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Ein amerikanischer Traum. Die Geschichte meiner Familie von Barack ObamaGebundene Ausgabe von Hanser BelletristikPreis bei Amazon: EUR 24,90, Angebote ab EUR 18,90 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3446230211, Erscheinungsdatum: Februar 2008, Auflage: 1 |
Aus der Amazon.de-RedaktionBis zu seine Ankündigung, er wolle demokratischer Präsidentschaftskandidat werden, kannte kaum jemand außerhalb von Illinois Barack Obama. Dass der Senator aus diesem Bundesstaat schon wenige Monate später als Shooting-Star der Primaries und charismatischer Hoffnungsträger gefeiert wurde, hat das politische Establishment in seinen Grundfesten erschüttert. In seiner Autobiografie erzählt er von seinen ersten 34 Lebensjahren. Obama ist nicht nur aufgrund seines raschen Erfolgs ein Phänomen. Er ist sperrig und lässt sich nur schwer irgendeinem Lager zuordnen; wenig verwunderlich, dass die amerikanischen Demoskopen regelmäßig in ihren Vorhersagen scheitern. Obama ist schwarz, stammt aber nicht von aus Afrika verschleppten Sklaven ab. Sein Vater kam aus Kenia als Gaststudent in die USA, die Mutter ist eine weiße Amerikanerin aus Kansas. So ist er vielen Schwarzen zu weiß und hat bei den ersten Vorwahlen im "weißen" Iowa demonstriert, dass er eine Mehrheit unter weißen Wählern einfahren kann. Anderen wiederum gilt er wahlweise als neuer Martin Luther King oder J.F. Kennedy. Obama tritt in einem Land an, das hinsichtlich seiner verschiedenen Ethnien noch immer tief zerissen ist, in dem die Konfliktlinien auch für Insider mitunter schwer verständlich sind. Seine Autobiografie zeigt, wie sich diese Zerrissenheit in dem Werdegang eines Mannes spiegelt, der lange um seine Identität rang. Obamas Autobiografie ist 1995 zum ersten Mal erschienen. Er nennt sie einen "Beitrag zum Verständnis der Rassenprobleme in unserem Land..." Aus ihr lässt sich einiges über die frühen Prägungen des Newcomers erfahren und auch über seine Visionen von einem neuen Amerika. Dass er diese Erinnerungen heute anders schreiben würde, darf als gesichert gelten. So erzählt er freimütig von studentischen Marathon-Partys mit nächtelangen Diskussionen, jeder Menge Dosenbier und Zigaretten. Es sind Passagen wie diese, die nicht zum klassischen Image eines Präsidentschaftskandidaten passen wollen, die aber etwas Wichtiges leisten: Sie helfen, eine Persönlichkeit zu verstehen, die ihren eigenen, keineswegs immer geraden Weg gegangen ist; die eine juristische Karriere in Harvard begann, dann aber in der armen Chicagoer South Side Bürgeranwalt wurde, sich um die Menschen am Rande der Gesellschaft kümmerte und erst langsam in die Lokal-, Landes- und schließlich nationale Politik hineinwuchs. Entstanden ist eine fast intime Autobiografie, "eine persönliche, innere Reise ... die Suche eines Jungen nach seinem Vater und damit auch nach einem überzeugenden Lebensinhalt für ihn, den schwarzen Amerikaner." --Henrik Flor, Literaturtest 5 Kundenrezensionen:Begnadeter Schriftsteller 5 von 5 PunktenBarack Obama ist, neben allem anderen auch, ein begnadeter Schriftsteller. Er schreibt flüssig und fesselnd und dabei mit einer analytischen Prägnanz, die selten ist. Das Buch macht seinen furiosen Aufstieg plausibel. Die Umstände seiner Biographie (in Indonesien und Hawaii aufgewachsen,mit amerikanischer Mutter und kenianischem Vater) macht ihn eher zu einem Weltbürger als zu einem typischen Amerikaner). Seine Kindheit war nicht arm, doch in unmittelbarer Nähe von Armut. Von Anfang an beobachtete er genau und man glaubt ihm, dass die Menschen ihm wichtig sind. Am meisten beeindruckt mich die erste eigene Entscheidung, die er in seinem Leben getroffen hat. Nach seinem Studium begann er in einem Büro in New York zu arbeiten. Gut ausgebildet,intelligent und smart, war er dafür prädistiniert, eine klassische Karriere zu machen. Doch schon nach kurzer Zeit verliess er diese komfortable Position um Stadtteilarbeit zu machen: Unglamourös, schlecht bezahlt, nahezu hoffnungslos. Das beweist, dass er von seinem Charakter her wirklich selten ist, gerade in unserer Zeit, deren Erfolgsverständnis eindimensional geworden ist. Was mich überraschte: Welche Rolle die Hautfarbe in seinem Leben und in seinem Denken spielt. Sie ist, neben seinem fast unbekannten Vater, eine der Haupttriebkräfte seiner Entwicklung. Das Buch verströmt Optimismus und Kraft, es spornt an und ist dabei weder pathetisch noch eitel. Am Ende bleibt dennoch eine Frage: Wie kann jemand nur so perfekt sein? Er hat sogar richtig pubertiert. Der leibhaftige amerikanische Traum 3 von 5 PunktenVom Sohn eines kenianischen Ziegenhirten zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten - Barack Obamas Lebensgeschichte kann sich sehen lassen und auch wenn man Politiker im Grunde an ihren Leistungen messen sollte, so kann es sich doch lohnen, sich mit den familiären Hintergründen des "schwarzen Kennedys" zu befassen. Und "Ein amerikanischer Traum: Die Geschichte meiner Familie" ist dafür die beste Quelle, denn das Werk zeichnet nicht nur Obamas Familiengeschichte nach, sondern wurde vom 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten persönlich verfasst. Dadurch ist es schon einmal erheblich authentischer als der Großteil jener Biografien die nach 2008 erscheinen werden, vor allem weil Obama direkteren Zugang zu den Personen hatte und seine Eltern wie Großeltern bereits verstorben sind. Dazu kommt, dass Obama seine Biografie vor dem Beginn seiner politischen Karriere im Landtag von Illinois verfasst hat, nachdem ihm ein Verleger anlässlich seiner Wahl zum ersten afroamerikanischen Präsidenten der in Fachkreisen sehr renommierten Harvard Law Review einen Buchvertrag angeboten hat. Somit ist das Buch relativ frei vom Einfluss der Wahlkampfstrategen und PR-Berater, die Obama 2008 zum Sieg in den Präsidentschaftswahlen verholfen haben, während die Wahrscheinlichkeit dass hier ein Ghostwriter am Werk war, zugleich erheblich geringer ist, als im Falle von "Hoffnung Wagen" (Originaltitel: The Audicity of Hope), dass 2004 im Rahmen eines auf 3 Bücher ausgelegten Vertrages erschienen ist, nachdem die Neuauflage von "Dreams from My Father: A Story of Race and Inheritance" (Ein amerikanischer Traum) bis Sommer 2005 fast 40 Wochen in der New York Times Bestsellerliste überstanden hat und als von Obama gesprochenes Hörbuch 2006 sogar einen Grammy abgeräumt hat. Der Erfolg der beiden Werke Obamas mag dazu beigetragen haben, dass sich in seinen Reden immer wieder Querverweise auf die Biografie finden lassen und es Redenschreibern und Ghostwritern so gut gelungen ist, den persönlichen Stil Obamas für seine Ansprachen zu verwenden, was vielleicht zu seinem Ruf als brillanten Rhetoriker und sehr "authentischen" Vortragenden, auch wenn er vom Teleprompter abliest, beigetragen hat. Manche Passagen mögen sich für Obamas politische Ambitionen sogar als hinderlich erwiesen haben, wie er im Vorwort zur Neuauflage von 2004 sogar anmerkt, jedoch ändert das nichts daran, dass er sein Buch im großen und ganzen genau so wieder geschrieben hätte. Allerdings muss man anmerken, dass manche der verhängnisvollen Stellen zwar auszugsweise gute Munition für Gegner abgeben, die Lektüre des Gesamtwerks jedoch viel dazu beitragen kann, die Beweggründe und Umstände zu verstehen. Grob unterteilen lässt sich Obamas Biografie in die drei Abschnitte Kindheit, Chicago und Reise nach Kenia. Dabei erzählt er jedoch weniger seine Lebensgeschichte, als vielmehr in der Tradition der in den USA sehr beliebten Ahnenforschung seine kulturelle und persönliche Identitätssuche herauszuarbeiten. Das führt vor allem dazu, dass das Werk am Ende etwas unvollständig bleiben muss und viele Ereignisse nur im Schnelldurchlauf abgehandelt werden, während er der Suche nach sich selbst erheblich mehr Platz einräumt. Daraus resultiert auch, dass das Werk mit der Reise in das Heimatland seines Vaters und den Erlebnissen dort, endet. Was aus Barack Obama nach seiner Rückkehr in die USA wurde, der Beginn seines Studiums in Harvard, die Wahl zum Präsidenten der Harvard Law Review, die Arbeit als Anwalt und die ersten politischen Gehversuche bei der Wähleregistrierung, ja sogar die beginnende Beziehung zu seiner späteren Frau Michelle Robinson, all das fehlt, da die Erzählung ungefähr 1988 endet. Manches lässt sich allerdings in Obamas zweitem Buch "Hoffnung wagen" nachlesen, welches allerdings eher als politisches Manifest/Analyse zur Lage der Nation gilt. Obwohl die Biografie, dem deutschen Journalisten Christoph von Marschall zufolge, weitgehend der Wahrheit entspricht und von verschiedenen Quellen bestätigt wurde, hat sich Obama einiger "Tricks" bedient, indem er nicht nur neue Namen für manche Zeitgenossen kreiert, sondern auch manche Personen fusioniert und Worte in den Mund gelegt hat, die so zwar nicht gefallen sind, aber grob dem Gesprächsinhalt entsprochen haben. Das ändert natürlich nichts am hohen Wert des Werkes als biografischer Quelle, wenngleich es als Autobiografie eher ungeeignet ist. Zum Teil liegt das daran, weil dem Buch eindeutig ein Inhaltsverzeichnis fehlt, aber auch aufgrund des fehlenden Namens- oder Personenregisters. Interessant wären im Zusammenhang mit einer Autobiografie auch Fotos gewesen, die sich jedoch einzig und allein auf dem Umschlag finden. Ergo bleibt vieles dem persönlichen Vorstellungsvermögen überlassen und das passt gut zu Obamas Stil, der sich in "Ein amerikanischer Traum" von seiner betont verträumten, romantisierenden Seite zeigt. Obwohl es ein sehr persönliches Stück Geschichte ist und Obama als Autor durchaus immer wieder Einblick in seinen Gedanken- und Gefühlswelt bietet, bleibt er unbemerkt relativ oberflächlich, was daran liegen könnte, dass er sich, wie er zugibt, manche Dinge doch vom Hörensagen her selbst zusammenreimen musste. Dass es dabei zu einer Verklärung mancher Ereignisse gekommen sein kann, muss man ihm als Autor zugestehen, denn die subjektive Perspektive ist in einer Autobiografie durchaus gewollt, besonders wenn er seinem Umfeld gegenüber kritisch auftritt. Hinter der blumigen Sinnsuche verbirgt sich jedoch auch die typisch amerikanische Begeisterung für Ahnenforschung, der Versuch über seine Abstammung an das Lebenswerk der Ahnen anzuknüpfen und sich direkt in die Tradition der "amerikanischen Helden" zu stellen und sich so zusätzlich im historischen Kontext Legitimation für seine Anliegen zu verschaffen. Bei Obama dient dieser Versuch zwei Zielen, einerseits ihn als liberal zu positionieren und andererseits als Verkörperung des American Dream darzustellen, wobei alle Zweifel an seiner Bindung zur black community ausgeräumt werden sollen. Dabei stellt das Argument, dass Obamas Vater keineswegs ein einfacher Ziegenhirte aus Kenia war, sondern nach dem Besuch einer britischen Kolonialschule mit einem Stipendium in den USA und sogar Harvard studierte, kein wirkliches Hindernis dar, die Betonung dieser einfachen Herkunft, wie in der Rede vor dem Demokratischen Parteitag 2004, ist lediglich eine von vielen Floskeln, denen sich Obama aufgrund seiner besonderen Herkunft bedienen kann. Barack Obamas Geschichte beginnt nämlich nicht mit seiner Geburt, sondern in der Jugend seiner Großeltern. Stanley Dunham wuchs selbst bei seinen Großeltern auf, nachdem sein Vater, der Frauenheld, die Familie verlassen und seine Mutter sich das Leben genommen hatte. Gramps, wie er von seinem Enkel später liebevoll genannt wurde, der mit seinen zurückgekämmten Haaren aussah, wie ein "Itaker", flog bereits als Kind kurz von der Schule, nachdem er einen Lehrer geschlagen hatte. Später zog er auf der Suche nach dem großen Abenteuer und Gelegenheitsjobs durch die Staaten und fand in Madelyn Lee Payne eine Frau die von seiner Weltgewandtheit fasziniert war. Mit dem Kriegseintritt der USA, meldete sich Gramps freiwillig zur Armee und so wurde ihre gemeinsame Tochter Ann 1942 auf einem Armeestützpunkt geboren. Nach mehrfachen Umzügen verschlug es die Dunhams nach Hawaii, wo die 68erin Ann den idealistischen Austauschstudenten Barack Hussein Obama kennen lernte. Obama senior war während der Kindheit und Jugend seines Sohnes weitgehend eine nicht greifbare Figur, welche nach der Scheidung von Ann Dunham nur noch ein einziges Mal in das Leben des jungen Barack trat, als er die Familie eines Weihnachtens für einige Wochen besuchte. Bis zu seinem Unfalltod, dem Treffen mit seiner Halbschwester Auma und der Reise nach Kenia blieb Obama sr. eine Projektionsfläche für den Sohn im fernen Amerika. Nach der Heirat seiner Mutter mit dem indonesischen Austauschstudenten Lolo Soetoro, aus der Halbschwester Maya Soetoro-Ng hervorging, übernahm dieser zumindest für einige Zeit die Vaterrolle für den Jungen, bis "Barry", wie er meist genannt wurde, wieder in die USA zurückkehrte und fortan bei seinen Großeltern lebte. In einem Land wo Minderheitenpolitik immer mehr hinterfragt wird und demografisch bedingte Entwicklungen die Illusion von einer mehrheitlich protestantisch geprägten weißen angelsächsischen Nation längst zur Vergangenheit gemacht haben, steht Barack Obamas Erfolgsgeschichte für einen bedeutenden Ausnahmefall, hat er es doch als erst dritter Afroamerikaner in den Senat und als bisher überhaupt einziger ins Oval Office geschafft. Dennoch ist seine ungewöhnliche Lebensgeschichte zwar Beispiel für die Möglichkeiten des American Dreams, entzieht sich aber zugleich des Versuchs der Nachahmung, denn am Ende relativiert sich alles, am Ende ist er der Sohn einer alleinerziehenden Mutter, der bei den Großeltern aufgewachsen ist, jedoch immer gute Schulen besuchen konnte und "die Verzweiflung und die Unruhe der Ohnmächtigen [...] wie sie das Leben der Kinder auf den Straßen von Djakarta, Nairobi und in der Chicagoer South Side beeinflusst, wie schmal der Grat zwischen Demütigung und grenzenloser Wut ist, wie schnell aus Hoffnungslosigkeit Gewalt wird" nie am eigenen Leib erfahren musste, sie jedoch aus seinen Beobachtungen als Kind, Sozialarbeiter, Anwalt und Politiker kennt. Change we can believe in, mag er seinen Wählern 2008 versprochen haben und doch sollte man nach 8 Jahren George W. Bush nicht von antiamerikanischen Bush-Bashing in bequeme Heldenverehrung verfallen, sondern auch Barack Obama, wie jeden Politiker an seinen Taten und nicht den Worten messen. "Ein amerikanischer Traum" ist keine Offenbarung, es ist die Hintergrundgeschichte zum Symbolcharakter Präsident Obamas, der darin Ideale formuliert hat, an denen er legitim gemessen werden kann. Veränderung sei nur von der Basis aus möglich, daher wollte er Stadtteilarbeit machen und daher ist "Yes, we can!" ein Wahlspruch der wie kein anderer zu ihm passt, denn er entspricht Obamas Grundüberzeugung, dass nur die amerikanische Gesellschaft die Kraft besitzt, die USA zu verändern. Und man ist geneigt ihm zuzustimmen, ist er doch ein scharfsinniger Beobachter, dessen Schilderungen der Chicagoer South Side auch viel dazu beitragen, umstrittene Persönlichkeiten wie Jeremiah Wright und die gesellschaftlichen Probleme der USA zu begreifen. "Ein amerikanischer Traum" verkörpert einen besonderen Charme, das Buch ist aufrichtig und verträumt, eine fast romanartige Suche nach Herkunft und Identität. Da es noch vor Beginn der wirklich politischen Karriere Barack Obamas entstanden ist, ist es wahrscheinlich auch erheblich authentischer und näher am "wahren Obama" dran, als alles was nach 2004 kam. Indes bleibt das Buch in vielerlei Hinsicht sehr schwammig, was es als Biografie zwar sein darf, aber enttäuschend wirken lässt, wird doch allein das afroamerikanische und liberale Erbe Obamas behandelt, was ihn allein aber noch nicht ausmacht. Was fehlt ist das Leben fern der Suche nach sich selbst, die nackten Fakten, auch jene über Leben und Liebe. Fakt ist, obwohl 1995 erschienen, behandelt das Werk nur Obamas Leben bis 1988 und konzentriert sich dabei vor allem auf die kulturellen und familiären Aspekte, wobei vieles außen vor bleibt, etwa seine Jahre in und nach Harvard. Ist man vom oft ausschweifenden und blumigen Stil des US-Präsidenten nicht ganz hin und hergerissen, ja wünscht man sich ab und zu, vielleicht etwas konkretere Informationen über Obamas Leben, man könnte enttäuscht sein. Das heisst nicht, Obamas Werk wäre nicht authentisch, denn genau das ist es. Gefühle, Gedanken, Einsichten, Obama vermittelt sie hervorragend, nichtsdestoweniger ist es die Synthese aus dieser emotionalen Tiefgründigkeit und einer kaum beachteten biografischen Oberflächlichkeit, aufgrund derer man sich klar sein sollte, dass Obamas "Autobiografie" in vielerlei Hinsicht den gängigen Vorurteilen entspricht. Inhaltliche Unausgewogenheit, viele Anekdoten, übermäßige Betonung von bestimmten Handlungssträngen und all das als Folge der Vorgabe, des Titels und dieser ist im Original eben "Dreams from My Father: A Story of Race and Inheritance". Das Ergebnis ist eine Biografie, wie man sie von Barack Obama eben erwartet. Wortgewaltig und doch träumerisch, eine Suche nach dem Erbe eines Mannes den er nie kannte, dessen Idealen er sich aber irgendwie trotzdem verpflichtet fühlt. Die daraus resultierende Unterordnung des "Lebenslaufs-Teils" unter die "Identitätssuche" muss man jedoch schlucken, genauso wie die fehlenden 7 Jahre zwischen der Kenia-Reise 1988 und dem Erscheinungsdatum 1995, diese passten nicht mehr ins Konzept. Ebenso wenig erfährt man über politische Zielsetzungen oder Persönliches, sofern letzteres nicht mit der Suche nach sich selbst oder Kindheitserinnerungen zu tun hat. Was unterm Strich bleibt sind 90% Roman über die Suche nach den Wurzeln und 10% Biografie, die es auf mehrere 100 Seiten ausgedehnt sicher bald in den ersten Barack H. Obama-Biografien nachzulesen gibt. Einzig der Bonus, dass das Werk von Obama selbst geschrieben ist und viele der Quellen die er dazu nutzen konnte, bereits verstorben sind, können es langfristig von den Werken Dritter abheben. Fazit: Auch inhaltlich etwas verträumt und ganz eindeutig Obamas Stil entsprechend, eine fast romanartige und vor allem sehr authentische, gefühlsbetonte Autobiografie über die Suche nach einer Antwort auf die Frage "Wer bin ich?". Sehr persönlich und aufschlussreich 5 von 5 PunktenDer Stil des zum ersten Mal vor ca. 14 Jahren erschienenen Buchs ist für einen Politiker sehr persönlich gehalten, der Inhalt insgesamt sehr aufschlussreich. "Ein amerikanischer Traum" beschreibt im Wesentlichen drei Lebensstationen: Barack Obamas Kindheit in Hawaii und Indonesien, dann den Beginn seiner politischen Arbeit in Chicago und schließlich die Suche nach seiner Familie und seinen Wurzeln väterlicherseits in Afrika. Wer sich ein genaueres Bild des neuen amerikanischen Präsidenten machen möchte, der sollte das Buch unbedingt lesen. Seine ganze Lebensgeschichte macht deutlich, dass dies tatsächlich mal wieder ein "amerikanischer Traum" ist, denn im Grunde könnte er als ein Amerikaner mit Migrationshintergrund bezeichnet werden: Geboren wird er auf Hawaii - weitab vom amerikanischen Festland - als Sohn einer weißen Studentin aus Kansas und eines schwarzen Studenten aus Kenia. Schon zwei Jahre nach seiner Geburt trennen sich die Eltern wieder. Die Mutter heiratet bald wieder, diesmal einen indonesischen Studenten, dem sie - zusammen mit Barack - bald in dessen Heimat (noch weiter vom amerikanischen Festland entfernt) folgt. Erst mit 10 kehrt Barack Obama nach Hawaii zurück, wo er zunächst von den Eltern seiner Mutter aufgezogen wird. Dies zeigt zweierlei: Erstens unterscheidet sich Obama mit seiner Lebensgeschichte ganz erheblich von den meisten Afroamerikanern, und zweitens erwarb er schon frühzeitig weit über die USA hinausgehende Erfahrungen, zu denen beide Familienstränge (väterlicherseits und mütterlicherseits) beigetragen haben. Diese frühen Erfahrungen, gepaart mit einer genauen Beobachtungsgabe, mit Intelligenz und Empathie und den Grundlagen, die er bei seiner politischen Arbeit in Chicago erworben hat, haben ihn wohl zu der Person gemacht, die nun auf eindrucksvolle Weise die US-Präsidentschaftswahl gewinnen konnte. American Dream come true 5 von 5 PunktenIn der enthusiastischen Stimmung nach Obamas Wahl habe ich mir dieses Buch des künftigen Präsidenten der USA besorgt. Es handelt sich um seine Autobiographie - aber das Erstaunliche ist, dass sie bereits 1995 erschienen ist, von einem Niemand also, der gerade einmal am Anfang seiner 30er sein Jurastudium beendet hatte und sich eine einjährige Auszeit nahm, um dieses Buch über sein Leben und seine Familie zu verfassen. Gleichwohl ist es von einem Menschen verfasst, der sich zu Höherem berufen fühlt und der weiß, dass er es erreichen wird. Natürlich hat auch ein Obama vor 14 Jahren nicht geahnt, dass in ihm ein künftiger Präsident der Vereinigten Staaten schlummert. Und so handelt es sich - gemessen an der späteren staatstragenden Bedeutung des Autors - um ein außergewöhnlich offenes und privates Buch. Ein außergewöhnlicher Fall, denn normalerweise erscheinen solche Lebenserinnerungen erst im nachhinein und sind versehen mit allen Finessen der Distanzierung, die das Amt nun einmal mit sich bringt. Hier lesen wir die erfrischende Geschichte eines Unbekannten, welchem allerdings aufgrund seiner ungewöhnlichen familiären Geworfenheit eine außergewöhnliche Lebensgeschichte blüht. Barack ist der einzige Sohn einer amerikanischen jungen Frau und eines aus Kenia stammenden schwarzen Studenten. Die Ehe geht bald in die Brüche und die Mutter, die offenbar zu exotischen Lebensformen neigt, nimmt mit ihrem kleinen Jungen Reißaus nach Indonesien, wo sie mit einem zweiten Mann lebt. Dort verbringt der kleine Obama die ersten Jahre seiner Erinnerung und entwickelt schon früh ein Gefühl dafür, an einem fremden Ort zu leben, wo sie eigentlich nicht hingehören. Erste Reflexionen über Heimat und Fremdheit drängen sich bereits dem jungen Obama auf. Der Lebensentwurf in Indonesien scheitert. Mutter und Sohn kehren zurück in die USA - nach Hawai. Fortan lebt die Familie zusammen mit den Eltern der Mutter. Der junge Barack Obama wächst bei den Großeltern auf. Der mehrwöchige Besuch des Vaters aus Kenia ist eine besonders lesenswerte Episode. Am meisten beeindrucken allerdings die Reflexionen und Einsichten über das Schwarz-Sein in der Welt der Weißen. Die Komplexität dieses Problems wird einem nicht-amerikanischen durch die Bewusstseinsschärfe Obamas erst wirklich klar. Besonders stark in diesem Zusammenhang ist dann auch die Passage, in der die versteckten Vorurteile der eigenen Großmutter deutlich werden - nicht gegenüber ihrem Enkel, aber im allgemeinen. Hier wird einem einmal deutlich, welch tiefe Bewusstseinsdimensionen Xenophobien berühren - jenseits aller Multi-Kulti Ideologie. Umso erstaunlicher ist es, dass es Obama gelungen ist, die Hautfarbe nicht zum Wahlkampfthema zu machen. Ein weiterer großer Teil des Buches betrifft seine politischen Lehrjahre als "Organizer" in den verkommenen sozialen Wohnbausiedlungen Chicagos. Hier verdient sich Barack in seinen 20er Jahren seine Sporen. In den Ghettos Chicagos versucht er - getragen vom Enthusiasmus über den ersten schwarzen Bürgermeister Chicagos in den 80er - Gutes zu tun. Nach zwei Jahren sozialer Arbeit bekommt er ein Stipendium und geht nach Harvard. Auch hier wieder die Auseinandersetzung, die alle erfolgreichen Schwarzen trifft: Bist du einer von uns oder von denen. Aber Obama findet Alternativen zu diesen Optionen, einen mittleren Weg, der ihn bis an die einsame Spitze der Vereinigten Staaten geführt hat. Ein letzter Teil spielt in Kenia, wo Obama vor seinem Studium seine väterliche Familie aufsucht - der Vater ist bereits verstorben - und sich mit seinen Ursprüngen auseinandersetzt. Dieser Teil weist kulturell eine ganz andere Färbung auf und liest sich ausnehmend interessant. Insgesamt handelt es sich um eine ausgesprochen interessante Lektüre, die sich auch literarisch überhaupt nicht zu verstecken braucht. Kompakt und intelligent 5 von 5 PunktenDies ist nicht eine Lebenserinnerung der üblichen Art, sie enthält vielmehr als man erwarten könnte. Barack Obama schrieb dieses Buch bereits im Jahr 1995 und enthüllte darin seine Seele. "Dreams from My Father" so nannte er seine literarische Arbeit und sie war mehr als nur ein Versuch, sich literarisch zu zeigen. Obwohl, es ist schon der Stil, der seinen Verfasser auszeichnet und der die Leser mitnimmt. Ein Stil, der rhythmisch bewegt und alles enthält, was große Literaten auszeichnet. Man atmet mit. Das alles ist aber weißgott nicht geradezu einfach zu lesen, obwohl es einen weiterzieht in diesem großartigen Gemälde eines amerikanischen Lebens inmitten des ausgehenden 20. Jahrhunderts und hinein ins 21. Es ist mehr das Interessante daran, dass einiges gesagt wird und sofort gespiegelt wird in einer fast ausufernden Vernunft. Das ist sichtlich bewegend und schön zu sehen. Alles, die Kindheit, die Jugend, die alltäglichen Geschehnisse in vielen Erdteilen und die innere Ausleuchtung des Ganzen, also auch der Heirat seiner Eltern, die damals nicht einfach zu unternehmen war und was sich daraus ergab, das alles erscheint in einem sich spiegelnden Licht voller Hoffnung und Wendungen. Die Suche nach dem Vater also ist der eigentliche Titel und das Vorbild dieses Mannes, der sich für die Belange seines Volkes einbrachte und der einen großen Wert auf Familie und Zusammenleben legte, ist wohl das Ziel und ist der Beweggrund dieses Buches. Natürlich ist der Autor dabei auf dem Weg zu sich selbst. So entsteht ein derart buntes Gewebe amerikanischer und weltgewandter Lebensart, das alles nur noch interessant und bewundernswert genannt werden kann. Sicherlich ist von einem solchen Mann Vieles und sogar Großes zu erwarten, wir sollten aber nicht übersehen, dass Präsidenten, auch in Amerika, ja gerade dort im Verbund mit den Mächten stehen, die das Sagen haben. Das aber gilt überall auf unserer Erde und so sind unsere Erwartungen gepaart mit der Hoffnung, dass Vernunft und Liebe sich finden werden. Das ist z.B. ein schönes Ziel. Ich selbst bin guter Dinge, was das angeht. |
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Alles Glück kommt nie von Anna GavaldaGebundene Ausgabe von Hanser BelletristikPreis bei Amazon: EUR 24,90, Angebote ab EUR 18,50 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3446230572, Erscheinungsdatum: November 2008 |
Aus der Amazon.de-RedaktionWarum um alles in der Welt heißt Alles Glück kommt nie „Alles Glück kommt nie“? Immerhin lässt sich das Original, La Consolante, ganz salopp mit „Die Tröstende“ übersetzen. Aber das Problem gab es ja schon bei Anna Gavaldas deutschem Überraschungs-Bestseller Zusammen ist man weniger allein. Auch da gab es für den eher knappen, und gerade in seiner Knappheit gelungenen Titel (Ensemble, c’est tout, also „Zusammen, das ist alles“) keine logische, in der Übersetzung gelungene Entsprechung “Die Tröstende” - das wäre wohl der bessere Titel gewesen. Denn in Galvanas Buch geht es, was den Plot betrifft, äußerst eher einfach zu. Held ist der 46-jährige Pariser Architekt Charles, der vor lauter Arbeit fast zu leben vergisst. In die Midlife-Crisis gekommen, wird Charles aus der Bahn geworfen, als er die Nachricht vom Tod einer gewissen Anouk erhält. Da er einmal in die weitaus ältere Frau verliebt gewesen ist, sucht Charles nach Spuren der faszinierenden Frau. Was er findet, ist die Spur von Anouks Sohn Alexis, der einmal sein bester Freund gewesen ist. Und er macht Bekanntschaft mit Kate, der Immigrantin, die ihm nicht nur ihre Vergangenheit offenbart, sondern ihm auch zeigt, was wahre Liebe - und wahres Glück - bedeuten kann… In Frankreich wird Anna Gavalda inzwischen fast schon wie ein Popstar verehrt. In Deutschland ist es bisher nicht ganz so schlimm, auch wenn man es der Autorin durchaus gönnen könnte. Denn Galvada hebt die Unterscheidung zwischen U- und E-Literatur auf eine Art und Weise aus, die bezaubert. Da ist sicher nicht jeder Satz ganz schmalzfrei. Aber Alles Glück kommt nie ist - trotz des umständlichen Titels - alles andere als misslungen. Beste Unterhaltung. -- Stefan Kellerer, Literaturanzeiger.de 5 Kundenrezensionen:Was bedeutet Glück? 5 von 5 PunktenSehnsüchtig hatte ich den neuen Roman von Anna Gavalda erwartet! Groß waren meine Erwartungen! Der Einstieg war dann erstmal eine kleine Enttäuschung! Das war nicht der gewohnte Stil von Anna Gavalda, die Geschichte verwirrte am Anfang und ließ mich noch ziemlich kalt. Aber das Dranbleiben lohnte sich! Spätestens bei der Geschichte über Anouk und Nounou war ich sehr gerührt und bei der tragischen Entfremdung zweier ehemals bester Freunde, liefen bei mir die Tränen. Der zweite Teil des Buches dann, die Geschichte von Kathy, liest man mit einem warmen Lächeln mit und stellt sich den Hof mit allem Drum und Dran vor und meint förmlich, die Wärme des Sommers zu spüren oder das Gelächter der Kinder hören zu können. Teilweise hätte das Buch vielleicht ein wenig kürzer gefasst werden können, aber alles in allem bin ich doch wieder sehr zufrieden mit Anna Gavalda und erwarte nun das nächste Buch sehnsuchtsvoll! Kitsch und Klischees 2 von 5 PunktenWas ich bisher an Anna Gavalda so mochte, war ihre Kunst, den menschlichen Schwächen und Problemen versöhnliche Perspektiven gegenüberzustellen - aber eben keine unrealistischen und schmalztriefenden Happy-Ends zu liefern. Bei "Alles Glück kommt nie" ist das leider anders. Die Grenze zum Kitsch wird zu oft überschritten, und die Versuche der Autorin, das Niveau des Ganzen mit ausgefallenen Stilmitteln anzuheben, wirken eher unpassend. Der erste Teil (das aktuelle Leben der Hauptperson als Architekt und seine Kindheitserinnerungen an Anouk und Alexis) und der zweite Teil (die Idylle auf dem Land) stehen ziemlich unverbunden nebeneinander, auch wenn die zweite Hälfte des Buches nett zu lesen ist und echte "Page-Turner"-Qualitäten hat. Doch gleichzeitig werden reichlich Klischees bedient: Hier der kalte Großstadtkonsum, dort das ländliche Paradies voller Kinder und Tiere; hier die edle Designer-Küche mit leerem Kühlschrank, dort der gemütliche alte Ofen, in dem andauernd Schokoladenkuchen gebacken wird; hier die kapriziöse Laurence, dort die herzliche Kate. Die ganze Geschichte arbeitet mit ziemlich schlichten Gegensatzpaaren, die in einem platten Happy-End münden. Bleibt zu hoffen, dass Gavalda in Zukunft zu alter Form zurückfindet und nicht endgültig in den Mainstream abdriftet. Schrecklich 1 von 5 PunktenDas schlechteste Buch seit langem. Ich mochte "Zusammen ist man weniger allein" sehr, darum habe ich mich auf dieses Buch gefreut. Leider eine herbe Enttäuschung. Die vielen Halbsätze nerven extrem, nach einer Lesepause kommt man nur schwer wieder in die Geschichte hinein - alles in allem nicht empfehlenswert. Sorry, Frau Gavalda, da bin ich besseres von Ihnen gewohnt. Eine fast alltägliche Geschichte 4 von 5 PunktenEine fast alltägliche Geschichte. Erfolgreicher Architekt in der Mitte seiner Jahre gerät in die Midlife-Crisis. Längst dümpelt die Gemeinschaft mit seiner Lebenspartnerin nur noch mehr oder weniger freudlos vor sich hin. Und das Verhältnis zu seiner halbwüchsigen Stieftochter ist lediglich bestimmt von finanziellen Zuwendungen. Natürlich landete "Alles Glück kommt nie" wie vorauszusehen auf den Bestsellerlisten. Verdientermaßen? Zumindest zu Beginn wird sich der Leser etwas schwer tun. Die verknappten Sätze, teils mit bedeutungsschweren Auslassungen, stören und verstören. Was salopp klingen soll, ermüdet. Der Rest ist dann Gavalda, wie sie der geneigte Leser aus den früheren Romanen kennt. Eine Menge Herz-Schmerz-Prosa um Liebe und Lust, um Verlust und Leid. Und damit das nicht zu flach und kitschig wirkt, gibt es ein wenig Ironie. "Was jetzt folgt, nennt sich Glück, und Glück ist eher peinlich. Lässt sich nicht erzählen. Sagt man...Glück ist platt,abgeschmackt... Glück langweilt den Leser." Nun - ganz so schlimm ist es auch wieder nicht. Dafür ist die Gavalda eine viel zu gute und routinierte Erzählerin. So kommt in das Leben unseres "Helden" Charles Bewegung - durch die lapidare Nachricht "Anouk ist tot". Plötzlich denkt er nur noch an diese Frau, die Mutter seines besten Freundes, Krankenschwester mit Herz, in die der Jüngling einst furchtbar verliebt war. Erinnerungsarbeit setzt ein und das Verlangen, mehr über Anouk, ihr Leben und ihr Sterben zu erfahren. In dieser Geschichte, die auch die Geschichte seines Freundes Alexis ist, verliert - und findet er sich selber. Trost und wenn man so will Erlösung kommt ihm durch Kate. Sie eine frühere Freundin von Anouk, eine verrückte Engländerin, ist eine Art Gegenentwurf. Von der "Welt" zurückgezogen lebt sie auf einem verwilderten Landgut mit fünf Kindern und zehn Katzen, mit Hunden, Vögeln und einem Lama zusammen. "Ihr Herz und ihr Plastikbecher waren gleichermaßen zerknautscht...Sie war fertig mit der Welt". Für Charles aber ist sie die neue Anouk. Und schließlich auch einen neues Leben und ein neues Glück. "Die wahre Familie findet man unterwegs", so Charles. Und die Liebe auch.. Mit Kate ist Anna Gavalda ein beeindruckendes und brillantes Porträt gelungen. Allein diese Geschichte lohnt es, den ganzen Roman zu lesen. Und so legt der Leser dann doch trotz einiger Bedenken das Buch "getröstet" und gut unterhalten aus der Hand. Eine gut erzählte männliche Midlife-Crisis 5 von 5 PunktenDie Geschichte eines 46-jährigen Workaholic Architekten mit ausgeprägtem Schlafdefizit, der seine Lebensgefährtin und deren Tochter vernachlässigt. Bei einer Familienfeier liest er die Todesanzeige der Mutter seines Kindheitsfreundes. Dessen Mutter war für ihn eine Art Ersatzmutter. Er erinnert sich daran, was sie ihm vermittelte und gestaltet sich anlässlich des Besuchs bei dem Kindheitsfreund neu, indem er eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern freit. Diese betreut die drei Kinder ihrer bei einem Autounfall verstorbenen Schwester und hat sich noch ein paar Pflegekinder dazugeholt. Der männliche Hauptdarsteller erkennt einen Daseinssinn und suhlt sich fortan glücklich in Großfamilie. Was ein Vorrezensent schon sagte, stimmt leider. Die ersten 250 Seiten des Buches sind zäh. Ein paar gut wiedergegebene Episoden. Aber das war es. Der wechselnde Erzählstil, mal "Ich-Perspektive", mal "Dritte-Person-Einzahl" erleichtert nicht unbedingt den Lesefluss. Auch muss ich Bedenken anmelden hinsichtlich Geschichten, in denen Frauen aus der Männerperspektive erzählen. Männer denken immer an das eine und weniger an die anderen Dinge, die Frauen wichtig sind. Männer sind im besten Fall doch eher konzeptionell oder einzelfallbezogen zielorientiert und weniger gefühlsorientiert. Zugegeben seine Hilflosigkeit ist gut wiedergegeben. Sie treibt es mit dem Dorfschmied und er kümmert sich um die Kinder und schmachtet sie an. Und ab Seite 300 kommt Anna Gavalda endlich auch in das Fahrwasser, das man von ihr kennt. Die Geschichte bekommt Schwung und Handlung und da ist er dann, dieser ihr eigene Ton, der das Lesen ihrer Bücher zum zugegebenermaßen schwer erklärbaren Hochgenuss macht. Zu Ende gelesen, schlug ich das Buch, so etwas komisch unbestimmt, jedoch irgendwie glücklich und irgendwie auch erstarkt und gestärkt zu. |
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Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra von Roberto SavianoGebundene Ausgabe von Hanser BelletristikPreis bei Amazon: EUR 21,50, Angebote ab EUR 14,50 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3446209492, Erscheinungsdatum: August 2007, Auflage: 1 |
5 Kundenrezensionen:non-fiction roman feat. glaubwürdigkeitsproblem 2 von 5 Punkten"Das Buch hat es in sich: Der Autor stammt aus Neapel. Saviano liefert Hintergründe - und er nennt Namen." ARD Ich habe Gomorrha noch nicht durchgelesen. Ich muss aber jetzt schon lachen, sobald meine Augen über die Inhaltsbeschreibung auf dem Buchcover streifen. Er nennt Namen- und wie! Roberto Saviano scheint sich nicht zu schämen, über zwei Seiten (!!!) die Spitznamen der "Bosse" aufzuzählen und hier und da persönliche Interpretationen auf das Äußere oder den Charakter des Inhabers niederzuschreiben. Und wem das als Leser nicht reicht, dem verspreche ich auf jeder Seite mindestens zwei neue Namen, manchmal total aus dem Zusammenhang gerissen. Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich mehr über die moderne Mafia erfahren wollte. "Das Resultat ist eine Mischung aus Reportage, Dokumentation und investigativem Journalismus." (Buchbeschreibung) Das habe ich erwartet- und es gibt diese spannenden, erschreckenden Passagen des Buches: Eingefrorene Billigarbeiter aus dem Ausland, Strukturen der Textilindustrie, Drogengeschäfte, die "Schwarzindustrie" im Süden Italiens. Der Käufer wird jedoch entgegen der Beschreibung einen "Non-Fiction" Roman, wie Saviano sein Buch selber nennt, in den Händen halten. Und damit bricht in meinen Augen das Fundament.. Roberto Saviano spielt an vielen Stellen mit seiner Glaubwürdigkeit. Er montiert Szenen (s. Interview: Roberto Savianos mit Fiona Ehlers), die aber nicht zum besseren Verständnis führen. In dem genannten Interview widerspricht er sich sogar selbst: Im Buch berichtet er von Pasquale, einem begabten aber unterbezahlten Schneider für die untergrabene Modeindustrie, der den Auftrag erhält einen maßgeschneiderten Anzug zu fertigen und diesen später auf der Oscarverleihung an Angelina Jolie wiedererkennt. Aus verletztem Stolz stellt er seine guten Fähigkeiten nicht mehr zu Verfügung, liefert nur noch Waren aus und begegnet im weiteren Verlauf dem Autor hier und da rein zufällig auf offener Straße. Im Interview sagt Saviano, dass Pasquale von der Mafia strafversetzt wurde. Nur ein kleines Beispiel- aber was stimmt und was nicht? Der Schreibstil gleicht auch eher der Beschreibung Savianos als der des Verlegers. Wer Sätze wie "Es riecht nach Fabrikschloten, aber es gibt keine Fabriken" mag, wird dieses Buch lieben. Wird dem Hype nicht gerecht: Leider mit der Dauer äußerst ermüdend 2 von 5 PunktenDas Buch ist mittlerweile schon so lange in den Medien, dass es einen irgendwann in Form eines Geschenkes einholt. Das Thema ist interessant, die (professionellen) Rezensionen im Hinterkopf und die Erwartungshaltung entsprechend. Zunächst enttäuscht Saviano diese auch nicht. Der Einstieg ist packend, die Schilderungen detailliert und drastisch. Seine Wut springt bald auf den Leser über. Das Problem: Saviano hat eigentlich recht schnell alles gesagt. Deshalb wiederholt er es immer wieder, neue Namen (die sich eh alle gleich anhören) und alte Geschichten. Schon nach ungefähr 100 Seiten ist dieser Punkt erreicht. Und von da an geht es mit der Qualität des Buches rapide bergab, es verkommt zu einer reinen Aufzählung. Deutlich merkt man, dass Saviano ein guter Journalist ist - aber eben kein guter Autor. Gegen Ende springt er hektisch von Thema zu Thema, ein roter Faden ist nicht mehr zu erkennen. Da ist das Buch längst zur Qual geworden, die Seiten erscheinen einem als Bleiwüsten angereichert mit endlos vielen italienischen Namen. Den medial erworbenen Vorschusslorbeeren kann dieses Buch allenfalls im Ansatz gerecht werden und ist (leider wieder einmal) ein etwas hohler PR-Hype. Die harte Realität im Reich der Camorra 4 von 5 PunktenDas öffentliche Bild vom organisierten Verbrechen mag zwar von der sizilianischen Mafia geprägt sein, doch diese ist gegen die süditalienische Camorra, so der Autor, kaum mehr als ein Knabenchor. Roberto Saviano, der inzwischen im Untergrund lebt, erhielt für seine Recherchen zu diesem Buch 2006 den Premio Viareggio, einen italienischen Literaturpreis. Während die italienischen Juroren vermutlich ausreichend Hintergrundkenntnisse besitzen, um zwischen harten Fakten und Überzeichnung unterscheiden zu können, ist davon beim deutschen Otto-Normal-Leser höchstwahrscheinlich nicht auszugehen. Die Frage, wo Savionas Buch nun Roman und wo Sachbuch ist, kann der Laie kaum beantworten. Nicht zuletzt, weil die Kapitel in sich abgeschlossen sind und damit oft zusammenhanglos erscheinen. Der rote Faden versteckt sich hinter blutigen Anekdoten. Achtenswerte Motivation, unzureichende Umsetzung 3 von 5 PunktenZunächst: Dem Autor gebührt alle Hochachtung, die denkbar ist. Sich einer der weltweit aggressivsten Verbrecherorganisationen entgegen zu stellen, nötigt eine Verbeugung ab. So hat man die Ehre, beinahe wöchentlich aus den Medien zu erfahren, was derartigen "Dissidenten" blüht: Geschäftslokale werden ohne lange zu fackeln abgefackelt, ganze Familien der Vendetta wegen ausgelöscht usw. Dies sei klargestellt. Der geneigte Rezensent kommt allerdings nicht umhin, an den handwerklichen Fähigkeiten des Autors zu mäkeln: Es liest sich mühsam. Als Bettlektüre (und nicht ob der Schwere der Thematik) nicht zu empfehlen. Wie bereits von Kolleginnen und Kollegen wohl richtig konstatiert wurde: Der Autor neigt dazu, sich zu überschätzen. Als Journalist wohl richtig am Platz - die Recherchen sprechen ja für sich -, heißt dies allerdings noch nicht, auch für die Profession des Buchautors prädestiniert zu sein. Zu schwerfällig der Duktus, zu selbstverliebt die Darstellung, die schwer einmal auf den Punkt kommt: der Autor verliert sich in der Wüste des eigenen Anspruchs. Schade - daher leider nur bedingt zufriedenstellend. Kurz und bündig bewertet... 3 von 5 PunktenMeine kurze aber bündige Rezension: + die Darstellung der Reichweite und des Einflußes der Camorra, national und international... da sieht man Italien wieder mit anderen Augen - die Masse an Namen, Spitznamen und Ortschaften, Verwandschaftsgraden und Beziehungen untereinander läßt einem während der Geschichte das Gesicht einschlafen |
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Das Geheimnis des Kalligraphen von Rafik SchamiGebundene Ausgabe von Hanser BelletristikPreis bei Amazon: EUR 24,90, Angebote ab EUR 19,50 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3446230513, Erscheinungsdatum: August 2008, Auflage: 1 |
5 Kundenrezensionen:Eine meisterhafte Erzählung 5 von 5 PunktenSelten findet man einen Roman, der die drei wesentlichen Elemente eines guten Buches - interessante Charaktere, eine spannende Handlung und eine dichte Atmosphäre - so gekonnt vereint wie `Das Geheimnis des Kalligraphen' von Rafik Schami. Man taucht ein in die Welt des Damaskus der fünfziger Jahre, verliert sich in den schönen Bildern die der Autor mit reichen Worten zeichnet ohne dabei jemals langweilig zu werden. Diese anschaulichen Beschreibungen sind es, die, neben vielen weiteren Elementen, der Geschichte einen so realistischen Anstrick verleihen, dass ein Leser, der sich nicht mit der Geschichte Syriens befasst hat kaum zwischen Fiktion und Realität unterscheiden kann, so geschickt ist die Handlung in den historischen Rahmen eingefügt. Wenn man dem Roman eine Schwäche vorwerfen könnte, dann vielleicht, dass alles so langsam anläuft. Nach dem spannenden Prolog folgt erstmal ein großer zeitlicher Sprung in die Vergangenheit. Die Kindheit der Protagonisten wird geschildert und auf den ersten hundert, hundertfünfzig Seiten plätschert die Handlung nur etwas vor sich hin. Diese Zeit braucht der Leser aber auch um sich in die damalige Zeit und die Gesellschaft des Orients einzufühlen und er braucht sie vor allem, um all die vielen Charaktere kennen zu lernen. Rafik Schami wechselt dabei sehr häufig die Perspektive und fast jeden Kapitel der ersten Hälfte des Buches ist aus der Sicht einer anderen Person geschrieben. Und dabei schafft Schami etwas ganz außergewöhnliches, was kaum ein Autor vermag: Er gibt jeder einzelen seiner Figuren - und es sind mehrere Dutzend - ein Gesicht. Alle Charaktere erscheinen äußerst plastisch und realistisch und obendrein wirken sie auch sympathisch - man spürt, dass sich Schami mit jeder seiner Figuren auseinandergesetzt und sie ins Herz geschlossen hat. Es gibt kein `Gut' und kein `Böse', alle Charaktere handeln aus ihrer Sicht aus nachvollziehbaren Gründen. Und weil diese positive Haltung allen Figuren gegenüber auch auf den Leser überspringt, entsteht daraus auch die große Spannung des Romans: Man möchte erfahren wie es mit dem Kalligraphen Hamid, seiner Frau Nura, dem jungen Christen Salman und dem Frauenheld Nassri weitergeht, leidet und hofft mit ihnen. Daneben lernt man viel über die Gesellschaft und die Sitten des Orients und bekommt einen Einblick in die Kunst der Kalligraphie, die im Lauf des Romans immer mehr in den Mittelpunkt rückt. Denn was als breit angelegtes Personentableau und Wirrwar zahlloser Handlungsstränge beginnt spitzt sich zu zu einem religiös-politischen Konflikt um eine radikale Reform der arabischen Schrift. Eine herrliche Geschichte also, fernab der vielen seichten Romane, die man vielfach in Regalen der Buchhändler findet. Wer anspruchsvolle und zugleich farbenprächtige Literatur, ein klassisches `gutes Buch' sucht, der ist hier genau richtig. Bilderbogen der syrischen Gesellschaft 5 von 5 PunktenRafik Schami, der mit seinem Buch "Erzähler der Nacht" bekannt geworden ist, wurde für seine Werke mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Seinem neuesten Buch merkt man die Liebe des Autors zu seiner Heimat und insbesondere zu Damaskus an. Besondere Aktualität erhält das Buch, weil eine ganze Reihe der gegenwärtigen Konflikte geschickt in die Erzählung eingearbeitet worden sind. Der Roman hat zwei Erzählstränge. Zunächst wird der Leser durch eine Liebesgeschichte in die Erzählung soghaft hineingezogen. In Damaskus wird eine Fama zum Tagesgespräch, nämlich die attraktive Frau des angesehenen Kalligraphen Nura sei geflüchtet oder Opfer einer Entführung geworden. In Wirklichkeit hat der in seine Arbeit vertiefte Hamid Farsi nicht bemerkt, wie sich zwischen seinem christlichen Lehrling Salman und der Muslimin Nura eine romantische und hemmungslose Liebesbeziehung entwickelt hat. Der andere Erzählstrang beschäftigt sich mit den Geheimnissen des Kaligraphen. Der Tod seines Bruders ist ein kaum glaubhaftes Geheimnis. Das andere Geheimnis das im Kampf gegen die Fundamentalisten mit in den Untergrund nimmt, kann er niemandem anvertrauen, weil es sonst sein Leben kosten würde. Dieser Strang kommt auf die Ansprüche der Kaligraphie zurück. Farsi, einst als Wunderkind der Kalligraphie bewundert, arbeitet an einer Reform der arabischen Sprache und reflektiert dabei über sein Lebenswerk. Es ist die höchst begehrteste Kunst in der arabischen Welt, in der man philosophische und religiöse Sprüche in schöner harmonischer Schrift gestaltet, die auch demjenigen, der die Sprache nicht kennt Inhalte vermittelt. Der Roman entwickelt einen unglaublichen Sog. Ich empfehle die Lektüre Wie ein buntes Kaleidoskop - nichts ist wie es scheint 5 von 5 PunktenVorweg gesagt dies ist mein erste Erfahrung mit dem Werk von Rafik Schami und während der ersten zweihundert Seiten dachte ich, dass es auch das letzte Mal wäre ... Zunächst einmal beginnt dieses Buch mit einem famosen Start - in media res - danach aber wandelt sich das Wesen des Buches. Auf den ersten fünf Seiten wird von Nura, der Frau des Kalligraphen Hamid Farsi erzählt, und dass sie ihn im April 1957 verlassen hat. Das Gerücht eilt durch ganz Damaskus. Man erzählt sich, ihr Gemahl hätte ihr im Auftrag von Nassri Abbani, ein "stadtbekannter Frauenheld", feurige Liebesbriefe geschrieben. Erwähnt wird ganz am Ende dieses Prologs auch eine Weisheit, dass es mehr als nur einen Kern der Wahrheit gibt. Danach aber erfolgt ein Rückblick. Wir befinden uns im Jahr 1942 und erfahren mehr über die Kindheit von Nura, von ihren Eltern, vom Leben im alten Midan-Viertel, vom Miteinander von Christen und Muslimen. Es folgt die Geburt von Salman im Jahre 1937. Salman wächst im Gnadenhof auf, einem Armenviertel für in Not geratene Christen. Wir lernen auch seine Freundin Sarah kennen, die ihm später als Lehrerin zur Seite stehen wird, denn Salman verlässt noch vor Ablauf des zweiten Schuljahres den Unterricht. Es werden Episoden des täglichen Lebens der Heranwachsenden erzählt. Hervorzuheben wäre hier insbesondere der Moment als der Hund des Salman einem Mann - Karam - das Leben rettet, indem er ihn aus den Fluten des Flusses zieht. Des Weiteren werden Nassri Abbani, von Beruf Sohn, dessen rechte Hand Taufiq und der Kalligraph Hamid Farsi eingeführt. Nassri Abbani nimmt die Dienste des Kalligrafen in Anspruch, um ein besonderes Geschenk für den Präsidenten Schischakli zu erwerben. Soweit so gut, aber irgendwo in all diesen Beschreibungen, die zwar durchaus farbenprächtig und interessant sind, leider aber auch an einigen Stellen etwas langatmig, ist dem Rezensenten der Faden verloren gegangen. Wozu das Ganze? WO IST DER ROTE FADEN? Bis zur Seite 150 hat zumindest der Rezensent sehr viel Geduld benötigt. Dann aber treffen endlich Nura und Hamid Farsi aufeinander. Eine arrangierte Hochzeit, das Paar lernt sich erst während der Zeremonie kennen. Salman arbeitet währenddessen im Café von Karam. Er verdient ausreichend und kann sogar Geld sparen um seine kranke Mutter zu überraschen. Eines Tages überzeugt Karam ihn jedoch, die Stelle zu wechseln, und als Laufbursche bei dem Kalligrafen anzufangen, um dessen Wissen heimlich zu erlernen: die Kunst der Kalligrafie, wie die Tinten hergestellt werden, die Geheimnisse des Kalligrafen. Wir befinden uns inzwischen auf S. 186 und es scheint voran zu gehen mit der eigentlichen Geschichte, welche in der Beschreibung angepriesen wurde. Im Rahmen seiner Tätigkeit bei dem Kalligrafen lernt Salman dann auch Nura kennen, bei der er immer das Mittagessen für Hamid Farsi abholt. Die beiden kommen sich dabei näher - unbemerkt von Hamid Farsi, der damit beschäftigt ist eine Kalligrafen-Schule zu planen. Das Gebäude wird von Nassri Abbani zur Verfügung gestellt. Bei der Eröffnung fehlt der Spender jedoch und wenig später wird die Schule von Schlägern verwüstet. Hamid Farsi vermutet Abbani hinter dem Anschlag. Außerdem hat ihn zwischenzeitlich Nura verlassen - sie ist zusammen mit Salman nach Aleppo geflüchtet. Da aber keiner von der Beziehung der beiden weiß, wird Nassri Abbani als Grund für den Bruch vermutet. Hamid Farsi hat nunmehr nur noch eine Aufgabe: Nassri Abbani zu stellen. Nach dessen Tod wird der Kalligraf von einem Gericht zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Soweit der erste Kern der Wahrheit. Ab Seite 351 erfährt der Leser dann den zweiten Kern der Wahrheit - nichts ist wie es scheint. Und ja die Andeutungen, die Informationen waren schon im ersten Teil enthalten, aber so wie es Hamid Farsi entgeht, dass seine Frau Nura entgegen seinen Anweisungen schneidert und ausgeht sowie ein Verhältnis zu Salman hat, so ist es auch mit diesem zweiten Kern der Wahrheit. Abgelenkt von der abwechslungsreichen Beschreibung sieht man zunächst einmal nur das Offensichtliche. Im zweiten Kern der Wahrheit lernen wir mehr über Hamid Farsi, seine Familie und vor allem auch über seinen Meister Serani. Der Leser erfährt von den eigentlichen Plänen des Kalligrafen, was hinter dessen Schule steckt, wer die Feinde von Hamid Farsi sind und ... mehr sollte der Rezensent an dieser Stelle nicht verraten. Auch die Bedeutung von Ibn Muqla soll jeder Leser selber herausfinden. Alles in allem wirkt dieses Buch auf den Rezensenten wie ein Kaleidoskop: wenn man es dreht, dann ändert sich ständig das Bild. Erst die kompakte Momentaufnahme, ein Schnappschuss auf die Gegenwart. Danach ein Rückblick in die Vergangenheit, der übergeht in die Gegenwart und schließlich die Zukunft. Dann ein Drehen des Kaleidoskop und nochmals Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Insbesondere im letzten Teil deckt die neue Perspektive die blinden Flecken der Wahrnehmung auf. Dieses Buch hat so unglaublich viele Facetten. Dadurch, dass die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt wird, trägt jeder seine Erfahrungen und Ansichten bei und alle Fragmente fügen sich am Ende zu einem überraschendem Ganzen. Grandios! Rafik Schami ist wirklich ein begnadeter Geschichtenerzähler. Der Rezensent hat nach Beendigung des Buches nochmals von vorne angefangen - diesmal etwas aufmerksamer - und siehe da, auf einmal fallen all die Stellen auf, die das überraschende Ende ankündigen ... ein Buch, das man mehr als einmal in die Hand nehmen sollte. Darüber hinaus ist dieses Werk auch eine lesenswerte Einführung in die arabische Welt: die Geschichte Syriens, die Ethik der herrschenden Klasse, das Geschäftsgebaren, das Verhältnis zwischen Moslems und Christen, das Leben in den einzelnen Vierteln, der Kodex des Zusammenlebens und nicht zuletzt auch die Moslembruderschaft, oder die Reinen", wie sich die Fanatiker in diesem Buch nennen. Poetische Geschichten - aber ein Roman mit Längen 3 von 5 PunktenDas mulitkulturelle Leben in Damaskus in den 50er Jahren, Überlegungen zum arabischen Alphabet, Diktatur und Demokratie in Syrien, Herstellung von schwarzer Tinte, Islamisten und Reformer - viele gute Ideen und poetische Abschnitte, aber die eigentliche Geschichte des Kalligraphen und seiner Frau, die ihn verlässt, zieht sich etwas unbefriedigend und mit Längen dahin. Ich halte Rafik Shami für einen begnadeten Geschichtenerzähler, aber ein Roman ist eine andere Gattung. Ein weiterer gelungener literarischer Brückenschlag von Rafik Schami zwischen Okzident und Orient 5 von 5 PunktenRafik Schami hat mit seinen Büchern für den Dialog des Westens mit dem Orient, für das Verständnis der Kultur des Orients und seiner Religion, den verschiedenen Ausprägungen des Islam während der 35 Jahre, die er schon in Deutschland lebt, vielleicht mehr getan als alle anderen Versuche des Dialoges zusammen. Er, der seine syrischen Wurzeln nie vergessen hat, und besonders seine Kindheit in Damaskus immer wieder in verschiedenen Formen in seine Bücher einfließen lässt, verbindet seine neue und seine alte Heimat in einer Weise, die aus beiden Traditionen etwas Neues, für ihn ganz Typisches entstehen lässt. Sein neues, wieder sehr umfangreiches Buch, das aber bei der Lektüre sich als eine wahre Schatzkiste von Erzählungen zeigt, "Das Geheimnis des Kalligraphen" atmet von Anfang bis Ende seinen ganz persönlichen, unnachahmlichen Stil. In einer Haupthandlung versetzt er uns in das Damaskus der fünfziger Jahre ( jene Stadt und Zeit, in der er seine eigenen Kindheit verbrachte). Er verzählt von Hamid Farsi, einem Kalligraphen, der schon als junger Mann als eine Art Wunderkind dieser orientalischen Schreibkunst gefeiert wird. Obwohl er in der Schönheit der Kalligraphie die arabische Poesie am besten ausgedrückt sieht, erkennt er die Schwächen der arabischen Sprache ( die, so sagt etwa Dan Diner in seinem Buch "Versiegelte Zeit", bis auf den heutigen Tag besteht) und setzt seine ganze Anstrengungen darein, an der Reformierung dieser Sprache mitzuarbeiten. Dies bringt ihn allerdings, wie könnte es anders sein, in die Nähe der Politik, und schneller als er es merkt, ist er Teil einer politischen Verschwörung). Nura, die Ehefrau von Hamid, kommt bei all diesem Engagement ihres Mannes zu kurz. Längst hat dieser das Interesse an ihr verloren und so ist es kein Wunder, dass sie eine Beziehung mit einem anderen Mann beginnt. Zusammen mit dem Christen Salman ( auch hier wieder der Versuch des Brückenschlags schon in der Auswahl der handelnden Personen), flieht sie aus ihrem bedrückenden Eheleben. Ihre Umwelt kann das aber nicht verstehen. Sie war doch privilegiert und hatte alles, wovon sie nur träumen konnte. Und die Gerüchteküche brodelt. Ist Nura das Opfer einer Entführung, oder haben die Gegner ihres Mannes die Hände im Spiel ? Neben dieser spannenden Haupthandlung baut Rafik Schami unzählige kleine Geschichten ein und mit vielen anderen Figuren, ohne dass das Buch je an einer Stelle überladen wirken würde. Es geht in diesem Buch zwischen den Zeilen immer wieder um die notwendige Reform des Islam und am Beispiel einer Liebesgeschichte zwischen einer Muslimin und einem Christen um das Verhältnis zwischen den beiden Religionen. |
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Septimus Heap 04. Queste von Angie SageGebundene Ausgabe von HanserPreis bei Amazon: EUR 16,90, Angebote ab EUR 12,70 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3446230971, Erscheinungsdatum: Sept. 2008 |
Aus der Amazon.de-RedaktionAm Ende des dritten Bandes dieser außergewöhnliche Fantasy-Saga, Septimus Heap, Physic, hatte Septimus Heap zwar den Weg zurück in seine Zeit gefunden – aber sein Bruder Nicko und dessen Freundin Snorri irrten immer noch in der Vergangenheit herum. Jetzt endlich bekommen Septimus und Prinzessin Jenna einen Hinweis darauf, wie sie die beiden finden und zurückholen können. Dabei spielen ihr Freund Beetle und ein seltsames Wesen – halb Mensch, halb Ratte – aus dem Manuskriptorium eine wichtige Rolle. Doch schon der Anfang des Weges ist nicht leicht zu finden, und zu allem Überfluss spinnt der Geist des früheren Außergewöhnlichen Zauberers Tertius Fume ein schreckliche Intrige gegen Septimus. Hilfe bekommt er dabei von dem frustrierten Merrin, dem früheren Schüler von Septimus’ Erzfeind DomDaniel. Zwar können sich Septimus und Jenna schließlich tatsächlich auf den Weg zum Foryxhaus machen, in dem alle Zeiten zusammenkommen und in dem sie Nicko und Snorri vermuten. Doch mit einem Trick gelingt es Tertius Fume, ihre Schritte unbemerkt zu lenken – ohne dass selbst die Außergewöhnliche Zauberin Marcia Overstrand etwas dagegen tun könnte ... Die Saga um den Zaubererlehrling Septimus Heap hat längst weltweit Fans, nicht nur bei Kindern ab zehn Jahren, für die sie geschrieben ist. Und auch im vierten Band werden Angie Sages LeserInnen nicht enttäuscht, denn sie bleibt ihrer Linie treu: Mit viel Liebe und Aufmerksamkeit für ihre Figuren erzählt sie eine spannende und geschickt konstruierte Geschichte in ihrer ganz eigenen, besonderen Fantasywelt. Dabei verlässt sie sich nicht nur auf das, was sie in früheren Bänden schon angelegt hat, sondern überrascht auch diesmal wieder mit neuen Ideen und außergewöhnlichen Charakteren wie dem Rattenmensch Ephaniah Grebe. Und auch alte Bekannte zeigen plötzlich ein neues Gesicht ... Aber mehr soll hier nicht verraten werden. Nur so viel: Auch dieses vierte Buch der Saga ist ein herrlicher Schmökerspaß – und macht wieder einmal Lust auf mehr. -- Gabi Neumayer 5 Kundenrezensionen:Nur gutes Mittelmaß, schade... da hatte ich mehr erwartet. 3 von 5 PunktenIch fand diesen Band auch nicht ganz so gut, wie die ersten Bände. Zum Einen finde ich, gelingt es der Autorin einfach nicht kleine Rückblenden einzubauen, so daß man rasch wieder weiß, wer wer ist. Ich hatte während des ganzen Buches Probleme mich zu orientieren und zu erinnern, was in den letzten Bänden geschah, weil darauf zwar immer wieder Bezug genommen wurde, aber nichts mehr dazu gesagt wurde. Fand ich schwierig, vorallem da ich den 3. Band vor einigen Monaten gelesen hatte. Die Story an sich hat mich diesmal auch ein wenig genervt. Es gibt so viele Mißverständnisse, die man hätte durch Kommunikation vermeiden können und das Buch zieht sich ziemlich und hält sich an Nebenschauplätzen auf, um dann viel zu schnell das Ende zu erreichen. Es war ganz gewiss keine schlechte Unterhaltung, aber so gut, wie die Vorgängerbände war es definitiv nicht. Leider... lang gewartet und nicht enttäuscht worden 5 von 5 PunktenNach der langen, langen Wartepause ist man sofort wieder mitten im Geschehen, auch ohne beginnende Zusammenfassung. Die Geschichte strotzt vor liebevollen Details, die Illustrationen sind zauberhaft und die Handlung flüssig und einfallsreich geschrieben. Die Bereicherung der Haupt-Charaktere mit Fiedel, Entschuldigung, Beetle, passt wunderbar zur sich entwickelnden Geschichte. Der übliche Septimus-Spaß 4 von 5 PunktenIch habe mich schon monatelang auf dieses Buch gefreut, da mir auch die anderen Teile der Serie sehr gut gefallen haben. Dementsprechend schnell war ich auch wieder ein der Geschichte drin. Es war unheimlich schön, die ganzen vertrauten Figuren wiederzutreffen, die von Angie Sage selbst auch unheimlich gut zu Beginn jedes Kapitels illustriert werden, das macht das Lesen dieser Bücher noch schöner. Die Sprache dieses Buches ist sehr vielfältig und viele kleine liebevolle Beschreibungen bringen den Leser dazu, sich den jeweiligen Aktionsort sehr genau vorzustellen. Außerdem gibt es so viele kleine magische Eigenheiten, daß man als Leser immer wieder schmunzeln muß. Z.B. über die Türen, die sich aus Angst vor Marcia von selbst sehr schnell öffnen. Die Geschichte läuft langsam an, steigert sich dann aber konstant zum Spannungshöhepunkt im letzten Drittel, in dem man das Buch absolut nicht mehr aus der Hand legen kann. Dabei wird die Geschichte aber nicht hektisch, sondern es ist alles noch genauso detailliert erzählt, wie am Anfang. Die Figuren in diesem Buch sind alle absolut einzigartig. Wer erwähnt wird, wird auch ausführlich beschrieben und spielt in der Geschichte sicherlich seine (wenn auch noch so kleine) Hauptrolle. Besondern schön ist, daß die Autorin auch die Tiere nicht vergißt und einigen großen Platz in ihren Büchern einräumt. So treffen wir auch in diesem wieder auf Ullr, Maxie und Stanley. Was mir auch sehr gut gefällt, ist, daß man am Ende des Buches, bzw. eigentlich schon nach dem Ende der Erzählung, erfährt, was mit anderen Figuren, die früher im Buch ihre Rolle hatten, geschehen ist. Das Buch lässt auch diesmal wieder einige Handlungsstränge für den nächsten Teil offen, läßt den Leser aber trotzdem absolut befriedigt zurück. So soll es sein! Würdiger Nachfolger 4 von 5 PunktenAngie Sage hat es auch mit dem 4. Teil geschafft Ihre erzählart beizubehalten. Das Abenteuer um Septimus und seiner Freunde ist mal wieder richtig schön und vor allem auch spannend geworden. Wer einen vergleich mit Harry Potter anstrebt, dem sei gesagt, das es in keinster weise zu vergleichen ist. Ausser der Tatsache das in beiden Erzählungen Magie ein wichtiger bestandteil ist, haben sie nichts gemeinsam. Auch die Buchgestaltung ist mal wieder liebevoll und bis ins kleinste deteil durchdacht... Fragt man sich, wenn man das Buch zum ersten mal in den Händen hält noch, was die Zeichen und verzierungen auf dem Einband bedeuten, so wird dies im laufe der Geschichte aufgeklärt. Es ist mir schon öffter passiert, das ich wärend des lesens auf den Buchdeckel schauen musste, weil ich entdeckt habe was zum Beispiel der blaue Stein zu bedeuten hat. Oder auch das Siegel. Fazit, ich bin mehr als begeister von diesem Teil, warte schon auf den 5. Ein punkt Abzug gibt es nur, Weil man sich bei der Übersetzung nicht sehr viel mühe gegeben hat, Ich habe in einem einziegen Roman noch nie so viele Fehler entdeckt... Genau so spannend und interessant wie die ersten Teile 5 von 5 PunktenZum Inhalt muss ich wohl nicht viel sagen, da dies schon bei der anderen Rezension aufgeführt ist. Mein 11-jähriger Sohn war über dieses Buch genauso begeistert wie über die Vorgängerbände (er hat das Buch am Wochenende komplett durchgelesen und freut sich schon auf den nächsten Band). Diese Bücherreihe würde ich auch Kindern empfehlen, die sich fürs Lesen nicht so begeistern können - einmal angefangen zu lesen, kann man das Buch kaum noch auf die Seite legen! Das äußere Erscheinungsbild des Buches, würde von uns noch einen Stern extra bekommen - sieht sehr edel und wunderschön im Bücherregal aus, besonders dann, wenn die Vorgängerbände alle daneben stehen. |
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Das Museum der Unschuld von Orhan PamukGebundene Ausgabe von Hanser BelletristikPreis bei Amazon: EUR 24,90, Angebote ab EUR 17,00 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3446230610, Erscheinungsdatum: Sept. 2008, Auflage: 2 |
Aus der Amazon.de-RedaktionBis Kemal auf seine entfernte Verwandte Füsun trifft, hält er sich für einen glücklichen Menschen. Er ist fast verlobt, eigentlich ist auch die Hochzeit schon beschlossene Sache. Aber dann betritt er auf der Suche nach einer Handtasche für seine Geliebte die Istanbuler Boutique Champs-Élysées , in der Füsun als Verkäuferin arbeitet. Und damit nimmt sein Leben einen Lauf, der Kemal -- zumindest am Anfang -- noch ein wenig glücklicher macht. Der reiche Kemal trifft die mittellose Füsun, die sich mit der Teilnahme an einem Schönheitswettbewerb die Verachtung der ganzen Familie zugezogen hat, heimlich wieder. Er nimmt sie mit in seine Wohnung und verbringt die Nacht mit ihr. Allmählich wächst sich die Leidenschaft aus zu wahrer, aber auch tragischer Liebe, in deren Verlauf Kemal Füsun ein eigenes Museum widmet. Und der Roman Das Museum der Unschuld des türkischen Bestsellerautors Orhan Pamuk weitet sich zu einer stark an Thomas Mann gemahnenden, fast epischen Geschichte, in der ein verwöhnter und von den Lockungen der modernen Großstadt faszinierter Außenseiter der traditionellen türkischen Gesellschaft immer wieder auch die Schuld empfindet, nicht hinreichend bürgerlich und standesgemäß zu sein. „Ist nicht eigentliches Ziel von Roman und Museum, unsere Erinnerungen so aufrichtig wie möglich zu erzählen und dadurch unser Glück in das Glück anderer zu verwandeln?“ fragt Pamuk im Roman. Nach der Lektüre seines autobiografisch angehauchten Buchs Das Museum der Unschuld mag man dem Autor unumwunden recht geben. Denn Pamuk ist es gelungen, nicht nur dieser wundervollen Liebesgeschichte in einer parallelen Welt, sondern auch dem Istanbul der siebziger Jahre ein gar nicht angestaubtes Denkmal zu setzten: Glücksgefühl beim Lesen inklusive. -- Stefan Kellerer, Literaturanzeiger.de 5 Kundenrezensionen:Orhan Pamuks Melodram: "Das Museum der Unschuld" 3 von 5 PunktenIch kann mich den beinahe durchweg sehr positiven Kritiken meiner Vorgänger leider nicht anschließen. Nach einem genialen Romanbeginn, flacht das Buch nach ca. 200 Seiten derart stark ab, dass ich mich dazu zwingen musste, es weitzulesen, denn ich hatte das Gefühl, jedem der 1593 Abende die Kemal, der Ich-Erzähler, acht Jahre lang in der Nähe Füsuns verbringt, beiwohnen zu müssen, was mich als Leser ganz schön ermüdete. Außerdem ist mir die selbstverliebte Lethargie Kemals auf den Wecker gegangen! Das Ende des Romans (Füsuns Tod) ist zudem ab einem bestimmten Zeitpunkt vorhersehbar; die näheren Umstände ihres Todes erinnern an ein kitschiges Filmmelodram. "Gesammelte" Liebe 4 von 5 PunktenKemal ist ein "westlicher, moderner" und vor allem reicher Istanbuler, der kurz vor der Verlobung mit Sibel steht, die in Paris studiert hat. Da trifft er zufällig eine "arme" entfernte Verwandte, Füsun, wieder und verliebt sich unsterblich. Füsun und damit auch ihre Eltern sind innerhalb der Familie in Ungnade gefallen, weil Füsun mit 16 Jahren an einem Schönheitswettbewerb teilgenommen hat. Die Affäre geht über 6 Wochen. Nach der Verlobung mit Sibel muss Klemal 18 Monate suchen, um Füsun wiederzufinden. Nach dem Wiedersehen trifft Kemal Füsun drei -, viermal in der Woche bei ihren Eltern. Da sitzen sie dann zusammen, essen, reden, schauen Fernsehen. Der Ehemann Füsuns, Feridun, ist selten dabei. Füsun ist Kemal so nah, sie sehen sich und sprechen miteinander, aber berühren können sie sich nicht. Diese Zeit erstreckt sich über 8 Jahre und nimmt auch den größten Teil des Romanes in Anspruch. In immer neuen Kapitel beschreibt Kemal sein Beisammensein mit den Keskins, das mehr oder weniger immer gleich abläuft. Aber er ist glücklich in Füsuns Nähe zu sein. Immer wieder nimmt er mehr oder weniger kleine Gegenstände mit, als Erinnerung und weil sie nach Füsun duften. Er sammelte Zigarettenkippen, Gläser, Taschentücher.... So vergehen die Jahre, ohne dass sich an der Leidenschaft von Kemal für Füsun etwas ändert. Eine Wendung wird eingeleitet durch den Tod von Füsuns Vater Tarik. Dann nehmen die Dinge einen tragischen Verlauf. Rückblickend wird dem Leser dadurch auch Kemals Verhalten deutlicher. Und vor allem versteht man, warum der Autor den Mittelteil so ausführlich und detailbesessen schrieb. Orhan Pamuk zeichnet das Bild Istanbuls der siebziger und achziger Jahre und erzählt die Geschichte einer unglücklichen Liebe, die Liebe eines Mannes zu zwei Frauen. Das Museum der Unschuld errichtet der Protagonist als Symbol seiner Liebe. Deutlich wird auch das Porträt einer türkischen Gesellschaft, die zwischen westlicher Freizügigkeit und islamischer Tradition steht. Eine sehr tragische Liebesgeschichte 5 von 5 PunktenEs ist sicher nicht sehr originell, einen Literaturnobelpreisträger zu loben, aber Orhan Pamuks Buch "Das Museum der Unschuld" ist nicht nur ein ungewöhnliches Buch, sondern es ist wohl das Beste, was er je geschrieben hat. Das Buch wird nicht nur mit Sicherheit ein zukünftiger Klassiker der türkischen Literatur, sondern ebenso ein internationaler Erfolg. Es ist ein großartiger und zugleich bedrückender Liebesroman, der eine Liebesgeschichte aus dem Istanbul der 70 er Jahre erzählt. Der vermögende Kemal, ein junger Mann aus der türkischen Oberschicht, die in vielen Zügen auf den ersten Blick westlich geprägt scheint, verliebt sich rettungslos in seine arme Verwandte die blutjunge, betörende, einfältigen Füsun. Was als Liebelei begann, entwickelt sich schnell zu einer Geschichte voller Obsessionen und Leidenschaften. Kemal beabsichtigt jedoch standesgemäß zu heiraten. Nach der Verlobungsfeier blendet sich Füsun aus dem Leben von Kemal aus. Nun entdeckt er, dass es nicht nur eine leidenschaftliche Affäre war, sondern dass er sie wirklich geliebt hat. Für eine Umkehr ist es jedoch nun zu spät, seine große Liebe bleibt unerwidert und Kemal führt fortan ein Leben der unerfüllten Sehnlichkeit. Das "Museum der Unschuld" soll im Jahre 2010, wenn Istanbul Kulturhauptstadt Europas wird, eröffnet werden. Am Ende des Buches befindet sich nicht nur ein Straßenplan, um dorthin zu finden, sondern auch eine Eintrittskarte. Ein wunderbarer Roman, rasant geschrieben, von unglaublicher Sogkraft, von fiebriger Empfindsamkeit, in einer Klarheit der Sprache die phantastisch ist. Dieses Buch sollte man sich nicht entgehen lassen, Der glücklichste Augenblick meines Lebens ... 5 von 5 Punkten"Es war der glücklichste Augenblick meines Lebens, und ich wußte es nicht einmal." Mit diesen Worten beginnt eine der schönsten und denkwürdigsten Liebesgeschichten, die ich je gelesen habe. Orhan Pamuk entführt uns in blumiger Sprache in die bunte Farbenpracht eines Istanbul zwischen althergebrachter muslimischer Tradition und europäischer Moderne. Die kurzen, meist nur 3-seitigen Kapitel mit prägnantem Titel treiben die spannende Dreiecksgeschichte um Kemal, Sibel und Füsun voran und lassen den Leser an der emotionalen Achterbahnfahrt der Protagonisten teilhaben. "Wie soll ich beschreiben, welche Ruhe mich erfüllte, sobald ich sie in meinen Armen hielt? ... Wie bei einem Baby, das sich nur von einem einzigen Menschen trösten lässt, erfasste mich ein stilles Glück." Mich erfasste ein stilles Glück beim Lesen dieser sehr emotionalen und außergewöhnlichen Sehnsuchtsgeschichte des Literaturnobelpreisträgers 2006. Entschleunigte Literatur 5 von 5 PunktenDas neue Buch von Pamuk versöhnt diejenigen Leser, die vom Istanbul-Buch schwer enttäuscht waren, mit denjenigen Lesern, die von 'Schnee' herkommend den großen Erzähler schätzten. Pamuk ist wieder einmal gelungen die Literatur zu entschleunigen, dem Leser Zeit zum literatischen Genuss zu geben und seine große Erzählkunst zu entfalten. Wer schon mit dem langsamen Erzähltempo von 'Schnee' seine Probleme hatte, wird sich hier in Zeitlupe versetzt fühlen. Demjeniegen, der sich auf dieses Tempo einlässt, erwartet eine tiefe und schmerzliche Durchlebung von Liebe, wie sie bis jetzt nur selten dem Leser zugemutet worden ist und wenig dem Zeitgeist entspricht. Dieser Roman ist gerade aus diesem Grund ein Gegenentwurf zur Beschleunigung jeder heutigen globalisierten Gesellschaft, da er sich und seinem Leser Zeit lässt und Zeit lassen muss für die Kleinigkeiten, die das Ganze ausmachen. Dabei erzählt Pamuk bravourös eine entschleunigte Liebe in einer zur Beschleunigung verurteilten Türkei. Pamuk führt dem Leser ein Panorama der gesellschaftlichen Beschleunigen vor, die der mit der entschleunigten Zeit der Liebe konstrastiert, die am Ende durch die wieder aufgenommene Beschleunigung zu einem Ende kommt und so die Ganze Abgründigkeit einer solchen Entwicklung zeigt. Doch verpasst Pamuk nicht die Chance selbst am Ende seines Romanes seinen Leser wieder abzubremsen und ihm Zeit und Raum zum eigenen Leben und Erleben einzuräumen. Ein großartiger Roman, der durch seine wiederstrebenden Rhythmen lebt und gleichzeitig nicht daran zugrunde geht. |
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Ilias von Homer, Raoul SchrottGebundene Ausgabe von Hanser BelletristikPreis bei Amazon: EUR 34,90, Angebote ab EUR 28,90 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3446230467, Erscheinungsdatum: Sept. 2008 |
4 Kundenrezensionen:Unsagbar großartig, ebenso frisch wie episch 5 von 5 PunktenWow. ich habe die Ilias nun schon diverse Male angegangen, aber so ist sie mir noch nie um die Ohren geflogen - frisch, jung, erdig, greifbar; dabei episch, lyrisch, voller Liebe für Homer. Daß ein 2600 Jahre alter Text einen wie ein Thriller fesseln kann, daß man zugleich die Größe spürt, ohne daß das gleich "alterthümelnde Sprache" ertragen muß - das ist eine Leistung, für die ich mich vor Schrott verneige. Bravo. An der Übersetzung kann man nicht mehr vorbei. Die Ilias war schon immer ein Hörbuch! 5 von 5 PunktenManfred Zapatka hat schon viel Schrott gedreht (Rivalen der Rennbahn!), jetzt liest er endlich Schrott! Gottseidank! Die viel diskutierte Neuübersetzung von Raoul Schrott entfaltet ihre gesamte Wucht erst, wenn Manfred Zapatka sie liest. Ich gehöre zu denen, die die Ilias auf Griechisch in der Schule lesen durften, bzw. so viel davon, wie man als Schüler in einem Semester schafft, nämlich einen winzigen Bruchteil. Das Gestolpere durch die Hexameter hat mich jungen Menschen nicht motiviert, sie ganz auf Deutsch zu lesen, zumal ich die Übersetzungen als unlesbar empfunden habe und ja den Gustav Schwab im Schrank hatte. Da muss Raoul Schrott kommen und mir diese Minderwertigkeitskomplexe nehmen. Sehr lesenswert ist sein Kommentar zur Zielsetzung seiner Übersetzung: Wie muss die "message" von Homer klingen, damit sie heute die gleiche Bedeutung und Wirkung hat wie vor zweieinhalb Tausend Jahren auf Griechisch? Und wenn man sie befreit vom Korsett des Versmaßes, liegen plötzlich die Schilderungen wieder frei in all ihrer Schonungslosigkeit: Die Brutalität, mit der vor Troja gekämpft wurde, mit welcher Skrupellosigkeit gemetzelt wird. Wo der Speer in den Kopf oder den Bauch eindringt, wo er wieder austritt, und welche Organe mit ihm. Wie viele Zivilisten der Laune beleidigter Heerführer zum Opfer fallen - das ist Krieg - abscheulicher Krieg! Wie die Helden der Laune und Willkür ihrer Götter ausgeliefert sind. Wenn man darüber vielleicht hinweg lesen kann, weghören kann man nicht das ist die größte Stärke dieser Aufnahme. Es ist ein archaisches (sic!) Erlebnis, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Ilias ursprünglich ja auch ein von Rhapsoden vorgetragenes Hörerlebnis war. Und auch die mussten ihr Publikum wach halten über 24 Gesänge. Manche Regieeinfälle und Soundeffekte sind Geschmackssache und etwas gewöhnungsbedürftig, aber sie erfüllen ihren Zweck. Und nach 21 CDs hat man Lust auf die Fortsetzung und bedauert, dass es (noch?) keine Schrott-Odyssee gibt Schöne Neuübersetzung durch Raoul Schrott! 5 von 5 PunktenSchwer war es bisher die Ilias zu lesen, sofern man kein Philologe ist oder sich anhand von Sekundärliteratur weiterzuhelfen wusste. Große Klassiker haben mich schon immer fasziniert, doch ein (je nach Ausgabe) deutlich über 500 Seiten dickes Buch in der Hexameter Form zu lesen ist für einen Nicht-Philologen einfach als zu anstrengend zu bezeichnen und lies daher bisher die für mich wichtige Lesefreude etwas vermissen. Raoul Schrott schafft hier mit seiner Neuübersetzung Abhilfe und überträgt diesen ganz großen Klassiker in eine für unsere heutige Zeit angemessene und gut verständliche sprachliche Form. Das Hexameter klassischer Übersetzungen weicht und dafür bekommt der interessierte Leser eine hochgradig spannende und mitreißende Geschichte, sicherlich aufregender als mancher Thriller! Die große Chance für diese Veröffentlichung liegt in meinen Augen daher darin, dass die Ilias hiermit ein neues, breiteres und hoffentlich auch jüngeres Publikum ansprechen und für sich begeistern kann! Es hat mir viel Spaß und Freude bereitet, diese Neuübersetzung zu lesen und ich kann sie allen Interessierten nur wärmsten Herzens empfehlen. Ich denke selbst Leser, welche das Werk in anderen klassischen Übersetzungen bereits kennen, werden hier gut unterhalten werden. Das Buch bietet außerdem die Chance für Leser die Homer bisher fern blieben, zuerst dieses Buch zu lesen und sich dann an die Hexameter klassischer Ausgaben zu wagen (sofern ein detailliertes Interesse geweckt wurde). Für mich alles in allem eine tolles Buch, welches hier als nicht ganz billige gebundene Ausgabe vorliegt. Krimi ! Zu Raoul Schrotts Neuübertragung der Ilias 5 von 5 PunktenWer liest schon freiwillig einen zweieinhalb tausend Jahre alten Text? Wenn Homers Ilias bisher ein Nischendasein führte, interessant allenfalls für fachlich gebildete Menschen oder Liebhaber des Hexameters, dann sollte Raoul Schrotts Neuübersetzung dieses Mauerblümchen immerhin in eine Heckenrose verwandeln, denn: Homers Epos vom trojanischen Krieg liest sich jetzt wie ein Krimi, den man nicht zur Seite legen will. Zu spannend sind die Auseinandersetzungen der Helden und der Götter nun geschildert, in einer Sprache, die die unsere ist, die inhaltstreu bleibt, aber keine philologische Scheu vor den Sprachbildern unserer Umgangssprache hat. Die Figuren werden durch diese Übersetzung so lebendig, dass die Motive ihres Handelns unmittelbar einleuchten. Keine Kunstsprache verhindert eine Identifikation des Lesers mit den Helden, und das ist vielleicht die herausragende Leistung Raoul Schrotts: Seine Sprache ist ja nicht kunstfrei, im Gegenteil. Sie ist - so beschreibt er seine Übersetzungsarbeit im einleitenden Arbeitsbericht - dem INHALT der Ilias verpflichtet, will die POESIE Homers ans Licht bringen, verzichtet dabei aber konsequent auf eine "Nachbildung" der "durch den Hexameter bedingte[n] Formelsprache". Zudem wird das Lesen enorm erleichert durch typographische Kniffe: Man weiß immer, ob man die wörtliche Rede einer Figur liest oder den Erzählbericht, auch ohne Anführungszeichen. Kleiner Nebeneffekt dieser graphischen Gestaltung: Das Lesen gewinnt an Fahrt, an Dynamik. Das Ergebnis ist verblüffend. Überraschende Leselaune, Leselust setzt ein, man möchte wissen, wie der Zank zwischen Zeus und seiner Ehefrau Hera (oder umgekehrt) verläuft und ausgeht, man versteht unmittelbar, weshalb Achill grenzenlos zornig ist und fiebert dem Schicksal Agamemnons entgegen, der keine Gelegenheit auslässt, sich als Macho aufzuführen. Fast möchte man sagen: Sie sind einer von uns, ja, das habe ich auch schon erlebt! Vergnügen pur - auch Nachdenklichkeit über Situationen, die heute wie vor über 2000 Jahren offensichtlich dieselben sind, archetypische Muster, die das menschliche Leben wie selbstverständlich begleiten. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung! Und: Danke, Raoul Schrott! |
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Uns gehört die Welt! Macht und Machenschaften der Multis von Klaus Werner LoboGebundene Ausgabe von Hanser BelletristikPreis bei Amazon: EUR 16,90 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3446231005, Erscheinungsdatum: Sept. 2008, Auflage: 1 |
5 Kundenrezensionen:Interessant und gut geschrieben 5 von 5 PunktenDieses Buch kann ich nur empfehlen. Es ist interessant geschrieben. Auch empfehlenswert: Die Strategien der Börsenmillionäre: Wie man an der Börse die erste Million macht - Bestseller Kinder sind begeistert! 5 von 5 PunktenDieses Buch erklärt Kindern (und Erwachsenen) in sehr klaren Worten, wie die Welt (leider) funktioniert, und was sie selber (zB als Konsumenten) tun können, um sich nicht (für dumm) verkaufen zu lassen. Im Anhang Vorschläge und Beispiele für Aktion, und der Start einer Web-Community auf der Kinder austauschen können, was sie für eine bessere Welt getan haben oder tun wollen. Meine Kinder (11/13) waren begeistert und sind jetzt politisch motiviert: "Wir wollen mitentscheiden wo das Geld hinkommt; statt dass Waffen gekauft werden, sollen Schulen in Afrika gebaut werden!" Die Welt gehört uns und es lohnt sich, dass wir uns einsetzen für mehr Gerechtigkeit 5 von 5 PunktenIn Zeiten der Globalisierung ist es für junge, engagierte Menschen, die wissen wollen, was los ist und warum die Welt so eingerichtet und aufgeteilt ist, wie sie ist, extrem schwierig geworden, die Zusammenhänge zu entdecken und zu begreifen. Noch schwieriger ist es, der Versuchung zu widerstehen, schnell, so wie die Autonomen, die sich ja hauptsächlich in dieser Altersklasse rekrutieren, nach der "Propaganda der Tat" zu rufen und Gewalt anzuwenden, sondern ruhig und besonnen, mit klarer Analyse nach anderen Möglichkeiten auch des eigenen Handelns und Lebens zu suchen. Es gibt dazu die Möglichkeiten, sagt Klaus Werner-Lobo. Es gilt über den Tellerrand des eigenen Lebens und Landes zu schauen und darüber nachzudenken, wie mein eigener Beitrag aussehen kann, dass das Zusammenleben und die Lebensumstände um mich herum ein wenig friedlicher, freundlicher und gerechter werden. Bevor er allerdings zu diesen eigenen Schritten ermutigt, hat auch Klaus Werner-Lobo auf Information und politisches Bewusstsein gesetzt. Er erläutert in einer auf jugendliche Leser zugeschnittenen Sprache die Machenschaften der Multis und gibt sowohl im laufenden Text als auch in einem ausführlichen Anhang viele Hinweise und weiterführende Informationen. Interessant ist dabei, dass er unter anderem Firmen beschreibt und die Vorwürfe an sie diskutiert und analysiert, deren Marken Jugendliche besonders goutieren, Nokia etwa, Coca-Cola, Hennes & Mauritz, Aldi und McDonalds. Die Welt gehört uns, so die überzeugende Antwort eines empfehlenswerten Buches auf die rhetorisch am Anfang des Buches gestellte Frage "Wem gehört die Welt?". Die Welt gehört uns und es lohnt sich , sich dafür einzusetzen, dass sie erhalten bleibt und dass es gerechter auf ihr zugeht für mehr Menschen als bisher. Richtiger Vorwurf, falsche Analyse 3 von 5 Punkten"Uns gehört die Welt!" ist ein weiteres Buch, das auf die Machenschaften der globalen Konzerne (den Multis) im Rahmen der Globalisierung aufmerksam macht. Mersch charakterisiert "Globalisierung" in Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem als den Prozess des Anwachsens von Konzernen zu globaler Größe. Waren Nationalstaaten noch vor wenigen Jahrzehnten in der Lage, ihre meist nationalen Konzerne (die oft nationale Namen wie "Deutsche Bank" oder "Volkswagen" besaßen) zu beherrschen, so haben sich nun die Machtverhältnisse umgekehrt: Nationalstaaten sind quasi erpressbar geworden. Allerdings ist es - anders als das Buch suggeriert - nicht richtig, dass globale Konzerne an einer globalen Verarmung interessiert sind. Unternehmen wie Microsoft, Intel, Coca Cola oder Nokia würden am liebsten ihre Produkte an jeden Erdenbürger verkaufen. Dafür müssen diese aber auch über ein ausreichendes Einkommen verfügen. Tatsache ist, dass sich Unternehmen oftmals genauso rational verhalten, wie wir das im kleinen Rahmen auch tun: Wir sind nicht daran interessiert, dass es keine Tante-Emma-Läden mehr gibt, aber wir sorgen dennoch für deren Verschwinden, und zwar weil wir beim Einkauf den günstigeren Supermarkt bevorzugen. Und aus genau den gleichen Gründen verlagern dann Unternehmen viele Arbeitsplätze dorthin, wo sie besonders günstig produzieren können oder man ihnen steuerlich besonders entgegen kommt. Wer dafür verantwortlich ist, sind nicht korrupte Unternehmenslenker, sondern der Marktmechanismus, der ein entsprechendes Verhalten ganz automatisch hervorbringt und auch belohnt. Natürlich kann es sinnvoll sein, Marken bewusst zu meiden, deren Produzenten sich bekanntermaßen besonders "unethisch" verhalten. Massenhaft ausgeübt, könnte ein solches Verhalten manch einen Hersteller in die richtige Richtung lenken. Ich bezweifele allerdings, dass der Erfolg sehr groß sein wird, zumal heute viele Menschen schon rein ökonomisch kaum Entscheidungsspielraum besitzen. Umso wichtiger dürfte es deshalb sein, endlich für die globalen Rahmenbedingungen zu sorgen, die die Multis wieder in ihre Schranken verweisen. Die Menschheit muss in dieser Hinsicht endlich aufwachen und auch kooperieren, denn ohne einschränkende Marktregeln wird sie von den Multis regiert, und nicht umgekehrt. Unabhängig davon scheint mir die Welt weder den Multis noch der Menschheit zu gehören. Machenschaften der Multis schonungslos offengelegt 4 von 5 PunktenDer Autor Klaus Werner-Lobo hat mit dem Schwarzbuch Markenfirmenn und dem "Neuen Schwarzbuch Markenfirmen" schon in den vergangenen Jahren für Aufsehen gesorgt, indem er die Machenschaften der Großkonzerne schonungslos offen legte. Mit dem Buch "Uns gehört die Welt" knüpft er daran an, geht aber viel mehr auf die Hintergründe und die Mechanismen in der Weltwirtschaft ein, die eben erst dazu führen, das die Ungleichverteilung in der Welt so groß ist und die Multis die Gelegenheit haben die Ärmsten noch weiter auszubeuten. Das Werk soll die breite Masse ansprechen, ist vom Schreibstil her leicht zu lesen und bringt die komplexen Zusammenhänge in der Weltwirtschaft sehr anschaulich rüber. Der Verfasser vermeidet zumeist trockene, theoretische Darstellung und fügt die einzelnen Kapitel zu einem flüssig lesbaren Text zusammen. Er bedient sich zuweilen selbst einer Sprache, die Großkonzerne für ihre Werbung benutzen und formt sie für seine Botschaften um (Geiz ist nicht geil) und schreckt auch nicht vor Provokationen zurück. Durch diesen Schreibstil gelingt es ihm ein breites Publikum zu erreichen. Er beginnt die einzelnen Kapitel mit einem durchaus treffenden Zitat und bringt auch persönliche Erfahrungen und Meinungen in seine Berichte ein und wirkt so sehr authentisch und glaubwürdig. Seine Ausführungen sind mit Graphiken und Tabellen ergänzt und werden am Ende eines jeden Kapitels noch mal stichpunktartig zusammengefasst. Zudem gibt er nach jedem Kapitel weiterführende Informationen im Internet an und gibt so dem interessierten Leser eine Grundlage für weitere Recherche. Des weiteren gibt er dem Leser konkrete Handlungsvorschläge an die Hand, sei es der Boykott bestimmter Produkte, die Unterzeichnung von Petitionen oder der gewaltlose Widerstand. Für Leser, die einen schnellen Überblick über die Thematik haben wollen, ist das Buch durchweg empfehlenswert. Für bereits fachkundige wird allerdings wenig wirklich neues gesagt. Das Werk besticht durch das Konzept der kurzen Kapitel und der Firmenportraits am Ende. Insgesamt ist Uns gehört die Welt sehr kurzweilig und gibt einen guten Überblick über die Machenschaften der Konzerne in der Welt. |
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Der Afrikaner von Jean-Marie Gustave Le ClézioGebundene Ausgabe von Hanser BelletristikPreis bei Amazon: EUR 14,90, Angebote ab EUR 10,10 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3446209484, Erscheinungsdatum: August 2007, Auflage: 1 |
3 Kundenrezensionen:Feinfühliges, großartiges Vaterportrait und wunderbare Liebeserklärung an Afrika 5 von 5 PunktenJean-Marie Gustave le Clézio hatte lange davon geträumt, seine Mutter sei eine Schwarze, sich für die Rückkehr ins ihm fremde Frankreich eine Geschichte zurechtgelegt, um der Wirklichkeit zu entfliehen. Als der Vater im Ruhestand nach Frankreich zurückkehrt, merkt Jean-Marie Gustave le Clézio jedoch, dass er der Afrikaner war. Da er das nur schwer akzeptieren konnte, hat er dieses Buch geschrieben, eine Bewältigung der Entfremdung, der Vergangenheit. Der Afrikaner" ist ein Versuch der Aufarbeitung, des Strebens um Verständnis, wieso sich der Vater nach seiner Rückkehr aus Afrika nicht mehr der Mensch war, der er in Afrika war. Jean-Marie Gustave Le Clézios Vater war ein auf Mauritius geborener Brite, der als Tropenarzt nach Afrika ging, um der Unterdrückung in einem englischen Spital zu entgehen. In Kamerun und Nigeria heilte er Sumpffieber und Leprakranke, bereiste zu Fuß und Pferd seine Gebiete. 1948 reist die Mutter mit ihren beiden Söhnen aus Frankreich dem Vater nach, wo der achtjährige Jean-Marie Gustave seinem Vater zum ersten Mal begegnet. Er erzählt von seinen Erkundungen der afrikanischen Landschaft, von Termitenbauten, von Skorpionen, von Menschen, von der natürlichen Nacktheit der Mensche | |
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