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Produkt-Bild: Kurze Geschichte des Nationalsozialismus

Kurze Geschichte des Nationalsozialismus von Ernst Piper

Gebundene Ausgabe von Hoffmann und Campe
Preis bei Amazon: EUR 5,99, Angebote ab EUR 3,35

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3455500242, Erscheinungsdatum: Oktober 2007
Zoom ± Produkt-Bild: Kurze Geschichte des Nationalsozialismus

4 Kundenrezensionen:

Straffe und übersichtliche Darstellung einer dunklen Epoche
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Anders als in der (meines Erachtens) misslungenen Rosenberg-Biographie, gelingt es Piper in straffer und übersichtlicher Darstellung (die natürlich auch durch das Format bedingt ist) den Weg der Nationalsozialisten zur Macht und letztlich in die Katastrophe herauszuarbeiten. Darüber hinaus spannt der Autor den Bogen bis zur Gegenwart: vom Nürnberger Kriegsverbrecherprozess, dem Versuch "staatliche Verbrechen justizförmig zu bewältigen" (S. 276), über die erstaunlich schnelle Rehabilitierung ehemaliger Nazis (1951 war in etlichen Landes- und Bundesministerien der Anteil ehemaliger Mitglieder der NSDAP höher als in der NS-Zeit!), den Schwierigkeiten, den Tätern ihre individuelle Schuld nachzuweisen bis zur Frage des angemessenen Gedenkens an den Holocaust.

Dennoch hat das Buch einige kleinere Schwächen: Aufgrund der "Lehren von Weimar" habe man bei der Formulierung des Grundgesetzes nationale Volksbegehren abgeschafft (S. 82). Das ist ein oft vorgetragenes Argument, das aber so nicht stimmt. Volksabstimmungen seien eine "Prämie für jeden Demagogen" meinte schon der erste Bundespräsident Theodor Heuss. Nicht an den wenigen durchgeführten Plebisziten auf Reichsebene (insgesamt drei Volksbegehren und zwei Volksentscheide - die beide scheiterten) ist die erste deutsche Demokratie zugrunde gegangen, sondern (nicht zuletzt) an der Selbstaufgabe der demokratischen Institutionen. Pikanterweise hat auch Heuss mit dem zusammengeschmolzenen Häuflein der Liberalen dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt.

Die These, ein autoritäres Präsidialregime hätte 1932/33 Schlimmeres verhüten können (S. 109f.), halte ich für sehr gewagt. Unterstützen kann ich aber die Ansicht, die Sudetenkrise sei die letzte Gelegenheit gewesen, Hitler vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu stoppen (S. 172f.): die militärischen Verschwörer um Generaloberst Ludwig Beck waren entschlossen, Hitler zu töten; ihre Putschpläne wurden nur durch das Münchner Abkommen hinfällig.

Warum Piper ausgerechnet mit dem von Ludwig Erhard in die politische Diskussion eingeführten Begriff 'formierte Gesellschaft' ein ganzes Kapitel (S. 111-190) überschreibt, bleibt ein rätselhaft. Sicher ist der Begriff nebulös und wurde von Erhard (der eine notwendige Konkretisierung nicht liefern konnte) auch bald fallen gelassen. Dennoch ist es unsinnig einen in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts geprägten Begriff, einer früheren Epoche überzustülpen. Wenn mit formierter Gesellschaft das "Gegenteil einer uniformierten Gesellschaft sozialistischer Prägung oder kollektivistischen Geistes" (so Erhard auf dem XIII. CDU-Parteitag im März 1965 in Düsseldorf) gemeint war, so ist das mit dem totalitären Anspruch des Nationalsozialismus nicht zu vereinbaren. Wenn schon, hätte er das Kapitel mit "Die uniformierte Gesellschaft" überschreiben müssen, nicht zuletzt ob des Wahns alles und jeden zu uniformieren und in geschlossener Formation aufmarschieren zu lassen.

Denoch: ein gutes und wichtiges Buch!
Wichtige und gut geschriebene Geschichtsstunde
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich habe dieses Buch gekauft wegen der beiden positiven Rezensionen, und habe es nicht bereut.
Kann mich den beiden Beurteilern nur anschließen, kurz und doch alles Wichtige drin.
Wer keine Riesenwälzer lesen mag, aber doch alles wissen mag (und sollte), der ist hier richtig.
Ernst Piper, Kurze Geschichte des Nationalsozialismus
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Dem Autor gelingt es, auf 300 Seiten einen sehr guten Überblick über das Thema zu geben. Bei der Überfülle von Spezialliteratur, die es inzwischen gibt, wirklich eine tolle Leistung. Sehr zu empfehlen als Einführung für jeden, der über den Nationalsozialismus Bescheid wissen will.
Ausgezeichnet
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Dieses Buch hat folgende Vorzüge, die es von vielen ähnlichen abhebt: 1. Es ist absolut verständlich geschrieben und dadurch auch schon für Schüler zu empfehlen (ab Klasse 10) 2. Es ist überzeugend gegliedert, die Informationen kommen an der richtigen Stelle. 3. Über die wichtigen Nazifiguren wird an passender Stelle eine kleine Biographie eingefügt. 4. Die Zeittafel ist sehr ausführlich und informativ. 5. Das Leiden der Opfer bekommt seinen angemessenen Platz. 6. Es ist das einzige Buch, das von der Gründung der NSDAP 1919 bis zur Gegenwart reicht. Eine unbedingt lohnende Lektüre, die noch kein Buch zum Thema gelesen haben, und eine hilfreiche Zusammenschau für Vorgebildete.
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
Produkt-Bild: Alfred Rosenberg: Hitlers Chefideologe

Alfred Rosenberg: Hitlers Chefideologe von Ernst Piper

Broschiert von Pantheon Verlag
Preis bei Amazon: EUR 16,95, Angebote ab EUR 15,24

3,5 Punkte.
3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3570550214, Erscheinungsdatum: Februar 2007
Zoom ± Produkt-Bild: Alfred Rosenberg: Hitlers Chefideologe

Aus der Amazon.de-Redaktion


Auch mehr als sechzig Jahre nach Ende des "Dritten Reichs" und des von ihm entfesselten Zweiten Weltkriegs weist die Forschung hinsichtlich der ideologischen Grundlagen des Nationalsozialismus noch immer Lücken auf. Die vielleicht wichtigste hat Ernst Piper nun mit einer bravourösen biografischen Arbeit über Alfred Rosenberg geschlossen!
Während in den vergangenen Jahrzehnten eine Unzahl von Studien das Leben und das Denken Alfred Hitlers bis in die verborgensten Winkel ausgeleuchtet haben, hatte man dessen "Chefideologen" Rosenberg erstaunlicherweise sträflich vernachlässigt. Dabei ist die Bedeutung Rosenbergs für das Denken und Handeln "des Führers" kaum zu überschätzten. Zeitgenössische Beobachter, wie etwa die Autoren einer von Piper zitierten Exilschrift aus dem Jahre 1934, gingen in ihrem Urteil sogar so weit, zu behaupten, dass "Hitler befiehlt, was Rosenberg will". Dass man von Rosenberg gemessen an seiner Bedeutung gleichwohl kaum Notiz nahm, hat vielerlei Gründe. Der wichtigste liegt in Rosenbergs Persönlichkeit selbst. Er drängte sich nie in den Vordergrund. Im Gegenteil, den scheute er. "Er ging am 9. November 1923 nur einen Meter hinter Hitler, doch niemand nahm es zur Kenntnis; er gehörte auch nicht zu den Angeklagten im folgenden Prozess. Zu beschreiben, wie die deutsche Gesellschaft auf sein Auftreten reagierte, wäre nicht möglich, denn Rosenberg trat nicht auf." Außer hier und da auf einem Parteitag wurde er nie als Redner eingesetzt. Auch verkehrte er, anders als Hitler, auch nicht in den Münchner Salons. "Seine Bühne war der Schreibtisch." Alle anderen Naziführer haben zusammen nicht annähernd soviel nazistisches Schrifttum produziert, wie Rosenberg, der mit seinen Kommentaren zum Parteiprogramm sowie der Herausgabe und Redaktion beinahe aller nationalsozialistischen Periodika das ideologische Fundament der Partei immer wieder erneuerte.
Kurzum: Eine längst überfällige Studie, zu der wir dem Autor (und verdienten Verleger), der damit seine Habilitationsschrift vorlegt, von Herzen gratulieren! -- Andreas Vierecke
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften

5 Kundenrezensionen:

Kein großer Wurf
2 Punkte 2 von 5 Punkten
Eine materialreiche Biographie, gewiss. Aber: Piper ertrinkt in der Stofffülle, er bewältigt sie nicht. Der Autor springt zwischen den Themenbereichen und verliert dabei nicht selten den Gegenstand seiner Biographie völlig aus den Augen. Nach der Schilderung der Ereignisse zwischen der Novemberrevolution und der Niederschlagung der Räterepublik in München, stellt er z. B. lediglich lakonisch fest: "Alfred Rosenberg bewegte sich am Rande all dieser Ereignisse. Wie sie auf ihn gewirkt haben, ist nicht überliefert." (34) Und das passiert des öfteren. Positiv ausgedrückt: das Buch geht weit über eine Biographie hinaus. Etwa ein geschätztes Viertel bis maximal ein Drittel von gut 600 Seiten (ohne Anhang) beschäftigen sich mit Rosenberg; das ist aber nicht das, was ich von einer Biographie erwarte. Es kann also gar keine Rede davon sein, dass Piper Rosenbergs Lebensweg "umfassend rekonstruiert" (Klappentext).

Die Beschreibung und Rezeption des "Mythus des Zwanzigsten Jahrhunderts", Rosenbergs "Hauptwerk", nimmt breiten Raum ein, aber dessen Inhalt wird nicht so recht deutlich. Piper scheut sich, klar Stellung zu beziehen. "Auch wenn Hutchinsons Urteil, Rosenberg sei ein halbgebildeter, intellektueller Scharlatan gewesen, am Ende nicht unberechtigt ist, so hat er sich doch mit vielerlei Autoren auseinandergesetzt." (191) Was soll diese gewundene Formulierung? Und mit welchen Autoren hat sich R. auseinandergesetzt? Piper nennt Houston Stewart Chamberlain, de Lagarde, Richard Wagner, Ernst Moritz Arndt, Othmar Spann, Oswald Spengler, Herman(n) Wirth u.v.m. die meisten jedenfalls ausgewiesene Antisemiten und Wegbereiter des Faschismus. Falls das "vielerlei" intellektuelle Vielseitigkeit meinen sollte, so liegt Piper sicherlich falsch.

Gern dagegen äußert er nebulöse Vermutungen: "Der Abgeordnete Heuck, der R. so provoziert hatte, wurde ... 1934 ... im Gefängnis ermordet. Wir wissen nicht, ob R. etwas mit diesem Mord zu tun hatte." (242) Oder: "Immerhin wird es Letzterem [gemeint ist R.; Anm. des Verf.] eine gewisse Befriedigung gewesen sein, dass von den in diesen Vorfall involvierten SA-Führern ein Jahr später nicht ein einziger mehr am Leben war." (247)

Geradezu absurd wird es, wenn er an einer Stelle schreibt: "In den letzten Jahren ist es ... in Mode gekommen, über Nationalsozialismus als politische Religion zu diskutieren. Diese Diskussion soll hier nicht geführt werden" (226), um nur vier Seiten weiter festzustellen: "War der Nationalsozialismus nun eine politische Religion? Viele Indizien für diese These lassen sich zusammentragen." (240)

Alles in allem: Kein großer Wurf. Die Figur Rosenberg bleibt vor dem Hintergrund einer Unmenge fleißig zusammengetragenen Materials merkwürdig blass und schemenhaft. Wesentlich tiefere Einsichten, sowohl in die Person Rosenbergs als auch sein Denken, vermittelt die biographische Skizze, die Reinhard Bollmus im Rahmen des Sammelbands "Die Braune Elite" verfasst hat. "Bis heute fehlt eine umfassende Biographie Rosenbergs", schreibt Piper in der Einleitung - ich kann ihm nur beipflichten!
12 Jahre Rosenberg sind genug...?!
3 Punkte 3 von 5 Punkten
Positiv: Man erfährt interessante Details, auch "neue Namen" (z.B. A. von Graefe); überhaupt liest sich das Buch recht gut und flüssig.

Negativ: Man erfährt zu wenig über Rosenberg, gerade auch im ersten Teil, Rosenberg erscheint da nur am Rand. Warum? Gibt es aus dieser Zeit keine Informationen über ihn? Piper wiederholt sich zum Teil. Entscheidend aber: Piper ist zu detailversessen; er strafft das viele Material zu wenig. Und v.a.: er kommt zu wenig "auf den Punkt". Das Buch hat zu wenig Struktur. Es gelingt ihm z.B. nicht, zum Beispiel den "Mythus des 20. Jahrhunderts" in seinem Gehalt klar und deutlich darzustellen.

Fazit: Interessantes Buch, aber wenn Piper für das Buch tatsächlich 12 Jahre investiert hat, wie er schreibt, fragt man sich wirklich, was er in dieser Zeit gemacht hat! An dem großen Aufwand gemessen ist das Buch eine Enttäuschung.
Paradigmenwechsel in der Beurteilung
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Wie überall bemerkbar ist der Zeitgeist in starker Veränderung begriffen . Das sieht man auch in der Beurteilung des Nationalsozialismus. Unmittelbar nach 1945 wurde der Nationalsozialismus als ein ausschließlich Blut und Boden verhaftetes rückwärtsgewandtes Phänomen gesehen bis Zitelmann auf die starken Modernisierungsschübe hinwies.Auch die Studie Pipers über Rosenberg bringt einen Perspektivenwechsel. Bislang sah man in Rosenberg ein beinahe unwichtiges Epiphänomen , der in der NS-Hierarchie nirgends ernstgenommen wurde.Piper aber macht deutlich , daß Rosenberg noch vor Himmler und Hitler der eigentlich antisemitische Stichwortgeber des Systems war.Rosenberg glaubte tatsächlich beinahe religiös an ein jüdisches Weltverschwörungssyndrom .Mir selbst machte die ausführliche Pipersche Recherche deutlich , daß der psychologische Hintergrund eine tiefliegende Identitätsproblematik Rosenbergs war , das beginnt schon mit seinem jüdisch klingenden Namen und findet enorme Verstärkung in dem ethnischen Gemisch aus Polen , Russen , Balten , Deutschen und Juden , in das Rosenberg im Baltikum hineinsozialisiert wurde . Die Suche nach völkischer Homogenität ist ja letztlich eine verzweifelte Identitätssuche , wie sie überall in den stark konfliktuösen Multikulturstaatsverbänden anzutreffen ist , die nicht mehr durch gemeinsame religiöse Identitäten aufgefangen werden können.Piper wendet sich gegen Noltes Interpretation hinter dem Nationalsozialismus läge ein letztlich liberaler Europagedanken , wie er aus den europäischen Verbänden der Waffen SS herauszulesen meint. Es ist daher sehr naheliegend den Nationalsozialismus eher als quasi religiöses Phänomen zu deuten.Piper wendet sich nur mit Entschiedenheit dagegen , Rosenberg als eigentlich Liberalen sehen zu wollen , Rosenberg war nach Piper leicht nachvollziehbar von ganzem Herzen illiberal.Eigentlich ist es nicht zu verstehen , daß in der Zeitgeschichtsschreibung bislang Rosenberg weitgehend übersehen wurde. Mit gutem Recht hat sich Piper mit seiner umfangreichen Studie habilitiert.
Schluss mit Soldaten-Zählen
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Pipers Darstellung geht weit über eine reine Rosenberg-Biographie hinaus. Er beleuchtet das gesamte nationalsozialistische Umfeld so ausführlich und stilsicher, dass das Buch eigentlich als Standard-Lektüre für den Geschichtsuntericht im Themenbereich Nationalsozialismus zu empfehlen ist. Zuviele Darstellungen haben es bisher dabei belassen, Daten und Fakten zu benennen, und dabei die ideengeschichtlich zu benennenden Motive vernachlässigt.
Es gibt m. E. nur ein kleines Manko: Die wohl zurzeit spannendste Frage, die nach der politischen Religion des Nationalsozialismus, wird von Piper nur gestreift. Da wo er konkreter wird, wird er widersprüchlich. So schreibt er zwar: "Rosenbergs Mythos war ein zutiefst gnostischer Mythos." (206) und: "Die Judenvernichtung war gewissermaßen Arbeit am Mythos, am Mythos des Blutes", aber andererseits zieht er die Conclusio: "Festzuhalten bleibt, dass der Nationalsozialismus, wenn nicht Ersatzreligion, doch mindestens Religionsersatz sein wollte. Lassen wir das letzte Wort einem Zeitgenossen. Konrad Algermissen schrieb 1934: 'Religionspsychologisch bedeutet diese von Rosenberg verkündete Zukunftsreligion die Relativierung des Absoluten und die Entwertung alles Religiösen.'" (231) Zudem bezeichnet er das NS-Feierjahr als "pseudoreligiöse Selbstinszenierung des totalitären Staates". (226) Wenn aber die Judenvernichtung das herausragende Merkmal dieses Staates war, und diese durch den gnostischen Mythos, die Religionsphilosophie der Gnosis, befeuert wurde, dann kann dieser Staat nicht als "pseudoreligiös" bezeichnet werden. Piper hätte hier durchaus in Sachen Gnosis und Nationalsozialismus deutlicher werden können und müssen.
Eine unwichtige Karriere- auf 800 Seiten
2 Punkte 2 von 5 Punkten
Kurz vor Erscheinen dieser Biographie las ich Joachim Fests "Das Gesicht des Dritten Reiches" eine Sammlung biographischer Portraits sämtlicher Nazi-Größen, die auch Alfred Rosenberg aufführt. Unter dem Titel "Der vergessene Gefolgsmann" gelingt es Fest, auf zehn Seiten eine hieb- und stichfeste psychologische Analyse Rosenbergs aufzustellen, und ihn als die politische Marionette zu entlarven, die er war. Man muss keine umfassende Biographie zu Rosenberg lesen, um zu demselben Entschluss zu kommen.
Von der gesamten Führungsspitze des Dritten Reiches war Alfred Rosenberg von Anfang an die unwichtigste Figur, von allen anderen Nazi-Größen wegen seines naiven Eifers belächelt, gelang es ihm niemals auch nur die geringste Spur politischen Einflusses zu gewinnen.
Er leistete ein wenig redaktionelle Mitarbeit beim "Völkischen Beobachter", er durfte die Transporte gestohlener Kunstwerke von Frankreich nach Deutschland beaufsichtigen und er schrieb den "Mythos des 20. Jahrhunderts", eine zähe Abhandlung der Rassenfrage, die selbst von Hitler für "unlesbar" erklärt und von Goebbels als ein "ideologischer Rülpser" bezeichnet wurde. Wohl um ihn endgültig loszuwerden, wurde ihm 1941 das Amt des "Reichsministers der besetzen Ostgebiete" übertragen, ein Posten, der über seinen Titel hinaus keinerlei Ermächtigungen vorwies.
So blieb Alfred Rosenberg bis zum Ende des Krieges eine geduldete Randfigur, er war weder an politischen Entscheidungen noch an Verbrechen beteiligt, es ist noch nicht einmal sicher, ob er tatsächlich an seine eigenen Rassentheorien glaubte, er war nichts weiter als ein naiver Emporkömmling, der alles tat, um mit den Großen an einem Tisch zu sitzen. Und es war diese hündische Ergebenheit, die ihm in Nürnberg zum Verhängnis wurde.
Meine Bewertung zielt nicht direkt auf diese Biographie, sie ist gut zu lesen und immer um Aufklärung bemüht; es ist die Person Rosenbergs selber, die keine lohnende Vorlage für eine vollständige Biographie bietet.
Das kurze Kapitel bei Joachim Fest deckt alles ab, was man jemals über Alfred Rosenberg wissen muss, sämtliche weiteren Versuche würden Rosenberg eine politische Relevanz verleihen, die er niemals besessen hat.
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Produkt-Bild: Alfred Rosenberg: Hitlers Chefideologe

Alfred Rosenberg: Hitlers Chefideologe von Ernst Piper

Gebundene Ausgabe von Karl Blessing Verlag
Preis bei Amazon: EUR 26,00, Angebote ab EUR 19,99

3,5 Punkte.
3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3896671480, Erscheinungsdatum: Oktober 2005
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Aus der Amazon.de-Redaktion


Auch mehr als sechzig Jahre nach Ende des "Dritten Reichs" und des von ihm entfesselten Zweiten Weltkriegs weist die Forschung hinsichtlich der ideologischen Grundlagen des Nationalsozialismus noch immer Lücken auf. Die vielleicht wichtigste hat Ernst Piper nun mit einer bravourösen biografischen Arbeit über Alfred Rosenberg geschlossen!
Während in den vergangenen Jahrzehnten eine Unzahl von Studien das Leben und das Denken Alfred Hitlers bis in die verborgensten Winkel ausgeleuchtet haben, hatte man dessen "Chefideologen" Rosenberg erstaunlicherweise sträflich vernachlässigt. Dabei ist die Bedeutung Rosenbergs für das Denken und Handeln "des Führers" kaum zu überschätzten. Zeitgenössische Beobachter, wie etwa die Autoren einer von Piper zitierten Exilschrift aus dem Jahre 1934, gingen in ihrem Urteil sogar so weit, zu behaupten, dass "Hitler befiehlt, was Rosenberg will". Dass man von Rosenberg gemessen an seiner Bedeutung gleichwohl kaum Notiz nahm, hat vielerlei Gründe. Der wichtigste liegt in Rosenbergs Persönlichkeit selbst. Er drängte sich nie in den Vordergrund. Im Gegenteil, den scheute er. "Er ging am 9. November 1923 nur einen Meter hinter Hitler, doch niemand nahm es zur Kenntnis; er gehörte auch nicht zu den Angeklagten im folgenden Prozess. Zu beschreiben, wie die deutsche Gesellschaft auf sein Auftreten reagierte, wäre nicht möglich, denn Rosenberg trat nicht auf." Außer hier und da auf einem Parteitag wurde er nie als Redner eingesetzt. Auch verkehrte er, anders als Hitler, auch nicht in den Münchner Salons. "Seine Bühne war der Schreibtisch." Alle anderen Naziführer haben zusammen nicht annähernd soviel nazistisches Schrifttum produziert, wie Rosenberg, der mit seinen Kommentaren zum Parteiprogramm sowie der Herausgabe und Redaktion beinahe aller nationalsozialistischen Periodika das ideologische Fundament der Partei immer wieder erneuerte.
Kurzum: Eine längst überfällige Studie, zu der wir dem Autor (und verdienten Verleger), der damit seine Habilitationsschrift vorlegt, von Herzen gratulieren! -- Andreas Vierecke
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften

5 Kundenrezensionen:

Kein großer Wurf
2 Punkte 2 von 5 Punkten
Eine materialreiche Biographie, gewiss. Aber: Piper ertrinkt in der Stofffülle, er bewältigt sie nicht. Der Autor springt zwischen den Themenbereichen und verliert dabei nicht selten den Gegenstand seiner Biographie völlig aus den Augen. Nach der Schilderung der Ereignisse zwischen der Novemberrevolution und der Niederschlagung der Räterepublik in München, stellt er z. B. lediglich lakonisch fest: "Alfred Rosenberg bewegte sich am Rande all dieser Ereignisse. Wie sie auf ihn gewirkt haben, ist nicht überliefert." (34) Und das passiert des öfteren. Positiv ausgedrückt: das Buch geht weit über eine Biographie hinaus. Etwa ein geschätztes Viertel bis maximal ein Drittel von gut 600 Seiten (ohne Anhang) beschäftigen sich mit Rosenberg; das ist aber nicht das, was ich von einer Biographie erwarte. Es kann also gar keine Rede davon sein, dass Piper Rosenbergs Lebensweg "umfassend rekonstruiert" (Klappentext).

Die Beschreibung und Rezeption des "Mythus des Zwanzigsten Jahrhunderts", Rosenbergs "Hauptwerk", nimmt breiten Raum ein, aber dessen Inhalt wird nicht so recht deutlich. Piper scheut sich, klar Stellung zu beziehen. "Auch wenn Hutchinsons Urteil, Rosenberg sei ein halbgebildeter, intellektueller Scharlatan gewesen, am Ende nicht unberechtigt ist, so hat er sich doch mit vielerlei Autoren auseinandergesetzt." (191) Was soll diese gewundene Formulierung? Und mit welchen Autoren hat sich R. auseinandergesetzt? Piper nennt Houston Stewart Chamberlain, de Lagarde, Richard Wagner, Ernst Moritz Arndt, Othmar Spann, Oswald Spengler, Herman(n) Wirth u.v.m. die meisten jedenfalls ausgewiesene Antisemiten und Wegbereiter des Faschismus. Falls das "vielerlei" intellektuelle Vielseitigkeit meinen sollte, so liegt Piper sicherlich falsch.

Gern dagegen äußert er nebulöse Vermutungen: "Der Abgeordnete Heuck, der R. so provoziert hatte, wurde ... 1934 ... im Gefängnis ermordet. Wir wissen nicht, ob R. etwas mit diesem Mord zu tun hatte." (242) Oder: "Immerhin wird es Letzterem [gemeint ist R.; Anm. des Verf.] eine gewisse Befriedigung gewesen sein, dass von den in diesen Vorfall involvierten SA-Führern ein Jahr später nicht ein einziger mehr am Leben war." (247)

Geradezu absurd wird es, wenn er an einer Stelle schreibt: "In den letzten Jahren ist es ... in Mode gekommen, über Nationalsozialismus als politische Religion zu diskutieren. Diese Diskussion soll hier nicht geführt werden" (226), um nur vier Seiten weiter festzustellen: "War der Nationalsozialismus nun eine politische Religion? Viele Indizien für diese These lassen sich zusammentragen." (240)

Alles in allem: Kein großer Wurf. Die Figur Rosenberg bleibt vor dem Hintergrund einer Unmenge fleißig zusammengetragenen Materials merkwürdig blass und schemenhaft. Wesentlich tiefere Einsichten, sowohl in die Person Rosenbergs als auch sein Denken, vermittelt die biographische Skizze, die Reinhard Bollmus im Rahmen des Sammelbands "Die Braune Elite" verfasst hat. "Bis heute fehlt eine umfassende Biographie Rosenbergs", schreibt Piper in der Einleitung - ich kann ihm nur beipflichten!
12 Jahre Rosenberg sind genug...?!
3 Punkte 3 von 5 Punkten
Positiv: Man erfährt interessante Details, auch "neue Namen" (z.B. A. von Graefe); überhaupt liest sich das Buch recht gut und flüssig.

Negativ: Man erfährt zu wenig über Rosenberg, gerade auch im ersten Teil, Rosenberg erscheint da nur am Rand. Warum? Gibt es aus dieser Zeit keine Informationen über ihn? Piper wiederholt sich zum Teil. Entscheidend aber: Piper ist zu detailversessen; er strafft das viele Material zu wenig. Und v.a.: er kommt zu wenig "auf den Punkt". Das Buch hat zu wenig Struktur. Es gelingt ihm z.B. nicht, zum Beispiel den "Mythus des 20. Jahrhunderts" in seinem Gehalt klar und deutlich darzustellen.

Fazit: Interessantes Buch, aber wenn Piper für das Buch tatsächlich 12 Jahre investiert hat, wie er schreibt, fragt man sich wirklich, was er in dieser Zeit gemacht hat! An dem großen Aufwand gemessen ist das Buch eine Enttäuschung.
Paradigmenwechsel in der Beurteilung
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Wie überall bemerkbar ist der Zeitgeist in starker Veränderung begriffen . Das sieht man auch in der Beurteilung des Nationalsozialismus. Unmittelbar nach 1945 wurde der Nationalsozialismus als ein ausschließlich Blut und Boden verhaftetes rückwärtsgewandtes Phänomen gesehen bis Zitelmann auf die starken Modernisierungsschübe hinwies.Auch die Studie Pipers über Rosenberg bringt einen Perspektivenwechsel. Bislang sah man in Rosenberg ein beinahe unwichtiges Epiphänomen , der in der NS-Hierarchie nirgends ernstgenommen wurde.Piper aber macht deutlich , daß Rosenberg noch vor Himmler und Hitler der eigentlich antisemitische Stichwortgeber des Systems war.Rosenberg glaubte tatsächlich beinahe religiös an ein jüdisches Weltverschwörungssyndrom .Mir selbst machte die ausführliche Pipersche Recherche deutlich , daß der psychologische Hintergrund eine tiefliegende Identitätsproblematik Rosenbergs war , das beginnt schon mit seinem jüdisch klingenden Namen und findet enorme Verstärkung in dem ethnischen Gemisch aus Polen , Russen , Balten , Deutschen und Juden , in das Rosenberg im Baltikum hineinsozialisiert wurde . Die Suche nach völkischer Homogenität ist ja letztlich eine verzweifelte Identitätssuche , wie sie überall in den stark konfliktuösen Multikulturstaatsverbänden anzutreffen ist , die nicht mehr durch gemeinsame religiöse Identitäten aufgefangen werden können.Piper wendet sich gegen Noltes Interpretation hinter dem Nationalsozialismus läge ein letztlich liberaler Europagedanken , wie er aus den europäischen Verbänden der Waffen SS herauszulesen meint. Es ist daher sehr naheliegend den Nationalsozialismus eher als quasi religiöses Phänomen zu deuten.Piper wendet sich nur mit Entschiedenheit dagegen , Rosenberg als eigentlich Liberalen sehen zu wollen , Rosenberg war nach Piper leicht nachvollziehbar von ganzem Herzen illiberal.Eigentlich ist es nicht zu verstehen , daß in der Zeitgeschichtsschreibung bislang Rosenberg weitgehend übersehen wurde. Mit gutem Recht hat sich Piper mit seiner umfangreichen Studie habilitiert.
Schluss mit Soldaten-Zählen
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Pipers Darstellung geht weit über eine reine Rosenberg-Biographie hinaus. Er beleuchtet das gesamte nationalsozialistische Umfeld so ausführlich und stilsicher, dass das Buch eigentlich als Standard-Lektüre für den Geschichtsuntericht im Themenbereich Nationalsozialismus zu empfehlen ist. Zuviele Darstellungen haben es bisher dabei belassen, Daten und Fakten zu benennen, und dabei die ideengeschichtlich zu benennenden Motive vernachlässigt.
Es gibt m. E. nur ein kleines Manko: Die wohl zurzeit spannendste Frage, die nach der politischen Religion des Nationalsozialismus, wird von Piper nur gestreift. Da wo er konkreter wird, wird er widersprüchlich. So schreibt er zwar: "Rosenbergs Mythos war ein zutiefst gnostischer Mythos." (206) und: "Die Judenvernichtung war gewissermaßen Arbeit am Mythos, am Mythos des Blutes", aber andererseits zieht er die Conclusio: "Festzuhalten bleibt, dass der Nationalsozialismus, wenn nicht Ersatzreligion, doch mindestens Religionsersatz sein wollte. Lassen wir das letzte Wort einem Zeitgenossen. Konrad Algermissen schrieb 1934: 'Religionspsychologisch bedeutet diese von Rosenberg verkündete Zukunftsreligion die Relativierung des Absoluten und die Entwertung alles Religiösen.'" (231) Zudem bezeichnet er das NS-Feierjahr als "pseudoreligiöse Selbstinszenierung des totalitären Staates". (226) Wenn aber die Judenvernichtung das herausragende Merkmal dieses Staates war, und diese durch den gnostischen Mythos, die Religionsphilosophie der Gnosis, befeuert wurde, dann kann dieser Staat nicht als "pseudoreligiös" bezeichnet werden. Piper hätte hier durchaus in Sachen Gnosis und Nationalsozialismus deutlicher werden können und müssen.
Eine unwichtige Karriere- auf 800 Seiten
2 Punkte 2 von 5 Punkten
Kurz vor Erscheinen dieser Biographie las ich Joachim Fests "Das Gesicht des Dritten Reiches" eine Sammlung biographischer Portraits sämtlicher Nazi-Größen, die auch Alfred Rosenberg aufführt. Unter dem Titel "Der vergessene Gefolgsmann" gelingt es Fest, auf zehn Seiten eine hieb- und stichfeste psychologische Analyse Rosenbergs aufzustellen, und ihn als die politische Marionette zu entlarven, die er war. Man muss keine umfassende Biographie zu Rosenberg lesen, um zu demselben Entschluss zu kommen.
Von der gesamten Führungsspitze des Dritten Reiches war Alfred Rosenberg von Anfang an die unwichtigste Figur, von allen anderen Nazi-Größen wegen seines naiven Eifers belächelt, gelang es ihm niemals auch nur die geringste Spur politischen Einflusses zu gewinnen.
Er leistete ein wenig redaktionelle Mitarbeit beim "Völkischen Beobachter", er durfte die Transporte gestohlener Kunstwerke von Frankreich nach Deutschland beaufsichtigen und er schrieb den "Mythos des 20. Jahrhunderts", eine zähe Abhandlung der Rassenfrage, die selbst von Hitler für "unlesbar" erklärt und von Goebbels als ein "ideologischer Rülpser" bezeichnet wurde. Wohl um ihn endgültig loszuwerden, wurde ihm 1941 das Amt des "Reichsministers der besetzen Ostgebiete" übertragen, ein Posten, der über seinen Titel hinaus keinerlei Ermächtigungen vorwies.
So blieb Alfred Rosenberg bis zum Ende des Krieges eine geduldete Randfigur, er war weder an politischen Entscheidungen noch an Verbrechen beteiligt, es ist noch nicht einmal sicher, ob er tatsächlich an seine eigenen Rassentheorien glaubte, er war nichts weiter als ein naiver Emporkömmling, der alles tat, um mit den Großen an einem Tisch zu sitzen. Und es war diese hündische Ergebenheit, die ihm in Nürnberg zum Verhängnis wurde.
Meine Bewertung zielt nicht direkt auf diese Biographie, sie ist gut zu lesen und immer um Aufklärung bemüht; es ist die Person Rosenbergs selber, die keine lohnende Vorlage für eine vollständige Biographie bietet.
Das kurze Kapitel bei Joachim Fest deckt alles ab, was man jemals über Alfred Rosenberg wissen muss, sämtliche weiteren Versuche würden Rosenberg eine politische Relevanz verleihen, die er niemals besessen hat.
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Produkt-Bild: Savonarola: Prophet der Diktatur Gottes

Savonarola: Prophet der Diktatur Gottes von Ernst Piper

Broschiert von Buch & Media
Preis bei Amazon: EUR 16,90

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3865203272, Erscheinungsdatum: März 2009, Auflage: 1
Zoom ± Produkt-Bild: Savonarola: Prophet der Diktatur Gottes

3 Kundenrezensionen:

Verführer und tragische Gestalt
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Die besten Geschichten schreibt ja immer noch das Leben selbst, und in diesem Fall ist die Geschichte nicht nur spannend wie ein Thriller, sondern auch noch höchst aktuell und lehrreich. Wie es einem charismatischen Mönch gelingt, das gesamte Staatsgefüge des von den Medici regierten Florenz auseinanderzunehmen und sich selbst an die Spitze eines diktatorischen Regimes zu setzen, das hat der Historiker Ernst Piper in diesem Buch superspannend und detailreich aufbereitet. Genauso interessant wie die historischen Hintergründe sind die politischen Mechanismen, die der Autor gut verständlich darlegt, und die heute genauso funktionieren wie damals.
Am Ende wenden sich die verführten Menschen gegen Savonarola. Innerhalb kürzester Zeit stürzt dieser ab vom Superstar zum Verfemten, was damals, wie auch in seinem Fall, oftmals auf dem Scheiterhaufen endete.
Auch eine tolle Lektüre im Toskanaurlaub! Wer Florenz liebt, lernt die Stadt mit diesem Buch von einer ganz anderen Seite kennen.
Spannende Biografie einer faszinierenden Figur
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich bin über mein Studium auf Savonarola aufmerksam geworden und war sofort fasziniert. Der "Prophet der Diktatur Gottes", wie ihn Piper in seiner Biografie bezeichnet, hatte einen gewaltigen Einfluss auf die Menschen. So gewaltig, dass er sogar die allmächtig erscheinenden Medici entmachtete und aus Florenz vertrieb. Für damalige Verhältnisse unerhört, einer Revolution gleichkommend! Besonders interessant ist, wie die augenscheinlich unglaublich charismatische Figur Savonarola Menschen "fangen" konnte, wie er als fundamentalistischer Reformator zu einem Anführer des Mittelstands wurde und so selbst an die Macht kam. Eine historische Biografie, die sich spannend liest wie ein guter Roman!
Ernst Piper, Savonarola
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Eine spannende Geschichte wird hier lebendig. Der fanatische Dominikanermönch Savonarola kommt in das sinnenfrohe Florenz und errichtet eine theokratische Diktatur. Hier lernen wir die berühmte Renaissancestadt einmal ganz anders kennen. Unbedingt empfehlenswert, auch für alle, die so ihre Probleme mit der katholischen Kirche haben.
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
Produkt-Bild: Bauen und Zeitgeist. Ein Längsschnitt durch das 19. und 20. Jahrhundert

Bauen und Zeitgeist. Ein Längsschnitt durch das 19. und 20. Jahrhundert von Ernst Piper, Julius H. Schoeps

Taschenbuch von Birkhäuser Verlag
Preis bei Amazon: EUR 7,99, Angebote ab EUR 1,94

ISBN: 3764359471, Erscheinungsdatum: Sept. 1998, Auflage: 1
Zoom ± Produkt-Bild: Bauen und Zeitgeist. Ein Längsschnitt durch das 19. und 20. Jahrhundert
Produkt-Bild: Der Aufstand der Ciompi (6287 735)

Der Aufstand der Ciompi (6287 735) von Ernst Piper

Broschiert von Wagenbach Klaus GmbH
Angebote ab EUR 3,43

ISBN: 3803120497, Erscheinungsdatum: Januar 1990
Zoom ± Produkt-Bild: Der Aufstand der Ciompi (6287 735)
Produkt-Bild: Jenseits des Meeres. 31 Geschichten vom Überleben

Jenseits des Meeres. 31 Geschichten vom Überleben von Petrik Martina und Ernst Reinhard Piper:

Broschiert von Piper
Angebote ab EUR 0,01

ISBN: 3492109500, Erscheinungsdatum: März 1989
Zoom ± Produkt-Bild: Jenseits des Meeres. 31 Geschichten vom Überleben
Produkt-Bild: Savonarola. Prophet der Diktatur Gottes. Biographie

Savonarola. Prophet der Diktatur Gottes. Biographie von Ernst Piper

Broschiert von Pendo Verlag
Angebote ab EUR 24,98

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 385842501X, Erscheinungsdatum: 1998
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3 Kundenrezensionen:

Verführer und tragische Gestalt
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Die besten Geschichten schreibt ja immer noch das Leben selbst, und in diesem Fall ist die Geschichte nicht nur spannend wie ein Thriller, sondern auch noch höchst aktuell und lehrreich. Wie es einem charismatischen Mönch gelingt, das gesamte Staatsgefüge des von den Medici regierten Florenz auseinanderzunehmen und sich selbst an die Spitze eines diktatorischen Regimes zu setzen, das hat der Historiker Ernst Piper in diesem Buch superspannend und detailreich aufbereitet. Genauso interessant wie die historischen Hintergründe sind die politischen Mechanismen, die der Autor gut verständlich darlegt, und die heute genauso funktionieren wie damals.
Am Ende wenden sich die verführten Menschen gegen Savonarola. Innerhalb kürzester Zeit stürzt dieser ab vom Superstar zum Verfemten, was damals, wie auch in seinem Fall, oftmals auf dem Scheiterhaufen endete.
Auch eine tolle Lektüre im Toskanaurlaub! Wer Florenz liebt, lernt die Stadt mit diesem Buch von einer ganz anderen Seite kennen.
Spannende Biografie einer faszinierenden Figur
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich bin über mein Studium auf Savonarola aufmerksam geworden und war sofort fasziniert. Der "Prophet der Diktatur Gottes", wie ihn Piper in seiner Biografie bezeichnet, hatte einen gewaltigen Einfluss auf die Menschen. So gewaltig, dass er sogar die allmächtig erscheinenden Medici entmachtete und aus Florenz vertrieb. Für damalige Verhältnisse unerhört, einer Revolution gleichkommend! Besonders interessant ist, wie die augenscheinlich unglaublich charismatische Figur Savonarola Menschen "fangen" konnte, wie er als fundamentalistischer Reformator zu einem Anführer des Mittelstands wurde und so selbst an die Macht kam. Eine historische Biografie, die sich spannend liest wie ein guter Roman!
Ernst Piper, Savonarola
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Eine spannende Geschichte wird hier lebendig. Der fanatische Dominikanermönch Savonarola kommt in das sinnenfrohe Florenz und errichtet eine theokratische Diktatur. Hier lernen wir die berühmte Renaissancestadt einmal ganz anders kennen. Unbedingt empfehlenswert, auch für alle, die so ihre Probleme mit der katholischen Kirche haben.
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Produkt-Bild: München. Geschichte einer Stadt.

München. Geschichte einer Stadt. von Reinhard Bauer, Ernst Piper, Elisabeth Lukas-Götz

Broschiert von Dtv
Angebote ab EUR 9,50

ISBN: 3423305401, Erscheinungsdatum: 1996
Zoom ± Produkt-Bild: München. Geschichte einer Stadt.
Produkt-Bild: Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage

Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage von Theodor Herzl, Ernst Piper

Taschenbuch von Europäische Verlagsanstalt
Preis bei Amazon: EUR 16,90, Angebote ab EUR 10,00

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3865723659, Erscheinungsdatum: Juni 2004, Auflage: 1
Zoom ± Produkt-Bild: Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage

5 Kundenrezensionen:

Zentraler Text zu Zionismus und Nationen-Erschaffung
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Herzl schreibt das Begründungswerk eines neuen Staates - auf Deutsch. Der Staat wird ein halbes Jahrhundert später Israel sein, das 1948 von den Siegermächten aus der Taufe gehoben wird. Herzls Vision warb eindringlich dafür, einen eigenen Staat aufzubauen. Er war nicht der erste, doch der überzeugendste Anwalt dieser zionistischen Sache.

Es ist eher das gemeinsame Verfolgtsein, was diesen "Judenstaat" zusammenhalten sollte, als etwa religiöse Sitten. Herzl zählt en passant auch sozialistische Reformideen wie Arbeitszeitverkürzung auf, um dieses neu zu erfindende Gebilde zu einem wahren Musterstaat zu machen. Wen es interessiert, der mag parallel Thomas Morus' "Utopia" lesen, wie es Herzl offensichtlich auch getan hat und aus deren Stärken und Schwächen er schöpft.

Bei aller Fortschrittlichkeit, allem exzellenten Stil und aller Menschenfreundlichkeit bleibt eine Frage beim Lesen offen: kann - systembedingt - ein Staat, der unbedingt "jüdisch" sein möchte, einer Form der 'Apartheid' wirklich entgehen? Lässt sich dieses Dilemma einer neu geschaffenen Nation auflösen? Konnte dies überhaupt gelingen?

Spannende Fragen: Herzl im kompletten Original zu lesen, sind gut genutzte 2 Stunden. Die Manesse-Ausgabe ist obendrein gut gemacht.
Die Vision eines jüdischen Staates
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Die Idee war nicht neu: Schon seit den 1860er Jahren hatten Anhänger des Zionismus angesichts judenfeindlicher Pogrome in Osteuropa einen eigenständigen jüdischen Staat gefordert. Was Theodor Herzls 1896 erschienenes Manifest Der Judenstaat von den vorausgehenden Entwürfen unterscheidet, ist seine visionäre Kraft, gepaart mit einer gesunden Portion Pragmatismus. Niemand sollte behaupten, die Idee eines modernen, liberalen und toleranten jüdischen Musterstaats, der dem Antisemitismus ein Ende bereiten und der ganzen Menschheit als Vorbild dienen würde, sei bloß ein Hirngespinst. Mit pedantischer Detailversessenheit widmet sich der Wiener Journalist Fragen der Provinzverwaltung und der Arbeitszeit, des Handels und des alltäglichen Zusammenlebens im neuen Staat ohne dabei je den grandiosen Traum aus dem Blick zu verlieren. Herzl, der manchen als Spinner, anderen als neuer Messias galt, setzte sich leidenschaftlich für seine Idee ein. Langfristig mit Erfolg: Die Gründung des Staates Israel im Jahr 1948, die der früh Verstorbene selbst nicht mehr erlebte, geht wesentlich auf diese schmale Schrift zurück.
Einfach verständlich und sehr aufklärend
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Viele reden über Israel und auch Herzl, ohne über die waren Beweggründe für die Idee der Staatsgründung bescheid zu wissen.

Das Buch belegt, daß der Autor Herzl und seine Idee von der Staatsgründung keineswegs rassistisch oder kaltherzig motiviert sind, sondern mit ihr eine Wohlwollensideologie verwicklicht wird.
Der von Herzl propagierte Staat Israel soll eine Verbesserung der Lebensqualität, nicht nur für die neuen Immigranten, verwirklichen.

In der "Novelle" steckt so viel wissenwertes. Zum Beispiel die Diskussion um die Gestaltung der neuen Häuser. Auch im modernen Europa stellen sich doch viele die Frage, warum Arbeitersiedlungen oder Reihenhäuser immer noch optisch kalt, monoton und individualitätslos gebaut werden, anstatt jedem Haus eine eigene Pointe zu geben.

Ich bin begeistert von Herzls Ideen und seiner Friedfertigkeit. Er war ein großer Denker und seiner Zeit voraus. Ich kann das Buch nur jedem empfehlen.
Von der Herstellung des Judenstaates
5 Punkte 5 von 5 Punkten
"Ich werde nun die Judenfrage in ihrer knappsten Form ausdrücken: Müssen wir schon 'raus? Und wohin? Oder können wir noch bleiben? Und wie lange?". Der so fragt, heißt Theodor Herzl. Man schreibt das Jahr 1896. Die Schrift, die er soeben herausgebracht hat, heißt "Der Judenstaat". Der Untertitel lautet: "Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage". Und so klar die Fragestellung ist, so eindeutig fällt die Antwort aus: "Die Juden, die wollen, werden ihren Staat haben und sie werden ihn verdienen". Gleich zu Beginn verwahrt sich Herzl gegen den Vorwurf der Utopie, d.h. des undurchführbaren, realitätsfernen Traumgespinstes: "Gegen den Vorwurf der Utopie muß ich meinen Entwurf zuerst verteidigen". Diesen seinen Entwurf nennt er vielmehr eine "Kombination" bzw. eine "Konstruktion", deren Zweck es ist, den Leser zu überzeugen, wie notwendig "die Herstellung des Judenstaates" sei. Kurzum: "Der Judenstaat" ist ein zionistisches Manifest - wie sich in den kommenden Jahren herausstellen sollte: das zionistische Manifest schlechthin. Eine Vision hat aber nur dann Chancen, verwirklicht zu werden, wenn es dem Visionär gelingt, sie als realistisch erscheinen zu lassen. Und das kann er wiederum nur dann, wenn er ihr halbwegs handfeste Umrisse verleiht. So ist denn auch in Herzls Schrift kein Mangel an praktischen Überlegungen: Von der Finanzierung bis zur Bebauung, vom Landkauf bis zum Siebenstundentag, von der Verfassung bis zur Flagge über die Frage des Heeres - es wird eine ganze Reihe praktischer Fragen erörtert, eben um zu zeigen, daß der Einzug ins Gelobte Land durchaus kein unwägbares Unternehmen sein muß. Sind solche Erörterungen wichtig? Nein - oder vielmehr: sie waren es bestimmt für zeitgenössische Leser, sind es aber längst nicht mehr, sehen doch viele konkrete Züge des Judenstaates am Ende notwendigerweise anders aus, als sie Herzl vorschwebten. Auf der israelischen Fahne z.B., die er sich als Anklang an "die sieben goldenen Stunden unseres Arbeitstages" mit sieben goldenen Sternen vorstellte, prangt von allem Anfang an der sechszackige Davidstern. Indes sind die einzelnen Umrisse des Judenstaates nicht das Allerwichtigste, weshalb Herzl vorsätzlich auch nur "kurze aphoristische Kapitel" schrieb. Viel wichtiger waren und sind die Gründe, die ihn dazu trieben, einen solchen Staat zu fordern und die gleichsam dessen Daseinsberechtigung untermauern. Unmittelbarer Auslöser für die Niederschrift des "Judenstaates" ist der vielbeachtete und haarsträubende Dreyfus-Prozeß gewesen. Alfred Dreyfus ist jener Hauptmann der französischen Armee, der in einem aufsehenerregenden Prozeß offensichtlich nur deshalb des Landesverrats zugunsten Deutschlands für schuldig befunden wurde, weil er Jude war. Herzl, der zu diesem Zeitpunkt Pariser Korrespondent der Wiener "Neuen Freien Presse" ist, verfolgt den Prozeß aus allererster Nähe. Er ist dabei, als Alfred Dreyfus am 5. Januar 1895 öffentlich degradiert wird und in Paris der Ruf "Tod den Juden" erschallt. Der Schock und die Schmach sind um so niederschmetternder, als das Ganze in Frankreich geschieht, einem Land, in dem sich die Juden doch sicher wähnten und das sich nun binnen kurzem in eine der vielen Speerspitzen des Antisemitismus verwandelt hat. Seither weiß Herzl: "Je länger der Antisemitismus auf sich warten läßt, um so grimmiger muß er ausbrechen". Wo soll nun aber für Juden eine sichere Bleibe sein? "In Rußland werden Judendörfer gebrandschatzt, in Rumänien erschlägt man ein paar Menschen, in Deutschland prügelt man sie gelegentlich durch, in Österreich terrorisieren die Antisemiten das ganze öffentliche Leben, in Algerien treten Wanderhetzprediger auf", und nun auch Frankreich, wo der Antisemitismus in weiten Teilen der Gesellschaft grassiert. Von den Vereinigten Staaten, "wo man uns auch nicht mag", ist wohl auch nicht sehr viel zu erwarten. Kurzum: Wenn "in der Welt die Notlage der Juden nicht die einzige ist", so gehört sie doch zu den bedrückendsten und harrt einer Lösung. Und da sowohl die Integration als auch die Assimilation, welche die sog. Wirtsvölker mehrheitlich verweigern, gescheitert ist, bleibt nur noch eine Lösung: "die Herstellung des Judenstaates" eben - sei es in Palästina, in Argentinien ("Palästina oder Argentinien?" heißt eines der Kapitel) oder sonstwo auch immer - ein paar Jahre später wird auch noch von der "Uganda-Lösung" die Rede sein. Letztendlich versteht sich "Der Judenstaat" nicht so sehr als Schilderung der spezifisch jüdischen Notlage denn als praktischer Ausweg und vernünftige Lösung der Judenfrage. Und im Zeitalter des aufstrebenden Nationalismus konnte diese Lösung keine andere sein als eine nationale: "Ich halte die Judenfrage weder für eine soziale, noch für eine religiöse, wenn sie sich auch noch so und anders färbt. Sie ist eine nationale Frage, und um sie zu lösen, müssen wir sie vor allem zu einer politischen Weltfrage machen, die im Rate der Kulturvölker zu regeln sein wird". Vor Herzls "Judenstaat" waren etliche andere zionistische Schriften erschienen, die er mehr oder weniger kannte, namentlich Moses Hess' "Rom und Jerusalem" (1862), Leon Pinskers "Autoemanzipation" (1882), Theodor Hertzkas "Freiland" (1890) und Nathan Birnbaums "Die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes" (1893). Aber keine von diesen Schriften hatte eine so große Wirkung wie Herzls "Judenstaat", es ist auch keine in besonderer Erinnerung geblieben. Warum wurde also Herzl - trotz mannigfacher, teilweise heftiger Widerstände, namentlich in den westeuropäischen Ländern - so großer Erfolg beschieden? Wohl deshalb, weil er es nicht bei einer theoretischen Schrift hat bewenden lassen, sondern auch ein Mann der Tat gewesen ist: "Wer mit will, stelle sich hinter unsere Fahne und kämpfe für sie in Wort, Schrift und Tat" - ein Mann, der noch zu Lebzeiten und unmittelbar nach Erscheinen des "Judenstaates" eine ganze Bewegung - den Zionismus - in Gang brachte. Gleich im August 1897 fand in Basel unter Herzls Vorsitz der erste Zionistenkongreß statt, und Herzl selber wurde zum Präsidenten der neugegründeten Zionistischen Weltorganisation gewählt. Der Zionismus hatte seinen Anlauf genommen und war nicht mehr aufzuhalten. Bis zu seinem Tod im Jahre 1904 sollte Herzl noch fünf Zionistenkongresse erleben. Am 2. November 1917 erklärte der britische Außenminister Lord Balfour Palästina zur "nationalen Heimstätte für das jüdische Volk", und am 14. Mai 1948 war es soweit: Beim Erlöschen der britischen Mandatsmacht in Palästina und sich auf eine im Jahr zuvor verabschiedete UNO-Resolution berufend, rief in Tel Aviv David Ben Gurion unter dem überlebensgroßen Bildnis Theodor Herzls die Gründung des Staates Israel aus. Blieb nur noch übrig, um weiterhin mit Herzl zu sprechen, "die Wüste in einen Garten" zu verwandeln.
35-Stunden-Woche und Kombilöhne im Gelobten Land
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Theodor Herzl war nicht nur der Begründer des politischen Zionismus, sondern auch ein sozialpolitischer Visionär. So waren für ihn schon 1896 die 35-Stunden-Woche und Kombilöhne feste Bestandteile des künftigen Judenstaates. Er schreibt:

"Ich habe die Überzeugung, daß der Siebenstundentag vollkommen durchführbar ist. Man kennt die Versuche in Belgien und England. Einzelne vorgeschrittene Sozialpolitiker behaupten sogar, daß der Fünfstundentag vollkommen ausreichen würde. Die Society of Jews und die Jewish Company werden ja darin reiche Erfahrungen sammeln - die den übrigen Völkern der Erde auch zugute kommen werden -, und wenn sich zeigt, daß der Siebenstundentag praktisch möglich ist, so wird ihn unser künftiger Staat als gesetzlichen Normaltag einführen."

Daß dies ein zentrales Thema ist, erkennt man spätestens dann, wenn es um die Fahne des neuen Staates geht:

"Ich denke mir eine weiße Fahne mit sieben goldenen Sternen. Das weiße Feld bedeutet das neue, reine Leben; die Sterne sind die sieben goldenen Stunden unseres Arbeitstages. Denn im Zeichen der Arbeit gehen die Juden in das neue Land."

Zu Kombilöhnen heißt es weiter:

"Die Arbeitshilfe gibt also jedem Arbeit. Hat sie denn für die Produkte Absatz? Nein. Wenigstens nicht genügenden. Hier ist der Mangel der bestehenden Organisation. Diese Assistance arbeitet immer mit Verlust. Allerdings ist sie auf den Verlust gefaßt. Es ist ja eine Wohltätigkeitsanstalt. Die Spende stellt sich hier dar als Differenz zwischen Gestehungskosten und erlöstem Preise. Statt dem Bettler zwei Sous zu geben, gibt sie ihm eine Arbeit, an der sie zwei Sous verliert. Der lumpige Bettler aber, der zum edlen Arbeiter geworden ist, verdient 1 Franc 50 Centimes. Für 10 Centimes 150! Das heißt, die nicht mehr beschämende Wohltat verfünfzehnfachen. Das heißt, aus einer Milliarde fünfzehn Milliarden machen!"

Theodor Herzl hat die Gründung des Staates Israel nicht mehr erlebt; sie erfolgte erst über vierzig Jahre nach seinem Tod in 1904. Aber Israel ist doch gegründet worden und so bleibt zu hoffen, daß sich auch die 35-Stunden-Woche und Kombilöhne gleichermaßen durchsetzen werden.

Wer also ein spannendes Zeitdokument zu den Voraussetzungen für die Entstehung des Staates Israel lesen möchte, dem sei der Der Judenstaat ans Herz gelegt. Die Edition bei Manesse ist schöner, handlicher und zudem preiswerter. Sie erspart einem aber auch den Kommentar des Talkshow-Berufsjuden Henryk M. Broder, auf den man getrost verzichten kann.
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