet (die im Sauerland in "Sprengflüssigkeiten" panschen, wo Täter ohne Tat für die Absicht mit nicht funktionierenden "Bomben" lebenslang in das Gefängnis gestopft werden und wo Liebesbriefe zu Verschwörungen einer terroristischen Vereinigung umgedeutet werden).

Keine einzige Leiche, kein Mord, kein Totschlag, keine wilden Verfolgungsjagden und dennoch stellen sich einem gruselig die Nackenhaare hoch, weil er so nah an der Realität schreibt, die uns alle noch im Ohr ist.

Im Nachwort wird der Kurat Murnaz erwähnt, der jahrelang von der "Junta" am Rechtsstaat vorbei ohne Tat in Guantanamo festgehalten wurde.

Am Rande: ich habe das Buch in Englisch genossen und wurde nicht durch unterschiedliche Zwischenstände korrekter deutscher Rechtschreibung vom Inhalt abgelenkt. Aber so sind wir: Fehler in der Rechtsschreibung finden wir, aber unser Bundespräsident unterschreibt bedenkenarm das BKA-Gesetz, das uns die le-Carre-Fiktion wieder ein Stück näher an die Realität bringt, und wir beschweigen es lauthals.
Wir alle sind Marionetten unseres eigenen Denkens.
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
John le Carré skizziert in seinem Thriller eine Szenario, wie es sich tagtäglich zutragen dürfte. Ein Illegaler wird verdächtigt nur aus einem Grund hier zu sein - um Unheil zu stiften. Gesucht werden immer nur Beweise, die DAFÜR sprechen, niemals aber dagegen. Und so entsteht ein Schauspiel, das einerseits geradezu krotesk paranoid ist, andererseits aber genausogut Realität sein könnte. Und wenn man das Buch gelesen hat fragt man sich, ob nicht vieles was passiert einzig aus dem Grund so eintrifft, weil irgendwelche Geheimdienstler Böses vermuten, wo nichts dahintersteckt. Eine Art selbstverfüllende Prophezeihung sozusagen. Das Buch dürfte all jenen Gefallen, die auch die Bücher von Robert Ludlum mögen. (Bourne-Trilogie, Ambler-Warnung etc.) Auch wenn dieses Buch weniger "actionreich", dafür aber wesentlich subtiler ist.
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Produkt-Bild: Der Spion, der aus der Kälte kam

Der Spion, der aus der Kälte kam von John Le Carré

Broschiert von List Tb.
Preis bei Amazon: EUR 8,95, Angebote ab EUR 2,99

5 von 5 Punkten
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3548603599, Erscheinungsdatum: Oktober 2003, Auflage: 1
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5 Kundenrezensionen:

Spannung pur!
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Die "Mutter aller Agentenromane"!
Über den Inhalt wurde schon genug geschrieben.
Es ist meisterhaft, diese sehr komplexe Geschichte mit einem absolut schlüssigen Ende, auf nur 317 Seiten zu erzählen.
Auch die Verfilmung mit Richard Burton und Oscar Werner ist großartig.
Fünf Sterne !!!
Von Ost nach West
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Eine Mauer wird zum Schicksal. Sie ist Sinnbild des deutsch-deutschen Wahnsinns jener Zeit und an ihr scheitern nicht nur die Deutschen. Der Spion, der aus der Kälte kam und sein Held Alec Leamas erzählen die Geschichte des klassischen Spionage-Thrillers. Hier die Guten im Westen, dort die Bösen im Osten und sicher gab es zu der Zeit in der sowjetischen Einflußsphäre einen Autor, der fest davon überzeugt war, wir die Guten im Osten, ihr die Bösen im Westen. Und dann kommt John LeCarré daher und zeigt, daß es keine Guten mehr gibt, daß sie an ihren eigenen Prinzipien, dem anderen einen Schritt in der Spionage voraus zu sein, moralisch versagt haben. Alec Leamas ist ein Verlierer, der weiß, wie es um ihn steht.

Daß diese Mauer in Berlin zu seinem Schicksal wird, stand sicher schon fest, als er in den Geheimdienst eintrat. Kein Beruf, um alt darin zu werden. Vor allem wenn man nicht mehr weiß, welche Seite zu welcher Seite gehört, wer gut oder böse ist. Ein Klassiker des Spionageromans, in seiner Schwärze nicht zu überbieten, spannend bis zum Finale.
Bitte JA!!!
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Über dieses Buch scheint mir schon alles geschrieben, weiter unten vor lauter Begeisterung sogar das Ende :-), aber im Ernst, tolle Atmosphäre, grandioser Spannungsaufbau mit explosivem Finale (siehe unten :-)).
Ich ignoriere ansonsten Spannungsliteratur, aber dies hier war einfach zu gut. Mal davon abgesehen, dass es sich auch um viel mehr handelt als reine Spannung.
Politik, Wertvorstellungen und ihre Probleme miteinander in der Zeit des kalten Krieges.
Wenn schon Spion, dann der, der aus der Kälte kam!
Fühlen Sie die territorialen Grenzen vom geteilten Berlin
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Dieses Werk logischen Kombinierens und glaubwürdiger Charakterstudie von Agenten soll in fünf Tagen verfasst worden sein! Selber lesen, ins Staunen geraten und die territorialen Grenzen vom geteilten Berlin leibhaftig vor Augen haben. Dieses Buch baut sich auf und haut rein!
Der beste aller Spionageromane
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Le Carré schrieb mit diesem Buch das Referenzwerk der anspruchsvollen Spionagegeschichten, und zwar, wie die Legende besagt, innerhalb dreier Wochen. Und er rechnet schonungslos ab: Mit dem Mythos des romantischen Abenteurer-Agenten a la James Bond (wie er speziell im Film dargestellt wird). Mit der Illusion, dass im Kalten Krieg der "Westen" besser oder moralischer agiert, als der "Osten". Mit dem Vorurteil, dass moralische Kriterien für das Handeln der Geheimdienstagenten irgendeine Bedeutung hätten.
Le Carré zeigt schonungslos, dass das einzige Entscheidungskriterium von Menschen im Geheimdienstmilieu jenes der Nützlichkeit ist, dem alles untergeordnet, ja wenn erforderlich, auch geopfert wird.
Wenn es nützlich ist, einen amoralischen Verbündeten auf der Gegenseite zu haben, dann wird dieser unterstützt und dessen humaner Konkurrent vernichtet. Wenn es nützlich ist, einen Agenten ins soziale Abseits zu stossen und dessen Liebe zu einer "unbeteiligten" Idealistin als tödliches Werkzeug zu gebrauchen, dann wird auch dies gemacht. Und wenn es schliesslich die eigene Bilanz verbessert, dann wir einer der besten eigenen Agenten skrupellos geopfert, nachdem man ihn über den Zweck seiner Mission getäuscht und um seine Hoffnungen betrogen hat.
Die Leistung des Autors liegt darin, dass er zugleich mit der raffinierten Handlung die perverse Notwendigkeit und die notwendige Perversion der Geheimdienstaktionen darstellt: "Infantile, kriminelle und geistig kranke Menschen spielen ein schmutziges Spiel ohne Regeln, in dem nichts verboten ist, damit die grosse, dumme Masse nachts ruhig schlafen kann". Dies ist in etwa die Philosophie des Agentenberufes, die uns der Autor in diesem Buch vor Augen führt. Und er muss es wissen, denn er war selbst in diesem Metier tätig.
Für mich ist es nahezu unmöglich, die Botschaft des Buches noch besser, noch spannender, oder noch glaubhafter zu vermitteln. Deshalb ist dieser Roman für mich "Der beste aller Spionageromane" (wiewohl ich Amblers "Die Maske des Dimitrios" gelesen habe!)
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Produkt-Bild: Die Libelle. Roman.

Die Libelle. Roman. von John LeCarre, John le Carre

Taschenbuch von List Tb.
Preis bei Amazon: EUR 9,95, Angebote ab EUR 5,95

4,5 von 5 Punkten
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 354860160X, Erscheinungsdatum: November 2001
Zoom ± Produkt-Bild: Die Libelle. Roman.

5 Kundenrezensionen:

Geschichte prima - Ausführung zu lang
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
Wahrscheinlich werden Geheimdienstaktionen öfters von langer Hand vorbereitet, und es ist sicherlich nicht falsch, dies in einem Agententhriller deutlich zu machen. Aber der Autor tut in seinem Buch zuviel des Guten. Man kann seine minutiöse Vorgehensweise als naturalistisch bezeichnen, aber der Naturalismus hatte bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert seine kurze Blütezeit. Das letzte Drittel allerdings ist wirklich spannend, und auch die Charakterstudien finde ich gelungen.
Leider zu langatmig
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
Das Buch 'Die Libelle' von John LeCarre nimmt sich eines Konfliktes an, der heute, über 20 Jahre später, immer noch akutell ist - des Konfliktes zwischen Israel und den Palästinensern.

Leider ist der erste Teil des Buches, der die Anwerbung der 'Libelle' und ihr Briefing schildert zu langatmig geraten. Im zweiten Teil nimmt die Story dann an Fahrt auf und es entwickelt sich eine wirklich spannende Geschichte, für die es sich dann lohnt, sich durch den ersten Teil zu quälen. Zum Glück habe ich nicht aufgegeben.

Wegen des äußerst langatmigen Beginns, der sich über mehrere Hundert Seiten hinwegzieht, kann ich nur 3 Sterne vergeben.
Eines von LeCarré's besten Büchern!
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Eine geniale Spionage-Story (deren politischer Hintergrund noch heute aktuell ist), ein packender Thriller, ein mitreißender Handlungsfaden, eine große Liebesgeschichte: Mein persönliches Lieblingsbuch von LeCarré; für Fans eine Garantie für durchlesene Nächte.
Die Libelle. Rezension
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Das Buch "Die Libelle" von John lè Carrè ist ein Buch, für das man sich viel Zeit nehmen muss. Nicht nur wegen der weit über 600 Seiten. Das Buch wurde in einer sehr anspruchsvollen Literatur verfasst. Schneller Wechsel von diversen Szenen zu anderen, von der einen Person zur nächsten. Da es in John lè Carrè's Buch "Die Libelle" um Nachrichtendienste und um Agenten geht, muss man ziemlich fit beim Lesen sein. Viele Personen tauchen plötzlich immer wieder wo völlig anderst auf und haben eine völlig andere Bedeutung und andere Namen. Aber, oder vielleicht gerade deshalb, ist das Buch eine Herausforderung für jeden, der schwere und spannende, packende Romane liest. "Die Libelle" ist so infomativ mit dem neusten Weltanschauungen und Hintergrundkonflikten des nahen und fernen Osten verfasst, dass mir kein anders Buch diesem gleichen kann.
Die Libelle und der Terrorist
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Ende der 70er bzw. Anfang der 80er wird Europa von Terroranschlägen erschüttert. Sie alle sind perfekt geplant, eiskalt durchgeführt und tragen die Handschrift einer kleinen Gruppe, deren Kopf aus dem Nahen Osten zu kommen scheint. Dieser große Unbekannte ist unnahbar; es existiert kein Foto von ihm und er ist von der Außenwelt abgeschirmt durch seine engsten Vertrauten. Wie kann der Britische Geheimdienst diesen Mann (oder ist es eine Frau) zu Fall bringen?
Die Libelle wird auf ihn angesetzt; eine unbedarfte junge Frau, die vom Geheimdienst mit einem neuen Leben ausgestattet wird und am Ende nicht mehr weiß, was ihre wahren und was die erlernten Gefühle sind...
Tolle Charaktere, spannend bis zum Schluß. LeCarre wendet sich in diesem Roman weg vom Kalten Krieg neuen Herausforderungen für die Geheimdienste zu - hier dem Terrorismus.
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Produkt-Bild: Geheime Melodie

Geheime Melodie von John Le Carré

Broschiert von List Tb.
Preis bei Amazon: EUR 9,95, Angebote ab EUR 2,14

4,5 von 5 Punkten
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 354860756X, Erscheinungsdatum: Oktober 2007
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Aus der Amazon.de-Redaktion


Bruno Salvador (Salvo), einem brillanten und gefragten Dolmetscher, werden für einen zweitägigen Einsatz stolze 5.000 Pfund angeboten. Das Ziel des Einsatzes ist unbekannt, ebenso die Namen der Teilnehmer, für die Salvador auf einer internationalen Konferenz übersetzen muss. Ein spannendes Spiel mit unbekanntem Ausgang beginnt ....
Salvo ist Sohn einer Afrikanerin und eines weißen Missionars. Als solcher hat er viele Sprachen und Dialekte perfekt beherrschen gelernt, doch in den besseren Kreisen auf der Insel stößt er oft auf Ablehnung. In ironisch gebrochener Ich-Erzählung beschreibt er die Erlebnisse bei der Konferenz auf einer Insel mitten in Europa. Dabei geht es um die Aufteilung der von Kriegen, Korruption und Stammesfehden geplagten Republik Kongo. Verhandlungsmasse sind Öl, Diamanten und andere Bodenschätze. Die internationalen Akteure schachern um Macht und Geld, und sie pflegen ihre Eitelkeiten. Salvo ist entsetzt ob der skrupellosen Kungelei und zugleich in einem persönlichen Konflikt: Seine Noch-Ehefrau, eine überdrehte Londoner Journalistin, nervt ihn mit ihren Eskapaden; die neu errungene Freundin ist -- natürlich -- Afrikanerin, jung, attraktiv und der afrikanischen Heimat verbunden.
Altmeister John Le Carré beherrscht sein Handwerk noch immer: eine intelligente Story, einprägsame Figuren, Spannung, Witz und eine ausgeprägte Distanz zu den gesellschaftlichen Verhältnissen, die er beschreibt. Gekonnt zeichnet der Autor ein ungeschöntes Bild einer fiktiven Welt, die der Wirklichkeit erschreckend nahe kommt. Nicht zuletzt dank eines immensen Rechercheaufwands gelingen ihm einprägsame Bilder von Politik und Gesellschaft, Land und Leuten, Sprachen, Sitten und Charakteren. Über 400 Seiten vermag er den Spannungsbogen zu halten. Und auf den Schluss darf der Leser besonders gespannt sein! --Hans Jürgensen, Literaturtest
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5 Kundenrezensionen:

Ein Meisterstück! Le Carré erweckt den Kongo zum Leben!
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
In "Der ewige Gärtner" schickte le Carré seinen Protagonisten nach Kenia, in "Die geheime Melodie/The Mission Song" ist Ich-Erzähler Salvo eine identitätsverlorene Mixtur zwischen Kongo und England. Salvo ist ein schillerndes Chamäleon: Als Top-Übersetzer zentralafrikanischer Sprachen ahmt Salvo jede Persönlichkeit eines Sprechers nach. Er hat jede und keine Identität aufgrund seiner eigenen Heimatlosigkeit; selbst in seiner Ehe findet er keinen Halt. Als er schließlich die kongolesische Krankenschwester Hannah kennenlernt mit ihrem überzeugten Patriotismus, so lässt er sich unter ihrem Einfluss zu Handlungen hinreissen, die ihm als neutralem Übersetzer nicht zustehen: Bei einer hochgeheimen Absprache zu politisch-militärischen Veränderungen im Kongo nimmt der sonst so wankelmütige Salvo nun die selbst die Zügel in seine naiven Hände...

Mit "The Mission Song" hat le Carré einen weiteren Coup gelandet. Kaum ein europäischer Autor versteht es so meisterhaft, das schwarze Afrika zum Leben zu erwecken. Primitive menschliche Gier ist Motivation für Schwarz und Weiß, das rohstoffreiche Kivu mit allen Mitteln an sich zu reißen, und le Carré entlarvt gutmenschelnde Weltverbesserer mit ihren Euphemismen als egoistische Söldner. Die Handlung erreicht in der Mitte des Romans ihren Höhepunkt mit dem Geheimtreffen der europäischen und kongolesischen Interessensvertreter - Folterung renitenter Teilnehmer in der Kaffeepause inklusive!

Mit Salvo hat der Autor Mut (und Meisterschaft) bewiesen, denn Salvo ist alles andere als ein stabiler Charakter, sondern ein Chamäleon von angedeuteten Identitäten, und dennoch reißt der Roman mit, denn le Carré hat diesem wankelmütigen Wendehals ein geniales rhetorisches Repertoire mitgegeben. Salvos Erzählstimme ist mitreißend, klug, witzig, böse, brillant, entlarvend - eine Meisterleistung!

Hut ab. 5 Sterne.
Potentiell gewalttätiges Zebra
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Bruno Salvador ist das Kind, das es nie gab oder besser, nicht geben durfte, ist sein weißer Vater doch katholischer Missionar und seine schwarze Mutter Ostkongolesin. Dort, am Kivu-See zwischen Goma im Norden und Bukavu im Süden, an der Grenze zu Ruanda, herrschen - und das wissen wir aus den Tagesnachrichten - Krieg, Revolte und Korruption. Bruno hingegen ist British subject und lebt in London an der Seite seiner Frau Penelope, einer aufstrebenden Journalistin. Bruno hat eine besondere Begabung, denn er spricht und dolmetscht alle ostafrikanischen Sprachen und Dialekte. Und zwar mehr als perfekt. Das macht ihn für den britischen Geheimdienst interessant, als ein Dolmetscher für eine geheime Konferenz auf einer kleinen Insel im Nordatlantik benötigt wird. Viele im Ostkongo hoffen nämlich auf den Mwangaza, den Lichtbringer, der die verfeindeten Stämme der Region einigen und Frieden, Demokratie und Fortschritt bringen soll. Ein anonymes Syndikat ebenso anonymer Geldgeber fördert dieses Ziel und hofft, nicht ganz uneigennützig, auf Rendite. Im Verlauf der Konferenz beginnt der naive Dolmetscher sein eigenes Spiel und gerät zwischen die Fronten.
Ein ebenso atemberaubender wie berührender Roman über einen der Krisenherde dieser Welt. Langsam baut der Autor die Spannung auf und, wie immer, beschert er uns ein Vexierspiel, das erst allmählich offenbart, wer den Part des Guten und wer des Schurken spielt. Suspense vom Feinsten in kongenialer Nachfolge Graham Greenes und Eric Amblers. Selbstironie, britischer Humor und Spannung fügen sich mit Realpolitik und einem gehörigen Schuss Geheimdienstbrutalität zu einem Gesamtbild. Ein ebenso witziges wie aufrüttelndes Werk eines wahrhaft weisen Autors in phantasievoller Übersetzung. Stilistisch ein Meisterwerk, ja fast ein Schwanengesang, des britischen Doyen des Agentenromans, gleichermaßen aktuell, politisch und realistisch mit plastisch herausgearbeiteten Charakteren und einfallsreicher Handlung. Ein echter, vergnüglicher Lesegenuss.
Ein spannender Roman ohne Aktion aber mit viel Realitätsbezug
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Originell und leise geschrieben gibt le Carré einen Insiderblick in eine der (vielen) Krisenregionen Afrikas. Dies geschieht aber nicht - wie in seinem tollen Buch "The constant gardener" - mit einer im Land spielenden, aktionsreichen Handlung, sondern weit ab von Afrika am Verhandlungstisch und im Kopf der Hauptperson - dem Dolmetscher Bruno Salvador -, der für den Leser fast schmerzlich naiv handelt, aber gerade deswegen große Glaubwürdigkeit besitzt.

Natürlich hoffen wir alle auf einen männlichen James Bond oder eine weibliche Lara Croft, doch die Handlungen der Hauptperson "Bruno Salvador" sind wahrscheinlich eher an der Realität eines empörten, aber halt naiv für das "Gute" eintretenden Menschen.

Le Carré verfolgt ein gutes Anliegen, mit bitteren Seitenhieben auf die englische/westliche Arroganz und die afrikanische Hilflosigkeit.

Insgesamt erscheint "Geheime Melodie" etwas langatmig geschrieben und eher subtil spannend. Man wartet die ganze Zeit auf ein Anziehen des Tempos, was aber bis zur letzten Seite nicht erfolgt.

Kleiner Wermutstropfen: die Übersetzung erscheint nicht immer wirklich geglückt.

Wer nicht auf Aktion angewiesen ist, für den bietet "Geheime Melodie" ein stilistisch gut geschriebenes, realitätsnahes Buch mit einem Blick in die afrikanische "Politik"-Landschaft.
Ein Meisterwerk
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Das Ende des Kalten Krieges und der Untergang der Sowjetunion waren nicht nur für diverse Nationen und die Rüstungsindustrie von nachhaltiger Bedeutung, sondern auch ein ganzes Literaturgenre mit all seinen Autor, was von vielen gefeiert wurde, war für andere der mögliche Untergang des Spionageromans und seiner bedeutendsten Vertreter wie John le Carré. Und nach mehreren eher mittelmäßigen Romanen und Rückbesinnungsversuchen auf die goldenen Jahre schlägt er mit Geheime Melodie einen neuen Weg ein, wobei man besonders betonen muss dass sich John le Carré als einer von wenigen Autoren nicht für einen Thriller über den Krieg gegen den Terrorismus hergegeben hat.

Der Top-Dolmetscher Bruno "Salvo" Salvador ist als Sohn eines irisch-französischen Missionars und einer Kongolesin im Kongo aufgewachsen, bis er nach dem Tod seines Vaters in ein englisches Waisenhaus abgeschoben wurde. Dort geschah was sein Leben von da an bestimmen sollte, denn Pater Michael erkannte den Jungen als Sprach-Genie und verschaffte ihm eine entsprechende Förderung, um zahlreiche weitere Sprachen und Diplome zu erwerben, deshalb ist Salvo in der Branche sehr gefragt und das haben nicht nur Konferenzleiter und Firmenbosse erkannt, sondern auch der Geheimdienst, für den er insgeheim als freier Mitarbeiter immer wieder als Übersetzer einspringt. Nebenbei arbeitet Salvo auch für einige Londoner Krankenhäuser, wo er die ebenfalls aus den Kongo stammende Diplomkrankenschwester Hannah kennen lernt.

Doch Salvo ist unglücklich verheiratet und erhält gerade auf einem Empfang für seine Frau, seinen bisher wichtigsten Geheimdienstauftrag, den er annimmt und sofort aufbricht. Neu eingekleidet, grundlegend eingewiesen wird er für einen "Fronteinsatz" eingespannt und soll als Brian Sinclair den Dolmetscher für ein anonymes Agrarsyndikat mimen. Umgehend wird er in den Kongo gebracht, wo er in einem sicheren Haus auf eine handvoll Männer, einen französischen Notar mit Spezialisierung auf Steuerrecht und einen mysteriösen "Vertrag" trifft, der die Situation im Kongo nachhaltig verbessern soll. Zum ersten Mal in seinem Leben beginnt Salvo ein eigenes Interesse am Inhalt der Gespräche zu entwickeln und so führt ihn seine gefährliche Heimatliebe dazu, auch in Aufzeichnungen hineinzuhören, die eigentlich unter Verschluss bleiben sollten...

Im Zentrum von Geheime Melodie steht die bewegte Geschichte des Kongo und dient als Beispiel für die neokolonialen Ambitionen ehemaliger Großmächte wie Frankreich oder eben England. Der Spion Bruno Salvador ist dabei das ideale Beispiel für einen naiven Idealisten, der langsam erkennen muss, dass sich selbst hinter den Lichtgestalten der Entwicklungshilfe oft sehr zwielichtige Interessen stehen. Für einen Autor wie John le Carré versteht es sich dabei schon wie von selbst, dass dieses Werk auch gut recherchiert und mit einer aufschlussreichen Gewissensfrage ausstaffiert ist. In diesem Fall sind das Brunos persönliche Interessen und moralische Skrupel, die er sich in seinem Beruf nicht erlauben kann, denen er aus Liebe zur einstigen Heimat jedoch nachgibt.

Geheime Melodie ist nur noch ansatzweise mit den klassischen Spionageromanen aus dem Kalten Krieg zu vergleichen und dennoch, es könnte als Beispiel dafür dienen dass auch John le Carré im 21. Jahrhundert noch eine feste Größe des Genres bleiben könnte. Zu bedenken gilt allerdings dass Geheime Melodie aus der Sicht des Protagonisten dargestellt wird und daher in der Ich-Form verfasst wurde, was womöglich nicht jedermanns Sache ist. Wendungen über Wendungen sind es was die Spannung in Geheime Melodie nie abreißen lässt, es gibt immer wieder etwas zu entdecken. Die Charaktere selbst tragen noch zu dieser Atmosphäre bei, sind sie doch schwer berechenbar und fern jeglicher Klischees vielleicht sogar mit einer psychologischen Tiefe ausgestattet, die man sonst nur selten findet, wobei sie sich freilich nur schwer in die Karten schauen lassen.

Fazit:
Geheime Melodie ist ein Meisterwerk und das nicht nur weil es von einem "Meister des Spionageromans" geschaffen wurde, sondern schlichtweg weil es dank seines wendungsreichen Plots, seiner spannenden und gut recherchierten Geschichte, sowie gut gezeichneter Charaktere völlig ohne Hollywood-Action auskommt und gehaltvolle Unterhaltung verspricht.
Das ist kein Thriller
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
Dieser Roman schleppt sich von Anfang an mühsam voran. Es will einfach keine richtige Spannung aufkommen. Wie auch immer die Konferenz ausgeht - wen interessiert das? Auch das Thema, dass Afrika noch immer von Europa ausgebeutet wird und vielerorts Warlords das Sagen haben ist bekannt und haut niemanden mehr vom Hocker.
Die sprachliche Schönheit, die realistische Darstellung und die sympathische Hauptfigur alleine reichen einfach nicht aus, um aus diesem Roman ein lesenswertes Buch zu machen.
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Der ewige Gärtner von John Le Carré, John le Carre

Taschenbuch von List Tb.
Preis bei Amazon: EUR 9,95, Angebote ab EUR 4,00

3,5 von 5 Punkten
3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3548602290, Erscheinungsdatum: Oktober 2002
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Aus der Amazon.de-Redaktion


Es gab Leute, die befürchteten, dass das Ende des Kalten Krieges für die Kreativität vieler erstklassiger Krimi-Autoren, die sich auf dieses Gebiet spezialisiert hatten, den Garaus bedeuten würde. Im Falle von John le Carré hätte das nicht nur den Verlust Englands besten Krimiautors bedeutet, sondern zugleich eines ernsthaften Romanschriftstellers, der genauso viel literarische Gravität besitzt wie irgendeiner seiner Kollegen im literarischen Mainstream. Sein preisgekrönter Roman Der Spion, der aus der Kälte kam ist ohne Frage heute genauso bezwingend wie bei seiner Erstauflage 1963. Wie es schien, inspirierten ihn seine Themen aus der Zeit nach dem Kalten Krieg -- wie beispielsweise betrügerische Doppelgeschäfte mit beiden Seiten der ehemaligen Konfliktparteien -- allerdings weit weniger als die Welt der wechselnden Identitäten, mit der er sich früher in so meisterlicher Weise befasst hatte.
Mit Der ewige Gärtner zieht der Autor jedoch wieder alle Register. Die Personenbeschreibungen sind so elegant und ausdrucksstark und der Stil so klar und eindringlich wie ehedem. Aber vor allem hat le Carré für seinen neuen Roman ein Thema gefunden, das genauso bedeutungsgeladen ist wie die, mit denen er sich in der Vergangenheit befasst hat: die üble, nur scheinbar Heil bringende Welt der globalen Pharmaindustrie. Le Carré erforscht die alten Themen von Betrug und Gefahr in einem Erzählstil, der den Leser über die gesamte beachtliche Länge des Romans hinweg völlig packt.
Sein Protagonist, Justin Quayle, ist ein unbedachter britischer Diplomat, dessen Arbeit beim britischen Hochkommissariat in Nairobi an einen von Graham Greenes entwurzelten Helden erinnert, die sich darum bemühen, im schwülen Verfall fremder Gefilde zu überleben. Kenia unter Präsident Arap Moi befindet sich im Würgegriff von AIDS, während politische Machenschaften die Gefahr vertuschen und für einen tödlichen Status quo sorgen. Als Quayles Ehefrau (die sich weit mehr als er dafür interessiert hat, was um sie herum geschieht) getötet wird, macht er sich daran, den Umständen des Verbrechens nachzugehen. Seine Nachforschungen führen ihn in ein düsteres Geflecht aus Ausbeutung, Habgier und einen großen Pharmakonzern, der darauf erpicht ist, sein "Wundermittel" gegen Tuberkulose auf den Markt zu bringen. Als sich Quayle näher mit der Firma befasst, über die seine Frau Nachforschungen angestellt hatte, beginnt all das, woran er bisher geglaubt hatte, ins Wanken zu geraten.
Der stete Spannungsaufbau und die rigorosen Charakterbeschreibungen sind klassischer le Carré, und der Leser stellt beglückt fest, dass der Meister wieder in Form ist und durch das Doppelspiel der heutigen Welt mit einer echten Wut beseelt ist. --Barry Forshaw
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5 Kundenrezensionen:

Rufus nervt
1 von 5 Punkten 1 von 5 Punkten
Rufus Beck nervt!
Für ein Thriller-Hörbuch ist er für mein Befinden nicht geeignet, da er durch seinen gekünstelten Vortrag immer irgendwie einen ironischen Abstand herstellt, der es dem Hörer schwer macht, sich wirklich von der Story fesseln zu lassen.
Ich bin mächtig enttäuscht. (Lang lebe Herr Kerzel!)
Spannung auf hohem Niveau
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
John Le Carré hat einen fabelhaften Roman über die Machenschaften der Pharmaindustrie in Afrika geschrieben. Ein Roman, der mehrere Zeitebenen enthält, mehrere Handlungsebenen und der mit dem Tod des Helden endet, was auch äußerst ungewöhnlich ist, aber dem Stoff und der Glaubwürdigkeit des Romans sehr gut tut.
Der Diplomat Justin Quaile will die Hintergründe, die zur Ermordung seiner jungen Frau geführt haben, aufklären. Er wird am Ende alles entdeckt haben, was vor ihm schon seine Gattin getan hatte. Er wird den gleichen Preis zahlen, aber die Unterlagen werden dieses Mal bei einem Anwalt liegen und der wird sicherlich die Schuldigen zur Verantwortung ziehen.
Aber das ist eine andere Geschichte, die hier nicht erzählt wird. Was aber erzählt wird ist spannend und literarisch auf hohem Niveau.
"Der ewige Gärtner" ist ein sehr gelungener Roman!
Ein literarischer Genuss
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Dieser Roman ist sprachlich auf einem Niveau, das nur von wenigen Autoren erreicht wird. Und die Übersetzung ins Deutsche ist hervorragend. Über die Handlung und den Spannungsbogen kann man geteilter Meinung sein, doch man sollte beachten, dass dieser Roman kein plumper Thriller ist.
Es werden natürlich nicht alle Hintergründe aufgedeckt! Wer sollte diese denn wahrheitsgetreu recherchieren können!? Unser Bild von den Machenschaften wird immer nur durch deren Folgen bestimmt sein. Und diese stellt le Carré hier in einer sehr vielschichtigen, mitreißenden Weise dar. Die Charaktere und deren Schicksale werden so beeindruckend und detailgetreu dargestellt, das Niemand unberührt bleiben kann.
Langatmig - unpersönlich
2 von 5 Punkten 2 von 5 Punkten
Es war ein Kampf dieses Buch zu lesen. Nicht weil es nicht gut zu lesen wäre, nein es ist einfach langatmig und streckenweise einfach langweilig. Beim Klappentext erwarte ich eine hochdramatische, spannende Geschichte, Action, Thrill und Verschwörung, die wird aber leider nicht erfüllt. Ganz im Gegenteil. Es liest sich fast wie eine Dokumentation oder ein Reisebericht. Schade, denn das Thema gibt jede Menge her und ist brisant und aktuell wie nie. Nur gelingt es dem Autor nicht dies auch entsprechend umzusetzen und einen mitreißenden Thriller daraus zu gestalten.
Nachdem ich das Buch beiseite gelegt hatte, habe ich mir den Film dazu angesehen und wurde noch mehr enttäuscht, denn der Film lässt noch mehr Fragen offen als das Buch.
Gelbe Freesien
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
Tessa Quayle - Juristin und Gattin des Diplomaten Justin Quayle am Hochkommissariat Nairobi in Kenia - entdeckt das unethische und illegale Vorgehen eines Pharmakonzern in der Entwicklung eines neuen, Bahn brechenden Medikamentes gegen TBC (die weiße Pest). Nicht alle Tests sind erfolgreich abgeschlossen, obwohl das Medikament bereits an in Dörfern und Slums lebende Afrikaner verabreicht wird. Tessas Hartnäckigkeit gegen Pharmakonzerne, Ärzte und Regierungen sollte jedoch mit ihrem gewaltsamen Tod ein Ende nehmen. Während sich die halbe Diplomatenwelt mit einen Mord aus Leidenschaft zufrieden gibt, zieht der Leser bereits weitere Schlüsse.

Vielmehr ein Bericht als ein Roman! Die Charaktere erscheinen mir ohne persönlichen Zugang beschrieben - weder konnte ich Sympathie für die einen, noch Mitleid oder Abscheu für andere empfinden.
Ist auch die Idee, dieses brisante Thema in einem Kriminalroman zu durchleuchten wirklich hervorragend gewählt, rückt sie nicht so sehr ins Zentrum des Romans, wie ich es mir gewünscht hätte der Krimi bleibt für mich im Verborgenen. Oberflächliche Nebensächlichkeiten, wie gelangweilte Diplomatengattinnen, ihre Intrigen und Dinnerpartys, sowie die Darstellung britischer Bürokratie und ihrer Feigheit zum "Wohle der Menschheit" werden sehr detailliert ausgeführt. Für mich bleibt bis zum Ende des Romans die Frage offen, ob Schritte gegen die Machenschaften der Pharmaindustrie Früchte tragen oder vielleicht doch im Sand verlaufen und wer der wahre Mörder von Tessa Quayle ist.

Der Roman ist flüssig zu lesen, die Ausdrucksweise schön und unaufdringlich, die Charaktere leider verhalten. Bestimmt eine ebenso wenig langweilige wie mitreißend spannende Geschichte eben ein Bericht!
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Marionetten von John Le Carré

Audio CD von Hörbuch Hamburg
Preis bei Amazon: EUR 24,95, Angebote ab EUR 14,20

ISBN: 3899036190, Erscheinungsdatum: November 2008
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Interview mit John le Carré

Frage:
In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis­he­ri­­gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen Sie darin eine neue Richtung?

Antwort: Darüber muß die Kritik befinden. Und mit dem kritischen Prozeß habe ich ja nichts zu tun. Ich mag dieses Buch jedenfalls sehr. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Ich mußte meine Figuren nur anstupsen, schon lief alles so, wie ich wollte. Ich bin die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen, und meine Figuren haben die­­­­se Wut für mich zum Ausdruck gebracht. Ich wollte einen Thriller schreiben, und beim Schreiben hat mich genau die gleiche Angst gepackt, wie sie hoffentlich auch meine Le­­ser packt. Was mich verblüfft hat, war die Öko­nomie des Ganzen. Normalerweise arbeite ich nicht so sauber. Aber diesmal gab es keine falschen Spuren, keine Sackgassen, keine riesigen Mengen von Ausschuß wie sonst so oft. Ich hatte in meine Vergangenheit gegriffen, und der Instinkt oder ein glücklicher Zufall hatten mich genau die Figuren und Hintergründe her­ausziehen lassen, die ich brauch­­te.

Frage: Heißt das, Sie hatten die Figuren bereits fertig im Kopf, bevor Sie überhaupt mit dem Schreiben begonnen haben?

Antwort: Es gibt zwei Figuren in diesem Buch, die sich schon lan­ge vorher in meinem Schriftstellergedächt­nis eingenistet hat­ten und auf ihren Auftritt warteten. Man­che Figuren sind so. Sie reifen in der Flasche, zum Teil über Jahrzehnte. Dieser alte Mann zum Beispiel, den ich einmal in St. John's Wood getroffen habe. Er saß auf einer Bank, die Einkäufe einer ganzen Woche zu seinen Füßen, und weinte. Als ich ihn fragte, warum, sagte er mir, das Geschimpfe sei­ner Frau sei ihm so unerträglich geworden, daß er einfach nicht den Mut zum Heimgehen auf­bringe. Oder der zwölfjährige Junge in dem Kran­kenhaus in Palästina, dem eine Streu­bombe beide Beine wegge­rissen hatte und der alle, die an seinem Bett vorübergingen, mit hochge­recktem Daumen begrüßte. Diese bei­den habe ich bisher noch nir­gends untergebracht. Bei dem alten Mann habe ich es in Gehei­me Me­lodie versucht, aber irgendwie wollte er sich nicht einbauen lassen. Und über den palästinensischen Jungen werde ich wahrschein­lich niemals schreiben können. Er ist für mich nicht einfach eine Romanfigur, er ist ein Symbol nicht zu unterdrückender Tapferkeit.

Dafür konnte ich über einen anderen Jungen schreiben, einen einundzwanzigjährigen Tschetschenen namens Issa, den ich 1992 bei meinen Recherchen zu Unser Spiel in Moskau kennen­gelernt hatte. Er war ein Aussteiger, halb Tschet­sche­ne, halb Russe, und wohnte in einem musli­mischen Getto in den Moskauer Außenbezirken. Im Haus trug er immer eine Pistole im Gürtel. In Moskau mußte man damals (wie heute übrigens auch noch) nur asiatisch aussehen, um verhaftet zu werden - und Issa sah asiatisch aus. Ich war mit ihm nie auf der Straße unterwegs, des­halb weiß ich nicht, ob die Pistole ihn außer Haus beglei­tete. Er war groß und ausgemergelt und gab sich fast aufreizend würde­voll, trotz oder gerade wegen der Tat­sache, daß seine halbrussische Abstammung ihn zum Gespött der echten Tschet­schenen machte.

Für die tschetschenische Sache kämpfte er aus Op­position gegen seinen Vater, einen ehemaligen Oberst der russi­schen Besat­zungs­armee. Seine Mutter war ein Mäd­chen aus den tsche­tschenischen Bergen gewesen, und ihre eigenen Leute hatten sie dafür bestraft, daß sie ver­ge­waltigt worden war: die Dorfältesten sahen es - wodurch auch immer - als erwiesen an, daß sie willfährig gewesen war und kommandierten zur Wieder­herstellung der Familienehre ihre männ­lichen Angehöri­gen dazu ab, sie zu töten, sobald sie ihr Kind zur Welt gebracht hat­te. Als der Vater nach Moskau zu­rück­­beordert wurde, nahm er Issa mit und gab sich alle Mühe, aus ihm einen ordentlichen Rus­­sen­­jungen zu machen. Die besten Schu­len, alles das. Mit dem Erfolg, daß sich Issa, so­bald er dazu in der Lage war, den tschetschenischen Separa­tisten anschloß. Und daß er zum Islam kon­ver­tierte - aus Liebe zu einer Mut­ter, die er nie gekannt hatte. In dem Buch, das ich jetzt plante, hatte ich endlich die ideale Rolle für Issa; ich behielt sogar seinen Vor­namen bei – das tschetschenische Wort für Jesus. Wobei mein Issa im Roman natürlich nicht mehr der Issa ist, den ich damals in Moskau kannte. Um echte Menschen in Romanfiguren zu verwan­deln, müssen wir unserem begrenzten Einblick in ihr Inneres nachhelfen, indem wir ihnen ein paar Züge von uns selbst verleihen.

Frage: Und die zweite Figur, die schon auf ihren Einsatz ge­warte­t hat, war Ihr quertreiberischer deutscher Agenten­füh­rer, hab ich recht? Herr Bachmann?

Antwort: Nein. Der hat sich auf eigene Faust Zutritt verschafft. Ich kannte eine ganze Reihe von Bachmanns zu meiner Zeit, abgehalfterte, ausgebrannte Geheimdienstleute wie Alec Lea­mas in Der Spion, der aus der Kälte kam. Bach­mann war aus demselben Stall. Nein, die andere Figur, die schon in meinem imaginären Wartesaal saß, war Tommy Brue, der sechzigjährige Schotte und Erbe einer angeschlagenen Privatbank, der un­versehens in Issas Leben hineingezogen wird. Wie Issa hatte auch Brue einen höchst problematischen Va­ter. Der von Brue hat vor ihm die Bank gelei­tet, in Wien. Alle haben Väter in diesem Buch. Alle tragen die ganz persönlichen Kämpfe aus, die ihre Geburt und ihre Lebens­umstände ihnen mit auf den Weg geben. Das ist wahr­schein­lich meine Art, meine eige­ne schwie­rige Vaterbe­ziehung aufzuarbeiten, über die ich in Ein blendender Spion geschrie­ben habe. Ich habe selber eine Zeit­lang in Wien ge­lebt. Und es ist zwar schon vierzig Jahre her, aber mir ist leb­haft der trinkfreudige schottische Bankier im Ge­dächt­nis, der mich damals immer wieder bestürmt hat, doch ein Num­mern­konto bei ihm zu eröffnen - keine Namen, kei­ne For­malitäten. Es war nicht mein Geld, hinter dem er her war. Es ging ihm um die Ka­me­rad­schaft. Er war ein einsamer Exil­engländer mit einer zerbröckelnden Ehe, und Geld war nur ein Vorwand für ihn, sich an Leute an­zu­nähern, die er mochte. Ich hat­te allen Ern­stes ein schlech­tes Gewissen, daß ich kein Num­mernkonto bei ihm aufmachte, aber dieses eine Mal siegte die Vernunft, und als ich aus Wien wegging, war er denn auch in ei­nen unschönen Skandal verwickelt. Einen Skandal übrigens, an dem sein Vater die Schuld trug!

Frage: Das waren also die beiden Figuren, die es schon gab, als Sie mit der Geschichte begonnen haben?

Antwort: Es gab auch noch eine dritte Figur. Eine extrem wichtige sogar: die Stadt Hamburg. Es hat mich beim Schreiben ja immer wieder nach Deutschland zurückgezogen, so wie es auch George Smiley im­mer wieder zurückgezogen hat: nach Deutschland, dem Motor Europas, Deutschland mit seinem aggressiven Alleingang im zwanzigsten Jahrhundert, Deutschland, der Wiege eines so großen Teils unserer europäischen Kultur. Aber diesmal mußte es Hamburg sein, Hamburg oder gar nichts. Und in vieler Hin­sicht stellt es die exotischste Figur im gan­zen Buch dar. Das heutige Hamburg ist eine vitale, quirlige, schöne, selbst­bewußte Stadt: kein kulturelles Juwel, aber dafür die reichste Stadt in Europa. Aber Hamburg blickt auf eine turbulen­te Geschichte zurück: erst Besetzung durch Napoleon, 1918 dann Machtübernahme durch die Kommunisten und 1933 durch die Nazis. 1933 lebten zwanzigtau­send Juden in Ham­burg, 1945 waren es keine tausend mehr. Die Bombardierung Hamburgs durch die Alliierten 1943 kostete in einer einzigen Woche mehr Menschen das Leben als der ganze Blitz­krieg gegen England oder die Atombombe auf Nagasaki: fünfundvierzig­tausend. Um so mehr grenzt der Wiederaufbau Hamburgs nach dem Krieg an ein Wunder. Toleranz und Libera­lismus, so lautete Hamburgs neue Parole. Was einer der Gründe sein mag, warum die Stadt unwissentlich den Nährboden für Ulrike Meinhoff und die Baa­der-Meinhoff-Bande abgab – und Jahre später für Mo­hammed Atta und ein halbes Dutzend der Flugzeug­entführer vom 11. September und ihrer Mit­verschwörer.

Ich hatte noch ein anderes Motiv für meine Wahl, ein ganz persönliches. Ich war ein heimkehrender Sohn. Anfang der sechziger Jahre war ich britischer Konsul in dem mitt­ler­weile geschlossenen Hamburger Generalkonsulat gewesen. Die Bri­tische Botschaft in Bonn hatte mich in einer Eilaktion dort hinver­frachtet, nachdem ich als der Autor von Der Spion, der aus der Kälte kam enttarnt worden war. Meine Arbeitgeber hatten nichts gegen das Buch an sich, aber sie hatten nicht mit dem Aufsehen gerechnet, das meine Autorschaft erregte. Hamburg schien ihnen da angenehm weit ab vom Schuß. Da saß ich also, unschlüssig, ob ich meine Geheim­dienstkarriere weiterver­folgen oder mich ganz aufs Schreiben verlegen sollte. Als ich mich dann für die Schriftstel­lerei entschied, verließ ich Hamburg fast heimlich. Ich erinnere mich an keinerlei Ab­schie­de. Es war ein bißchen, als hätte ich eine Liebes­affäre mit der Stadt begonnen und wäre dann über Nacht abgereist, ohne meine Telefonnummer zu hinterlassen. Was wiederum ein starkes Bedürfnis in mir auslöste, die Beziehung da wieder­aufzunehmen, wo ich sie so rüde abgebro­chen hatte.

Frage: Nach vierzig Jahren?

Antwort: Ein paarmal war ich auch zwischendurch dort gewesen, aber nie lange genug. Es ist sicher Zufall, daß ich den 11. September 2001 in Hamburg erlebte, aber rückblickend fühlt es sich nicht so an. Ich recherchierte damals für ein ganz anderes Buch - Absolute Freunde, auch ein Roman über Deutsch­land -, und ich hatte mir den Vormittag über in einem Fern­seharchiv Filmaufzeichnungen aus den sechziger und siebziger Jahren angese­hen, in denen [[der anarchistische Studenten­führer]] Rudi Dutschke seine Anhänger gegen Ame­ri­ka auf­peitschte. Als ich danach ins Hotel zu­rück­kam, erwartete mich eine Nachricht mei­ner Sekretärin in Cornwall: "Gehen Sie so­fort zum nächsten Fern­seher." Ich gehorchte und kam gerade rechtzeitig, um das zweite Flugzeug in die Zwillings­türme kra­chen zu se­hen. Den Morgen hatte ich mit Rudi Dutschke ver­bracht, den Nachmittag verbrachte ich nun mit Osama bin Laden, beides erklärte Feinde des amerikanischen Kolonialismus, der Glo­balisierung und all dessen, was wir Fortschritt nennen. Ich blieb noch etwa eine Woche in Deutschland und hörte mir die Reaktionen von Freunden an. Nach außen hin hätte das Mit­gefühl für die Vereinigten Staaten kaum größer sein können: Kerzen auf ame­r­ikanischen Türschwellen, eine herzergreifende Beileidsbekun­dung auf einem Transparent am Brandenbur­ger Tor, und und und. In­­­offiziell fielen die Kommentare oft harscher aus. Ein sechzigjähriger evangelischer Pfarrer meinte zu mir, es geschehe den Amerikanern ganz recht. Für sei­ne Generation zumindest war Rudi Dutsch­kes Botschaft noch nicht gänz­lich verhallt.

Frage: Und Annabel, Ihre deutsche Bürgerrechtsanwältin, die Issa vertritt - wo kam die her?

Antwort: Eigentlich hätte ich die Rolle ja gern mit einer Frau aus der ehemaligen DDR besetzt, als eine Art Gegengewicht zu Ham­burgs überbordendem Materialismus, aber das traute ich mir denn doch nicht zu. Also habe ich mich statt dessen für eine Ideali­stin aus einer wohlhabenden Aka­de­mi­kerfamilie ent­schie­den, eine Menschenrechtsanwältin, und zwar eine mit einem gehörigen Funken Rebellentum. Puritanisch, aber freidenke­risch, ge­gen das Establishment, aber dennoch Teil davon, und fast schon übertrieben korrekt, besonders im Umgang mit Issa. Und attrak­tiv. Schließlich gehört ja auch eine Portion se­­xueller Spannung zu einer Beziehung zwischen ei­nem Muslim von Anfang zwanzig, der jahrelang ohne weibliche Gesellschaft auskommen mußte, und einer engagierten jungen Frau, die sich von seiner Not anrühren läßt. Der Issa, den Annabel kennen­lernt, war im Ge­fäng­nis und ist gefoltert wor­den. Die Folter ist ei­ne ent­setz­liche Art von Ritterschlag. Wir nicht Gefol­terten können mit den Gefolterten niemals gleichziehen, gottlob. Wir haben ein schlechtes Ge­wissen ihnen gegenüber, wir wollen sie beschützen, wir glauben, ihnen alles schuldig zu sein. Daraus speisen sich Annabels Gefühle. Fügen Sie der Mi­schung noch meinen Bankier Brue hinzu, und der Reigen ent­täuschter Liebe ist komplett. Ich fand, die Che­­­mie stimmt. Wie ich Ihnen schon zu Anfang gesagt habe, ich mag dieses Buch.

Frage: Wie wird es von den Kritikern aufgenommen werden, meinen Sie?

Antwort: So wie meine Bücher immer aufgenommen werden. In mei­nem Alter hat man seine Fans und seine Feinde, und sie än­dern sich nicht groß. Diejenigen, die mich für überschätzt halten, werden das kundtun. Diejenigen, die mich für unter­schätzt halten, werden es ebenfalls kundtun. Und in ein paar Jahren wird sich sowieso keiner mehr erinnern, wie das Buch auf­ge­nommen worden ist. Jeder halbwegs seriöse Schriftstel­ler hat es im Gefühl, wann er sein bestes gegeben hat und wann er hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Eine breite Leser­schaft zu haben ist ein Privileg, und ich habe in dieser Hin­sicht sehr viel Glück gehabt. Ich halte die­­ses Buch für eins meiner besten, und das macht mich sehr froh. Noch froher wür­de es mich natürlich machen, wenn meine Leser derselben Mei­nung wären.

Frage: Sie sagten, Sie wären die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen. Wut worüber?

Antwort: Zum Teil darüber, daß um mich herum so wenig Wut zu spüren ist über das, was mit unserer Gesellschaft passiert, angeblich auch noch zu unserem eigenen besten. Wir sind unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in einen Krieg getrieben worden, wir werden in einer Atmosphäre der Panik unserer Frei­heitsrechte beraubt. Unsere Anwälte gehen nicht auf die Straße, wie es die Anwälte in Pakistan getan haben. Unsere Abgeordneten fallen auf ihre eigenen Meinungsmacher herein und glau­ben am Schluß die Propaganda, die sie selbst verbrei­ten. Unser Außen­minister muß eine Nahostmission abbrechen, damit die zweiundvierzigtätige Untersuchungshaft für Ter­roris­mu­sverdächtige durchgedrückt werden kann. Manche nennen mich einen zornigen alten Mann. Von mir aus. Man muß nicht alt sein, um sich über so etwas auf­zure­gen. Wir haben unsere Souveränität unserer „be­sonderen Beziehung“ zu Amerika ge­opfert, an der keiner etwas Besonderes findet außer wir selbst, darum wollte ich der Frage nachgehen, in­wie­weit Deutsch­­land unsere Fehler nachzuahmen gedenkt.

Aber das ist alles heiße Luft, wenn nicht die Geschichte und die Figuren den Ball nehmen und damit loslaufen - und das machen sie in diesem Buch. Und deswegen mag ich es so.
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Produkt-Bild: Eine kleine Stadt in Deutschland

Eine kleine Stadt in Deutschland von John Le Carré

Broschiert von List Tb.
Preis bei Amazon: EUR 8,95, Angebote ab EUR 3,29

3,5 von 5 Punkten
3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3548605346, Erscheinungsdatum: Mai 2005, Auflage: 1
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3 Kundenrezensionen:

Spannend aber etwas zäh
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Nach "Dame, König, As, Spion" und "Der Spion, der aus der Kälte kam" war das mein dritter Roman von John le Carre. Es ist schon spannend, wie Turner langsam die Taten und das Motiv von Harting zusammenpuzzelt, aber das ganze zieht sich doch etwas hin. Ich teile nicht die Meinung, dass auch 100 Seiten gereicht hätten, aber ich hatte schon das Gefühl, dass ich für die kleinen Informationsbrocken, die sich Turner immerwieder erfragt, und nach denen auch ich "lechzte", recht viel Aufwand treiben musste. Häufig war ich auch überrascht, wie Turner sie zusammensetzt, aber es war dann immer schlüssig.

Die Handlungs- und Denkweisen der einzelnen Personen fand ich aber faszinierend und ich hatte - auch wenn ich es nicht wirklich beurteilen kann - den Eindruck, dass le Carre bei diesem Buch am stärksten auf seine eigenen Erfahrungen zurückgreifen konnte. Damit meine ich nicht die Schilderung der Schauplätze. Als Bonner hatte ich mir da eine stärkere Einbeziehung meiner Stadt erhofft. Es ist viel eher die politische und menschliche Situation gewesen und die glaubwürdige Schilderung der Personen.

Das Buch ist wirklich nicht schlecht, aber jemandem, der noch kein Buch von le Carre gelesen hat, wurde ich zunächst eines der beiden oben genannten als Einstieg empfehlen.
Bonn zu Zeiten der Großen Koalition
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Dieser Roman gehört neben "Schatten von gestern" (Original: "Call Off The Dead", 1961) und "Der Spion, der aus der Kälte kam", zu LeCarres besten.
Außer einem wirklichen spannenden (wesentlich authentischer als z.B. James Bond wirkenden) Agententhriller bietet er noch eine sehr interessante Beschreibung der gesellschaftlichen (und auch der innen- und noch mehr der außenpolitischen) Verhältnisse in Deutschland in den späten 1960ern und ein sehr eindrucksvolles Bild von Bonn, der "kleinen Stadt in Deutschland" (Original: "A Small Town in Germany", 1968), zu dieser Zeit. Insgesamt ein sehr dichter (man merkt, dass John LeCarre als Diplomat bei der britischen Botschaft in Bonn war) und empfehlenswerter Roman, aber, aus meiner Sicht zum Glück, kein James Bond.
Eine kleine Stadt in Deutschland
2 von 5 Punkten 2 von 5 Punkten
Der Klappentext verspricht mehr wie der Inhalt eigentlich hergibt. Die Beschreibungen der Umgebung und der Personen sind einfach zu umfangreich. Das Buch könnte gut 100 Seiten weniger haben. Das John le Carre selbst beim Geheimdienst war, davon spürt man hier nichts.
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Ein guter Soldat von John Le Carré

Broschiert von List Tb.
Preis bei Amazon: EUR 5,95, Angebote ab EUR 1,40

5 von 5 Punkten
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3548603912, Erscheinungsdatum: November 2003, Auflage: 1
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Eine Kundenrezension:

Eine gute Reportage
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Ich habe dieses Buch zu Weihnachten bekommen und hatte zuvor noch nie von John Le Carré (dem Autor) oder von Jean-Louis Jeanmaire (dem Spion, um den es geht) gehört. Ich hatte auch noch nie eine Reportage gelesen, doch immer gerne im Fernsehen gesehen, also warum nicht auch mal eine lesen?! Das Buch hat nur 100 Seiten mit einigen Schwarz-Weiß-Bildern, ist also schnell gelesen. Ich muss sagen, es hat mich nicht enttäuscht. Es erzählt vom Landesverrat des Schweizer Brigadiers Jean-Lois Jeanmaire und von seiner (Vor-)Verurteilung durch Volk und Staat. Mehr möchte ich nicht verraten.
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Dame, König, As, Spion von John Le Carré

Broschiert von List Tb.
Preis bei Amazon: EUR 8,95, Angebote ab EUR 3,50

5 von 5 Punkten
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 354860451X, Erscheinungsdatum: Mai 2004, Auflage: 1
Zoom ± Produkt-Bild: Dame, König, As, Spion

Eine Kundenrezension:

Perfekte Konstruktion!
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Dieses Buch ist ein Klassiker, die Mutter aller Spionageromane! Wer sich auch nur in irgendeiner Weise für das Genre interessiert, kommt an diesem in jeder Beziehung fesselnden Roman aus der "Blütezeit" des Kalten Krieges nicht vorbei.

Die Protagonisten sind allesamt gestandene Persönlichkeiten, geprägt durch Kriegserfahrungen und den anschließenden Wettstreit der Systeme, subtile Eitelkeiten bestimmen den mit britischer Distanz geführten Umgang.

Die Hauptperson, der reaktivierte Agent George Smiley, führt seine Ermittlungen bei der Suche nach dem "Maulwurf" im britischen Geheimdienst mit einer beispiellosen Trockenheit und Methodik, die den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann schlägt.

"Action" in irgendeiner Form wird man in diesem Buch nicht finden.

Schwer zu sagen, was besonders hervorzuheben ist: die mit mathematischer Präzision geführte Dramaturgie, die brilliant herausgearbeiteten Charaktere oder die schnörkellose Erzählweise ohne Langatmigkeit und überflüssige Emotionen.

Ein perfektes Buch!
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Agent in eigener Sache von John Le Carré, John le Carre

Taschenbuch von List Tb.
Preis bei Amazon: EUR 8,95, Angebote ab EUR 3,38

4 von 5 Punkten
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3548602045, Erscheinungsdatum: Juni 2002
Zoom ± Produkt-Bild: Agent in eigener Sache

5 Kundenrezensionen:

Smileys Abschiedsvorstellung
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Ein Emigrant wird ermordet, ein pensionierter baltischer General. Da Smiley ihn früher betreut hatte wird er gerufen, er soll den Fall diskret entsorgen. Niemand will die alten Gespenster wieder sehen. Der Circus hat zwar kein Ziel vor Augen, das wichtig wäre, aber er würde es auch nicht sehen, so ist er mit sich selbst und mit dem Zuarbeiten an die Amerikaner beschäftigt.
Smiley ignoriert die Wünsche des Staatssekretärs Lacon und stellt eigene Nachforschungen an. Das ist er dem Ermordeten schon aus Loyalität schuldig. Stück für Stück trägt er zusammen, bis er das Unglaubliche sieht: die Chance, seinen ehemaligen sowjetischen Gegenspieler Karla aus der Sowjetunion heraus zu locken und dingfest zu machen.
Er aktiviert seine ehemaligen Mitarbeiter, das Original heißt deshalb auch Smileys People. Als der das fertige Projekt dem Circus präsentiert, können die an der Umsetzung nicht mehr herum. Der letzte Akt kann beginnen.
Agent in eigener Sache ist das letzte Buch der Smiley Trilogie, der besten Spionageromane, die geschrieben wurden.
Auf der Brücke
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Im dritten Band, der den legendären George Smiley auf der Jagd nach seinem russischen Gegenspieler Karla zeigt, agiert Smiley wie ein Privatmann, der einer Obsession folgt. Er will Karla zur Strecke bringen, wartet im Dunklen auf einen Fehler von ihm. In Smiley und Karla hat John LeCarré Agenten des Kalten Krieges porträtiert. Mit sachverwalterischer Akribie folgt der Brite seinen Spuren, mit beinah väterlicher Sorge wacht er über Agenten. Er wirkt wie ein Bürovorsteher, wäre da nicht sein messerscharfer Verstand. Ein Agent wie Smiley, der auf ein langes Berufsleben zurückblicken kann, besitzt natürlich noch Kontakte, von denen andere nichts wissen. Er braucht nur seine Schläfer zu wecken, Netze zu knüpfen. Karla hat eine Tochter und diese wird ihm zum Verhängnis werden, da sie im Westen lebt. So endet die Trilogie um einen Zweikampf, wie sie begonnen hat, indem Familienbanden ausgenutzt werden, um Gegner schachmatt zu setzen.
Schwaches Werk von Jean le Carré
1 von 5 Punkten 1 von 5 Punkten
Von diesem Buch kann ich nur abraten. Nach einem rel. spannenden Anfang, flacht das Buch immer mehr ab. Die abstruse Story ist meiner Ansicht nach viel zu sehr verschachtelt und verliert sich völlig in langatmigen Erzählungen ...
Genial !
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Der frühere Chef des britischen Geheimdienstes George Smiley befindet sich bereits im Ruhestand. Anlässlich der Ermordung des Top-Agenten W. wird er reaktiviert. Dadurch bekommt er die unerwartete Chance, sein Lebenswerk durch den Sieg über seinen sowjetischen Gegenspieler Karla zu krönen.
Agent W. hinterlässt einige scheinbar unbedeutende Gegenstände, die von der Polizei nicht gewürdigt werden, die aber Smiley zu intensiven Nachforschungen veranlassen. Andere von Smiley erwartete Objekte fehlen, woraus er weit reichende Schlüsse zieht. Zudem hatte der Ermordete Sätze geäußert, an die Smiley immer wieder denken muß. Zwei besonders wichtige lauten: Sagen Sie Max, es betrifft den Sandmann" und Der Sandmann baut eine Legende für ein Mädchen". Diese Sätze sind auch für Smiley zumindest anfangs unbestimmt und für den Leser vollkommen rätselhaft. Sie weisen jedoch immer wieder auf die von Smiley real und auf die vom Leser geistig zu lösenden Aufgaben - und damit auf den Kern des Buches.

Das Buch ist in 27 Kapitel ohne Überschriften unterteilt. Jedes enthält eine eigene Geschichte, die meist eine oder mehrere rätselhafte Mitteilungen aufweist. Dadurch stellen sich bei der Lektüre viele Fragen, die ohne Kenntnis des weiteren Fortgangs oder auch des schon Geschehenen nicht beantwortet werden können. Die weit über den ganzen Roman verstreuten Anspielungen und Einzelheiten zu den denselben Personen und Ereignissen lassen jedoch immer wieder Zusammenhänge erahnen.

Vollkommen durchsichtig werden alle Zusammenhänge beim ersten Durchlesen wohl nur für Gedächtnis- und Kombinationsgenies. Für weniger Begnadete erschließen sie sich mehrheitlich erst durch zweimaliges Lesen - mit häufigem Vor- und Zurückblättern! Dies ist aber kein Nachteil. Vielmehr wird der im Dämmer tappende Leser später durch das Erlebnis kristallener Klarheit für seine Mühe belohnt. Davon sei nur soviel verraten: Alle wichtigen Personen der Handlung - mit Ausnahme von Smiley selbst - kommen bereits im so arglos scheinenden ersten Kapitel vor. - Es sei aber betont: Auch die einmalige Lektüre des Romans ohne großes Rätsellösen ist spannend und macht Freude!

Ich habe das rund 450 Seiten starke Buch schon beim ersten Mal mit großer Spannung gelesen. Aber am Ende habe ich mich doch gefragt, wie denn eigentlich die Folge der Schritte war, die zu dem zwar erwarteten, aber in seinen Einzelheiten überraschenden Finale führte, und wie die einzelnen Rätsel aufzulösen sind, die sich während der Lektüre ergaben. Deswegen las ich das Buch sofort ein zweites Mal und konnte nun die allermeisten größeren und kleineren Puzzles zusammensetzen und die wichtigsten aufgetretenen Fragen beantworten. Das war befriedigend und ermöglichte zudem ein Verstehen auf einer ganz neuen Ebene. Sehr wahrscheinlich werde ich das Buch noch ein drittes Mal lesen - nur so, zum Genuss!

Ein spannender, raffiniert konstruierter, ja genialer Spionageroman! Daß er in der Zeit des kalten Krieges spielt, tut seiner Frische keinen Abbruch. Unbedingt lesen! - Eindeutig fünf Sterne!
Der beste Le Carre
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Meiner Meinung nach das beste Buch von Le Carre. Smiley macht sich zu seiner letzten Konfrontation mit dem legendären Sandmann bereit.
Die Figur des Smiley ist mittlerweile durch vorhergehende Bücher sehr gereift. Er wirkt mitunter durchdachter und überzeugender.
Man mag gar nicht so viel zum Inhalt erzählen, da sonst die Spannung vergeht.
Es ist ein grandioses Buch. Das eigentliche Finale von Le Carre`s Karriere und ein denkwürdiger Abschied von Smiley. Unterschwellig stellt der Autor die Frage, wozu das eigentlich alles gut war.
Ich würde 6 Sterne geben.
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