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Weggefährten: Erinnerungen und Reflexionen von Helmut SchmidtTaschenbuch von btb VerlagPreis bei Amazon: EUR 13,00 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3442755158, Erscheinungsdatum: Januar 2008 |
5 Kundenrezensionen:Ein großer Staatsmann 5 von 5 PunktenHelmut Schmidt ist es in diesem Werk gelungen, sein Leben und seine Zeit durch die Menschen zu schildern, die Einfluss auf ihn ausgeübt haben. Als Leser hat es mich schon beeindruckt, zu wem Herr Schmidt von all den vielen Menschen die ihm während seiner politischen Arbeit begegnet sind, Nähe und Kontakt gesucht hat. Beim Lesen dieses Buches bemerkt man zum Einem, wie integer Herr Schmidt selbst ist und sein ganzes Leben war und vor allem, was wir dadurch verloren haben, dass ein Großteil dieser Integrität aus dem öffentlichen Leben im Allgemeinen und der Politik im Besonderen verschwunden ist. Danke, Freunde! 4 von 5 PunktenEin Mann, der so viel zu erzählen hat wie Herr Schmidt, schreibt seine Memoiren nicht nur einmal - es reicht doch für ein halbes Regal! Dieses Buch widmet Helmut Schmidt allein den Menschen, denen er in seinem Leben und Wirken (bis 1996, dem Erscheinungsjahr) mehr oder weniger nahe gestanden hat. Es ist gewissermaßen eine Danksagung an alle, deren Bekanntschaft er als eine Bereicherung empfunden hat, beziehungsweise eine Respektsbezeugung an fast den ganzen Rest. Insofern ist dieses Buch wirklich sehr persönlich, sowohl was die Empfindungen des Autors, als auch was die Charakterisierung der beschriebenen Personen betrifft. Über die vielen hundert Seiten erfährt man viel über Helmut Schmidts Wertmaßstäbe, über seine Prinzipien, worauf er im politischen Leben und im persönlichen Umgang Wert legte, über den Wert persönlicher Beziehungen in Politik und den angrenzenden Gebieten. Als politisch interessierter Mensch kann man aus diesem Buch viel gewinnen: Neben den oben genannten Punkten erhält der Leser aus erster Hand persönliche Einschätzungen vieler wichtiger Persönlichkeiten der letzten fünfzig Jahre, und zwar nicht nur aus der ersten, sondern auch aus der zweiten und dritten Reihe der in der öffentlichen Wahrnehmung Stehenden. Aus der Anlage des Buches selbst ergeben sich jedoch einige Umstände, die das Lesen etwas weniger ertragreich werden lassen. Zum einen schreibt man über fremde Leute nichts Schlechtes, vor allem nicht, wenn sie schon tot sind. Deshalb werden von den wohl über hundert näher erwähnten Persönlichkeiten vielleicht nur drei oder vier vorsichtig kritisiert. Der viele Streit, den es in all den Jahren wohl gegeben haben muss, wird nicht oder nur beiläufig erwähnt. Interessant ist es darum auch zu sehen, wen er nur kurz oder gar nicht nennt. So sind z.B. die Ausführungen zu Helmut Kohl, Oskar Lafontaine und Erhard Eppler sehr knapp gehalten. Zum anderen gilt: Wer sich bei so vielen bedankt, darf natürlich möglichst keinen, der es verdient hat, auslassen. Deshalb gibt es viele Seiten, auf denen Persönlichkeiten beschrieben werden, die eine derartige Erwähnung von Seiten Schmidts weiß Gott sicher verdient haben, die aber für den durchschnittlichen Leser kaum von Interesse sind, vor allem Personen, die Schmidts Werdegang im Hamburg der fünfziger und sechziger Jahre begleitet haben. Darum empfehle ich dieses Buch auch nur Leuten, die sich für Schmidt selber und seine 'Weggefährten' interessieren. Das Werk ist weder eine Autobiographie, noch sind es politische Memoiren. Wer sich für Schmidts Sicht auf seine Politik und den Lauf der Dinge während seiner 'aktiven' Zeit interessiert, sollte lieber seine 'politischen' Erinnerungsbücher "Menschen und Mächte" oder "Deutschland und seine Nachbarn" lesen. Werbung für die Politik 5 von 5 PunktenEin ehemaliger Bundeskanzler hat in seinem Leben viele interessante Persönlichkeiten kennengelernt. In diesem Buch beschreibt Helmut Schmidt die Menschen, die ihn am meisten geprägt haben. Beginnend mit Schauspielern und Künstlern über Politiker bis zu Journalisten, Gewerkschaften und Wirtschaftsführern, ließt sich das Buch wie ein Who is Who der Nachkriegsgeschichte. Das interessante an diesem Buch ist, daß Schmidt immer sehr persönliche Eindrücke wiedergibt. Wenn man sich schon immer mal dafür interessiert hat, wie Staatsmänner miteinander umgehen, sollte man diese Buch lesen. Zwei Dinge fand ich besonders faszinierend: 1. Das Kapitel über Freundschaft in der Politik und die ansicht von Schmidt, daß es so etwas wirklich gibt ( Als bestes Beispiel führt er seine Freundschaft mit Valery Giscard d'Estaing an) und 2. die Weitläufigkeit der Interessen und Bekanntschaften dieses wichtigen deutschen Staatsmannes. Für jeden der sich nur ein wenig für Politik interessiert, ist dieses Buch unbedingt zu empfehlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.) Ein Gewinn 5 von 5 PunktenEin Gewinn für den politisch interessierten Leser. Schmidts politisch führende Rolle und seine Bedeutung für unser Land stehen außer Frage. Ihm geht es um die Menschen, die ihn auf seinem politischen und privaten Weg begegnet sind. Geschrieben zu einer Zeit, als Kohl noch an der Macht war, beschäftigt sich Schmidt sowohl mit den deutschen Künstlern, die er schätzt, als auch mit den internationalen Partnern, mit denen er Weltpolitik machte. Aufschlußreich ist seine wohl richtige Einschätzung, dass in seiner und vor seiner Amtsausübung die Agierenden auf der politischen und wirtschaftlichen Nachkriegsbühne dieser Welt einen ganz anderen Hintergrund an Bildung, Intelligenz, Wissen, Güte und Verständnis sowie Weitblick gehabt haben. Da kann einem heute angst und bange werden. Geistig-moralische Führung zu seiner Zeit 5 von 5 PunktenWohl kaum ein Buch hat mir den 5. Bundeskanzler als Menschen so nahegebracht, wie das Buch "Weggefährten", in dem Helmut Schmidt auch über innere Eindrücke berichtet. Mit großer innerer Zustimmung habe ich die Beiträge zu Theaterleuten gelesen, über Karl Klasen, Carlo Schmid, Herbert Wehner, Karl-Wilhelm Berkhan, Alex Möller und viele andere. Was dieses Buch außerdem auszeichnet, ist der Dank an alle, die an diesem Buch beteiligt waren. Es ist nicht selbstverständlich, daß die Ernte eines Lebens zusammen mit anderen geteilt wird. Helmut Schmidt hat sehr wohl und vielleicht mehr als wir ahnen, geistig-moralische Führung in unserem Land und darüber hinaus ausgeübt. Dafür ist ihm und auch seiner Frau Loki zu danken |
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Eine ganz andere Geschichte: Roman von Hakan NesserGebundene Ausgabe von BtbPreis bei Amazon: EUR 19,95, Angebote ab EUR 12,48 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3442751748, Erscheinungsdatum: Oktober 2008 |
5 Kundenrezensionen:Sehr spannend! 5 von 5 PunktenDieses Buch ist sehr zu empfehlen. Die Geschichte ist überaus spannend bis zum überraschenden Ende, wobei die Figuren interessant gezeichnet sind und deren trockener Humor einem immer wieder die Tränen in die Augen treiben. Ein Unbekannter kündigt dem Kommissaren schriftlich die Morde mehrerer Personen an, die dann auch geschehen. Die Polizei kommt immer zu spät, vor allem, weil lange Zeit kein Motiv erkennbar ist. Auf der Spurensuche landet Kommissar Barbarotti sogar in Frankreich. Als das Motiv sichtbar wird, ist die Ergreifung des Mörders nur noch eine Formsache. Der Fall bringt Barbarotti, der nebenbei mit einigen privaten Sorgen zu kämpfen hat, an seine persönlichen Grenzen und führt dazu, dass er über sein eigenes Leben nachdenkt, mal melancholisch, mal lakonisch, und sogar die Hilfe einer Psychologin in Anspruch nimmt. Die Gespräche zwischen Barbarotti und seiner Kollegin sind sehr prägnant und witzig, sie lockern das Ganze auf. Ansonsten würde man als Leser bald selbst verzweifeln, da der Fall so festgefahren und unlösbar scheint. Fazit: sehr spannend, sehr lesenswert! Ein spannendes Buch aus einer zukunftsfähigen Reihe mit sympathischen Protagonisten bringt hohen Lesegenuss 5 von 5 PunktenMan muss sich als Leser wirklich innerlich verabschieden von den früheren Van Veeteren Romanen und endlich aufhören mit den Vergleichen, will man die Besonderheit der neuen Krimiserie von Hakan Nesser um den Inspektor mit dem italienischen Namen erkennen und dann auch schätzen lernen. Gunnar Barbarotti ist ein Zeitgenosse, der versucht, sein Leben in den Griff zu bekommen. Gerade liegen schwerwiegende Veränderungen hinter ihm. Seine Tochter Sara, mit der er nach der Scheidung von seiner Frau mehrere Jahre zusammengelebt hat, ist flügge geworden und hat sich nach London abgesetzt, was dem treuen Vater nicht geringe Sorgen bereitet. Bei einem Urlaub auf Götland hat er vor Jahresfrist Marianne kennen gelernt und liebt sie aufrichtig, beide wissen aber nicht so recht, ob der Berufsalltag eines Polizisten für ein gemeinsames Leben nicht kontraproduktiv sein würde. Nicht nur deswegen überlegt Barbarotti auch im zweiten Band der Reihe durchaus ernsthaft, ob er nicht seinen Beruf aufgeben und einmal etwas ganz anderes machen sollte. So viel sei aus seinem Privatleben verraten: die beiden nähern sich nach einigen Irritationen, die aus der Arbeit an seinem neuen Fall resultieren, weiter an und planen den nächsten Schritt in eine gemeinsame Zukunft als neue Familie. In diesem neuen Fall, der wieder "mit bekannten Verhältnissen übereinstimmt", wie Nesser in seiner einleitenden Bemerkung sagt, geht es um eine Geschichte, die schon fünf Jahre zurückliegt. Damals hatten sich im französischen Finistere sechs schwedische Touristen im Sommer 2002 zufällig getroffen und mehrere Tage miteinander verbracht. Zwei Paare und zwei Singles schließen kurzfristig Freundschaft, baden, essen zusammen, unternehmen Ausflüge und frönen einer lebendigen Gruppendynamik über die Ehegrenzen hinweg. Einer der sechs hat damals ein über sechzigseitiges Tagebuch geführt, indem er die Eskapaden der Gruppe aus seiner Sicht schildert und auch von einem tragischen und tödlichen Zwischenfall berichtet, der die Gruppe letztendlich auseinander fliegen ließ. Dennoch bleiben sie durch ihr schuldhaftes Verhalten miteinander verbunden, auch wenn sie keinen Kontakt mehr haben. Als in Kymlinge, wo Barbarotti wohnt und arbeitet, eine Serie von Morden beginnt, stochern er und seine Kollegen, von denen die sympathische Eva Backman ihm persönlich am nächsten steht ( wer weiß, was gewesen wäre, wenn sie nicht verheiratet wäre), zunächst im Dunkeln. Der in großer Spannung gehaltene Leser indes weiß durch den seitenweisen Vorabdruck" des Tagebuchs immer mehr über die inneren Zusammenhänge zwischen den Morden und den Geschehnissen vor fünf Jahren in jenem Sommer, als sechs schwedische Touristen sich begegneten. Was er aber bis zum Ende nicht weiß, ist , wer jener Mörder ist, der nach der Reihe alle Mitglieder der damaligen Urlaubsgruppe umbringt und so sein eigenes Verständnis von Sühne umsetzt. Jedes Mal kündigt er mit an Barbarotti handschriftlich adressierten Briefen seine Tat an, was zu erheblichen Verstörungen in dessen Dienststelle führt und zu der Frage, welchen Zusammenhang es wohl gibt. Auch die Presse kommt irgendwann dieser Tatsache auf die Spur und bringt die Polizei in erheblichen Erklärungsnotstand. Barbarottis philosophische Reflexionen und seine Gespräche mit Gott halten sich dieses Mal in Grenzen, obwohl die bei Nesser gewohnten Klimke und Barin wieder zitiert werden. Fazit: ein durchaus spannendes Buch mit überaus sympathischen Protagonisten. Spannender Krimi für Querdenker 4 von 5 PunktenBesonders interessant fand ich den Stil des Buches. Der Autor wechselt stets zwischen zwei Handlungssträngen, wobei der eine Strang die für die Morde relevante Vorgeschichte aus der Sicht des potentiellen Mörders und der andere Handlungsstrang die aktuellen Geschehnisse und Ermittlungsarbeiten beschreibt. Wie es sich bei einem guten Krimi gehört, kommt man wirklich erst gegen Ende auf den richtigen Täter und kann das Buch daher bis zum Ende geniessen. Lediglich der Abschluss des Krimis ist etwas abrupt, daher auch nur 4 Punkte. Fazit: Für Krimifans absolut lesenswert Klasse! Wie geht's weiter?? 5 von 5 PunktenMein Gott, wie geht es mit Gunnar und Marianne weiter? Wie konnte Herr Nesser sein Buch so enden lassen? Das schreit nach einer schnellen Fortsetzung. Würde es das Buch schon geben, morgen würde ich es kaufen. Als absoluter Nesser-Fan muss ich sagen, dass mich das Buch über drei Tage lang total gefesselt hat. Sein Schreibstil ist wie immer flüssig, superinteressant und spannend, einfach Klasse. Die Figur des Kommissar Barbarotti gewinnt an Kontur, man gewinnt ihn richtig lieb und wünscht ihm für die nächste Folge, dass er sein Privatleben in der von ihm erträumten Weise fortführen kann. Auf jeden Fall bietet die Figur noch reichlich Potential zur Weiterentwicklung. Der Fall ansich war sehr spannend. Die Rückblenden in Form von Tagebuchaufzeichungen des Täters waren spannend zu lesen, gut beschrieben, richtiges Urlaubsfeeling kam auf. Dass dann die Auflösung des Falles so plötzlich und lapidar daher kam, hat mich auch nicht so ganz zufriedengestellt, vorallem WARUM bekam immer Kommissar Barbarotti die Briefe? Nur weil er Gunnar hieß? Das hätte ich doch noch gerne ein bisschen besser aufgeklärt gehabt, gebe dem Roman aber trotzdem die volle Punktzahl, weil er einfach unvergleichlich gut geschrieben ist. Weiter so und schnellstmöglich her mit der Fortsetung, ich kann es kaum erwarten!!! Teilweise langatmig mit Dellen im Spannungsbogen 3 von 5 PunktenSchade, bei diesem Krimi hatte ich mir aufgrund der Buchbeschreibung mehr erhofft. Zunächst aber zum Inhalt. Wie bereits von Oliver Karow beschrieben besteht der Inhalt aus zwei Handlungssträngen: zum einen die Aufzeichnungen bzw. Urlaubserinnerungen aus dem Jahre 2002; zum anderen das heutige Geschehen. Endlich Urlaub mit Marianne! Kurz vor der Abfahrt erhält Kriminalinspektor Gunnar Barbarotti von seinem Briefträger noch die Post. Er öffnet dieselbe allerdings erst nach seiner Ankunft auf Gotland. Der dritte Brief enthält die Ankündigung eines Mordes. Was nun? Barbarotti ruft seine Kollegin Eva Backmann an und vereinbart, ihr den Brief über die Polizeistelle in Visby zukommen zu lassen. Wenig später erhält er die Nachricht, dass tatsächlich ein Mord stattgefunden hat, und muss seinen Urlaub abbrechen. Daheim angekommen ein zweiter Brief: eine weitere Morddrohung. Die Suche nach dem Opfer gestaltet sich diesmal aber schwieriger ... Die im Heute spielenden Sequenzen sind durchaus realitätsnah geschrieben. Barbarotti ist kein unfehlbarer Mensch und Kriminalinspektor und es gab in der letzten Zeit auch so einige Dinge, die sein Leben negativ beeinflusst haben: seine Tochter ist ausgezogen, er fühlt sich einsam und nicht so recht zufrieden in seinem Beruf. Ja, es gibt eine neue Frau in seinem Leben - Marianne - aber er weiß nicht so recht, wie es hier weitergehen soll. Sollen sie zusammenziehen? Tja, und dann diese Morddrohungen. Scheinbar gleitet ihm der Fall aus den Händen und so überrascht es nicht, dass er eines Tages einen Journalisten schlägt und daraufhin suspendiert wird. So notwendig die Teile des Privatlebens Barbarottis auch sind als Erklärung für seinen "Ausraster", sie sind leider teilweise auch sehr langatmig und führen zu Dellen im Spannungsbogen. Genauso wie die Sequenzen, welche von dem Urlaub in der Bretagne erzählen. Das Lesevergnügen leidet hier. Selten hatte ich solche Probleme dran zu bleiben und ein Krimi sollte ja schließlich keine Einschlafhilfe sein! Man hätte zumindest beim Privatleben von Barbarotti kürzen sollen, vielleicht der Teil, wo seine beiden Jungs aus erster Ehe wieder zurückkehren zum Vater. Wer ist auf Seite 5xx schon daran interessiert? Wer will wissen wie das mit der Schulanmeldung funktioniert? Also ich wollte eigentlich endlich die Auflösung des Falles lesen und nicht wie er den Umzug organisiert und die Kinder in der Schule anmeldet! Zumindest wollte ich es nicht in dieser Ausführlichkeit erfahren. Das Ende selbst ist tatsächlich überraschend, was durchaus positiv ist, allerdings hat es zumindest bei mir einen schalen Nachgeschmack hinterlassen. Erklären kann ich dies hier nicht, da es wahrscheinlich das Lesevergnügen beeinträchtigen würde. Selbst anhand der eingestreuten Sequenzen aus dem Urlaub war diese Auflösung meiner Meinung nach nicht erkennbar. Fazit: ein Krimi mit Längen. In meinem Fall wird es der erste und letzte Hakan Nesser Krimi gewesen sein. Mehr von dieser Art? Nein Danke! Zwei Punkte Abzug für das ausschweifende Privatleben sowie die Dellen im Spannungsbogen. Sorry, aber mehr als drei Punkte sind hier meiner Meinung nach nicht möglich. PS: ein Vergleich mit Stieg Larsson ist nach Meinung des Rezensenten nicht angebracht. Stieg Larsson hat temporeich geschrieben, ein typischer Actionthriller, ein echter Pageturner. Hakan Nesser kommt eher behäbig daher, dabei aber durchaus realitätsnah. |
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Nachtzug nach Lissabon von Pascal MercierBroschiert von BtbPreis bei Amazon: EUR 9,50, Angebote ab EUR 2,85 ![]() 3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3442734363, Erscheinungsdatum: August 2008 |
Aus der Amazon.de-RedaktionPlötzlich war Schluss. Raimund Gregorius, von seinen Schülern liebevoll Mundus genannt, Lateinlehrer und Altsprachengenie an einem Berner Gymnasium, war unzweifelhaft aus dem Tritt geraten. Er war sich nicht einmal sicher, ob die Frau, die heute Morgen auf der Brücke im strömenden Regen einen Brief zerknüllt hatte, wirklich hatte springen wollen. Gregorius, auf das Schlimmste gefasst, war zu Hilfe geeilt. Português, hatte sie zerstreut auf seine Frage nach ihrer Muttersprache geantwortet und dem Verblüfften eine Telefonnummer auf die Stirn gekritzelt. Die Fremde verschwand so schnell, wie sie in sein Leben getreten war. Eine Idee blieb zurück. Wenig später war Mundus, die museale Gestalt, dieser in Ehren ergraute Ausbund an Korrektheit und Tüchtigkeit, für immer aus dem Klassenzimmer geflohen. Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist -- was geschieht mit dem Rest? Die Worte des portugiesischen Arztes und Poeten Amadeu de Prado, gefunden in einem Antiquariat, hatten Gregorius wie einen Schlag getroffen. Erneut wies die Spur nach Portugal. Der Nachtzug nach Lissabon sollte ins Licht führen. Fortan würde Gregorius die Gedankenwelt des Arztes und Widerstandskämpfers gegen das Regime Salazars nachempfinden. Lebenserfahrungen und unbequeme Fragen, die wie an Gregorius persönlich gerichtet klangen. Tiefer und tiefer geht die Reise -- und führt schließlich in die gefährlich eisigen Grenzregionen der Persönlichkeitsspaltung. Wählte Martin Walser in seinem Werk Der Augenblick der Liebe den geschmähten Philosophen La Mettrie zum Sprachrohr seiner innersten Befindlichkeit, so benutzt Mercier die geschliffenen Existenzfragen de Prados als Motor seines Romans. Vergleiche mit Nabokov und Kafka wurden bereits angestellt. Auch an Umberto Eco fühlen sich einige erinnert, hat doch der Berner Peter Bieri, der seine Erfolgsromane Der Klavierstimmer und Perlmanns Schweigen als Pascal Mercier zeichnete, in Berlin einen Lehrstuhl für analytische Sprachphilosophie inne. Sprache, die das Innerste aufschließt. Mercier ist ein Roman von betörender und träumerischer Schwere gelungen, angesiedelt im Tropengebiet der Melancholiker. Die Rückfahrt wird nicht leicht werden. --Ravi Unger Amazon.de Audiobook-RezensionBeginnen wir vielleicht mit dem Positiven: Dieses Hörbuch entfaltet auf jeden Fall genügend Spannung, dass man es unbedingt zu Ende hören möchte. Und Walter Kreyes Stimme ist so angenehm, dass man ihr die mehr als 7 Stunden sehr gerne zuhört. Anderseits aber beginnt im Laufe der Zeit im Hörer auch der Ärger zu brodeln -- über diese Geschichte des braven Schweizer Gymnasiallehrers Raimund Gregorius, der wenige Jahre vor der Pensionierung alles hinschmeißt und im Nachtzug nach Lissabon in ein neues, aufregendes Leben flüchtet. Dass Pascal Mercier seinen Roman etwas windschief zusammenkonstruiert hat, ist das eine. Aber es häufen sich die Unwahrscheinlichkeiten in diesem an sich realistisch erzählten Roman. Gregorius sucht den Autor eines portugiesischen Buches, das er am Tag seiner Flucht in einem Antiquariat findet. Dieser ist zwar schon lange tot, aber er begegnet lauter munteren 80 und 90-jährigen, die diesen kannten und mit denen er sich trotz Sprachbarriere elaboriert und ausführlich unterhält. Das Buch, das den Lehrer in die Fremde treibt, ist die Autobiografie eines Arztes aus Lissabon, die vor Lebensweisheit nur so strotzt. Die ausführlichen Zitate aus diesem Text machen Merciers Roman nun wirklich schwer verdaulich. Umso mehr als der Autor -- Peter Bieri heißt der Schweizer mit wirklichem Namen -- Philosophieprofessor ist und beispielsweise eines der besten Bücher über den freien Willen (Das Handwerk der Freiheit) veröffentlicht hat. In Nachtzug nach Lissabon lässt er leider das erwartete intellektuelle Niveau vermissen. Vielleicht braucht er deshalb auch ein Pseudonym für seine belletristischen Werke. --Christian Stahl Spieldauer: ca. 470 Minuten, 6 CDs, gekürzte Lesung 5 Kundenrezensionen:Lesen Sie lieber Ihr altes Lateinbuch ... 1 von 5 Punkten... als dieses - zu Unrecht - vielgelobte "Machwerk". Zunächst zum Inhalt: Mitten im Unterricht verlässt ein Lehrer seine Schule und macht sich auf den Weg nach Lissabon, um den Spuren eines geheimnisvollen Autors zu folgen. Immer tiefer zieht es ihn in dessen Aufzeichnungen und Reflexionen, immer mehr Menschen lernt er kennen, die von diesem Mann, den ein dunkles Geheimnis umgibt, zutiefst beeindruckt waren. Eine wundervolle Reise - die vergeblich sein muss und deren Bedrohungen der Reisende nicht gewachsen ist. Endlich kann er wieder fühlen, endlich hat er von seinem Leben zwischen Büchern aufgeblickt - aber was er sieht, könnte ihn das Leben kosten ... Zum Buch: Klingt eigentlich spannend, einen schönen Einband hat das ganze Ding auch noch -> gekauft! Liest sich auch anfangs noch ganz flott. Liegt aber nach 100 Seiten vorwurfsvoll und wie Blei im Regal. NEIN - wahrlich kein Werk, das einen "gefangen" nimmt, im Gegenteil: so blass und "blutleer" habe ich schon lange keine Literatur mehr erlebt. Sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt ;o) KEINE EMPFEHLUNG!!! Eines der wenigen Bücher, die ich nicht zu Ende gelesen habe 1 von 5 PunktenNachdem ich dieses Buch wärmstens empfohlen bekam, habe ich es im letzten Urlaub dann gekauft und angefangen zu lesen. Ich bekam aber überhaupt keinen "Zugang" zu diesem Buch und empfand die Handlung als äußerst langweilig. Die langatmige Handlung, ständig unterbrochen von den Übersetzungsversuchen pholosophischer Texte waren unheimlich anstrengend. Nach knapp einem Drittel habe ich abgebrochen. Ob ich es jemals nochmal versuche mit diesem Buch? Im Moment denke ich nicht. 1 Stern, da es am Anfang noch neugierig machte, die genaueren Gründe für den Ausstieg aus dem gewohnten Leben zu erfahren. faszinierend 5 von 5 PunktenDas ist ein Hörbuch zum Immer-Wieder-Hören. Habe viele Passagen doppelt und dreifach angehört und es wurde nicht langweilig. Auch die portugiesischen Zitate zwischendurch klangen wie Musik. Danke dieser Vorlesekunst!Die Einteilungen auf der CD sind ca. 5 min und so gut zu unterbrechen und Pausen einzulegen. Vieles regt zum Nachdenken an. Es macht die Lektüre nicht überflüssig, aber ist eine geniale Ergänzung. Ein Hörbuch allerdings, dass Muße verlangt, weil der Inhalt so intensiv ist, viel philosophische Ansätze, vieles zum Nach- und Weiterdenken. Eine Reise ins eigene Leben 5 von 5 PunktenRaimund Gregorius, seines Zeichens Lateinlehrer an einem Gymnasium, bricht von heute auf morgen mit seinem Leben. Eine nächtliche Begegnung mit einer Portugiesin lässt ihn sein bisheriges Dasein vollkommen in Frage stellen und er macht sich auf den Weg im Nachtzug nach Lissabon. Über die klugen Texte des portugiesischen Arztes und Poeten Amadeu de Prado gerät er in einen Sog des Nachdenkens über sein Leben, das ihn alles in Frage stellen lässt. Als LeserIn kann man sich diesen Gedanken nur schwer entziehen. Könnte es sein, dass man Zeit seines Lebens durch eine falsche Brille gesehen hat? Müsste man die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass das eigene Denken einem einen riesigen Streich spielt und es uns davon abhält, das Leben so wie es wirklich ist, oder sein könnte, wahrzunehmen? Es ist ein leises Buch, das sich nicht so einfach weglesen lässt. Wer sich auf die Gedanken, Ideen und Möglichkeitskonstrukte einlässt, wird sich die gleichen Fragen für sein persönliches Leben stellen. Wer das Buch auf diese Art liest, wird sich in jedem Fall verändert finden. Auf eine ganz leise Art. Ein Buch ohne Ende 2 von 5 PunktenIch habe mich auch sehr auf das Buch gefreut, immerhin wurde es sehr gelobt und ständig sah man Menschen mit diesem Buch in der Hand. Voller Vorfreude kaufte ich es also und stürzte mich auf den Inhalt. Der Anfang war gut und die Geschehnisse liessen meine Spannung steigen. Gut, es folgten zeitweise poetische Unterbrechungen im Text und ich quälte mich durch diese langen Sätze, da ich auf etwas wartete was mich sicher nicht mehr loslassen würde. Und ich las Seite für Seite mit der Hoffnung auf diese eine Pointe...doch es passierte nichts...Gar nichts. Und dann war es vorbei. Einfach zu Ende ohne ein Ende. Ich gebe zu ich war zutiefst enttäuscht. Hier habe auch ich festgestellt, das dieses Buch inhaltlich nichts mit der Schatten des Windes gemeinsam hat, bis auf vielleicht der Schreibstil. Dieser ist wirklich zu loben. ich beneide diese Art und Weise die der Autor benutzt um sich auszudrücken. Im Nachhinein ist mir bewusst geworden, dass dieses Buch nicht ein spannende Geschichte erzählen soll, sondern den Leser zum denken anregen soll. Zu Nachdenken über sich selbst. Diese Wirkung hat bei mir leider nicht eingesetzt, aber ich kann mir vorstellen das viele Menschen ein solches Buch auch beflügeln kann! |
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Eine Frau in Berlin: Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945 von AnonymaTaschenbuch von BtbPreis bei Amazon: EUR 9,00, Angebote ab EUR 6,22 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3442732166, Erscheinungsdatum: November 2008 |
Aus der Amazon.de-RedaktionAls kurz nach Kriegsende ihr lang vermisster Freund Gerd glücklich und unerwartet von der Ostfront zurückkehrt, findet er eine ihm fremde Welt vor. Die Entfremdung wird noch größer nach einem Blick in die Tagebuchaufzeichnungen seiner Freundin. Auf seine Frage nach dem darin häufig verwendeten Kürzel "Schdg." kann sie nur bitter lachen. "Na, doch natürlich Schändung." Kurz darauf verschwindet Gerd. Ob für immer aus dem Leben der Frau aus Berlin -- wie so vieles wissen wir es nicht. Ihre Trauer darüber hielt sich in Grenzen. Nach all dem Durchlittenen war in ihr für Liebe und Zärtlichkeit kein Platz mehr frei. Man sollte sich wappnen vor der Lektüre dieser Tagebücher, die als eines der ungeheuerlichsten und authentischsten Dokumente der letzten Kriegstage in die Literaturgeschichte eingehen dürften. Anonyma, deren wahre Identität -- verständlich genug -- auf eigenen Wunsch auch über ihren Tod hinaus unbekannt bleiben soll, schildert den Fall Berlins vom 20. April bis zum 22. Juni 1945. Ihre eigene Vita bleibt weit gehend im Dunkeln. Anfang 30, Fotojournalistin, weit gereist, mehrsprachig. Ihre Russischkenntnisse sollten sich in dem kommenden menschlichen Inferno als lebensrettend erweisen. Inmitten des Bombenhagels und in banger Erwartung vor den Russen, denen ein fürchterlicher Ruf vorauseilt, haben sich Hausgemeinschaften in Kellerlöchern verschanzt; junge Mädchen werden auf Dachböden versteckt. Es sollte in den meisten Fällen nichts nützen. Anonymas unterkühlter, fast lakonischer Berichtston lässt die sich anschließenden Plünderungs- und Vergewaltigungsorgien in all ihren scheußlichen Details umso drastischer erscheinen. Trotz mehrfacher Schändung zeichnet sie ein wohltuend differenziertes Russenbild, frei von allem Untermenschendenken. Sehr bald jedoch erkennt sie pragmatisch: "Ein Wolf musste her, der mir die Wölfe vom Leibe hielt!" Anatol wird ihr "ständiger Begleiter". Fragen nach moralischer Integrität tauchen in ihr auf, werden weggewischt. In diesem Zusammenhang liefert sie auch eine schonungslose Bestandsaufnahme deutscher Mannsbilder, die sich nicht scheuten, Kellerfrauen dem Feinde zuzuführen, um selbst ungeschoren davonzukommen. Dem Schriftsteller Kurt W. Marek (bekannter unter seinem Pseudonym C.W. Ceram, unter dem er den Bestseller Götter, Gräber und Gelehrte veröffentlichte), verdanken wir den Erhalt dieses "selbstentblößenden" Kriegsgemäldes. Marek, der in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft wohnte, lernte 1946 die Schreiberin kennen und erfuhr von den Tagebuchkladden. Fünf Jahre Überzeugungsarbeit waren nötig, sie von der Notwendigkeit einer Veröffentlichung zu überzeugen. 1959 erschienen, geriet sie leider bald in Vergessenheit. Die Frau aus Berlin ist mittlerweile verstorben -- ihre Erinnerungen werden ewig leben. --Ravi Unger 5 Kundenrezensionen:Eine Frau in Berlin 5 von 5 PunktenPassend zum Kinofilm möchte ich heute das Buch Anonyma - eine Frau in Berlin vorstellen. 1959 wurde die Geschichte zum ersten mal in einem kleinen Schweizer Verlag veröffentlicht und dann erst wieder nach dem Tode der Autorin. Diese Tagebuchaufzeichnungen einer Frau in Berlin sind im Mai 2003 - achtundfünfzig Jahre nach ihrer Entstehung, als 221 Band der Anderen Bibliothek im Eichbornverlag, Frankfurt am Main, erschienen. Der Text folgt mit einigen Korrekturen, der deutschen Erstausgabe, die 1959 bei Helmut Kossodo in Genf und Frankfurt/Main verlegt wurde. Das Nachwort von Kurz W. Marek wurde für die amerikanische Übersetzung geschrieben, die 1954 bei harcourt Brace und Company in New York erschienen ist. Es erscheint hier erstmals in der deutschen Orignialfassung. Das Lektorat lag in den Händen von Rainer Wieland (Quelle: Eichborn Verlag) Inhalt: ===== Vorwort Seite 5 Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945 Seite 7 bis 283 Nachwort von Kurz W. Marek Seite 285 Man schreibt den 20. April und die Geschichte, die Anonyma (die Autorin möchte verständlicherweise anonym bleiben, bei dem, was sie im Buch schreibt und aufdeckt ...) geht bis zum 22. Juni 1945. Die Zeit also, also Berlin fällt, als Berlin von den Russen überfallen und diese sich der Stadt und der daran noch lebenden Menschen bemächtigt. Gerd ist Anonymas Freund, er kehrt von der Ostfront zurück und versteht die Welt nicht mehr, alles in so anders, wie er Berlin verlassen hat. Als Gerd aber die Tagebuchaufzeichnungen seiner Freundin in die Hände bekommt und immer wieder "Schdg." darin zu lesen bekommt, macht er sich seine Gedanken. Anonyma klärt ihn auf und nun weiß er "Schdg." steht gleichbedeutend mit Schändung !!! Nichts ist mehr, wie es war. Diese Frau, sie ist zu der Zeit Anfang 30, von Beruf Fotojournalistin und weit in der Welt herumgekommen. Sie spricht gut Russisch und daher konnte sie sich auch mit den Soldaten verständigen. Sie und die anderen Frauen und Mädchen müssen Plünderungs- und Vergewaltigungsorgien über sich ergehen lassen. Sie müssen hart werden, um zu überleben. Ihr Herz abschalten .... Viele haben es nicht überlebt aber einige sind der Hölle entkommen. So auch Anonyma, und sie hat darüber berichtet, wie sie diese Zeit für sich empfunden, wie sie über alles versuchte hinwegzukommen und man kann verstehen, dass sie sich ausergebeten hat, auch über ihren Tod hinaus anonym zu bleiben. So ehrlich und ungeschminkt, so wahr und konkret ist noch nie über dieses Thema geredet worden. Diese Tagebuchaufzeichnungen sind auf der ganzen Welt bekannt und vielgelesen. Ich finde es unheimlich gut, dass diese Frau sich dazu entschlossen hat, der Nachwelt diese fürchterlichen Geschehnisse nicht vorzuenthalten. Man muss einfach wissen, wie schrecklich diese Zeit war, um zu begreifen, dass dies nie wieder passieren darf, um zu begreifen, was diese Menschen alles auf sich nehmen mussten, wie mutig und unverzagt sie ihr Leben meistern mussten. Es gebührt ihnen Anerkennung und Hochachtung, man kann das nicht oft genug sagen. Ich bin von diesem Buch fasziniert und habe es mit einem Kopfschütteln und stellenweisen tränenden Augen gelesen. Es ist sehr flüssig und zündend geschrieben. Der Leser kann sich sehr gut in die Gedanken und Gefühle der Frauen hineinversetzen. Man versucht, zu verstehen, man versucht zu realisieren, wie diese Frauen, diese schreckliche Zeit überstehen - überleben konnten. Anonyma erzählt auch von Anatol der ein bisschen ihr Beschützer wird, den sie sich zunutze macht, um zu überleben. Sie beschreibt stellenweise die wahrhaft schrecklichen Geschehnisse bis ins Detail. WO BLEIBT DIE MORAL ???? - werden vielleicht einige sagen, die dieses Buch lesen, aber ich finde, wo kann man Moral erwarten, wenn solche Dinge passieren - hier geht es ums nackte Überleben und das alles schildert Anonyma und ich bewundere diese Frau für ihren eisernen Willen, ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen, ihre Art, sich durch diese Zeit zu schlängeln und dies auch noch schriftlich festzuhalten. Es sind ja nicht nur die körperlichen Qualen, die diese Frauen erleiden mussten, auch Hunger, Not, Kleidermangel, Kälte ... all dies haben sie oft ohne ihre Männer und mit ihren Kindern durchleben müssen und dann noch dies ..... Ein tolles Buch, ein Zeitzeugnis, wie es kaum besser geschrieben sein kann. Es ist berührend und zu herzen gehend, es ist wahr und schonungslos und literarisch ganz sicher ein Leckerbissen. Sie urteilt klar und nimmt kein Blatt vor den Mund, sie stempelt aber auch die Russen nicht komplett ab, sie gibt dem Leser ein komplettes Gefühls- und Gedankenbild dieser Zeit. Ich empfehle es wärmstens. Zum Abschluss noch eine kurze Leseprobe: Dienstag, 15. Mai 1945 Die übliche Hausarbeit, es ödet einen an. Oben in der Dachwohnung, die ich zum ersten Mal seit dem Russeneinmarsch wieder betrat, kramen zwei Dachdecker herum. Ihren Lohn erhalten sie in Form von Brot und Zigaretten. Kein Russe hat in die Dachwohnung gefunden. Der feine Kalkbelag auf den Dielen, der jeden Fußabdruck verrät, war unberührt, als ich die Dachdecker einließ. Mit genügend Wasser und Mundvorrat hätte ich dort oben vermutlich als unentdecktes Dornröschen verharren können. Aber darüber wäre ich mit Sicherheit verrückt geworden, so allein. Im Rathaus müssen sich mal wieder alle Leute melden. heute war mein Buchstabe dran. Ungewohnt viele Menschen waren zur Stunde der Registrierung auf der Straße. Im vorraum war ein Mann dabei, das Adolf-Relief mit Meißel und Hammer wegzuklopfen. .... Eine starke Frau 5 von 5 PunktenInterressanterweise hat Anonyma dieses Tagebuch nicht benutzt um sich den Schmerz über die Vergewaltigungen und den Hunger von der Seele zu schreiben. Es scheint als hätten sie die Fähigkeit einfach immer den nächsten Schritt zu tun und Dinge zu hinterfragen vor dem Zusammenbruch bewahrt. Sie beobachtet die Reaktionen der Menschen, hinterfragt welche Charaktere nicht so leicht zerbrechen an der Situation. Natürlich sind ihre Erkenntnisse nicht ganz frei von der Propaganda der damaligen Zeit, andererseits besitzt sie aber doch wieder einen erstaunlich unabhängigen Geist und stellt sich auch Fragen wie ob Vergewaltigungen verhindert werden könnten wenn die den Soldaten erotische Bilder zur Verfügung gestellt würden und daß es nicht die Staatsform ist, die Menschen unglücklich macht sondern das sich einfach so anpassen. Was aber jetzt nur einige Überlegungen der hochintelligenten Frau sind. Mich hat dieses Buch von der ersten Seite in den Bann gezogen, durch diese genauen Beschreibungen fühlt man sich inmitten der Geschehnisse gesetzt und fühlt mit. Es ist auch ein Buch über das ich noch lange nachgedacht habe. "Zeitdokument"? 1 von 5 PunktenDie angebliche Autorin ist längst bekannt, und trotzdem erlaubt die "Rechteinhaberin" (die Witwe des einstigen Nazipropagandaautoren Kurt W. Marek, der 1941 auch schon den angeblich ebenfalls autobiografisch fundierten Durchhalteschinken "Wir hielten Narvik" verfasst hatte) nicht den Vergleich der reichlich mit nachträglichen Kommentaren etc. versehenen (vorgeblichen) Manuskripte mit der veröffentlichten Edition. Na ja, wenn's Kasse macht ... Keine Heldinnen - und kein "Buch zum Film" 5 von 5 PunktenDie letzten Tage des 2. Weltkriegs im zerbombten Berlin. Stundenlang kauern die Menschen, oft willkürlich zusammengewürfelt, in kalten, düsteren Luftschutzkellern und warten. Warten, dass der Krieg vorbei ist. Warten auf die Sieger. Die Russen, die Rote Armee. Unter ihnen eine Frau in den Dreißigern. Eine gebildete, weitgereiste und unabhängige Journalistin mit wachen und präzise beobachtenden Augen. In die Schablone einer deutschen Hausfrau und Mutter passt sie nicht. Sie ist allein, der Freund ein Sandkorn in der Wüste der Wehrmacht, Kanonenfutter, wenn es ganz schlecht läuft. Ist sie eine überzeugte Nationalsozialistin? Eine Faschistin?, wie sie schon bald von einem russischen Offizier gefragt werden wird? Wohl nicht. Vermutlich hat sie sich mit innerer Distanz irgendwie durch die Zeit des Dritten Reiches manövriert, hat Zugeständnisse gemacht, wenn es die Arbeit erforderte, ist Außenseiterin geblieben, ohne groß aufzufallen. Jetzt herrscht Endzeitstimmung. Es gibt keine ablenkende Arbeit mehr, das Schreckgespenst des Hungers wird von Tag zu Tag größer und bedrohlicher. Immer größer wird auch die Angst davor, was geschehen wird in den kommenden Tagen und Wochen, in dieser seltsamen Leere, in dem der Krieg vorbei und Frieden noch lange nicht in Sicht sein wird. Geordnete Verhältnisse, dieses urdeutsche Bedürfnis, wird es lange nicht mehr geben. Wird diese noch immer junge Frau überleben, und wenn ja, um welchen Preis? Klug und nachdenklich wie sie ist, macht sie sich keine Illusionen hinsichtlich der Sieger, die, traumatisiert und verroht, ihre Belohnung einfordern werden. Wie nach jedem Krieg, werden die Frauen der Besiegten diesen speziellen Preis bezahlen. Trieb und das Wissen, den Gegner auf eine Art und Weise zu verletzten, die kein Kampf und keine Waffe bieten kann, gehen eine grausame Allianz ein. Gewiss, nicht alle Soldaten sind Vergewaltiger, und nicht alle Frauen werden vergewaltigt. Kein Trost, wenn man vergewaltigt wird. So sitzen sie in den Kellern und warten, und das junge Mädchen aus Ostpreußen, das vom Krieg schon einmal überrollt wurde, wimmert. Beten kann sie nicht, die Frau, deren Namen wir nicht erfahren werden, aber schreiben. So fängt sie an, gegen ihre Angst an- und die Ereignisse aufzuschreiben: Einmarsch der Rotarmisten, Hunger, Not, Verrat, Niedertracht, Überleben um jeden Preis, verzweifelte Improvisationen und Auflösung der Keller-, Haus- und Zwangsgemeinschaft. Und Vergewaltigungen. Immer wieder Vergewaltigungen, zu jeder Zeit, fast an jedem Ort. Die wenigen deutschen Männer stehen - manchmal auch im eigentlichen Sinne des Wortes - ohnmächtig daneben. Die Kinder ebenso. Immer wieder bedrückend häufig Schändungen, denen auch "Anonyma" nicht entgeht, in einer Zeit, in der sich die Frauen mit der Frage "wie oft?" in die Augen sehen und manche mit Galgenhumor auch Witze reißen, ein Bollwerk gegen das Grauen. Um Ungeheuerliches, später nur allzu oft kollektiv Verdrängtes, geht es in diesem Buch, bei dem man sich nicht einig wird, ob es ein authentisches Zeugnis, ein zeithistorisches Dokument, ein tatsächlich existierender Tagebuchbericht ist. Als das wurde und wird es vermarktet. Die erste, die amerikanische Ausgabe aus dem Jahr 1954 wurde von Kurt W. Marek herausgegeben, einem Autor (Götter, Gräber und Gelehrte), der sich unter anderem darauf spezialisiert hatte, Tagebücher und andere Dokumente Dritter zu "literarisieren", also stilistisch zu überarbeiten und effektvoll zu ergänzen. Bei seiner Witwe liegen die Rechte an diesem Buch, und sie ist wohl auch im Besitz des Originaltagebuchs, das aus Heften, einer Kladde und etlichen Zetteln bestehen soll. Walter Kempowski, der im Streit um die tatsächliche Existenz der Aufzeichnungen hinzugezogen wurde und diese begutachtete, hatte keinen Zweifel an der Authentizität des emotional so bewegenden Textes. Letztendlich bleibt es dem Leser überlassen, was er glauben will. Auf mich wirkt das Buch stimmig, es ist mit stilistischem Geschick und schriftstellerischem Talent geschrieben. Faszinierend ist der distanzierte, manchmal kalt berechnende Ton. Allerdings glaube auch ich, dass die Autorin ihre Aufzeichnungen später überarbeitet und ausgeschmückt hat. Auffallend dabei ist, dass zwischen all dem Elend und Horror immer auch schwarzer Humor und eine ironisch, distanzierte Betrachtungsweise mitschwingt; Eigenschaften, die wohl der Autorin zu eigen waren. Diese ist nicht so anonym, wie sie es sich über ihren Tod hinaus gewünscht hatte. Ihre Identität, wenn es denn die richtige ist, ist dank des Internets leicht ausfindig zu machen. Warum sie als Vergewaltigungsopfer anonym bleiben wollte, liegt auf der Hand. Auf Deutsch erschienen die Aufzeichnungen erstmals 1959. Lesen wollten sie die wenigsten. Man wollte nach vorne schauen, das Vergangene vergessen und wenn das nicht möglich war, wenigstens tief vergraben, verdrängen. Die vergewaltigten Frauen sollten schweigen, das haben die meisten auch getan. Dass an ihnen Kriegsverbrechen begangen wurden, durften sie nicht glauben. Glauben durften sie, dass es eine Schande ist, wenn man vergewaltigt wird - und dass man irgendwie selbst daran Schuld hat und hinterher entsprechend weniger Wert ist. Wen wundert es, dass die anonyme Autorin vielen als Nestbeschmutzerin galt. Ein verletzter oder gar gefallener Mann war ein Held. Eine Frau, die sich angesichts roher Gewalt, oft mit Waffengewalt einhergehend, ins Unvermeidliche fügte, danach Strategien entwickelte, um weiterleben zu können, und noch später die Trümmer des Krieges beseitigte, war keine Heldin. Wenn sie ihr Schicksal beklagte, war sie eine minderwertige Schlampe. Also schwieg sie, lebte nach dem Krieg oft alleine oder bekam irgendwann ihren Mann beschädigt zurück. In diesem Fall musste sie wieder zurück in die Rolle, die sie vor dem Krieg innehatte. Ins zweite Glied, um ihre Ehe nicht zu gefährden. Ein dicker Mantel des Schweigens wurde über das Vergangene gelegt, es galt nach vorne zu schauen. Später diente Konsum und wachsender Wohlstand als Balsam für die geschundene Seele. Verständlich, dass die Kinder dieser Generation, die später die "68-er" genannt wurden, ihre Mütter, ihre Eltern nicht verstehen wollten und konnten. Geschockt von der öffentlichen Meinung, soll "Anonyma" einer weiteren Veröffentlichung im deutschsprachigem Raum Zeit ihres Lebens nicht mehr zugestimmt haben. Am meisten hat wohl an ihren Aufzeichnungen gestört, dass sie nicht gewillt war, die Opferrolle passiv hinzunehmen. Sie suchte sich schon sehr bald aus, wer sie haben - ernähren und beschützen - sollte. Ein Leitwolf sollte es sein. Einer, der ihr die anderen Wölfe vom Hals hielt. Diese Strategie half, wenn es auch mit einem Alphatier allein nicht getan war. Der gleichnamige Film, der dieser Tage in die deutschen Kinos kommt, will diese grausame Geschichte dem durchschnittlichen Popcornkonsumenten nicht pur zumuten. Den kommerziellen Erfolg fest im Auge, wurde der harte Stoff mit einer Liebesgeschichte verdünnt, die in diesem Buch noch nicht einmal anklingt. Nein, "Anonyma" war wohl kein philosophierendes deutsches Fräuleinwunder mit sanften, rehbraunen Augen, dem auch in der größten Not der passende Lippenstift und das gekonnt verwuschelte Blondhaar zur Verfügung steht. Es gab auch keine Seife, kein blütenweißes Bettzeug und keinen russischen Offizier von Hollywoodformat, der am Morgen danach im perfekt gebügelten, hochgeschlossenen Hemd lächelnd aufwachte. Hier kann man das nachlesen. Das "Buch zum Film" ist es nämlich nicht. Andersherum wird ein Schuh daraus: Der Film, durchaus sehenswert, basiert mit allen künstlerischen Freiheiten auf diesem Buch. Helga Kurz 30. Oktober 2008 Beeindruchkender Beitrag zur Nachkriegsgeschichte 4 von 5 PunktenKurz vor Kriegsende im April 1945 beginnt eine Frau in Berlin mit ihren Tagebuchaufzeichnungen. Darin beschreibt sie das Leid und Leben in der ausgebombten Stadt. Verschwiegen werden dabei auch nicht Hunger, Vergewaltigungen durch die Rote Armee und Plünderungen. Doch trotz allem Leid verliert die Autorin dabei nicht ihren Lebensmut. "Eine Frau in Berlin" ist ein beeindruchkender Beitrag zur Nachkriegsgeschichte. Schon allein deshalb, weil es aus der Sicht einer Zeitzeugin geschrieben ist und das nicht erst Jahre später. Des Weiteren schreibt die "Anonyma" in einer Weise, die den Leser vor all der schonungslosen Gewalt schauern lässt, andererseits behält die Autorin dabei aber auch immer ihren schon fast trotzigen Lebensmut. |
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Sonnensturm. Krimi von Åsa Larsson, Gabriele HaefsBroschiert von BtbAngebote ab EUR 4,80 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3442738172, Erscheinungsdatum: Mai 2008 |
5 Kundenrezensionen:Langweilig 1 von 5 PunktenSonnensturm ist das erste Buch das ich von Asa Larsson gelesen habe - und es wird auch das letzte sein. Die Geschichte schleppt sich langatmig von Seite und Seite und bietet bis zum Schluss keine Überraschungen. Das interessanteste ist und bleibt die Frage wie damit der Schwedische Krimipreis gewonnen werden konnte. Nicht das Geld wert 1 von 5 PunktenAlso, ich kann mich dem enthusiastischen Urteil meines Vorschreibers nicht anschließen. Ein mühsamer, langsam dahinkriechender Plot; eine Darstellung religiöser Leute, die vor Klischees strotzt und mit mancher Wirklichkeit soviel zu tun hat wie eine Fantasy-Geschichte; Figuren, die irgendwie blass und konturenlos bleiben; auch sprachlich bietet das Buch nicht allzuviel. Es hat etwas Auslaugendes an sich, und man fühlt sich nach jeder Lese-Sitzung wie ein alter Spüllappen, der lange nicht benutzt wurde. Ich habe 160 Seiten durchgehalten - danach war mir das Ganze zu dumm. Ich habe noch den Schluss nachgesehen, um die Auflösung zu haben - die auch irgendwie in erwarteten Bahnen lief - und dann weg damit. Jeder schlechtgeschriebene Jerry Cotton bietet mehr Tempo, Witz und Spannung als diese Geschichte. Unverständlich, dass dieses Buch einen Literaturpreis bekam. Für mich war es nur langweilig und enttäuschend! Äußere und innere Kälte aus Nordschweden 4 von 5 PunktenEin schwedischer Krimi, der in der nördlichsten Stadt Schwedens spielt. Die Geschichte spinnt sich um eine religiöse Sekte, deren Probleme nicht wirklich diskutiert, sondern immer blutiger zu lösen gesucht werden. Asa Larsson's Debüt wurde hoch gelobt und es ist wirklich spannend geschrieben. Für den Leser entfaltete sich die Geschichte erst nach und nach. Geschickt schreibt Asa Larsson aus sehr vielen unterschiedlichen Perspektiven. So präsentiert sich der Plot nicht wie an einer Perlenkette aufgereiht von außen erzählt, sondern als ein sich nach und nach zusammensetzendes Mosaik, das sich aus den unterschiedlichen Innenansichten, Gedanken und individuellen Handlungsempfindungen der Hauptakteure zusammensetzt. Dementsprechend liefert Sonnensturm zwar alles was einen spannenden Krimi auszeichnet, nicht aber die glasklare, logisch stringente Aufklärungslogik, die viele Krimis liefern. Sie ist durch diesen Stil näher an der Abbildung der Wirklichkeit dran und gibt ihren Figuren eine beeindruckende Tiefe. Ein sehr lesenswertes Buch mit einer Hauptperson, die sich wie die Stadt Kiruna präsentiert. Recht isoliert, nach außen hart und unzimperlich dabei aber sehr verletzlich. Bin gespannt auf den zweiten Fall der Rebecka Martinsson. Endlich wieder ein atemberaubend spannender Krimi! 5 von 5 PunktenFür alle, die Spannung lieben, die uns das Buch nicht vor dem Ende aus der Hand legen lässt: Dieses wirklich erstaunliche Erstlingswerk verdient alle Ehrungen, die es bis jetzt erhalten hat! Zum ersten Mal seit längerer Zeit habe ich wieder einen Kriminalroman in einem Zug durchgelesen, die Handlung ist aktuell und schlüssig gestaltet, die Akteure sind Menschen wie du und ich mit all ihren Alltagsproblemen, der nordschwedische Winter spielt eine nicht unwichtige Rolle - und all das wird packend und im Wortsinn mitreißend erzählt - unbedingt empfehlenswert! Krimipreis: Zurecht!!! 5 von 5 PunktenWow, ich bin restlos begeistert von diesem Buch. Asa Larsson hat ein für mich perfektes Buch geschrieben, bei dem ich das Problem hatte nicht aufhören zu können. Ich kann nur jedem dieses Buch empfehlen, der auf nordische Krimis steht. Die Charaktere sind meiner Meinung nach so ausgearbeitet, dass man sie sofort "vor Augen" hat und auch die Story lässt keine Wünsche übrig. Ich mache mich auf jeden Fall auf die Suche nach neuem Lesestoff von Asa Larsson!!! |
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Der Klavierstimmer von Pascal MercierTaschenbuch von btb VerlagPreis bei Amazon: EUR 10,00, Angebote ab EUR 5,00 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3442726549, Erscheinungsdatum: November 2008 |
Aus der Amazon.de-RedaktionIm richtigen Leben heißt der Schweizer Autor Pascal Mercier eigentlich Peter Bieri und lehrt an der Berliner Universität Philosophie. So wie es nach seinem zweiten, jetzt erschienenen Roman, Der Klavierstimmer aussieht, hat er sein Thema, oder das Thema ihn, gefunden. Im Mittelpunkt seiner Romane steht die Sprache. Während er in seinem Erstling Perlmanns Schweigen einen Übersetzer mit den Tücken seines Berufsstandes ringen läßt, der nichts mehr zu sagen weiß, obwohl er die Sprache mehr liebt als alles andere, geht Mercier in seinem neuen Werk der Frage nach, inwieweit sich die Person und ihre Identität mittels des gesprochenen oder geschriebenen Wortes abgrenzen kann. Doch keine Angst, Mercier verpackt den philosophischen Hintergrund in eine psychologisch reizvolle, äußerst fesselnde Familientragödie. Die Zwillinge Patrice und Patricia werden überraschend aus Paris bzw. Chile nach Hause gerufen, da ihr Vater verhaftet worden ist. Ihm wird vorgeworfen, bei einer Opernaufführung auf offener Bühne den Tenor erschossen zu haben. Hat der besonnene, ruhige Mann, der ganz in seinem Beruf als Klavierstimmer aufging, und dem die Musik die Welt bedeutet, tatsächlich diese Tat begangen? Die Zwillinge wollen die ganze Wahrheit herausfinden und so beschließen sie, daß jeder seine Eindrücke in einem eigenen Tagebuch aufschreiben soll, das sie am Ende austauschen wollen. Für den Leser entwickelt sich in diesen Aufzeichnungen jeweils aus weiblicher und männlicher Sicht eine unglaubliche Spannung. Die verschiedenen Blickwinkel, die enge Beziehung der Zwillinge untereinander sowie zu ihren Eltern, geben Einblicke in ein grausames Familiendrama, das sich stückweise in seiner ganzen Dramatik enthüllt. Ein wenig erinnert die Komposition des Klavierstimmers an Javier Marias Bestseller Mein Herz so weiß. Beide Bücher beginnen mit einem ungewöhnlichen Todesfall, die Neugierde des Lesers ist geweckt und ehe er sich versieht, ist er in ein dichtes Geflecht an Beziehungen hineingezogen worden. Allerdings liest sich Mercier weitaus einfacher und flüssiger als sein spanischer Kollege. Doch er ist ein ebenso gebildeter und kluger Autor. Kein Element steht in seinem Roman unüberlegt, alles ist intelligent durchdacht und miteinander verknüpft. Während der Klavierstimmer unverdrossen Abend für Abend an seiner neuen, wiederum erfolglosen Oper Michael Kohlhaas komponiert, wird er selbst zu dieser Kleist'schen Figur im eigenen Leben. Am Ende, wenn die Tagebücher ausgetauscht werden, bleibt wieder die Sprache übrig und die Frage: "[I]st die stille Beschäftigung mit Worten die wirkungsvollste Art, das Leben zu verändern -- wirkungsvoller als die lauteste Explosion?" --Manuela Haselberger 5 Kundenrezensionen:ein anderer Stil 4 von 5 PunktenÜber den Inhalt des Romans sollte ich wohl nicht mehr sagen, als es schon die Vorgänger(innen) getan haben. Eigentlich sollte man bei einer Kritik überhaupt nicht detailliert auf den Inhalt eingehen, sonst ist das Lesen nicht mehr so interessant. Ich habe schon 2 andere Romane von P.M. gelesen und finde, dieser hat wieder einen eigenen Stil. Also ist jeder anders und somit interessanter. Manche Autoren wiederholen sich ja häufig, auch wenn sie verschiedene Romane verfassen. In der Rückschau schreiben zwei Geschwister getrennt voneinander - auch geografisch -ihren Lebensweg auf, den sie gemeinsam in der Familie gegangen waren - und dennoch gibt es auch sehr unterschiedliche Erinnerungen. Nicht zuletzt deshalb, weil in einem Fall das Verhältnis zum Vater und im anderen zur Mutter stärker war. Eine Tragödie war der Anlaß, diese "Memoiren" in Notizhefte zu schreiben, um sie später abzugleichen - und uns werden abwechselnd diese Notizhefte vom Autor sozusagen vorgelesen. Vielleicht 50 oder 100 Seiten lang habe ich mich gewundert, warum beide im gleichen Stil schreiben. Konnte der Autor das nicht besser (abgrenzen)? Dann aber kommt die Erklärung in einem der Notizen fast von selbst, wenn man es nicht vor lauter Spannung überliest. Da war ich mit dem Autor wieder versöhnt. Die Protagonisten erkennen, auch durch mit den Eltern geführte Einzelgespräche, wie ihr Leben auf Lug und Trug aufgebaut war und in eine Tragödie führte. Obwohl der Autor immer wieder mal die Rückschau an einer neuen Tatsache beginnen läßt, ist es äußerst spannend, die Entwickling dorthin zu lesen und zu begreifen. Merkwürdig ist einzig, wenn diese Notizen gegen Ende des Romans entwendet werden - wie hat dann der Verlag vom Autor noch das Manuskript erhalten können. Hier weicht P.M. zum ersten Mal von seinem Konzept ab, weil die Logik des Romans darunter ein wenig leidet. Bis dahin ist es ein Roman, in der der Autor eben nicht erzählt, was er meint, das die jeweiligen Personen denken, sondern er läßt sie selbst berichten. Auch das Ende des Buches schildert die beiden Geschwister in Form einer Beobachtung durch den Autor - nicht mehr ihren eigenen Bericht darüber. Nur deswegen also einen Punkt Abzug. Trotzdem ist die Lektüre mehr als lohnend. Gute Lektüre, aber zu konstruiert 3 von 5 PunktenJa, dieser Roman ist wunderschön geschrieben - poetisch, sich entwickelnd, mit reicher Sprache. Sprachlich hebt sich dieser Roman deutlich ab von dem, was standardmäßig zur heutigen Literatursprache geworden ist. 5 Sterne für die Sprache! Ja, dieser Roman ist auch ein wunderbares Leseerlebnis - spannend und fesselnd, schnell gelesen, abwechslungsreich. Ich habe den Roman im Urlaub innerhalb weniger Tage gelesen, ohne mich auch nur ein bisschen zu langweilen; im Gegenteil: das Buch hat mich gefesselt, ich habe es geradezu verschlungen. 5 Sterne für Unterhaltung! Ja, dieser Roman liefert ein interessantes und vielschichtiges Familienportrait ebenso wie das Portrait eines Künstlers. ABER: Gerade dieses Familienportrait ist so dermaßen konstruiert, dass es selbst einen ARD-Fernsehfilm übertrumpfen kann! Alles, was irgendwie in einer verqueren Familie möglich ist, wurde in ein Buch gepackt... und damit ist vieles auch so vorhersehbar... Man wartet nur darauf, dass man es endlich schwarz auf weiß lesen kann. Ich habe mich nahezu kapitelweise über diese fürchterliche Konstruktion aufgeregt! Das Buch ist einfach zu unwirklich, zu wenig nachfühlbar, zu wenig auf das wahre Leben eines Künstlers übertragbar! Auch sind mir in diesem Buch einfach alle Charaktere ein wenig zu besonders und abgehoben! Warum kann nicht ein Mensch in dieser Familie "normal" sein? Wie gesagt: Das ist der Stoff, aus dem Fernsehfilme gestrickt sind. Das war mir einfach zu billig ;-): Deshalb insgesamt nur 3 Punkte! Langsam, poetisch erzählt und dennoch fesselnd... 4 von 5 Punktenist diese Geschichte, die uns Pascal Mercier hier erzählt. Da ich "Nachtzug nach Lissabon" noch nicht gelesen habe, kann ich hierzu keine Vergleiche anstellen. Erzählt wird eine tragische Familiengeschichte aus Sicht der Familienmitglieder. Zunächst schildern die beiden Zwillingsgeschwister, die zueinander eine ganz besondere fast inzestöse Beziehung entwickelt haben, die Geschichte der Familie und versuchen dabei, ihre eigene Vergangenheit nachzuspüren. Dabei wollen sie insbesondere herausfinden, warum ihr Vater einen berühmten Opernsänger während der Aufführung der Oper Tosca erschossen hat. Das Hauptthema hierbei ist die Erfolglosigkeit des Vaters als Opernkomponist. Insofern enthält der Roman kriminalistische Züge. Sprachlich ist der Roman auf sehr hohem Niveau, jeder Satz ist wohlüberlegt. Die Geschichte wird leise erzählt ohne Krawall, dennoch spürt man eine stetige Spannung und das Buch hat kaum unnötige Längen. Lediglich der Schluss wirkt auf mich etwas unrealistisch und daher gibt es von mir nur 4 statt 5 Sterne. Ein echtes offenes Ende hätte mir hier besser gefallen und hätte besser zur Geschichte gepasst. Poetischer Roman 4 von 5 PunktenEs ist einmal mehr die gewaltige Sprachgewandtheit des Autors, die den Roman zu etwas ganz besonderem macht. Mich hat das Buch sehr beeindruckt, ich konnte es aber nicht in einem Zuge durchlesen. Wie schon bei "Nachtzug nach Lissabon" habe ich die Lektüre mehrmals aus der Hand gelegt, um darüber nachzudenken. Vielleicht wäre es sinnvoll, zuerst die Erzählung "Michael Kohlhaas" von Heinrich von Kleist zu lesen, um die zahlreichen Passagen im Buch dazu besser zu verstehen. Das letzte Kapitel zum "Abschied" war für mich nicht besonders stimmig zu den übrigen Kapiteln: zu schnell, zu kurz, zu unglaubwürdig. Es passt irgendwie nicht. Trotzdem ein sehr lesenswertes Buch mit vielen wunderschönen Gedanken. Es stimmt einfach alles! 5 von 5 PunktenSpannend bis zum Schluss, brillante Sprache, eine Fülle von hochsensiblen Familiengeheimnissen, die dem Leser wie ein zartes Knäuel Seite um Seite mit neuen Überraschungen entwirrt werden, ohne dass man den roten Faden verliert. Obwohl ich auch *Nachtzug nach Lissabon* und *Perlmanns Schweigen* absolut empfehlenswert finde, ist *Der Klavierstimmer* mein absoluter Favorit von Pascal Mercier. Und ganz nebenbei wird man entführt u.a. in die Welt der Oper, des Balletts, der Rhetorik..., sogar Französisch und Spanisch wechseln sich ab, jeder Satz wird kunstvoll trotzdem in seiner Bedeutung entschlüsselt.... Hier ist wirklich ein Meister am Werk! Für mich ist Mercier DER deutschsprachige Romancier der letzten 30 Jahre. Hut ab! |
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Und Nietzsche weinte von Irvin D. YalomTaschenbuch von btb TBPreis bei Amazon: EUR 9,00, Angebote ab EUR 5,60 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3442737281, Erscheinungsdatum: Sept. 2008 |
5 Kundenrezensionen:The End of the world as we know it! 5 von 5 PunktenNichts schöneres gibt es, als zur richtigen Zeit den richtigen Menschen zu treffen; nichts lösenderes, als wenn die Shufflefunktion des Mp3 Players im richtigen Moment auf das richtige Lied springt und damit die inneren Empfindungen eben jenen Momentes auf den Punkt gebracht und im Hören entäußert werden; und es gibt nichts, dass den Geist in nur wenigen Tagen in solch ungeahnte Höhen und Tiefen wachsen lässt, als nach monatelangem Brüten und Meditieren scheinbar ganz zufällig ein Buch in die Hand zu nehmen, das das Vorangegangene plötzlich Schwarz auf Weiß vor sich stehen lässt, es zusammenfasst und damit alle Verwirrungen plötzlich in ein helles Licht stellt - nichts erhebenderes, als eine Rezension des eigenen Geistes zu lesen. Was soll ich sagen über dieses Buch, das wie jedes andere nicht gelesen werden kann, ohne nicht zugleich die Geschichte des eigenen Ich zu lesen? Aus der Perspektive eines "Nietzscheaners" gesehen, so schreibt hier ein anderer Rezensent, habe das Werk möglicherweise seine Berechtigung als Bestseller- und Wühltisch-Literatur, aber nicht als Stil- und Gedankenübung zum Thema Nietzsche. Nun, es scheint diese Geschichte, soviel kann jetzt schon festgestellt werden, nicht für Leute geschrieben zu sein, deren persönliche Geschichte ganz unter dem Schatten Nietzsches geschrieben wurde. Ein gutes Sachbuch würde es abgeben, beklagt, diesem wiedersprechend, weiter unten Herr Enke, den Ansprüchen der Kunst genüge es kaum. Noch immer sei den meisten Lesern nicht bewusst, dass ein Kunstwerk nur in seiner Einheit von Inhalt, Form und Sprache vollständig erfasst und damit auch bewertet werden kann. Nun denn, Herr Enke, wenn selbst U. Eco und T. Mann keine zufriedenstellenden Kunstwerke hervorzubringen vermochten, dann nur hoch mit den Flossen und Fingerzeig auf solche, die einer objektiven Bewertung" der Kunst standhalten! Der Wert eines Buches kann doch nicht an einem nebulösen Abstraktum gemessen werden, wie das Kunstwerk" des Herrn Enke eines ist; und schon gar nicht der tatsächliche" Wert. Worin sollen wir denn den Unterschied zwischen dem Wert eines Buches und seinem tatsächlichen" Wert sehen? Der Wert eines Buches entsteht dadurch, dass MENSCHEN dem Buch Wert zusprechen! Und Menschen sprechen einem Buch in der Regel dann Wert zu, wenn es sie auf irgendeine Art und Weise persönlich berührt hat; wenn es irgendwie mit der Geschichte des individuellen Ich in Verbindung treten konnte. Wenn es aber den tatsächlichen" Wert eines Buches geben sollte, dann möglicherweise nur nach dem Kriterium gemessen, ob ihm für eine ganze Generation, ein ganzes Volk, eine ganze Kultur oder in gewisser Weise universelle Bedeutung beigemessen wird! Insofern wären die Bibel, der Koran oder vielleicht sogar Hesses Siddartha" oder Steppenwolf" Bücher, die tatsächlichen" Wert besitzen. Ich möchte nicht soweit gehen zu behaupten, Irvin Yaloms Und Nietzsche Weinte" könnte jemals ein solches Buch werden. Dafür scheint auch mir die Sprache zu pragmatisch und der Schluss zu kitschig. Doch eines ist für mich gewiss - und es hängt ohne jeden Zweifel mit meiner persönlichen Geschichte zusammen: In diesem Buch wird ein Thema auf interessante und gut lesbare Weise aufgerollt, das für die letzten drei Tausend Jahre Menschheitsgeschichte von unüberschätzbarer Bedeutung ist und das in der modernen Romanliteratur derart direkt nicht gerade in Massen behandelt wird. Geht es um Psychotherapie? Das Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts? Um die historische Figur Breuer? Die historische Figur Nietzsche? Lou Salome? Emanzipation? Begierde? Wollust? Ehe? Nein, es sind dieses lediglich für die eigentliche Thematik notwendige Aspekte, die Yalom mal schlecht, mal recht darzustellen vermag. Die eigentliche Thematik, wie ich sie verstehe, ließe sich wie folgt zusammenfassen: WIE HAT EIN EINZELNER MENSCH (BREUER) AUF DIE GEISTESENTWICKLUNG DER MENSCHHEIT ZU REAGIEREN, DIE UNS IN DEN LETZTEN JAHRHUNDERTEN ZUNEHMEND DEN GRUND ENTZOGEN HAT, AUF WELCHEM UNSERE FÜßE FÜR JAHRTAUSENDE SCHEINBAR SICHER GESTANDEN HABEN? WAS SOLL EIN EINZELNER MENSCH AUF DEN TOD GOTTES ANTWORTEN? Mit Verzweiflung? Mit Selbstmord? Mit Verdrängung? Mit einem Einfach-nicht-Wahrnehmen dieser erschütternden Entwicklungen, wie es heute noch Abermillionen auch in der westlichen Welt praktizieren? Oder mit absoluter Ehrlichkeit; Aufrichtigkeit allen zuvorderst sich selbst gegenüber? Mit einem Willen zur Macht? Mit dem Willen, die ganze Verantwortung für das eigene Leben in die eigenen Hände zu nehmen? Sich aus eigener Kraft zur Freiheit zu treiben? Und wenn letztere: was für Konsequenzen hat dieses für das alltägliche Leben? - Diese Fragen und einzig diese bilden den Grundtenor von Yaloms Und Nietzsche weinte"! Insofern muss ich auch dem erstzitierten Rezensenten widersprechen. Es ist sehr wohl eine Gedankenübung zur Philosophie Nietzsches? Denn wie Herr Breuer schon ganz recht zu analysieren weiß, hat Nietzsche tatsächlich ein Problem mit der Konkretisierung seiner Philosophie gehabt. Ein Problem, das er geflissentlich auszublenden wusste. Yalom versucht hier Abhilfe zu schaffen. Und bei allen Mängeln ist es ein Versuch, den ich jedem Freigeist wärmstens weiterempfehlen kann! einfach nur großartig 5 von 5 PunktenIch liebe dieses Buch. Einfach nur genial, wie der Autor eine so wunderbare und komplexe Geschichte geschaffen hat. Und der Schluss! Wie ein Honigbonbon nach einem schönen Tag. Genial - ein Bildungsroman vom Allerfeinsten! 5 von 5 PunktenWer etwas über Psychchotherapie (zumindest eine, die nicht nur möglich rasch Symptome beseitigen und die Anpassung an die sogenannte Normalität herbeiführen will), die Bedeutung von Symptomen, Obsessionen, Krisen und über Grundfragen der Existenz (also philosophische Fragen) lesen und sich zum Nachdenken inspirieren lassen möchte, ohne sich durch den sperrigen Fachjargon entsprechend trockener Fachpublikationen durchkämpfen zu wollen, dem oder der sei wärmstens dieses Buch empfohlen. Yalom ist das Kunststück gelungen, dies alles und noch mehr in ein gut lesbares, dabei aber durchaus tiefgründiges und bereicherndes Buch zu verpacken. Und wenn sich auch einer der Rezensenten (ein Nietzsche-Spezialist) darüber beklagt, dass Yalom der Philosophie seines Idols nicht gerecht geworden sei, glaube ich dennoch, dass dieses Buch auch für Fachleute wertvolle Denkanstösse enthält - z. B. für Psychotherapeuten die spannende Frage der Gegenseitigkeit mit und der Offenheit gegenüber ihren Patienten (im Buch ist ja im Grunde nicht klar wer wen therapiert!). Bis jetzt hat es meines Wissens nach ja nur der in Ungnade gefallene Freud-Schüler Ferenczi gewagt, sich selbst auch von seinen Patienten analysieren zu lassen. Alles in Allem: Hochverdient 5 Sterne, kreativ, tiefgründig, anregend, berührend und (bis auf ein paar Längen) auch spannend - bei entsprechender Interessenslage unbedingt lesen! Genial, aber liebeskrank 4 von 5 PunktenDer bekannte Arzt Josef Breuer wird von der exaltierten jungen Russin Lou Salome bedrängt, ihren Bekannten, Friedrich Nietzsche, von dessen Verzweiflung und Besessenheit von ihr zu heilen. Mit Nietzsche und einem anderen Freund habe sie eine platonische Dreiecksbeziehung geführt, ehe Nietzsche sie verteufelt, da sie ihn zurückgewiesen habe. Breuer willigt schließlich ein, und Salome bringt Nietzsches Freunde dazu, ihn zur Behandlung zu überreden. Nach Rücksprache mit Sigmund Freud versucht Breuer, bisher nur Arzt für den Körper, in endlosen Gesprächen an Nietzsches Psyche heranzukommen. Doch Nietzsche gelingt es immer wieder, auf philosophische Metaebenen zu entkommen. Breuer hat schließlich die Idee, die Rollen zu tauschen: Er erzählt Nietzsche von einer angeblichen Obsession für eine Frau, die Salome ähnelt; die Sache entwickelt eine brisante Eigendynamik. Die 443 Seiten bestehen überwiegend aus den Behandlungssitzungen, dazu gibt es Nietzsches Tagebuchauszüge und u.a. seine Briefe an Salome. Das Buch ist hübsch geschrieben, die Darstellung der eigenartigen Patient-Therapeut-Beziehung mit dem hochintelligenten Nietzsche gelungen: der Mann, dessen Ringen um Wahrheiten seiner persönlichen Heilung im Wege steht. Dazu immer wieder schön eingefügte Zitate aus "Menschliches, allzu menschliches". Dass der Roman eigentlich nicht funktioniert, weil ein Mensch, der angeblich so verzweifelt ist, dass er nicht mehr arbeiten kann, schwerlich so eloquent sprechen würde, verzeiht man, so schön ist "Und Nietzsche weinte" erzählt. Die Geschichte enthält viel Authentisches, außer dass Nietzsche und Breuer sich nie begegneten. Am Ende ein raffinierter Plot mit allerdings kitschigem Schluss; für mich hätten es auch 250 Seiten davon getan. GENIAL!!! 5 von 5 PunktenIch bin noch nicht ganz fertig mit dem Buch aber ich liebe es schon jetzt und weiß, dass ich am Ende gleich wieder vorne anfangen werde. Yalom versteht es tatsächlich die stattfindenden Gespräche und die sich daraus ergebenden Wendungen wie einen Krimi zu beschreiben. Wie eigentlich sonst nur bei Krimis, passiert es mir, dass ich beim Lesen immer wieder Blicke ans Ende der Seite werfe, weil ich wissen will, was passiert. Absolut Genial! |
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Weiße Nacht von Åsa LarssonTaschenbuch von BtbPreis bei Amazon: EUR 9,00, Angebote ab EUR 4,50 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3442736412, Erscheinungsdatum: Sept. 2007 |
5 Kundenrezensionen:Das pure Glück. Das pure Glück. 5 von 5 PunktenAsa Larsson liefert uns einen Nachschlag zu ihrem Krimi Sonnensturm. Fast gleiche Lokalitäten, fast gleiche Opfergruppen, gleiche Hauptdarstellerin - die aber diesmal mehr eine Nebenrolle innehat. Der Stil des Romans ist vielleicht nicht jedermanns Sache, man sollte aber trotzdem einen Blick hinein riskieren, dann wird man Larssons Beschreibungen und Ausführungen genießen. Es ist halt ein Buch zum langsameren Lesen, zum Innehalten, die Geschichte reift hier allmählich heran, steigert sich schließlich zum lange erwartenden Höhepunkt, man möchte hier fast sagen zum Showdown. Das Finale hat es in der Folge an sich. Das ist nichts für schwache Nerven und ebensolche Gemüter. Weniger wäre hier mehr gewesen. Das ist auch mein einziger Kritikpunkt an dieser Geschichte. Ein einziger Kahlschlag. Lieb gewordene Romanfiguren werden urplötzlich vergiftet, man lässt sie gegen einen LKW fahren, schießt sie und sich selber nieder. Und erst die arme Rebecka. Kaum zu glauben, dass die Geprügelte demnächst nicht irgendwo baumelt oder mit dem Bauch nach oben schwimmt, wer würde das am Ende nicht selber tun? Nach dieser Tortur hätte jeder sein Fett weg. Einen Knacks der schon bald mehr als ein Sprung ist. Wie wärs mal mit einem Happy End? Schon mal davon gehört? Aber jetzt Schluss mit Lustig und jetzt ganz im Ernst. Wer Asa Larsson noch nicht gelesen hat, dann bitte gleich lesen. Selber habe ich die Reihenfolge der ersten beiden Romane eingehalten und würde es auch so weiter empfehlen. Obwohl, den dritten Band kenne ich noch nicht. (Was muss Rebecka Martinsson da wohl wieder erleiden?) Also zuerst "Sonnensturm", dann "Weiße Nacht" und schlussendlich "Der schwarze Steg". Viel Genuss beim Lesen. Ein Stil, nüchtern und kalt wie die Landschaft dort oben am Nordzipfel Schwedens 4 von 5 PunktenAsa Larsson, seit einigen Jahren in Schweden als Senkrechtsstarterin in der Krimiszene gefeiert und mit entsprechenden Preisen ausgezeichnet, wurde 1960 in Kiruna geboren und arbeitete lange Zeit als Steueranwältin. Beide Lebenserfahrungen hat sie in nachahmenswerter Weise in ihre beiden bisher auf Deutsch erschienenen Kriminalromane eingearbeitet und verarbeitet. Sowohl ihr erster Roman "Sonnensturm" als auch das hier zu besprechende neue Buch "Weisse Nacht" spielen in Kiruna, und eine ihrer Protagonistinnen, Rebekka Martinsson, arbeitet als Anwältin und stammt aus dieser nördlichsten Stadt Schwedens. Rebekka Martinsson hat Kiruna verlassen, und wollte eigentlich nie mehr dorthin zurückkehren. Doch ein Hilferuf ihrer alten Freundin Sanna, deren Bruder brutal ermordet wurde, lässt sie in "Sonnensturm" zurückkehren. Sie wird in ein außerordentlich brutales und schreckliches Verbrechen involviert und hilft Larssons zweiter weiblicher Hauptfigur, der Kommissarin Anna Maria Mella und deren Kollegen Sven-Erik Stalnacke bei der Lösung des Falles. Fast bezahlt sie diese Unterstützung mit ihrem eigenen Leben. In Notwehr tötet sie drei Menschen, und seitdem ist nichts mehr, wie es war. Keine psychologische Behandlung kann ihr helfen; zu Beginn des zweiten Kriminialromans "Weisse Nacht" ist Rebekka Martensson immer noch krankgeschrieben: "Nachdem sie diese Männer in Kiruna getötet hatte, hatte sie ihre Arbeit in der Kanzlei Meijer & Ditzinger ganz normal wieder aufgenommen. Alles ging gut - hatte sie gedacht. Sie hatte nicht an Blut und Leichen gedacht. Wenn sie sich jetzt an die Zeit vor ihrer Krankschreibung zurückerinnerte, konnte sie nicht einmal sagen, ob sie überhaupt gedacht hatte. Sie hatte geglaubt zu arbeiten. Aber am Ende hatte sie nur noch Papiere von einem Stapel auf den anderen gelegt. Natürlich hatte sie schlecht geschlafen. Und war irgendwie abwesend gewesen. Sie hatte manchmal ewig gebraucht, um sich morgens zurechtzumachen und zur Arbeit zu fahren. Die Katastrophe hatte sie von hinten eingeholt. Sie bemerkte sie erst, als sie schon über sie hereingebrochen war." Sie macht einen großen Fehler, der die Kanzlei Millionen kostet, und kommt seitdem allein zu Hause nicht auf die Beine. Ihr Chef, Mans Wenngren, hält an ihr fest, lässt sie stundenweise arbeiten oder einfach nur bei Gerichtsterminen dabei sein, aber ihre unfreiwillige Popularität, die der Kanzlei wiederum zahllose große neue Aufträge gebracht hat, lässt sie nicht zu Ruhe kommen. Als Wenngren Rebekka zusammen mit einem Kollegen wieder in den Norden schicken will, um dort einige Kirchengemeinden juristisch zu beraten, stimmt sie dem nach einigen Bedenken zu. Nachdem die Trennung von Kirche und Staat auch in Schweden vollzogen wurde, ist die Kirche eine interessante Mandantengruppe. Sie willigt ein, und kehrt erneut zurück nach Kiruna, einer von Eisenbergwerken und Raketenstartplatz umringten großflächigen Industrie-Kleinstadt mit einer außerordentlichen Ballung von Freikirchen- und Sektengemeinden. Erneut wird sie dort in ein schreckliches Verbrechen im Kirchenmilieu involviert und trifft die beiden Kommissare aus dem ersten Buch wieder. Und sie begegnet ihrer eigenen Vergangenheit. Überhaupt ist die Rückblende in die Vergangenheit der Figuren eines der schriftstellerischen Hauptanliegen von Asa Larsson. Wie sie den Lebens- und Leidensweg desjenigen Menschen quer durch das ganze Buch schildert, der schließlich als zweifacher Mörder identifiziert wird, ist große Kunst. Erneut ist eine Pastorin ermordet worden. Mildred Nilsson hängt mit einer Kette befestigt an der Orgel ihrer Kirche. Die Polizei tappt im Dunkeln, bis drei Monate später Rebekka Martensson nach einer juristischen Beratung mit den ehemaligen Kollegen und Vorgesetzten der getöteten Pastorin widerrechtlich die Schlüssel zu deren Safe an sich bringt und den Inhalt der Kommissarin Anna Maria Mella übergibt, die aus ihrem Erziehungsurlaub an ihre Arbeit zurückgekehrt ist. Dieser Inhalt ist brisant. Drohbriefe und Verleumdungen von und gegen Mildred Nilsson, einer engagierten Feministin,der es innerhalb von einigen Jahren gelingt, die gesamte Männerwelt Kirunas gegen sich aufzubringen, lassen den Fall in einem ganz anderen Licht erscheinen und bringen einige Personen in Tatverdacht. Als aber auch noch Nilssons Kollege und Intimfeind Stefan Wikström ermordet aufgefunden wird, steigt die Spannung ins Unerträgliche, und erneut gerät Rebekka Martensson in allerhöchste Lebensgefahr ... Asa Larssons Stil ist nüchtern und kühl wie die Landschaft dort oben am Nordzipfel Schwedens, wo im Winter 18 Stunden tiefschwarze Nacht herrscht bei Temperaturen bis zu 40 Grad Minus. Sie schildert das Leben und die Lebensperspektiven der Menschen dort mit einer aus persönlichen Erfahrungen gespeisten Detailtreue. Es ist ein sensibles Psychogramm verletzter Seelen verbunden mit einer Liebeserklärung an die unbeugsame Natur, dargestellt von Gelbbein, einer Wölfin, deren Schutz eine nicht unwesentliche Rolle im innerkirchlichen Konflikt in Kiruna spielt. Und sie wirft erneut tiefe Blicke in ein Kirchenmilieu, das sie wahrscheinlich selbst erlebt hat, um es so genau schildern zu können. Asa Larsson hat in Schweden hohe Auflagen erzielt. Ihre beiden Krimis sind für das deutsche Publikum aber zu speziell, um eine ähnliche Wirkung zu haben, wie zum Beispiel ein anderer Neuling am Krimimarkt, Ake Smedberg. Dennoch werde ich ihr drittes Buch mit Spannung erwarten. 3,5 Sterne 3 von 5 PunktenGewinner des schwedischen Krimipreises-also kann man damit nichts falsch machen. Das habe ich gedacht, als ich das Buch an die Kasse getragen habe. Jedoch kann ich in den Jubel nicht ganz einstimmen. Ich fand es zeitweise recht verwirrend, besonders weil immer wieder auf das Vorgängerbuch Bezug genommen wurde. Das empfand ich als störend. Zum Schluss gewinnt es ein wenig an Fahrt, so dass ich es doch zu Ende gelesen habe, jedoch fand es ich weder packend noch spannend. Spannend, tiefgründig und so gar nicht vorhersehbar.... 5 von 5 PunktenIch muss ehrlich zugeben, dass ich nach den ersten zwei Kapiteln von "Weiße Nacht" schon aufgeben wollte. Dieses Buch sollte man nicht einfach so nebenbei lesen, dazu ist es zu filigran und anspruchsvoll. Doch schon ein paar Kapitel weiter hatte ich die Übersicht wieder gewonnen und die Handlung und das ungewöhnliche Drumherum hatten mich fest in den Bann gezogen. Asa Larsson ist es gelungen, die schwedische Kühle in ein Buch zu packen, welches bis zur letzten Seite fesselt. Eine ungewöhnliche Geschichte, so real und spannend erzählt, dass das Buch zu Recht mit dem schwedischen Krimipreis ausgezeichnet wurde. Geschickte Nebenhandlungen, die immer wieder intelligent eingeflochten werden, falsch ausgelegte Spuren, man tappt genauso im Dunklen wie die Polizei, die den Mord an der Pastorin Mildred Nilsson aufklären muss. Fast hat man das Gefühl es wird die Geschichte der Dorfbewohner erzählt, und jeder hat so seine persönlichen Abgründe und Seelenleiden, jeder hängt irgendwie mit drin. Dabei erweist sich die Autorin als haargenaue Erzählerin, die das Seelenleben der Einzelnen bis aufs letzte Quentchen an den Leser weiter vermitteln kann. Selbst Besucher von außerhalb werden in die Dorf-Geschichte mit hineingezogen. Dieses Buch legt man nicht mehr aus der Hand. Bis zur letzten Seite steht man als Leser unwissend da. Und bis zur letzten Seite ist kühle aber nicht unterkühlte Hochspannung angesagt. Respekt. Dieses Buch verdient definitiv 5 Sterne! Besser als Mankell 5 von 5 PunktenFesselnd von der ersten Seite an. Rebecka Martinsson geht es hundeelend. Sie ist psychisch am Ende, arbeitsunfähig und schon längere Zeit krankgeschrieben. Damit sie nicht ganz rauskommt aus ihrem Job als Anwältin, begleitet sie einen Kollegen nach Nordschweden in die Gegend, wo sie herkommt. Alte Erinnerungen beschäftigen sie und sie wird konfrontiert mit dem Mord an der unbequemen Pastorin Mildren Nilsson, die besonders unter den Männern dort alles andere als beliebt war. Die Polizistin Anna Maria Mella, die beim vierten Kind frühzeitig aus dem Mutterschutz zurückgerufen wird, versucht den Fall aufzuklären. Rebecka und sie kennen sich bereits von einem vorhergehenden Fall; sie sind sich nicht unsympathisch. Anna Maria spürt, dass mit Rebecka etwas nicht stimmt ... Der Roman ist in einer sehr schönen, direkten, unumwundenen Sprache erzählt. Ava Larsson drückt sich klar und deutlich aus, teilweise finde ich ihre Sprache sehr feinsinnig. Mehr als ein Krimi: Naturbeobachtungen und Charakterisierungen der Menschen gehen wirklich über Plattitüden hinaus und auf keinen Fall sollte man sich die Abschnitte "Gelbbein", die von einer einsamen Wölfin handeln, sparen, denn sie geben dem Roman noch das gewisse Etwas! Übrigens habe ich den Vorgängerroman "Sonnensturm" nicht gelesen, habe mich aber trotzdem zurechtgefunden. Uneingeschränkt zu empfehlen! |
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Tannöd von Andrea Maria SchenkelBroschiert von btb TBPreis bei Amazon: EUR 7,00, Angebote ab EUR 2,07 ![]() 3 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3442736730, Erscheinungsdatum: März 2008 |
Amazon.de-HörbuchrezensionDie von Monica Bleibtreu besorgte, ungekürzte und mit dem Hörbuchpreis 2007 ausgezeichnete Hörbuch-Lesung von Andrea Maria Schenkels Überraschungs-Bestseller Tannöd ist ein echtes Hörereignis. Denn Bleibtreu liest die Geschichte um den sechsfachen Mord an der eigenbrötlerischen Bauernfamilie Danner und ihrer neuen Magd, die in den fünfziger Jahren auf ihrem abgelegenen Hof gefunden werden -- und die sich im Verlauf der Handlung zur gruseligen Fabel über Schuld und Verstrickung, sexuelles Begehren, Abhängigkeit und grausame Rache weitet --, derart beeindruckend, dass man sich eine bessere Umsetzung gar nicht hätte vorstellen können. Deshalb mag diese gewissermaßen nachgeschobene NDR-Hörspiel-Produktion zunächst einmal überflüssig erscheinen. Skeptische Hörer allerdings werden bereits nach den ersten Minuten eines besseren belehrt. Denn der renommierte Regisseur Norbert Schaeffer hat sich Schenkels Text mit aller Freiheit vorgenommen, um ihn auf seine zentralen akustischen Stellen -- die Aussagen und Stellungnahmen von Zeugen, Dorfbewohnern, Opfern und des Mörders -- zu reduzieren. Fast scheint es, als habe er Schenkels Quellen aus den Gerichtsprotokollen des Original-Falls rekonstruieren wollen. So wohnt der Hörer in gewisser Weise der Verhandlung bei, die die Gründe für die mit einer Spitzhacke begangene Bluttat Schlag auf Schlag offen legt. Aus zahlreichen, mit Udo Wachtveitl, Jörg Hube oder Elisabeth Tscharke und anderen im übrigen ebenso prominent wie trefflich besetzten Stimmen schafft sein Tannöd ganz ohne Erzählerkommentar (aber mit geschickt eingespielten Gebetssequenzen) eine bedrückende Montage, die die durch Katholizismus und Bigotterie geprägte, deprimierende dörfliche Atmosphäre hörbar macht, in der dieses unfassbare Verbrechen geschah. -- Thomas Köster, Literaturanzeiger.de 5 Kundenrezensionen:Einfach nur ein Script für eine TV-Doku-Fiction 2 von 5 PunktenDie Geschichte ist schnell erzählt und kommt nur deshalb auf über hundert Seiten, weil sie durch seitenweise Gebetslitaneien gestreckt wird. Eine Familie wird ermordert. Das Motiv bleibt zunächst im Dunkeln. Die Auflösung am Ende ist nicht wirklich überraschend. Außergewöhnlich an diesem schmalen Büchlein ist zunächst nur die Erzählform, die wie ein Script daherkommt - für eine TV-Doku-Fiction eines reisserischen Magazins bei RTL oder RTL II. Ein kleines Mädchen berichtet, dass ihre Schulfreundin am Montag nicht zum Unterricht erschienen ist, und zwar so, als würde sie es einem Reporter erzählen. Schnitt, nächstes Kapitel. Der mutmaßliche Mörder, dessen Identität erst mal verborgen bleibt, sitzt frühmorgens an seinem Küchentisch und trinkt Kaffee, bevor er sich zum Kühemelken aufmacht. Schnitt, nächstes Kapitel. Die Schwester der ermordeten Dienstmagd macht sich Vorwürfe, weil sie davon überzeugt ist, schon im Voraus etwas Schreckliches geahnt zu haben. Schnitt, nächstes Kapitel. Und so weiter und so fort. Dazwischen immer wieder Gebete. Das ist ein paar Seiten lang originell und im Übrigen auch atmosphärisch gut getroffen. Aber vom Melkschemel haut einen die Lektüre gewiss nicht runter! Enttäuschend 1 von 5 PunktenIch habe das Buch an der Kassa eines Supermarktes gekauft, weil ich einfach neuen Lesestoff gesucht habe und der Klappentext ja ganz ansprechend geklungen hat. Die Enttäuschung war dann groß. Viel zu kurz, eine an sich bestimmt gute Geschichte wurde lieblos erzählt, kaum Spannung. Klar, ich habe mich bei ein paar Szenen an meine Kindheit am Land erinnert, aber das reicht nicht aus, um den Hype um diese Buch zu erklären. Keine Ahnung, was daran so großartig sein soll. Mord im Perspektivenwechsel 4 von 5 PunktenIch habe das Buch in nur zwei Tagen gelesen - verschlungen, wäre wohl der falsche Ausdruck. Was man der Autorin wirklich zugute halten muss ist, dass sie versteht, den Spannungsbogen zu halten und sich mit ihrem Krimi im ständigen Perspektivenwechsel auf Neuland begeben hat. Das allerdings, muss man mögen, denn dadurch wird man immer wieder aus dem Innenleben der Protagonisten gerissen und muss sich in jedem Kapitel neu eingewöhnen. An irgendeinem Punkt allerdings übernimmt die Tat an sich die Hauptrolle ein und man liest nicht mehr aus dem Gefühl, der Mitwirkenden heraus sondern aus dem Gefühl der Tat heraus. Ohne Frage sehr gut geschrieben, der ständige Perspektivenwechsel ist allerdings nicht jedermanns Sache. fad 2 von 5 PunktenNicht sehr spannend und mit nur 120 Seiten eindeutig zu kurz. Atmosphärische Dichte, Beklemmung, Sogwirkung etc, die in der Presse beschrieben wurden ... Nein, kann ich alles nicht nachvollziehen Beklemmendes aus Bayern 5 von 5 PunktenNatürlich ist es eine falsche Fährte, auf die der Verlag den konventionellen Leser führt, wenn Andrea Maria Schenkels Experimentalprosa als Kriminalroman verkauft wird. Das kann nur zu Ernüchterung und Enttäuschung führen. Gleichwohl ist Schenkels Buch brillant, ihre Montagetechnik und ihre Imitation der Alltagssprache der verschiedenen Zeugen, deren Aussagen den Fall rekonstruieren, gelungen. Am meisten beeindruckt das Psychogramm des Täters, fast ist man geneigt zu sagen: des Dämons in ihm, den er am Ende ja auch selbst zu erkennen glaubt. Authentizität als Kunstform, so könnte man Schenkels Montagekunst charakterisieren: Jede Figur in dem Roman ist psychologisch glaubhaft skizziert, besser gesagt: skizziert sich quasi selbst. Denn immer vermeint man realen Personen, realen Zeugenaussagen zuzuhören. Das macht dieses Buch so fesselnd, so ergreifend. (Ganz neu ist diese Art der Darstellung übrigens nicht: Schon Didiers "König ohne Krone", erschienen 2001, dem freilich weniger großer kommerzieller Erfolg beschieden war, lebte von den Zeugenaussagen eines verurteilten Triebtäters.) Am stärksten wirkt der Roman zweifellos in der Hörbuchfassung von Monica Bleibtreu, die jeder Figur durch Stimmführung und Diktion ein eigenes Profil verleiht und damit die Qualität der Psychologisierung durch die Autorin noch unterstreicht. Am Ende der Lektüre wird sich der Leser nur der Bitte in den leitmotivisch das Textkorpus durchwirkenden Gebete anschließen können: "Erlöse sie, oh Herr!" |
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Der schwarze Steg von Åsa LarssonBroschiert von BtbPreis bei Amazon: EUR 9,00 ISBN: 3442738628, Erscheinungsdatum: Januar 2009 |
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